Belo Monte: Euer Profit zerstört unser Leben

Protestmarsch Indigener gegen den Belo Monte-Staudamm in Brasilien Demo gegen Belo Monte - die Indigenen am Fluss Xingu ringen um ihre Lebensgrundlage (Foto: V. Glass)
42.185 Teilnehmer

Ende der Aktion: 20.05.2014

Mehrere Firmen aus dem deutschsprachigen Raum sind maßgeblich am Bau des Megastaudamms Belo Monte in Brasilien beteiligt. Die indigene Bevölkerung am Fluss Xingu und der Schutz des Amazonas-Regenwaldes bleiben dabei auf der Strecke. Fordern Sie die beteiligten Firmen auf, sich aus dem Projekt zurückzuziehen!

Appell

An: die Geschäftsführung von Voith Hydro, Siemens, Alstom, Andritz, Daimler und Münchener Rück

„Rückzug europäischer Firmen aus dem Staudammprojekt Belo Monte“

Ganzes Anschreiben lesen

Die Zerstörung am Fluss Xingu hat bereits begonnen. Bagger tragen den fruchtbaren Boden ab, der einst die gewaltigen Baumriesen nährte. Menschen werden bedroht und vertrieben. Bis zu 25.000 Familien könnten ihre Heimat verlieren.

Belo Monte soll das drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt werden. Mit sauberer Energie hat das Projekt allerdings nichts zu tun. Denn 600 km² Regenwald sollen dafür geflutet werden. Durch die verfaulenden Pflanzen würden gigantische Mengen an Treibhausgasen freigesetzt. Dabei ist das riesige Wasserkraftwerk noch nicht einmal aus wirtschaftlicher Perspektive rentabel – während der drei- bis fünfmonatigen Trockenzeit wird es gerade einmal 10 Prozent seiner geplanten Energiekapazität von 11.000 Megawatt produzieren.

Milliarden-Profite für europäische Firmen

Hierzulande verdient die Industrie gut an diesem Umwelt- und Menschenrechts-Desaster. Rund 1,3 Milliarden Euro fließen an europäische Firmen. Allein Voith Hydro, ein Joint Venture von Voith und Siemens, hat ein Auftragsvolumen von 443 Millionen Euro bekommen.

Mega-Staudämme für ein Mega-Wachstum

Die brasilianische Regierung erhofft sich von dem Megaprojekt ein starkes Wirtschaftswachstum. Immer deutlicher zeigt sich allerdings, dass es nicht primär um den Staudamm an sich, sondern um die wirtschaftliche Erschließung der Region im Allgemeinen geht, unter anderem zur Gewinnung von Gold und anderen wertvollen Ressourcen. Und der Belo Monte-Staudamm wird kein Einzelprojekt bleiben – ihm sollen in den nächsten Jahren 150 weitere Staudämme in ganz Amazonien folgen.

Bitte fordern Sie die europäischen Firmen auf, aus Belo Monte und weiteren unethischen Staudamm-Projekten auszusteigen, sofern sich nichts an der Missachtung von Umweltauflagen und Menschenrechten ändert.

Hinter­gründe

Mehr Informationen rund um Belo Monte und andere zerstörerische Staudammprojekte: www.gegenstroemung.org

Zum Film "Count-down am Xingu" über den Kamp gegen Belo Monte

 

Weltstaudammkommission

Die Weltstaudammkommission nahm im Mai 1998 die Arbeit auf, nachdem Proteste Projekt-betroffener gegen die negativen Folgen von Großstaudämmen immer mehr zunahmen und auch die Weltbank für ihre Finanzierung von Dämmen kritisierten. Sie war aus WissenschaftlerInnen, ProjektkritikerInnen und Unternehmensvertretern besetzt. Auftrag der Kommission war es,

a) die Wirksamkeit von Großstaudämmen im Entwicklungsprozess zu prüfen und Alternativen für die Nutzung von Wasserressourcen und zur Energiegewinnung zu begutachten sowie

b) international annehmbare Kriterien für Planung, Bau und Betrieb von Staudämmen zu entwickeln, die sie im November 2000 in einem Bericht vorstellte. 

Hierzu gehören unter anderem

- die Gewinnung öffentlicher Akzeptanz

- die umfassende Prüfung von Optionen

- der Nutzen bestehender Dämme muss verbessert werden

- die Erhaltung von Flüssen als Existenzgrundlage

-  die Anerkennung von Ansprüchen und gerechte Teilung des Nutzens

- die Einhaltung von Verpflichtungen und Vereinbarungen

- der gemeinsame Nutzen von Flüssen zugunsten von Entwicklung, Frieden und Sicherheit

 

Diese Aktion wird von einem Bündnis folgender Organisationen getragen:

- GegenStrömung

- Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika e.V. (FDCL)

- Gesellschaft für bedrohte Völker e. V.

- KoBra e.V.

- Incomindios

- POEMA e. V.

- Urgewald e. V.

- Regenwald Institut e. V.

- Campo Limpo, Solidarität mit Brasilien e.V.

- Brasilieninitiative Freiburg e.V.

- Arbeitskreis Internationalismus der IG Metall Verwaltungsstelle Berlin

- GRÜNE LIGA e.V.

- Survival International e. V.

- infoe e.V. (Institut für Ökologie und Aktions-Ethnologie)

- Rettet den Regenwald e.V.

An­schreiben

An: die Geschäftsführung von Voith Hydro, Siemens, Alstom, Andritz, Daimler und Münchener Rück

Sehr geehrter Herr Dr. Münch, sehr geehrter Herr Löscher, sehr geehrter Herr Wittke, sehr geehrter Herr Leitner, sehr geehrter Herr Dr. Zetsche, sehr geehrter Herr Dr. von Bomhard,

die verheerenden Auswirkungen des Belo Monte-Staudamms beunruhigen mich. Durch Ihre Beteiligung an dem Projekt sind Sie dafür mit verantwortlich.

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat im März 2012 festgestellt, dass bei dem Projekt die Rechte der indigenen Bevölkerung verletzt werden. Das Staudammprojekt Belo Monte entzieht den EinwohnerInnen der Region um Altamira und an der großen Flussschlinge des Xingu ihre Lebensgrundlage. Brasilien verstößt mit den Baumaßnahmen gegen geltendes nationales und internationales Recht.

Desweiteren kann der Bau von Belo Monte nicht als Beitrag zu sauberer Energie gewertet werden. Im Gegenteil: Die Zerstörung von Regenwald, die mit diesem Projekt einhergeht (durch den Bau selbst, aber auch durch illegale Rodungen durch ZuwandererInnen), wirkt beschleunigend auf die globale Erwärmung. Das Amazonasgebiet ist eines der sensibelsten Ökosysteme der Erde und wirkt stabilisierend auf das globale Klima. Eine Zerstörung ist nicht umkehrbar und zeigt die Missachtung der Rechte künftiger Generationen.

Bei der Entscheidung für Belo Monte wurden energiepolitische Alternativen mit geringeren Auswirkungen nicht ausreichend geprüft. Wir fordern Sie eindringlich auf, sich aus dem Belo Monte-Projekt zurückzuziehen. Um den guten Ruf Ihrer Firmen zu erhalten, müssen Sie sich zur Einhaltung internationaler Umwelt- und Menschenrechtsstandards verpflichten und entsprechende Leitlinien sowie Menschenrechts- und Umweltprüfungen in Ihrem Unternehmen etablieren, die eine Beteiligung an zerstörerisch wirkenden Projekten wie Belo Monte in Zukunft ausschließen. Die Einhaltung der Empfehlungen der Weltstaudammkommission sollte bei Staudammprojekten eine Mindestvoraussetzung sein.

Mit freundlichen Grüßen

5-Minuten-Info zum Thema: Aluminium

Die Ausgangslage – Aluminium, das Alltagsmetall

Rostfrei, leicht formbar und bei gleicher Festigkeit nur halb so schwer wie Stahl – diese Produkteigenschaften sind es, die Aluminium im Konstruktions- und Transportbereich so beliebt machen. Mehr als die Hälfte der weltweiten Aluminiumproduktion fließt in diese Sektoren. In Deutschland ist die Autoindustrie der größte Aluminiumverbraucher: Rund 150 Kilogramm des Leichtmetalls sind in jedem PKW verbaut.

Etwa 20% des Aluminiums stecken in Verpackungen: In Kaffeekapseln, Konservendosen und Joghurtdeckeln punktet das Metall durch seine Lichtundurchlässigkeit und Geschmacksneutralität.
Aluminium wird außerdem als Antitranspirant in Deos eingesetzt, reguliert die Beschaffenheit von Cremes und ist Bestandteil von Medikamenten.

Die Nachfrage nach dem Alleskönner Aluminium ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Mit verheerenden Folgen.

Die Auswirkungen – Aluminium, der rote Tod

Zwar ist Aluminium das häufigste Metall der Erdkruste, jedoch kommt es nur in gebundener Form vor. Die Herstellung des glänzenden Aluminiums aus dem Ausgangsmaterial Bauxit bringt zahlreiche Umweltprobleme mit sich:

  1. Regenwaldrodungen für den Bauxitabbau
    Ein großer Teil der Bauxitvorkommen lagert in den Regenwaldländern. Um an die dünne Gesteinsschicht unter der Erdoberfläche zu gelangen, werden in Australien, Indonesien, Brasilien und Guinea riesige Waldflächen gerodet und der Boden abgetragen. Im brasilianischen Porto Trombetas wird Jahr um Jahr eine Fläche in der Größe von 250 Fußballfeldern gerodet, um Platz für den Bauxitabbau zu machen.

  2. Giftige Abfallprodukte
    In aufwendigen chemischen Verfahren wird aus dem Bauxit Aluminium gewonnen. Dabei fallen pro Tonne Aluminium bis zu vier Tonnen giftiger, durch eisenreiche Verbindungen rotgefärbter, Schlamm an. Gelagert wird der sogenannte Rotschlamm in riesigen, offenen Auffangbecken. Regelmäßig kommt es zu Lecks oder Dammbrüchen der Deponiebecken; dann überströmen die stark ätzenden Schlammassen oft ganze Dörfer. Toxische Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Quecksilber verwandeln vormals lebendige Flüsse in giftige Todeszonen. Doch auch ohne große Unfälle kommt es zum Eintrag von Umweltgiften in Luft, Böden und Gewässern: Die in der Umgebung von Minen und Aluminiumfabriken lebenden Menschen klagen über verseuchtes Trinkwasser, Hautkrankheiten und Fischsterben.

  3. Hoher Energieverbrauch bei der Weiterverarbeitung
    Um eine Tonne Aluminium herzustellen, werden 15 Megawatt-Stunden Strom benötigt – so viel wie ein 2-Personen-Haushalt in fünf Jahren nutzt. Die energieaufwendige Aluminiumproduktion lohnt sich wirtschaftlich nur, wenn sehr viel sehr günstiger Strom zur Verfügung steht. Hierfür werden zum Beispiel in Brasilien gigantische Wasserkraftwerke errichtet und das Land indigener Gemeinden geflutet.

Die negativen Auswirkungen von Aluminium sind nicht nur in den Produktionsländern zu spüren. In Alltagsprodukten bedroht das Metall auch unsere Gesundheit: Aus Aluminiumfolie gelöste Salze, ebenso wie die Alubestandteile in Deodorants und Medikamenten, können sich in unserem Körper anlagern und stehen im Verdacht, Krebs und Alzheimer auszulösen.

Die Lösung – Unverpackt gut

Aluminium ist in unserem Alltag allgegenwärtig. Die Aluminiumproduktion ist zwischen 2009 und 2016 um knapp 60% auf 58,3 Millionen Tonnen pro Jahr angestiegen – nicht zuletzt für Produkte des täglichen Lebens. Gerade deshalb besteht ein großes Einsparpotential.

  1. Selbst gemacht und clever verpackt: Gemüsedöner in Aluminiumfolie, Müsliriegel in Mehrschichtverpackungen - Gerade das Essen für unterwegs kommt oft im Alu-Mäntelchen daher. Snacks für Büro und Schule lassen sich mit ein bisschen Planung zu Hause vorbereiten. Wer Brotboxen statt Alupapier zum Verpacken verwendet und Mehrwegflaschen (mit selbst zubereitetem Eistee) der Getränkedose vorzieht, kann viel Verpackungsmüll einsparen.

  2. Kaffee ohne Kapselmüll: Ein Kilogramm Kapselkaffee kostet den Verbraucher bis zu 80 €. Ein teures Vergnügen – auch für die Umwelt. Für sechs bis sieben Gramm Kaffee werden bis zu drei Gramm Verpackungen gebraucht. 8.000 Tonnen Kapselmüll fallen in Deutschland pro Jahr an. Günstiger und umweltschonender brüht man Kaffee mit einer Durchdrückkanne (French Press) oder einer Espressomaschine aus Edelstahl für die Herdplatte. Für Vieltrinker lohnt sich ein Vollautomat.

  3. Ein zweites Leben: Nicht immer lassen sich Aluminiumhüllen vermeiden. Der Rohstoff aus Medikamentenverpackungen & Co. kann aber theoretisch unbegrenzt wiederverwendet werden – sofern er von uns richtig entsorgt wird (Gelber Sack/ Gelbe Tonne).

  4. Weiternutzen statt wegwerfen: Computergehäuse, Alu-Regal, Teppichleisten – das Metall steckt in zahlreichen Haushaltsgegenständen. Wer in hochwertige Produkte investiert und diese so lange nutzt wie möglich, kann seinen Aluminium-Fußabdruck verringern.

  5. Unterwegs ohne Aluminium-Auto: Die bis zu 150 Kilogramm Aluminium, die in einem Auto verbaut sind, können ein gutes Argument gegen einen Neuwagen und für den Umstieg auf Fahrrad, Bus und Bahn sein.

  6. Gesund ohne Aluminium: Wer den eigenen Körper schützen möchte, greift auf alufreie Naturkosmetik zurück und wählt ein Deo ohne Aluminiumsalze (z.B. auf Natronbasis). Für Medikamente mit Aluminium (z.B. gegen Sodbrennen) können Apotheker oft Alternativen empfehlen. Keinesfalls sollten säurehaltige Lebensmittel in Aluminiumfolie gelagert werden: schädliche Aluminiumsalze könnten in die Lebensmittel übergehen, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung.

  7. Unterrichten und Unterzeichnen: Was haben Kaffeekapseln mit Regenwaldzerstörung zu tun? Die Weitergabe von Informationen von unserer Website oder aus dem Regenwaldreport hilft, über die Gefahren von Aluminium aufzuklären. Sinkt die Nachfrage nach den Produkten, können die Unternehmen zum Umdenken bewegt werden. Online-Proteste üben zusätzlichen Druck aus.