Stoppt den Raubbau in Tansanias Bergen

Wird der Wald weiter zerstört, droht das gesamte Areal mit über 250.000 Einwohnern zu vertrocknen.
56.420 Teilnehmer

Ende der Aktion: 19.05.2014

Das Land rund um Chome im Norden Tansanias trocknet aus. Schuld daran ist der illegale Raubbau in den Shengena-Bergen, zu deren Füßen das Dorf liegt. Mit riesigen Baggern baut dort eine dubiose Firma Bauxit ab – und zerstört die Wasserquelle der gesamten Region. Helfen Sie den Bewohnern, ihr Land zu retten

Appell

An: Die Regierung von Tansania, Präsident Jakaya Kikwete

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Dichte Wälder überziehen die Shengena-Berge. Sie sind die Lebensgrundlage für die umliegenden Dörfer, beherbergen seltene Tier- und Pflanzenarten und umschließen das Waldschutzgebiet Chome Forest Reserve. Vor allem aber versorgen sie die gesamte Region Same mit Wasser – bislang. Denn auf dem Gebirgskamm sind die Bäume blanker roter Erde gewichen. Eine dubiose Firma mit wechselnden Namen fördert hier Bauxit. Derzeit nennt sie sich Willy Enterprise LTD.

Den roten Rohstoff für die Aluminiumindustrie bringen große Lastwagen ins Tal. Für den Abtransport wurde eigens eine Straße in den Berg gekerbt, sie erleichtert nun auch illegalen Wilderern und Holzfällern den Zugang in den fruchtbaren Wald. Der Rohstoff wird in das Nachbarland Kenia geschafft und von dort nach Asien verschifft.

Die gesamte Region droht auszutrocknen, wenn die Wasserquelle in den Bergen versiegt. Landwirtschaft wäre dann unmöglich, schon jetzt klagen die Bauern über immer schmalere Ernten. Der Raubbau droht ihnen ihre Lebensgrundlagen zu nehmen.

Die Bauxit-Firma arbeitet illegal – ohne das Einverständnis der Anwohner, denen das Land laut tansanischem Gesetz gehört, und mit einem so genannten Vertrag voller gefälschter Unterschriften und schwammigen Formulierungen. Seit Juni 2012 verstößt sie auch gegen ein staatlich verhängtes Abbauverbot. Doch der Raubbau geht weiter.

Möglich mache das die Korruption, sind sich die Anwohner sicher. Einige von ihnen haben sich zu einer Protestgruppe zusammengeschlossen, doch ohne Hilfe sind sie machtlos gegen eine Firma, die mit Schmiergeldern Schweigen erkauft. „Wir vertrauen auf Gott, denn einen Anwalt können wir uns nicht leisten", sagen sie.

Helfen Sie den Bewohnern, sich gegen die Zerstörung Ihres Landes zu wehren und schreiben Sie der tansanischen Regierung.

Hinter­gründe

Die Regierung von Tansania (Ministerium für natürliche Ressourcen und Tourismus) hat bei der UNESCO den Antrag gestellt, den "östlichen Ring der Berwälder Tansanias" als Weltnaturerbe anzuerkennen. Auch das Waldschutzgebiet von Chome gehört dazu.

Werden die Wälder weiter zerstört, droht nicht nur das gesamte Areal mit über 250.000 Einwohnern zu vertrocknen, auch die Biodiversität wäre bedroht.

An­schreiben

An: Die Regierung von Tansania, Präsident Jakaya Kikwete

Sehr geehrte Damen und Herren,

lassen Sie nicht länger zu, dass Mensch und Natur in Ihrem Land unter der Rohstoffgier anderer leiden müssen. Stoppen Sie den illegalen Bauxit-Abbau in den Shengena-Bergen im Norden Tansanias. Er zerstört nicht nur das einzigartige Ökosystem sondern auch die Wasserquelle der gesamten Region Same. Schon jetzt klagen die Bewohner des Dorfes Chome über zu wenig Wasser, um ihre Felder fruchtbar halten zu können. Wenn Sie dem Raubbau nicht Einhalt gebieten, droht das gesamte Areal zu vertrocknen. Landwirtschaft wäre dann kaum noch möglich, vor allem die ländliche Bevölkerung wird ihrer Ernährungsgrundlage beraubt.

Ihre Regierung hat den Raubbau nahe des Dorfes Chome bereits verboten, wieso rollen die Lastwagen dennoch ungehindert weiter aus den Bergen ins Tal? Die Menschen aus der Umgebung berichten von hohen Schmiergeldzahlungen, mit denen die Abbaufirma, derzeit bekannt unter dem Namen Willy Enterprise, ihre Feinde mundtot machen. Korruption öffnet dem Raubbau Tür und Tor, trotz erheblicher formaler und juristischer Mängel:

Der Vertrag zwischen den Anwohnern und der Abbaufirma enthält gefälschte Namen und Unterschriften. Mehrfach taucht die Formulierung „etc.“ auf, die beinahe unbegrenzten Spielraum offen lässt.

Die Anwohner haben nie ihr Einverständnis zu dem Projekt gegeben und wurden zu keinem Zeitpunkt in die Planungen mit einbezogen – obwohl ihnen das Land per Gesetz gehört.

Eine unabhängige Umweltverträglichkeitsprüfung des Tagebaus wurde niemals durchgeführt. Sie hätte unweigerlich zu einem Verbot des Abbaus an dieser Stelle geführt. Stattdessen benutzt die Firma ein gefälschtes Zertifikat von einem dafür nicht autorisierten Unternehmen, wie die tansanische Zeitung Raia Mwema berichtet.

Darüber hinaus verfügt die Firma über keine Gewerbeerlaubnis, so die Zeitung weiter. Damit ist auch fraglich, ob sie Steuern für den Bauxit-Abbau verrichtet.

Der Tagebau schädigt zudem das Ökosystem des angrenzenden Waldschutzgebietes Chome Forest Reserve, das den Wald doch eigentlich vor genau solchen Einflüssen schützen sollte. Für den Abtransport des Bauxits wurde eigens eine Straße in den Berg gekerbt, die nun auch Wilderern und Holzfällern den Zugang in den fruchtbaren Wald erleichtert.

In Solidarität mit den Bewohnern der nördlichen Bergregion Tansanias bitte ich Sie, den Raubbau endgültig zu stoppen und so die Existenzgrundlage der Menschen zu retten.

Mit freundlichen Grüßen

5-Minuten-Info zum Thema: Aluminium

Die Ausgangslage – Aluminium, das Alltagsmetall

Rostfrei, leicht formbar und bei gleicher Festigkeit nur halb so schwer wie Stahl – diese Produkteigenschaften sind es, die Aluminium im Konstruktions- und Transportbereich so beliebt machen. Mehr als die Hälfte der weltweiten Aluminiumproduktion fließt in diese Sektoren. In Deutschland ist die Autoindustrie der größte Aluminiumverbraucher: Rund 150 Kilogramm des Leichtmetalls sind in jedem PKW verbaut.

Etwa 20% des Aluminiums stecken in Verpackungen: In Kaffeekapseln, Konservendosen und Joghurtdeckeln punktet das Metall durch seine Lichtundurchlässigkeit und Geschmacksneutralität.
Aluminium wird außerdem als Antitranspirant in Deos eingesetzt, reguliert die Beschaffenheit von Cremes und ist Bestandteil von Medikamenten.

Die Nachfrage nach dem Alleskönner Aluminium ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Mit verheerenden Folgen.

Die Auswirkungen – Aluminium, der rote Tod

Zwar ist Aluminium das häufigste Metall der Erdkruste, jedoch kommt es nur in gebundener Form vor. Die Herstellung des glänzenden Aluminiums aus dem Ausgangsmaterial Bauxit bringt zahlreiche Umweltprobleme mit sich:

  1. Regenwaldrodungen für den Bauxitabbau
    Ein großer Teil der Bauxitvorkommen lagert in den Regenwaldländern. Um an die dünne Gesteinsschicht unter der Erdoberfläche zu gelangen, werden in Australien, Indonesien, Brasilien und Guinea riesige Waldflächen gerodet und der Boden abgetragen. Im brasilianischen Porto Trombetas wird Jahr um Jahr eine Fläche in der Größe von 250 Fußballfeldern gerodet, um Platz für den Bauxitabbau zu machen.

  2. Giftige Abfallprodukte
    In aufwendigen chemischen Verfahren wird aus dem Bauxit Aluminium gewonnen. Dabei fallen pro Tonne Aluminium bis zu vier Tonnen giftiger, durch eisenreiche Verbindungen rotgefärbter, Schlamm an. Gelagert wird der sogenannte Rotschlamm in riesigen, offenen Auffangbecken. Regelmäßig kommt es zu Lecks oder Dammbrüchen der Deponiebecken; dann überströmen die stark ätzenden Schlammassen oft ganze Dörfer. Toxische Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Quecksilber verwandeln vormals lebendige Flüsse in giftige Todeszonen. Doch auch ohne große Unfälle kommt es zum Eintrag von Umweltgiften in Luft, Böden und Gewässern: Die in der Umgebung von Minen und Aluminiumfabriken lebenden Menschen klagen über verseuchtes Trinkwasser, Hautkrankheiten und Fischsterben.

  3. Hoher Energieverbrauch bei der Weiterverarbeitung
    Um eine Tonne Aluminium herzustellen, werden 15 Megawatt-Stunden Strom benötigt – so viel wie ein 2-Personen-Haushalt in fünf Jahren nutzt. Die energieaufwendige Aluminiumproduktion lohnt sich wirtschaftlich nur, wenn sehr viel sehr günstiger Strom zur Verfügung steht. Hierfür werden zum Beispiel in Brasilien gigantische Wasserkraftwerke errichtet und das Land indigener Gemeinden geflutet.

Die negativen Auswirkungen von Aluminium sind nicht nur in den Produktionsländern zu spüren. In Alltagsprodukten bedroht das Metall auch unsere Gesundheit: Aus Aluminiumfolie gelöste Salze, ebenso wie die Alubestandteile in Deodorants und Medikamenten, können sich in unserem Körper anlagern und stehen im Verdacht, Krebs und Alzheimer auszulösen.

Die Lösung – Unverpackt gut

Aluminium ist in unserem Alltag allgegenwärtig. Die Aluminiumproduktion ist zwischen 2009 und 2016 um knapp 60% auf 58,3 Millionen Tonnen pro Jahr angestiegen – nicht zuletzt für Produkte des täglichen Lebens. Gerade deshalb besteht ein großes Einsparpotential.

  1. Selbst gemacht und clever verpackt: Gemüsedöner in Aluminiumfolie, Müsliriegel in Mehrschichtverpackungen - Gerade das Essen für unterwegs kommt oft im Alu-Mäntelchen daher. Snacks für Büro und Schule lassen sich mit ein bisschen Planung zu Hause vorbereiten. Wer Brotboxen statt Alupapier zum Verpacken verwendet und Mehrwegflaschen (mit selbst zubereitetem Eistee) der Getränkedose vorzieht, kann viel Verpackungsmüll einsparen.

  2. Kaffee ohne Kapselmüll: Ein Kilogramm Kapselkaffee kostet den Verbraucher bis zu 80 €. Ein teures Vergnügen – auch für die Umwelt. Für sechs bis sieben Gramm Kaffee werden bis zu drei Gramm Verpackungen gebraucht. 8.000 Tonnen Kapselmüll fallen in Deutschland pro Jahr an. Günstiger und umweltschonender brüht man Kaffee mit einer Durchdrückkanne (French Press) oder einer Espressomaschine aus Edelstahl für die Herdplatte. Für Vieltrinker lohnt sich ein Vollautomat.

  3. Ein zweites Leben: Nicht immer lassen sich Aluminiumhüllen vermeiden. Der Rohstoff aus Medikamentenverpackungen & Co. kann aber theoretisch unbegrenzt wiederverwendet werden – sofern er von uns richtig entsorgt wird (Gelber Sack/ Gelbe Tonne).

  4. Weiternutzen statt wegwerfen: Computergehäuse, Alu-Regal, Teppichleisten – das Metall steckt in zahlreichen Haushaltsgegenständen. Wer in hochwertige Produkte investiert und diese so lange nutzt wie möglich, kann seinen Aluminium-Fußabdruck verringern.

  5. Unterwegs ohne Aluminium-Auto: Die bis zu 150 Kilogramm Aluminium, die in einem Auto verbaut sind, können ein gutes Argument gegen einen Neuwagen und für den Umstieg auf Fahrrad, Bus und Bahn sein.

  6. Gesund ohne Aluminium: Wer den eigenen Körper schützen möchte, greift auf alufreie Naturkosmetik zurück und wählt ein Deo ohne Aluminiumsalze (z.B. auf Natronbasis). Für Medikamente mit Aluminium (z.B. gegen Sodbrennen) können Apotheker oft Alternativen empfehlen. Keinesfalls sollten säurehaltige Lebensmittel in Aluminiumfolie gelagert werden: schädliche Aluminiumsalze könnten in die Lebensmittel übergehen, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung.

  7. Unterrichten und Unterzeichnen: Was haben Kaffeekapseln mit Regenwaldzerstörung zu tun? Die Weitergabe von Informationen von unserer Website oder aus dem Regenwaldreport hilft, über die Gefahren von Aluminium aufzuklären. Sinkt die Nachfrage nach den Produkten, können die Unternehmen zum Umdenken bewegt werden. Online-Proteste üben zusätzlichen Druck aus.