Aktion: Die Bienen brauchen Eure Hilfe jetzt

Eine Biene fliegt zu einer Blüte. Darüber der Schriftzug "Bayer bedroht Bienen" Bienen sind durch Neonikotinoide bedroht (Flickr/phgaillard2001 - Lizenz CC BY-SA 2.0) (© Flickr/phgaillard2001 - (CC BY-SA 2.0))
208.439 Teilnehmer

Ende der Aktion: 17.03.2020

Pestizide gefährden das Überleben der Bienen. Insbesondere Neonikotinoide werden mit dem Bienesterben in Verbindung gebracht. Trotzdem wehren sich Hersteller wie BASF, Bayer und Syngenta gegen Auflagen und Verbote. Bitte unterzeichnen Sie unsere Petition für die Bienen

News und Updates Appell

An: Firmenchefs und zuständigen Manager der Firmen BASF, Bayer und Syngenta

„Die Bienen brauchen Schutz vor Pestiziden. Akzeptieren Sie das EU-Verbot Ihrer hochgiftigen Spritzmittel.“

Ganzes Anschreiben lesen

Unermüdlich fliegen die Bienen von Blüte zu Blüte. Für Mensch und Natur hat ihr Fleiß unschätzbaren Wert: Sie liefern Honig und bestäuben Billionen Blüten, die dann zu Samenkörnern, Schoten, Nüssen oder Früchten reifen. Weltweit werden zwei Drittel unserer Nahrungsmittelpflanzen von Bienen bestäubt.

Doch immer mehr Bienenvölker sterben. Als Hauptursache gelten eingeschleppte Parasiten, die industrialisierte Landwirtschaft und Pestizide.

Besonders die Substanzgruppe der Neonikotinoide wird mit dem Bienensterben in Verbindung gebracht. Mit den Nervengiften behandelt die Agrarindustrie die Samenkörner von Mais, Raps und Weizen gegen Insektenfraß. Die Chemiesamen werden dann auf den Äckern ausgesät – mit tödlichen Folgen nicht nur für Bienen.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat Risikobewertungen für Neonikotinoide und die Substanz Fipronil erstellt und sieht „hohe akute Risiken". Seit Dezember 2013 hat die EU die Pestizide von Bayer und Syngenta für zwei Jahre verboten, der Einsatz von Fipronil von BASF wurde stark eingeschränkt.

Weiter

Doch die Chemiekonzerne wollen weiter Kasse machen. Zwei Milliarden Euro bringen ihnen die Neonikotinoide pro Jahr. Um die Verbote zu kippen, klagen Bayer, BASF und Syngenta gegen die EU. Mit PR-Kampagnen versuchen die Firmen die Öffentlichkeit zu täuschen.

Im Dezember 2014 hat Bayer die Naturschutzorganisation BUND verklagt, weil die zwei Produkte als bienengefährdend kritisiert hatte. Der Konzern hat den Prozess allerdings verloren. Damit ist dieser Versuch gescheitert, Kritik abzuwürgen.

Wie eine Zukunft ohne Bienen aussieht, ist in China sichtbar. Dort müssen schon jetzt Arbeiter die Blüten mit Pinseln bestäuben.

Bitte lassen Sie es nicht so weit kommen und geben Sie den Bienen eine Stimme.

Hinter­gründe

Bienensterben im Rheintal

Schon seit Jahren wird das Bienensterben immer wieder in Verbindung mit den Spritzmitteln aus der Substanzgruppe der so genannten Neonikotinoide gebracht. Diese enthalten die Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam.

Im April 2008 ereignete sich im Rheintal ein massives Bienensterben. 11.000 Bienenvölker wurden geschädigt oder starben ab. Als Quelle galten Spritzmittel wie "Poncho" (Wirkstoff Clothianidin) von Bayer, die zur Saatgutbeizung bei Mais verwendet wurden. Zeitgleich mit der Aussaat der behandelten Samenkörner begannen die Bienen abzusterben. Insgesamt wurden damals die Zulassungen von acht Saatgutbehandlungsmitteln vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Deutschland zurückgenommen.

Wirksamkeit der Spritzmittel auf Bienen und andere Bestäuber

Nur höchstens ein Fünftel der eingesetzten Saatgutbeizmittel wird von den Pflanzen aufgenommen. Ein Teil gelangt beim Aussäen in die Luft und verteilt sich in der Umgebung, der größte Teil gelangt aber in den Boden. Weiterhin sind die Chemikalien sehr langlebig und reichern sich dadurch in der Umwelt an. Wie sich die Chemikalien in der Umwelt verbreiten und welche Auswirkungen sie haben, ist in der Praxis nur unzureichend untersucht.

Die Spritzmittel sind für Honigbienen hochgiftig, die tödliche Dosis für beispielsweise aufgenommenes Imidacloprid und Clothianidin sind extrem gering (etwa 5 bzw. 4 Nanogramm pro Individuum). Das macht es sehr schwierig, die Vergiftung der Bienen durch die Spritzmittel in der Praxis nachzuweisen.

Außerdem spielen für das Bienensterben auch noch weitere Faktoren eine Rolle. Zum Beispiel andere Quellen der Umweltverschmutzung, Futtermangel in der von Monokulturen dominierten industrialisierten Landwirtschaft oder eingeschleppte Parasiten wie die Varroamilbe.

Auch Singvögel sind in Gefahr

Neue Studien bestätigen, dass Neonikotinoide auch die Singvögel gefähren, und zwar indirekt. Nach den Forschungen niederländischer Wissenschaftler (siehe Artikel Declines in insectivorous birds are associated with high neonicotinoid concentrations im Fachmagazin Nature) finden die Vögel in den Gebieten, in denen Pestizide wie Poncho von Bayer (Wirkstoff Clothianidin) eingesetzt werden, weniger Futterinsekten. Aufgrund des Nahrungsmangels nahmen dort die untersuchten Vogelpopulationen um jährlich 3,5 Prozent ab. Siehe auch Artikel Chemie in der Landwirtschaft: Kein Futter für Singvögel im Spiegel.

Die Konzerne

BASF (Hauptsitz Ludwigshafen, 79 Milliarden Euro Jahresumsatz und Reingewinn 9 Milliarden Euro 2012), Bayer (Hauptsitz Leverkusen, Umsatz 40 Milliarden Euro, 2,4 Milliarden Euro Reingewinn 2012) und Syngenta (Hauptsitz Basel, Umsatz umgerechnet 11 Milliarden Euro, 1,5 Milliarden Euro Reingewinn 2012) sind große, multinationale Konzerne. Sie stellen nicht nur Pestizide her, sondern vermarkten beispielsweise auch das Saatgut. Sie streben eine vollständige Kontrolle über die industrialisierte Nahrungsmittelproduktion an.

Weitere Informationen

Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Die Gesundheit der Honigbiene

Artikel aus der Süddeutschen Zeitung: Bayer klagt gegen Pestizid-Verbot nach Bienensterben

Spiegel-Artikel: Fipronil: BASF klagt gegen Insektizid-Verbot

Studien über die PR-Kampagnen der Konzerne von Friends of The Earth Follow the honey – 7 ways pesticide companies are spinning the bee crisis to protect profit

und von Greenpeace Corporate science fiction - A critical assessment of a Bayer and Syngenta funded HFFA report on neonicotinoid pesticides

Webseite zum Film über Bienen "More than Honey

Artikel Importance of pollinators in changing landscapes for world crops

An­schreiben

An: Firmenchefs und zuständigen Manager der Firmen BASF, Bayer und Syngenta

Sehr geehrte Damen und Herren Firmenmanager,

Bienen sind für das Leben auf der Erde unersetzbar, sie dürfen nicht durch Pestizide gefährdet werden.

Akzeptieren Sie die von der EU zum Schutz der Bienen erteilten Verbote für die Insektizide aus der Gruppe der Neonikotinoide und die Substanz Fipronil und ziehen Sie unverzüglich die Klagen gegen die EU zurück.

Bitte stellen Sie auch Ihre irreführenden PR-Kampagnen für Bienen und Ihre Spritzmittel ein, wie sie Umweltorganisationen in ihren Studien offen legen.

Studien: Friends of the Earth: "Dem Honig folgen (Follow the Honey – 7 ways pesticide companies are spinning the bee crisis to protect profits)" und Greenpeace „Unternehmensfiktion (Corporate Science Fiction - A critical assessment of a Bayer and Syngenta funded HFFA report on neonicotinoid pesticides)"

Mit freundlichem Gruß

5-Minuten-Info zum Thema: Biodiversität

Die Ausgangslage: Warum ist Biodiversität so wichtig?

Biodiversität oder Biologische Vielfalt umfasst drei Bereiche, die sehr eng miteinander verbunden sind: die Artenvielfalt, die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und die Vielfalt der Ökosysteme wie z.B. Wälder oder Meere. Jede Art ist Teil eines hoch komplexen Beziehungsgeflechts. Stirbt eine Art aus, wirkt sich das auf viele andere Arten und ganze Ökosysteme aus.

Weltweit sind derzeit fast 2 Millionen Arten beschrieben, Experten schätzen die Anzahl weitaus höher. Tropische Regenwälder und Korallenriffe gehören zu den artenreichsten und am komplexesten organisierten Ökosystemen dieser Erde. Rund die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten lebt in den Tropenwäldern.

Die biologische Vielfalt ist für sich alleine schützenswert und gleichzeitig unsere Lebensgrundlage. Wir nutzen täglich Nahrungsmittel, Trinkwasser, Medizin, Energie, Kleidung oder Baumaterialien. Intakte Ökosysteme sichern die Bestäubung von Pflanzen und die Bodenfruchtbarkeit, schützen uns vor Umweltkatastrophen wie Hochwasser oder Erdrutschen, reinigen Wasser und Luft und speichern das klimaschädliche CO2.

Die Natur ist auch die Heimat und zugleich ein spiritueller Ort vieler indigener Völker. Sie sind die besten Regenwaldschützer, denn besonders intakte Ökosysteme findet man in den Lebensräumen von indigenen Gemeinschaften.

Der Zusammenhang zwischen dem Verlust von Natur und der Ausbreitung von Pandemien ist nicht erst seit Corona bekannt. Eine intakte und vielfältige Natur schützt uns vor Krankheiten und weiteren Pandemien.

Die Auswirkungen: Artenschwund, Hunger und Klimakrise

Der Zustand der Natur hat sich weltweit dramatisch verschlechtert. Rund 1 Million Tier- und Pflanzenarten sind in den nächsten Jahrzehnten vom Aussterben bedroht. Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN sind derzeit 37.400 Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht - ein trauriger Rekord! Experten sprechen von einem sechsten Massenaussterben in der Geschichte der Erde - das Tempo des globalen Artensterbens ist durch den Einfluss des Menschen um Hunderte mal höher als in den letzten 10 Mio. Jahren.

Auch zahlreiche Ökosysteme weltweit - 75 % Landfläche und 66 % Meeresfläche - sind gefährdet. Nur 3% sind ökologisch intakt – z.B. Teile des Amazonas und des Kongobeckens. Besonders betroffen sind artenreiche Ökosysteme wie Regenwälder und Korallenriffe. Rund 50% aller Regenwälder wurden in den letzten 30 Jahren zerstört. Das Korallensterben nimmt durch den globalen Temperaturanstieg immer weiter zu.

Hauptursachen für den massiven Rückgang der Biodiversität sind die Zerstörung von Lebensraum, intensive Landwirtschaft, Überfischung, Wilderei und Klimaerwärmung. Rund 500 Milliarden US-Dollar jährlich werden weltweit in die Zerstörung der Natur investiert - in Massentierhaltung, Subventionen für Erdöl und Kohle, Entwaldung und Flächenversiegelung.

Der Verlust an Biodiversität hat weitreichende soziale und ökonomische Folgen, die Ausbeutung der Ressourcen geht zu Lasten von Milliarden Menschen im globalen Süden. Die UN kann die 17 Ziele zur nachhaltigen Entwicklung z.B. die Bekämpfung von Hunger und Armut nur erreichen, wenn die Biodiversität weltweit erhalten und für die nächsten Generationen nachhaltig genutzt wird.

Ohne den Erhalt der Biodiversität ist auch der Klimaschutz bedroht. Die Zerstörung von Wäldern und Mooren – als wichtige CO2-Senken - heizt den Klimawandel weiter an.

Die Lösung: Weniger ist mehr!

Die natürlichen Ressourcen der Erde stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Knapp zwei Erden verbrauchen wir Menschen, bei derzeitigem Ressourcenverbrauch werden es 2050 mindestens drei sein. Um für den Erhalt der biologischen Vielfalt als unserer Lebensgrundlage zu kämpfen, müssen wir den Druck auf die Politik weiter erhöhen.
Und auch in unserem Alltag lässt sich viel bewegen.

Mit diesen Alltags-Tipps schützt man auch die biologische Vielfalt:

  1. Öfter mal pflanzlich: Mehr buntes Gemüse und Tofu auf den Teller oder am besten gar kein Fleisch! Rund 80% der Agrarflächen weltweit werden zur Tierhaltung und zum Anbau von Tierfutter genutzt.
  2. Regional und Bio: Ökologisch erzeugte Lebensmittel verzichten auf den Anbau von riesigen Monokulturen und den Einsatz von Pestiziden. Der Kauf von regionalen Produkten spart zudem Unmengen an Energie!
  3. Bewusst leben: Brauche ich schon wieder neue Klamotten oder ein Handy? Oder kann ich Alltagsdinge auch gebraucht kaufen? Es gibt gute Alternativen zu Produkten mit Palmöl oder Tropenhölzern! Tropische Haustiere wie z.B. Papageien oder Reptilien sind tabu! Berechne jetzt deinen ökologischen Fußabdruck.
  4. Werde Bienenfreund:in: Auf dem Balkon oder im Garten freuen sich Bienen und andere Insekten über vielfältige, leckere Pflanzen. Aber auch ohne eigenes Grün kann man in einem Naturschutzprojekt in der Region aktiv werden.
  5. Protest unterstützen: Demonstrationen oder Petitionen gegen die Klimaerwärmung oder für eine Agrarwende üben Druck auf Politiker:innen aus, die auch für den Schutz der biologischen Vielfalt verantwortlich sind.

Lesen Sie hier, warum so viele Arten aussterben, bevor sie überhaupt entdeckt werden.

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