Aktion Paraguay: Das Land gehört den Ava Guaraní!

Die Eingeborenen des Avá Guaraní Stammes tanzen auf den Ruinen ihres zerstörten Tempels „Wo sollen wir Avá denn hin? Dies ist unser Ort. Wenn sie uns vertreiben, werden wir zurückkehren“, bekräftigt Häuptling Ramón López. Foto: Conapi (© Conapi)
76.758 Teilnehmer

Ende der Aktion: 17.10.2014

In den letzten Wochen haben die Avá Guaraní zwei Übergriffe auf ihr Land erlitten. Ursache sind die Ausweitung intensiver Viehzucht und der Anbau von Soja für den Export. Bitte unterstützen Sie die Landgemeinde Y'apo und unterzeichnen Sie unsere Petition.

Appell

An: President der Republik Paraguay, Herr Horacio Cartes; Innenminister Herr Francisco José De Vargas

„Abholzung ihres Lebensraumes zu stoppen.“

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In ganz Paraguay sind es nun schon 900.000 Personen, die auf Grund der Ausweitung landwirtschaftlicher Anbauflächen von ihrer Heimat verdrängt wurden, kürzlich unter anderem hundert Familien der Avá Guaraní, die zur indigenen Gemeinde der Y'apo im Distrikt Corpus Christi gehören. Hauptgrund dieser Vertreibung ist die Ausweitung der Anbauflächen für Soja-Monokulturen und Viehzucht.

Am 20. Mai überfielen 300 Polizisten die Gemeinde der Y'apo und fügten ihnen irreparable Schäden zu, indem sie Häuser niederbrannten und ihren Tempel zerstörten. Die Einwohner flohen bestürtzt in die umliegenden Wälder, sie hatten keine Chance auf Widerstand. Ein weiterer Vorfall ereignete sich im Juni, als 50 bewaffnete Sicherheitleute erneut in ihr Land einfielen und dabei einige der Ureinwohner schwer verletzten.

„Das Ziel ist es letztendlich, alle Indigenen von ihrem Land zu verjagen, um Platz zu schaffen für Sojapflanzen und Kühe", gibt Schwester Raquel Peralta von der Koordinationsstelle der Nationalen Indigenen-Pastoral (CONAPI) zu bedenken.

Hinter der Abholzung des Urwaldes steckt das Unternehmen Laguna SA, das bereits 5000 Hektar Land erstanden hat, und in der Yvrarovana Zone nahe des Mbaracayaú Naturreservats Entwaldungsarbeit für den Sojaanbau betreibt.

Die Zahlen sind erschreckend und weisen auf den andauernden Konflikt um Land und Ressourcen: 85% des Landbesitzes in Paraguay befinden sich in den Händen einer Elite von Landbesitzern, die gerade einmal 2,5% der Bevölkerung ausmacht. Die Konfrontation dieser zweier Gesellschaftsschichten, die der mafiösen Großgrundbesitzer und die der Kleinbauern, wird besonders an dem Gedenken des vor zwei Jahren stattfindenden Massakers von Curuguaty deutlich.

Unterschreiben Sie die Petition von Rettet den Regenwald, um dieser Ungerechtigkeit ein Ende zu machen!

Hinter­gründe

„Die Ausbeutung und Plünderung der Ureinwohnerterritorien lässt sich nicht mit dem jetztigen Wirtschaftsmodell, das vom Konjunkturanstieg geprägt ist, vereinen“, kritisiert Schwester Raquel Peralta. Durch die Vertreibung enden viele Indigenen als Obdachlose in den Städten, ohne Arbeit und Land.

In Paraguay basiert das Wirtschaftsmodell mehr und mehr auf Landwirtschaftsexporten. Um die totale Industrialisierung des Agrarsektors voranzutreiben, setzten paraguayanische Politiker auf die Verdopplung der Anbaufläche auf 6 Millionen Hektar sowie auf eine massive Ausweitung der Viehzucht. Die Produktion von jährlich 9 Millionen Tonnen Soja für den Export hat verheerende Folgen, denn es führt zur Auslaugung fruchtbarer Böden, massiven Ausstößen an Pestiziden und dadurch zur Verschmutzung von Gewässern, was wiederum zu Krankheiten und Tod bei Menschen, Tieren und Pflanzen führen kann. Tausende von Hektar Urwald fallen jedes Jahr den Ausbeutern zum Opfer, trotz des seit 2013 bestehenden Abkommens gegen Abholzung. Die Waldflächen Paraguays haben sich laut WWF zwischen 1950 und 2004 von 9 auf nur 1,5 Millionen Hektar reduziert. Die darauf betriebenen Monokulturen wachsen auf Kosten der Vielfalt des Anbaus für den Eigenverbrauch.

Weltweit gilt der Anbau von Soja als einer der wichtigsten Rohstoffe

In den letzten 50 Jahren hat sich die Sojaproduktion weltweit fast verzehnfacht, wobei 80% dieser Produktion ausschließlich zu günstigem Tierfutter für die Massentierhaltung verarbeitet wird. Dies bedeutet, dass weltweit Kühe, Schweine und Hühner konsumiert werden, die von genetisch manipuliertem Soja ernährt wurden. Neben Tiermehl ist der Anteil von Soja am globalen Pflanzenölverbrauch enorm, der vor allem durch die steigende Nachfrage nach Biodiesel angetrieben wird. In Lateinamerika erzielt der Handel mit genmanipuliertem Soja enorme Gewinne, denn jedes Jahr werden rund 46 Millionen Hektar Land bestellt.

In Paraguay hat sich die Produktion von Soja in den letzten zehn Jahren verdoppelt und besetzt nun 3,1 Millionen Hektar, was das Land mit jährlichen Gewinnen von rund 2.000 Millionen Dollar (Stand: 2011) zum viertgrößten Sojaexporteur macht.

Wie machen sie das?

Die Politiker der Regierung Paraguays sind richtig großzügig, wenn es um den Sojaanbau geht: Multinationale Unternehmen wie Archer Daniels Midland, Monsanto, Bunge, Cargill, Louis Dreyfus Commodities und Noble zahlen kaum Steuern und werden weder für Urwaldrodung, noch für die Kontaminierung der Umwelt mit Pestiziden bestraft.

Soja und Fleisch gehören zu den Hauptexportwaren Paraguays und tragen 20% zum BIP bei, wohingegen sich die Abgaben zum Steueraufkommen nur auf 2% belaufen.

Die Fakten:

In Paraguay:

  • auf 3 Millionen Hektar Land werden zwischen 2.700 und 3.000 Kilogramm Soja pro Hektar produziert.

  • für 8 Millonen Tonnen genmanipulierten Soja werden pro Hektar durchschnittlich 8 Liter des Herbizids RoundUp von Monsanto verbraucht, das ist ein Gesamtverbrauch von 24 Millionen Liter. In Paraguay folgt 98% des Anbaus diesem Modell.

In Europa:

  • Die EU importiert ungefähr 34 Millionen Tonnen Soja für den Tierfutterverbrauch, den größten Teil davon aus Lateinamerika. Um diese Mengen an Soja zu produzieren, werden geschätzte 15 Millionen Hektar Land benötigt, das ist die Fläche von Belgien, Holland und Österreich zusammen.

In der Welt:

  • Um die konstante Nachfrage zu decken, hat sich die Sojaproduktion seit 1960 verzehntfacht und beträgt jetzt 260 Millionen Tonnen. Mehr als ¾ dieser Menge stammt von genmanipulierten Sojapflanzen.

An­schreiben

An: President der Republik Paraguay, Herr Horacio Cartes; Innenminister Herr Francisco José De Vargas

Ich schließe mich den Mitgliedern der Nationalen Indigenen-Pastoral an, um meine Ablehnung und Empörung über die wiederholten Ungerechtigkeiten und Menschenrechtsverletzungen, die die Eingeborenen Avá Guaraní der Gemeinde Y'apo im Distrikt Corpus Christi erlitten haben, zu äußern. Dort wurden hundert Familien von der Polizei und Sicherheitsleuten des Unternehmens Laguna S.A. von ihren Ländern vertrieben, getötet und verletzt.

Daher fordere ich Ihre Regierung dazu auf:

-dass sie die Waldrodung stoppt, die durch den Anbau von Soja und der Ausweitung der Viehzucht vorangetrieben wurde und Lebensräume von Mensch und Tier zerstört,
-dass sie Maßnahmen ergreift, um die Schäden der angegriffenen Gemeinde der Avá Guaraní wiedergutzumachen,
-dass sie die ihr auferlegten, institutionellen Mandate erfüllt, und internationale und nationale Gesetze zum Schutz der indigenen Völker und ihrer Territorien beachtet und folgt.

Ich stehe den Betroffenen bei und animiere alle mit gutem Willen, sich für die Menschenrechte auszusprechen, die Natur, von der wir alle abhängen, zu schützen und für ein besseres Leben zu kämpfen.

Mit freundlichen Grüßen,