Peru: Goldminenkonzern gegen mutige Bäuerin

Máxima Acuña erhebt lächelnd ihre rechte Hand. Im Hintergrund sind weitere Bauern und die blaue Lagune zu sehen. Máxima Acuña lässt sich nicht von den Bedrohungen einschüchtern und kämpft mutig um ihr Land (© Jorge Chávez Ortiz)
120.104 Teilnehmer

Ende der Aktion: 28.09.2015

Am 5. August 2014 verurteilte ein Richter in Peru Máxima Acuña zu fast drei Jahren Haft und zu einer Geldstrafe von umgerechnet 1.500 Euro an die Goldminenfirma Yanacocha. Weil die Bäuerin sich weigert, Haus und Hof zu verlassen, wurde sie wegen angeblicher Landbesetzung abgestraft. Bitte schreiben Sie noch heute an die Regierung

Appell

An: Regierung von Peru und zuständige Behörden

„Bitte helfen Sie der von der Goldminenfirma Yanacocha verfolgten Bäuerin Máxima Acuna in Peru“

Ganzes Anschreiben lesen

Die Bergbaufirma Yanacocha in Peru, Betreiber der größten Goldmine in Südamerika, will auf den Gipfeln der Anden ein neues Projekt vorantreiben – die sogenannte Conga-Mine. Um diesen Plan durchzusetzen, unterdrückt das Unternehmen die Einwohner und missachtet ihre Rechte.

Eines der Opfer ist Máxima Acuña mit ihrer Familie. Die indianische Bäuerin, die weder lesen noch schreiben kann, lebt auf und von dem Land, das die Firma beansprucht. Mit ihrer Familie betreibt sie dort auf vier Hektar Weidewirtschaft und baut Kartoffeln und andere Knollenfrüchte an, die sie auf dem örtlichen Markt verkaufen. Von den Einnahmen ihrer Arbeit haben sie ein kleines Haus gebaut, in dem sie bescheiden leben und ihre Kinder großziehen.

In den vergangenen zehn Jahren haben sich Máxima Acuña und ihre Familie geweigert, ihr Land am Rande der blauen Lagune zu verlassen. Deshalb wurden sie von Spezialeinheiten der Polizei mehrfach brutal angegriffen, wie peruanische Medien berichten. Diese sind auf ihr Grundstück eingefallen und haben ihr Haus zerstört. Máxima wurde verprügelt und verschleppt, ihre Parzelle besetzt und ihre Hunde erschossen. Die Familie musste in 3.600 Metern Höhe unter freiem Himmel schlafen, bis sie mit Hilfe von Freunden und Verwandten ihre Hütte wieder aufbauen konnte.

Dann wurden sie von der Bergbaufirma verklagt. Am 5. August 2014 fällte ein Richter das Urteil gegen Máxima und ihre Familienangehörigen: Sie soll zwei Jahre und acht Monate Gefängnis und 5.500 Soles (knapp 1500 Euro) Entschädigung an das Unternehmen zahlen. Außerdem wurde die sofortige Räumung angeordnet.

Bitte unterschreiben Sie unsere Petition an die peruanische Regierung und die zuständigen Behörden:

Hinter­gründe

Das Unternehmen Yanacocha
Yanacocha SRL ist ein Gemeinschaftsunternehmen des US-Bergbaumultis Newmont Mining Corporation aus Denver als Hauptanteilseigner (51,35 %), der peruanischen Firma Minas Buenaventura (43,65 %) und der Weltbanktochter International Finance Corporation (IFC) (5 %).

Die Goldmine Yanacocha liegt nördlich der Stadt Cajamarca in den peruanischen Hochanden auf 3.400 bis 4.200 Metern über dem Meeresspiegel. Das Goldvorkommen wurde 1980 von einem französischen Geologen entdeckt. Es liegt in dem Quellgebiet zahlreicher wichtiger Flüsse.

Für die Goldgewinnung werden Millionen Tonnen Gestein abgebaut und das Edelmetall daraus unter freiem Himmel mit hochgiftigen Chemikalien ausgelaugt. Seit Jahren gibt es heftige Proteste gegen den Goldabbau in dem Gebiet. Im Jahr 2000 liefen aus einem Lastwagen der Firma 150 Kilogramm Quecksilber aus und versuechten eine 40 Kilometer langen Straßenabschnitt im Gebiet von Choropamba. Mindestens Tausend Menschen wurden durch das hochgiftige Schwermetall vergiftet.

Conga-Projekt
Seit einigen Jahren geht die in Yanacocha geförderte Goldmenge stark zurück. Die Betreibergesellschaft will nun ein weiteres Goldvorkommen in der Nähe erschließen, das sogenannte Conga-Projekt. Auch hier wehren sich Einwohner und Umweltschützer gegen das Vorhaben, mehrere Menschen kamen dabei durch Polizeigewalt ums Leben. Es bedroht nicht nur die Lebensgrundlagen der Menschen, sondern auch die dortigen Seen im Gebirge und die Trinkwasserversorgung. Die Seen sollen trockengelegt und an anderer Stelle als angeblicher Ausgleich Stauseen angelegt werden.

Rohstoffabkommen Deutschland-Peru
Auf Betreiben der deutschen Industrie hat die Bundesregierung eine Rohstoffpartnerschaft mit Peru vereinbart. Am 15. Juli 2014 wurde das Abkommen am Rande eines Treffens von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Perus Präsident Ollanta Humala beim 5. Petersberger Klimadialog in Berlin unterzeichnet. Die Vereinbarung soll die Versorgung der deutschen Konzerne mit für die Produktion wichtigen Metallen wie Kupfer sichern.

Zu dem Abkommen gehörten auch „die Einhaltung von Menschenrechten, der Schutz der indigenen Bevölkerung und die Berücksichtigung von Umwelt- und Sozialstandards", erklärte Außenminister Frank-Walter Steinmeier.

Weitere Informationen:

Medium, 28.8.14: Conga tras el fallo por el caso Chaupe

La Republica, 12.8.2014: Máxima contra Goliat

La República, 5.8.14: Máxima

An­schreiben

An: Regierung von Peru und zuständige Behörden

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Bäuerin Máxima Acuña und ihre Familie werden seit 10 Jahren von dem Bergbauunternehmen Yanacocha SRL und Spezialeinheiten der Polizei verfolgt und bedrängt. Sie wurden auf ihrem Grundstück bedroht und geschlagen, man zerstörte ihr Eigentum, weil sie sich weigern, ihr Land an die Bergbaufirma zu verkaufen.

Am 5. August 2014 hat ein Richter Máxima Acuña wegen angeblicher Landbesetzung zu knapp drei Jahren Haft und zur Zahlung einer Geldstrafe von umgerechnet 1.500 Euro an die Goldminenfirma Yanacocha verurteilt. Außerdem wurde die sofortige Räumung von Haus und Grundstück der Familie angeordnet.

Für die Verurteilung gibt es keine rechtlichen Grundlagen. Die von Máxima Acuña eingereichten Beweise belegen, dass sie die legale Besitzerin ihres Grundstücks ist. Die Firma konnte ihre Anschuldigungen hingegen nicht beweisen, sie sind offensichtlich falsch 1.).

Ich bitte daher dringend darum, dieses skandalöse Gerichtsurteil sofort aufzuheben, die Verfolgung und Bedrohung der Familie von Máxima Acuña einzustellen und die Opfer für das ihnen angetane Unrecht zu entschädigen.

Mit freundlichen Grüßen

1.) Siehe La Republica, 12.8.2014: Máxima contra Goliat http://www.larepublica.pe/columnistas/kolumna-okupa/maxima-contra-goliat-12-08-2014
und Medium, 28.8.2014: Conga tras el fallo por el caso Chaupe
https://medium.com/@numerozero/conga-tras-el-fallo-por-el-caso-chaupe-5bed728a9773

5-Minuten-Info zum Thema: Gold

Ausgangslage – Schmutziges Gold

Goldvorkommen gibt es fast überall auf der Erde. Besonders massiv ist der Abbau auf der der Insel Niolam im Nordosten Papua-Neuguineas, wo täglich ca. 75 Kilo Gold gefördert werden. Im Ländervergleich wird in China das meiste Gold abgebaut: 2016 waren es 455 Tonnen des Edelmetalls, was etwa 13 Prozent der weltweiten Goldproduktion entspricht.

Im Jahr 2016 wurde das kostbare Metall zu 47,4 Prozent zu Schmuck verarbeitet; 7,5 Prozent des jährlich geförderten Goldes wurden in der Elektronikindustrie für Handys oder Laptops verwendet. Den Rest halten Zentralbanken oder Privatanleger als Reserve und zu Spekulationszwecken. Die US-amerikanische Zentralbank besitzt mit 8133,5 Tonnen mit Abstand den größten Goldbestand. Die Deutsche Bundesbank kommt mit 3377,9 Tonnen an zweiter Stelle.

Gold kann als körnerartige Goldseifen (Nuggets), die mechanisch vom Bodensubstrat getrennt werden, vorkommen. Weitaus häufiger findet sich das Edelmetall jedoch in feinsten Spuren in der Gitterstruktur der Gesteinsminerale. Um den Goldstaub herauszulösen und zu binden, müssen die Schürfer zu Zyanid und Quecksilber greifen.

Im großindustriellen Goldabbau wird das äußerst umweltschädliche Zyanid-Lauge-Verfahren angewandt. Um eine Tonne Gold zu fördern, müssen durchschnittlich 150 Tonnen Zyanid eingesetzt werden. Bereits wenige Milliliter davon sind tödlich für den Menschen.

Das Quecksilber-Verfahren kommt häufig bei Kleinschürfern zur Anwendung. Die goldhaltigen Erze werden zunächst stundenlang im Wasser gesiebt, bis der Goldstaub im Bodensatz konzentriert ist. Dieser goldhaltige Gesteinsschlamm wird dann mit Quecksilber gemischt, das mit dem Gold eine flüssige Legierung (Amalgam) eingeht. Diese Legierung wird erhitzt, das toxische Schwermetall verdampft und übrig bleibt reines Gold. Schutzanzüge gegen das Nervengift oder Rückgewinnungsvorrichtungen für das verdampfende Quecksilber sucht man beim Goldabbau durch Kleinschürfer oft vergeblich. Lukrative Geschäfte mit dem Edelmetall machen vor allem Kapitalgeber, Transportunternehmen und Chemikalienhändler. Menschen und Natur leiden unter dem Goldabbau.

Auswirkungen –Toxische Wüsten statt artenreicher Regenwälder

Durch Zyanid und Quecksilber werden Böden und das Grundwasser auf ewig verseucht. Selbst wenn Goldminen stillgelegt werden, gibt zyanidbehandeltes Gestein viele Jahrzehnte später giftige Schwefelsäuren ab.

Der industrielle Goldabbau benötigt zudem Unmengen an Wasser. Durchschnittlich sind es 140.000 Liter Wasser pro Stunde,was dem Jahreswasserverbrauch eines Drei-Personen-Haushalts in Deutschland entspricht. Das kontaminierte Wasser wird in Auffangbecken, die mit Dichtungsfolie ausgelegt werden, gesammelt und anschließend teilweise wiederaufbereitet. Starke Regenfälle, die die Dämme zum Überlaufen oder Bersten bringen, oder kleinste Löcher in der Folie stellen große Umweltgefahren dar. Immer wieder ereignen sich solche Dammbrüche. Im Jahr 2000 in Rumänien verseuchten schwermetallhaltige Schlämme die Theiss, den größten Zufluss der Donau. Jegliches Leben in den Gewässern wurde ausgerottet. Die Giftbelastung war bis in die mehrere hundert Kilometer entfernte Donau nachzuvollziehen.

Im Regenwald kommt die Abholzung der Urwaldriesen für den Goldabbau hinzu. Bagger wühlen die Erde um und hinterlassen Mondlandschaften. Um nur 0,24 Gramm Gold zu erhalten, entstehen 1000 Kilo Sondermüll und Abraum. Ein einzelner Goldring produziert demnach 20 Tonnen lebensgefährlichen Giftmüll.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warnt, dass Kinderarbeit in der Goldgewinnung weit verbreitet ist. Kinder können in enge Schächte klettern und waschen mit bloßen Händen die goldhaltigen Erze in Quecksilberlaugen.

Die Lösung – Vier Goldene Regeln zum Schutz von Mensch und Natur

Wurde auch mein Goldschmuck unter diesen menschenunwürdigen und umweltverpestenden Bedingungen hergestellt? Den verschlungenen Goldpfad nachzuverfolgen, ist aufgrund der Vielzahl der Akteure äußerst schwierig. Die Goldraffinerien, die mehrheitlich in der Schweiz sitzen und zusammen 70 Prozent der Weltproduktion ausmachen, geben an, den Rohstoff von zertifizierten Händlern zu beziehen. Auf den zweiten Blick zeigt sich allerdings, dass viele Verkäufer Scheingeschäfte mit falschen Adressen führen (Filmtipp: „Dreckiges Gold - Die glänzenden Geschäfte mit dem edlen Metall“).

Auch wir tragen für die Auswirkungen Verantwortung: Was kann jeder einzelne also tun?

1. Konsum überdenken: Braucht man jedes Jahr ein neues Smartphone? Nutzen Sie Elektronikgeräte wie Handys und Laptops möglichst lange. Wenn die Funktionen versagen, können Sie das Gerät aussortieren – aber dann bitte in einer Recyclingstelle abgeben. Wussten Sie, dass laut einer UNO-Berechnung in nur 49 Handys soviel Gold enthalten ist wie in einer Tonne Golderz?

2. Schmuck umarbeiten: Goldschmuck, der aus der Mode gekommen ist oder einfach nicht mehr gefällt, lässt sich problemlos umarbeiten. Der Regenwald wird es danken.

4. Gold taugt nicht als Investition: Ist Gold wirklich ein sicherer Anker in Finanzkrisen? Experten raten davon ab. Und außerdem: Eine ethische und verantwortungsvolle Finanzanlage ist Gold nicht.

5. Wissen in die Welt transportieren: Machen Sie auf die umweltschädlichen Giftstoffe beim Tagebau, den Raubbau an der Natur und die unmenschlichen Arbeitsbedingungen aufmerksam, indem Sie unseren kostenlosen Regenwald Report mit fundierten Artikeln zu Regenwaldthemen beim Friseur oder Arzt auslegen. Gerne senden wir Ihnen hierfür ausreichend Exemplare zu. Auch mit Ihrer Unterschrift zur Petition „Nationalpark erhalten – Goldmine stoppen“ setzten Sie ein Zeichen und unterstützen unsere Arbeit.