Biotreibstoffe werden zum sozialen Sprengsatz

08.03.2007

Biotreibstoffe werden zum sozialen Sprengsatz Proteste in Brasilien vor Bush-Besuch SAO PAULO, HAMBURG – Landlose Bauern haben am Mittwoch in Brasilien eine Mine, eine Bank und eine Ethanol-Fabrik besetzt, um gegen die Ausweitung des industriellen Zuckerrohranbaus und den Ausverkauf brasilianischer Fabriken zur Ethanolproduktion zu protestieren. Die Aktionen stehen im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Besuch von US-Präsident Bush, der eine Ethanol-Allianz mit Brasilien anstrebt. Ethanol wird in Brasilien als Treibstoff für Pkws benutzt und als Folge des weltweiten "Biokraftstoffbooms" zunehmend in alle Welt exportiert. Die Besetzungen sind Teil einer Aktionswoche, mit der die Öffentlichkeit auf die gravierenden Probleme beim Zuckerrohranbau und der Produktion von Ethanol aufmerksam gemacht werden sollen. Die starke Ausweitung des industriellen Zuckerrohranbaus hat Umweltzerstörung und -verschmutzung durch das Abbrennen der geernteten Felder, unmenschliche Arbeitsbedingungen sowie die weitere Konzentration von Landbesitz zur Folge, was zu einer Vertiefung der krassen sozialen Unterschiede in Brasilien führt. Kelli Mafort, Koordinator der mächtigen brasilianischen Landlosenbewegung MST, erklärte: "Ethanol ist keine saubere Energieform und ist umweltschädlich. Mit der Aktion wollen wir auch dem amerikanischen Präsidenten Bush sagen, dass er hier keine Freunde hat." MST-Führer Joao Pedro Stedile fügte hinzu: „Bush kommt als Botschafter der multinationalen Konzerne, der Agroindustrie, der Ölfirmen und der Automobilhersteller, die gemeinsam das weltweite Geschäft mit Biotreibstoffen kontrollieren wollen.“ Die massiven Proteste in Brasilien, dem mit Abstand größten Produzenten von Ethanol aus Zuckerrohr, werfen auch einen Schatten auf den EU-Gipfel in Brüssel. Dort soll entschieden werden, ob sich die EU verbindlich auf Mindestmengen beim Verbrauch von Biotreibstoffen festlegt. Umweltorganisationen wie Rettet den Regenwald (Hamburg) kritisieren solche Festlegungen, weil der Boom bei Biotreibstoffen Kleinbauern vertreibt, Regenwälder zerstört, die Artenvielfalt bedroht und immer stärker eine Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion darstellt.