Umweltminister Gabriel und der Palmöl-Skandal

15.03.2007

Rettet den Regenwald e.V. Friedhofsweg 28 22337 Hamburg Tel. +49- (0)40 - 4103804 Fax:+49- (0)40 - 4500144 info@regenwald.org www.regenwald.org Pressemitteilung vom 15. März 2007 Umweltminister Gabriel und der Palmöl-Skandal Laut Umweltbundesamt ist Strom aus Palmöl pure Urwaldvernichtung und wird trotzdem subventioniert. HAMBURG – Die Umweltorganisation Rettet den Regenwald (RdR) fordert von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, den starken Worten zur Stromerzeugung aus Palmöl endlich Taten folgen zu lassen und Strom aus Palmöl nicht länger über das „Erneuerbare Energien Gesetz“ (EEG) zu subventionieren. Gabriel hatte vor wenigen Tagen öffentlich erklärt: „Jeder der EEG-Strom benutzt, denkt er tut was gutes, und wenn er das zum Teil durch die Zerstörung des Regenwaldes gemacht hat, dann sind wir kurz davor, den Sinn dieses Gesetzes zu diskreditieren.“ Nach einer Studie des Leipziger Instituts für Energetik und Umwelt erzeugen deutsche Blockheizkraftwerke allein in 2007 mindestens 1,3 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Palmöl. Dafür erhalten die Kraftwerksbetreiber rund 200 Millionen Euro Zuschüsse über das EEG, die auf die Stromrechnung aller Haushalte umgelegt werden. „Der Bioenergie-Boom zerstört Regenwälder, heizt das Klima an, vertreibt Kleinbauern und wird immer stärker eine Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion“, erklärte der RdR-Vorsitzende Reinhard Behrend. „Jede Tonne Palmöl, die in Deutschland zur Energieproduktion eingesetzt wird, führt vor allem in Südostasien zu immer neuer Waldvernichtung.“ Jüngstes Beispiel ist die Zerstörung von 1000 Hektar Mangrovenwald für zwei neue Palmöl-Plantagen im malaysischen Bundesstaat Sabah auf der Insel Borneo. Mangrovenwälder gehören zu den artenreichsten und produktivsten Feuchtgebieten der Erde und stellen eine wichtige Ressourcenquelle für die lokale Bevölkerung dar. Als Brutstätte für viele Krebstiere und Fische sichern die Küstenwälder die Ernährung der Menschen. Die malaysische Regierung hat die geplante Umwandlung von 1000 Hektar Mangroven in Palmöl-Plantagen auf Sabah damit begründet, die Fläche liege nahe zu einem Hafen. Die industrielle Entwicklung der Mangrovenfläche sei nötig, um die Nachfrage der Palmöl-Industrie auf Sabah zu decken. Professor Florian Siegert von der Uni München hat anhand von Satellitenaufnahmen die massive Regenwaldzerstörung in Malaysia und Indonesien für Palmöl nachgewiesen. Fast überall dort, wo die Bilder seit 1990 Waldbrände dokumentiert haben, stehen heute Palmöl-Plantagen. “Wir konnten nachweisen, dass durch das Anlegen dieser Plantagen und das Abbrennen der Regenwälder und Torfgebiete ein viel tausendfaches an CO2 freigesetzt wird als das, was wir hier dann in der Folge durch Palmölverbrauch einsparen können. Und damit ist die Klimabilanz von Palmöl desaströs“, so der Wissenschaftler. Auch Axel Friedrich vom Umweltbundesamt kommt zu einem vernichtenden Urteil: „Blockheizkraftwerke als solches sind umweltfreundlicher als normale Kraftwerke, weil ich gleichzeitig die Wärme mit nutze und Strom generiere. Aber wenn ich an der Stelle Palmöl einsetzte, dann vernichte ich einen großen Teil dieses Vorteils, weil ich an der Stelle Urwald vernichte.“