Agrartreibstoffe treiben weltweit die Nahrungsmittelpreise in die Höhe

27.12.2007

Hamburg/New York – Die Umweltorganisation Rettet den Regenwald (RdR, Hamburg) warnt vor einer Hungerkatastrophe in fast 40 Ländern, weil die weltweiten Lebensmittelpreise auf ein Rekordniveau gestiegen sind. Die globale Nahrungsmittelversorgung sei durch den Klimawandel, Naturkatastrophen, Kriege und inzwischen vor allem durch den Anbau von Energiepflanzen zur Produktion von Agrartreibstoffen gefährdet. RdR bezieht sich auf Meldungen der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, FAO. Der FAO-Index für Nahrungsmittelpreise ist in diesem Jahr um mehr als 40 Prozent gestiegen, 2006 hatte er sich lediglich um neun Prozent erhöht. „Die Gefahr nimmt zu, dass immer weniger Menschen in der Lage sind, Nahrungsmittel zu bezahlen“, sagte der FAO-Chef Jacques Diouf. Die Kosten für Nahrungsmittel-Importe in den ärmsten Ländern seien 2007 um 25 Prozent gestiegen. In 20 afrikanischen Ländern drohe genauso eine Hungerkatastrophe wie in Afghanistan, Nepal, Pakistan, Mexiko oder Usbekistan. Nach Angaben von RdR verdoppelt sich die Menge an Getreide, die in den USA für die Agrarsprit-Produktion eingesetzt wird, bis 2016 auf 110 Millionen Tonnen. In Europa werde sich die für Agrarsprit-Produktion eingesetzte Quote im selben Zeitraum auf 18 Millionen Tonnen verzwölffachen. „Der Boom bei Agrartreibstoffen kann den Hungertod von Millionen Menschen bedeuten und zerstört beispielsweise in Indonesien und Kolumbien einzigartige Regenwälder, die in Palmöl-Plantagen umgewandelt werden“, so der RdR-Vorsitzende Reinhard Behrend. „Wir erwarten von Angela Merkel, dass sie den Agrasprit-Wahnsinn endlich durch politische Maßnahmen stoppt.“ Anfang des Jahres hatte der renommierte Schweizer Soziologe und heutige UN-Sonderbotschafter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, Agrartreibstoffe als „Verbrechen gegen die Menschheit“ bezeichnet und ein fünfjähriges Moratorium für die Produktion von Agrarsprit gefordert.