Erneute schwere Ölkatastrophe in Ecuador

07.05.2003

WestLB muss endlich Konsequenzen ziehen - ein sicherer Betrieb der OCP-Schwerölpipeline ist unmöglich Nach Meldungen der ecuadorianischen Tageszeitungen La Hora und El Comercio hat gestern morgen ein „gigantischer Erdrutsch“ die staatliche SOTE-Rohölpipeline und eine Treibstoffpipeline zerstört. Die Unglücksstelle am Pipelinekilometer 94 liegt im Amazonasregenwald beim Rio Reventador an der Südflanke des Reventador-Vulkans. Dieser befindet sich etwa 120 km östlich der ecuadorianischen Hauptstadt Quito. Nach ersten Informationen haben riesige Mengen von losem Gesteinsmaterial, die sich während des letzten Ausbruchs des Reventador-Vulkans auf den Hängen angehäuft hatten, nach heftigen Regenfällen einen schweren Erdrutsch ausgelöst. Dabei wurden die beiden weiter unten am Vulkanhang verlaufenden Pipelines weggerissen. Zahlreiche weitere Bergrutsche erschweren den Zugang von Rettungs- und Aufräumtrupps in dem Gebiet. Über die Menge des ausgelaufenen Rohöls und die dadurch ausgelöste Umweltverseuchung gibt es noch keine Angaben. Direkt unterhalb der Einmündung des Rio Reventador in den Quijos-Fluss befindet sich der San Rafael Wasserfall, eines der Naturwunder im ecuadorianischen Amazonasgebiet. Es steht zu befürchten, dass der Wasserfall nun vom Rohöl schwarz gefärbt ist. Der Pumpbetrieb an der Ölpipeline wurde gestern morgen um 5:35 Ortszeit eingestellt. Die Reparaturarbeiten sollen nach Angaben der staatlichen Ölfirma Petroecuador zwischen fünf und acht Tagen dauern. Der sehr aktive und äußerst gefährliche Reventador-Vulkan war zuletzt am 3. November 2003 ohne Vorwarnung ausgebrochen. Die bereits in dem Gebiet verlegte OCP-Schwerölpipeline wurde dabei auf fast einem Kilometer Länge zerstört und Baumaschinen von OCP verschüttet. Am 12. Dezember 2002 riss eine Schlammlawine Stützträger der SOTE-Pipeline weg. Ob durch den jüngsten Erdrutsch die in dem Gebiet bereits fertig verlegte OCP-Pipeline ebenfalls beschädigt wurde, ist zur Zeit noch nicht bekannt. Anwohner und Umweltschützer haben schon seit Jahren immer wieder vor den unkalkulierbaren Risiken für den Pipelinebetrieb in Ecuador gewarnt. Auch den Betreibern der im Bau befindlichen OCP-Schwerölpipeline sind die hohen Risiken bekannt. Der Pipelinebruch ist der zweite in weniger als einem Monat. Am 8. April 2003 war die SOTE-Pipeline bei Papallacta gebrochen. Nach Medienberichten wurde das Unglück vermutlich durch schwere Baufahrzeuge von OCP ausgelöst. 8000 Barrel Rohöl verseuchten Flüße, einen See und ein wichtiges Trinkwasserreservoir der Hauptstadt Quito. Die Aufräumarbeiten und Untersuchungen über die Unglücksursache dauern noch an. Im Gebiet von Mindo nordöstlich von Quito soll ein schwerer Bergrutsch Ende April 2003 die dort bereits in der Erde verlegte OCP-Pipeline freigelegt haben. Die Besitzer eines Sperrgrundstücks im Mindo-Nambillo Schutzgebiet haben vor wenigen Tagen eine Schadensklage über 600 Millionen US$ gegen OCP eingereicht, die vom zuständigen Gericht inzwischen angenommen wurde. Der Kauf des Grundstücks, auf dem OCP derzeit illegal die Pipeline baut, wurde überwiegend durch Spendengelder von Rettet den Regenwald aus Hamburg ermöglicht. Die von der WestLB finanzierte OCP-Schwerölpipeline soll, nachdem es durch zahlreiche Unglücke und ständige Proteste der Bevölkerung immer wieder zu Verzögerungen beim Bau gekommen ist, nach Angaben der Betreiber im Herbst diesen Jahres den Betrieb aufnehmen. Als Konsequenz aus den jüngsten Unglücken fordert Rettet den Regenwald die WestLB zum sofortigen Ausstieg aus der OCP-Finanzierung auf. Rückfragen bitte an Werner Paczian, Pressesprecher von Rettet den Regenwald: Tel. 0251 – 66 53 07 oder 0171-83 99 059 e-mail: paczian.presse@t-online.de