"WestLB-Pipeline" macht Ecuador zum Pulverfass

31.10.2003

In dem kleinen Andenstaat drohen blutige Konflikte und dramatische Naturzerstörungen/Auswärtiges Amt warnt vor Reisen in die Ölprovinz Sucumbios Die "WestLB-Pipeline" gefährdet inzwischen den inneren Frieden in Ecuador. Als Folge des Baus drohen blutige Auseinandersetzungen und die Vernichtung tropischer Regenwälder selbst in Naturschutzgebieten, wo sich zahlreiche indigene Völker verzweifelt gegen eine Ölförderung in ihren Lebensräumen wehren. Beim Bau der Pipeline ist es zudem zu dramatischen Erdrutschen und schweren Menschenrechtsverletzungen gekommen. Das sind die alarmierenden Ergebnisse einer 10tägigen Vor-Ort-Recherche der deutschen Nichtregierungsorganisationen (NRO) Rettet den Regenwald, Urgewald und Eine Welt Netz NRW gemeinsam mit der grünen NRW-Landtagsabgeordneten Ute Koczy. "Wenn die Weltgemeinschaft nicht eingreift, kann es schon im Dezember zu blutigen Konflikten zwischen der indigenen Bevölkerung und der Armee in der Region Sarayacu in der Amazonasprovinz Pastaza kommen", warnte Rettet den Regenwald-Sprecher Werner Paczian. Dort will die argentinische Southern Cross Group gegen den erbitterten Protest großer Teile der indigenen Urbevölkerung weiter nach Öl suchen. "Energieminister Colonel Carlos Arboleda hat mit dem Einsatz von Soldaten und Polizei gedroht, um die Ölfirma vor Protesten zu schützen." Eine Vertreterin der Sarayacu-Gemeinde erklärte gegenüber den deutschen NRO, man bereite sich auf physischen Widerstand vor. Internationale Ölkonzerne arbeiteten derzeit nicht nur in Sarayacu fieberhaft daran, die "WestLB-Pipeline" künftig mit Öl zu füllen. Auch in anderen Amazonasgebieten von Ecuador hat der Run auf das schwarze Gold begonnen. "Dabei schrecken die Ölkonzerne selbst vor Naturschutzgebieten nicht zurück", so Paczian weiter. Akut bedroht seien die Nationalparks Cuyabeno und Sarayacu. "Wir haben eindeutige Belege dafür, dass die WestLB-Geschäftspartner an vorderster Front und rücksichtslos agieren." Mit Bestechung und Drohungen würde die indigene Bevölkerung gespalten, ohne an die sozialen Folgen zu denken. Wegen der unsicheren Lage in der nördlichen Ölprovinz Sucumbios, dem Startpunkt der WestLB-Pipeline, hat das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für die Region ausgesprochen. Beim inzwischen beendeten Bau der Pipeline ist es nach Beobachtungen der deutschen Delegation "zu dramatischen Erdrutschen" gekommen, so etwa im Mindo-Naturreservat nordwestlich von Quito. Dort verläuft die Pipeline über einen extrem schmalen Berggrat in rund 2800 Metern Höhe. "Wir haben zahlreiche Erdrutsche festgestellt, teilweise wurde dort die gesamte Vegetation mehr als 300 Meter weggerissen", erklärte Werner Paczian. "In Mindo wird die Pipeline keine drei Regenzeiten überstehen, ohne zu brechen." Damit sei eine Ölverseuchung der weltweit einzigartigen Bergnebelwälder programmiert. Verantwortliche des Ölkonsortiums OCP, das mit WestLB-Krediten die Pipeline gebaut hat, haben gegenüber der deutschen Delegation fast 50 Erdrutsche im Gebiet Mindo eingeräumt, darunter mindestens fünf schwere. In Mindo haben lokale Umweltschützer das Ölkonsortium OCP wegen der Naturzerstörungen beim Bau der Pipeline bereits auf 300 Millionen Dollar Schadensersatz verklagt. Inzwischen bereiten Dutzende Geschädigte entlang der Trasse ebenfalls Klagen vor. Der ecuadorianische Umweltminister César Narváez Rivera erklärte gegenüber der deutschen Delegation, dass der italienische Ölkonzern Agip seine OCP-Anteile an China Petrol verkaufen wolle. Gleichzeitig bestätigte der Minister, OCP habe nach der billigsten Trassenführung gesucht und die Pipeline deshalb nördlich von Quito verlegt. Naturschutzorganisationen hatten diese so genannte Nordroute heftig kritisiert, weil sie unter anderem das Mindo-Reservat durchschneidet, und eine Trasse südlich von Quito gefordert. WestLB und OCP hatten bisher gegenüber dem NRW-Parlament und der Landesregierung stets behauptet, die Nordroute sei gewählt worden, weil durch sie weniger Umweltschäden angerichtet würden. Während ihres Ecuador-Besuchs nahm die deutsche Reisegruppe auch an einer zweitägigen Internationalen OCP-Konferenz in der Ölstadt Lago Agrio teil, bei der Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen aus acht Ländern die weiteren Schritte gegen die OCP-Unternehmen und ihre Kreditgeber diskutierten. In einer Abschlusserklärung forderte die Konferenz von der ecuadorianischen Regierung, der OCP-Pipeline wegen gravierender Umwelt- und Sozialprobleme die endgültige Betriebserlaubnis zu verweigern. Angesichts der dramatischen Lage in Ecuador erwartet Rettet den Regenwald von der Landesregierung und der WestLB, unverzüglich eine Delegation in das südamerikanische Land zu schicken, um sich selbst ein Bild von den Folgen der WestLB-Pipeline zu machen. Von der Bundesregierung fordert Rettet den Regenwald, vom ecuadorianischen Präsidenten Guitierrez ein sofortiges Moratorium für sämtliche Ölaktivitäten in indigenen Gebieten und in tropischen Primärwäldern zu verlangen und international einen Schuldenerlass für Ecuador durchzusetzen. Rückfragen bitte an Werner Paczian: Tel. 0251-66 53 07 oder 0171-83 99 059 Achtung Bildredaktionen! Digitalisierte Fotos zum Thema können Sie unter den o.g. Telefonnummern bestellen.