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RegenwaldReport 01/2004

Weißes Papier mit dunklen Flecken

Wir Deutschen sind Vizeweltmeister im Verbrauch von Frischfasern. Der Zellstoff-Hunger zerstört die Wälder. Dabei gibt es Recylingpapier für Schule, Büro und Haushalt

Im Schnitt verbrauchen wir pro Kopf 230 Kilogramm Papier in zwölf Monaten, ein Mensch in Indien benötigt für die Menge 58 Jahre. Wir Deutschen stehen mit unserem Papierverbrauch vier- bis fünffach über dem Weltdurchschnitt von 50 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Nach den USA sind wir das Land mit dem zweithöchsten Frischfaserimport. Der Rohstoff für das in Deutschland verbrauchte Papier wächst nur zu einem Bruchteil hier in unseren eigenen Wäldern. Neben den traditionellen Lieferregionen Nordeuropa und Nordamerika sind in den letzten Jahren weitere Länder dazugekommen, darunter Brasilien und Indonesien. Dort verschwenden wir die Holz- und damit die Waldressourcen. Papierproduktion und -verbrauch sind weit davon entfernt, nachhaltig zu sein.

Weltweit enden rund 40 Prozent aller kommerziell geschlagenen Bäume als Zellstoffbrei in den Mühlen der Papierindustrie. Die katastrophalen Auswirkungen der Papierverschwendung in den Industriestaaten bekommen andere zu spüren. Menschen auf der indonesischen Insel Sumatra zum Beispiel. Große Zellstoffkonzerne wie Asia Pulp & Paper (APP) und Asia Pacific Resources International (APRIL) haben dort Menschen von ihrem Land vertrieben, riesige Urwaldflächen zerstört und eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Dadurch sind die letzten Lebensräume des Orang Utans akut bedroht.

Mit dem Raubbau-Papier von APP und APRIL werden auch bei uns Geschäfte gemacht. Deutschlands größter Papiergroßhändler, die Papier Union, vertreibt die Produkte von APRIL. Trotz heftiger Kritik an APRIL von Umweltorganisationen aus aller Welt hält die Papier Union am Geschäft mit dem Raubbau-Konzern fest. Statt auf Produkte aus Regenwaldzerstörung zu verzichten, übt sich Papier Union im „Greenwashing“ für seinen Geschäftspartner, der sich angeblich um „umweltverträgliche Rohstoffgewinnung bemühe“.

Im Januar 2002 meldete die Firma W. Hinderer GmbH aus dem nordrhein-westfälischen Meerbusch, sie habe mit APP eine Alleinverkaufsvereinbarung für gussgestrichene Papiere (Papier mit einer glänzenden Oberfläche) getroffen. Das Absatzgebiet erstrecke sich auf die westeuropäischen Länder sowie Polen. „Die Zusammenarbeit zwischen APP und Hinderer hat 1993 begonnen“, hieß es in der Mitteilung. Heute ist sie nach Darstellung von Hinderer angeblich beendet. Dabei hatte man noch im Januar 2002 stolz verkündet, APP und Hinderer hätten sich „insbesondere für den technischen Bereich ehrgeizige Verkaufsziele gesetzt“ und dafür „neue erfahrene Mitarbeiter aus der Papierbranche eingestellt.“

Auch die Post beteiligte sich am Geschäft mit Raubbau-Papier. Der Logistik-Riese verkaufte Produkte von APRIL. Nach Protesten gelobte die Post damals in einem Gespräch mit Robin Wood Besserung und bekräftigte im Juni 2003 schriftlich: „Dies bedeutet, dass keine Papiere aus Regenwald, Kahlschlag oder schützenswerten Urwäldern eingekauft werden.“ Im März 2004 wurde die Post von Robin Wood dabei erwischt, dass sie ihre eigenen Öko- Versprechen bricht. Anhand einer Laboranalyse konnte die Umweltorganisation nachweisen, dass die Deutsche Post Kopierpapier verkauft, dessen Rohstoff aus tropischen Naturwäldern stammt.

Verbraucher/innen, die sich nicht auf Zusagen von Post und Co. verlassen möchten, können ganz einfach gegen Raubbau-Papier aktiv werden, indem sie ihren Papierverbrauch reduzieren und auf Recycling-Produkte umstellen. Dabei befinden sie sich in prominenter Gesellschaft. Im vergangenen Herbst stellte Greenpeace auf der Frankfurter Buchmesse die Initiative „AutorInnen und Verlage für die Urwälder“ vor, bei der unter anderem Elke Heidenreich, Michael Jürgs und Kirsten Boie den verstärkten Einsatz von urwaldfreundlichem Papier im Buchdruck fordern. Für Jugendliche und ihre Eltern existiert bereits die „Initiative 2000 plus – Schulmaterialien aus Recyclingpapier“ (Infos unter www.urgewald.de, www.robinwood.de und www.learnline.de/nrw). Für Recyclingpapier in Unternehmen engagiert sich die Berliner „Initiative Pro Recyclingpapier“ (www.initiative-papier.de). Informationen zur guten Qualität von Recyclingpapier gibt es unter www.blauer-engel.de und www.uba.de.