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RegenwaldReport 01/2004

Teilerfolg für eine Gemeinde in Ecuador

Eine militärische Invasion der traditionellen Stammesgebiete der Sarayacu konnte bisher verhindert werden

„Sie kamen mit Macheten und Stöcken und haben brutal auf uns eingeschlagen“, erzählt eine Frau vom Stamm der Quichua. „Dabei waren wir auf einem friedlichen Marsch nach Puyo, um gegen das Öl und für unsere Rechte zu demonstrieren.“ 15 Männer, Frauen und Kinder aus Sarayacu im ecuadorianischen Amazonas wurden teilweise schwer verletzt. Die Täter, etwa 40 angetrunkene Indianer aus einer Nachbargemeinde, waren zuvor vom argentinischen Ölkonzern CGC angestiftet worden. Der Überfall, der Anfang 2004 passierte, belegt die explosive Stimmung in der Region, die bisher von Ölförderung verschont geblieben ist. Aber CGC will weiter auf dem traditionellen Stammesgebiet der Quichua nach Öl suchen – am liebsten unterstützt vom Militär.

Um das zu verhindern, hat sich die Sarayacu- Gemeinde mit einem dringenden Hilfsappell an die Weltgemeinschaft gewandt. „Seit mehr als 20 Jahren schon kämpfen wir gegen das Eindringen von Erdölkonzernen auf unser Territorium. Nun bitten wir nationale und internationale Organisationen, sich mit uns zu solidarisieren!“ schrieb Marlon Santi, Präsident von Sarayacu. Zumindest einen Teilerfolg haben die Menschen aus Sarayacu errungen. Die seit Mitte Dezember 2003 befürchtete Invasion durch den Ölkonzern CGC unter dem Schutz der Armee hat bisher nicht stattgefunden.

Umwelt- und Menschenrechtsgruppen aus aller Welt hatten beim ecuadorianischen Präsidenten scharf gegen die Pläne protestiert, die Ölsuche im Gebiet von Sarayacu militärisch abzusichern. Auch über die Homepage von Rettet den Regenwald wurden massenweise Protestmails an den Präsidenten geschickt. „Der weltweite Aufschrei hat offenbar dafür gesorgt, dass sich die Regierung bisher nicht getraut hat, ihre Soldaten zu schicken“, sagt Nathalie Weemaels von der ecuadorianischen Umweltorganisation Accion Ecológica. Seit Ende Januar haben die Indigenen aus Sarayacu an den Grenzen ihres Territoriums „Camps für Frieden und Leben“ errichtet und den Ausnahmezustand ausgerufen. Zusammen mit befreundeten Gemeinden der Völker Achuar und Zapara wollen sie das Eindringen des Ölkonzerns CGC verhindern.

Rettet den Regenwald hat 4.000 Euro als Spende überwiesen. Das Geld wird für Funkgeräte und Videoausrüstungen benötigt, um die Kommunikation zwischen den einzelnen „Camps für Frieden und Leben“ und Unterstützern in den Städten Tena, Puyo und Quito zu gewährleisten und um Treffen mit anderen Dorfgemeinschaften zu organisieren. Außerdem benötigen die Menschen Geld für ihre Transportkosten. Weiter im Norden des Amazonas, wo bereits seit über 30 Jahren Öl ausgebeutet wird, haben die Menschen aus Sarayacu gesehen, was ihnen ebenfalls droht: bunt schillernde Ölseen, geborstene Pipelines, abgeholzte Wälder, verseuchte Flüsse, Krankheiten und Hunger, weil Fische und Wildtiere verschwinden.

„Wir werden niemals zulassen, dass unser Lebensraum genauso zerstört wird“, sagt Marlon Santi. Unterdessen ist die „WestLB-Pipeline“ still und heimlich in Betrieb gegangen. Nach der Fertigstellung im November 2003 gab es zunächst keine Hinweise auf eine Inbetriebnahme. Auf Umwegen erfuhren örtliche Umweltschützer dann im vergangenen Februar, dass die Pipeline seit Januar 2004 Öl transportiert, allerdings vorerst nur mit halber Kapazitätsauslastung. Wegen starker Regenfälle ist die alte, staatliche Pipeline SOTE Ende März 2004 gebrochen. Aus Sicherheitsgründen wurde daraufhin auch die „WestLB-Pipeline“ abgeschaltet. Offenbar hat das Betreiber-Konsortium Angst vor schlechten Schlagzeilen über die „Pipeline der Spitzentechnologie“.