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RegenwaldReport 02+03/2004

Jeder Baum zählt - Teil 2 -

Die Arbeit von Rettet den Regenwald in den letzten 15 Jahren

Deutscher Raubbau in Afrika

Der deutsche Furnierhersteller Danzer (Reutlingen) wähnte sich auf seiner Holzkonzession tief im Regenwald Kongos sicher vor jeder Kontrolle von Umweltschützern. Doch 1998 recherchierte RdR zusammen mit einem Kameramann und einem Bonobo-Spezialisten auf der Holzkonzession Danzers und deckte die Verstrickung der Firma in die Wilderei und den Handel mit dem Fleisch getöteter Primaten und anderer Wildtiere auf. Danzer duldete auf seiner Holzkonzession nicht nur die Wilderei zur Versorgung der Holzfällercamps mit Frischfleisch, sondern lieferte Jägern und Wilderern auch Waffen und Jagdausrüstung und ermöglichte kommerziellen Jägern den Abtransport der gewilderten Tiere auf den Transportschiffen der Firma in die Hauptstadt Kinshasa. Die Veröffentlichung der Zustände durch RdR führten zusammen mit einer vom Verein organisierten Unterredung mit der Unternehmensführung zur schriftlichen Zusicherung von Danzer, sofortige Maßnahmen gegen die Wilderei einzuleiten. Der Präsident der Weltbank begrüßte persönlich den Bericht und hob die Verantwortung der beteiligten Firmen fürden Schutz der Wildtiere auf den Holzkonzessionen hervor.

Goldige Zeiten für Costa Ricas Wälder

In Costa Rica verhindern Umweltschützer und Bauern, dass der kanadische Goldkonzern Placer Dome riesige Goldminen auf Kosten der Regenwälder ausbeutet. RdR hatte den Widerstand unterstützt und eng mit der ökologischen Aktion AECO zusammen gearbeitet. Weil Goldsuche in Regenwäldern praktisch immer zu deren Zerstörung führt und die Waldbewohner krank und arm macht, kämpfen wir bis heute gegen solchen Umweltfrevel, egal ob in Brasilien, Ghana oder Papua Neu-Guinea.

Auf dem Holzweg

Froh verkündete 1998 das Holz-Zentral-Blatt: „Tropenholz aus umweltverträglicher Waldwirtschaft für Ostsee-Küstenschutz bei Warnemünde“. Hans Joachim Meier, Leiter des Umweltamtes in Rostock, freute sich zudem, man habe das schöne Holz „kostengünstig eingekauft“. Doch schnell war klar, was das Holz so billig machte: Der brasilianische Lieferant „Precious Woods“ erklärte, dass der größte Teil der Pfähle gar nicht aus ordentlicher, zertifizierter Forstwirtschaft stamme, sondern wild irgendwo in Brasilien zugekauft worden war. Ein typischer Fall von Betrug am Kunden – egal ob öffentliche Hand oder Privatverbraucher – mit Tropenholz aus angeblich umweltverträglicher Produktion. Fast immer waren es damals Umweltorganisationen, darunter RdR, die solche Betrügereien aufdeckten. „Teakholz aus Plantagen in Java von wichtigen Umweltorganisationen anerkannt“ stand auf den Gartenmöbeln in den Tchibo-Filialen. Mitglieder von Robin Wood fragten bei der Firmenzentrale nach und erhielten die Antwort, das Holz sei vom FSC zertifiziert. Doch zeigen wollte Tchibo das Dokument nicht. Aus gutem Grund: Nachfragen bei der FSCZentrale ergaben, dass in ganz Indonesien keine FSC-Zertifikate vergeben worden waren. Die Angaben von Tchibo waren gelogen. Schließlich gab Tchibo-Sprecherin Christiane Schulz zu: „Wir wussten, dass die Indonesier unberechtigt den FSC-Namen benutzen. Leider wurde die Information intern nicht weiter gegeben.“ Auch das Einrichtungshaus habitat, eine Schwesterfirma von Ikea, behauptete, seine Teakholzmöbel seien FSC-zertifiziert. Na ch Protesten von Umweltgruppen musste die Firma sich entschuldigen und die falschen Behauptungen zurücknehmen. In München wurden die OBI-Baumärkte erwischt. Sie hatten in Anzeigen Holzprodukte mit einem „Umweltzeichen Gruppe 98“ beworben. Ein solches Gütesiegel existierte überhaupt nicht. Im Eiltempo forderte OBI seine Baumärkte auf, die gefälschte Werbung zu stoppen. 1998: RdR unterstützt in Ecuador die „Defensa y Conservación Ecológica de Intag“, die den Schutz der Bergnebelwälder in der Region Intag nordwestlich von Quito zum Ziel hat. Mitsubishi gibt seine Pläne auf, in der Region „Bodenschätze“ auszubeuten.+++ 1999: RdR kann nach einem Spendenaufruf in der BUND-Mitgliedszeitschrift fast 10.000 Mark für Regenwaldkauf an die Umweltgruppe DECOIN im ecuadorianischen Intag überweisen. +++ 2000: RdR enthüllt, dass der WWF und die Europäische Kommission eine Tropenholz-Studie erst geheim halten und später ohne die Namen der Raubbau- Konzerne entschärft veröffentlichen. RdR publiziert daraufhin die ursprüngliche Fassung. +++ RdR alarmiert die Öffentlichkeit gegen Hermesbürgschaften für gigantische Staudämme in Indien, durch die 40.000 Menschen vertrieben werden sollen. Siemens und die HypoVereinsbank ziehen später ihren Antrag auf eine Hermesbürgschaft zurück. +++ 2001: Die indonesische Regierung verbietet den Handel mit einer Reihe von Harthölzern, darunter das auch in Deutschland lange Zeit verkaufte Ramin. +++ Der Umwelt- und Forstminister von Kamerun kündigt an, unabhängige Beobachter an der Kontrolle der Forstwirtschaft zu beteiligen. +++ Das höchste Gericht in Kuching, Hauptstadt des malaysischen Bundesstaates Sarawak, erkennt die traditionellen Landrechte eines Iban-Dorfes an und wendet sich damit gegen die Regierung von Sarawak und zwei Holzkonzerne. +++

Proteste gegen Regenwaldstraße

Auf der Straße von Lomie nach Abong Mbang rollen die Holzlaster, zwischen dem illegal gefällten Holz versteckt liegen gewilderte Affen, Antiliopen, Stacheltiere. Sonst fährt kaum ein Auto. Schlaglöcher gibt es nicht, ein Wunder für Kamerun. Hier hat die EU ganze Arbeit geleistet. Mit Entwicklungsgeldern wurde der Highway für den Holzhandel gebaut. Mit Filmaufnahmen von RdR und Dokumenten der Rainforest Foundation von Sting werden die EU-Abholzhilfe dokumentiert und im deutschen und britischen Fernsehen gezeigt, sowie 30.000 Unterschriften gegen den EU Wahnsinn gesammelt. Die EU verspricht nach massivem Druck Umdenken bei zukünftigen Projekten. In Zusammenarbeit mit der Rainforest Foundation in London startete RdR im Herbst 1998 eine Kampagne zur Reform der Entwicklungsund Tropenwaldpolitik der Europäischen Union. Die Vielzahl verschiedener Förderprogramme und Entwicklungsfonds führten immer wieder dazu, dass durch Entwicklungsprojekte der EU gravierende Umweltzerstörungen hervorgerufen wurden. Durch intensive Pressearbeit und mit Anzeigen in Tageszeitungen und zahlreichen Zeitschriften wurde von uns die Öffentlichkeit über die Problematik informiert. Eine Unterschriftenaktion richtete sich gegen die Bewilligung von weiteren 110 Millionen Mark für den Straßenbau in Kamerun durch die EU. Insgesamt gingen fast 25.000 Unterschriften bei RdR ein. Die geplanten neuen Straßen wurden bis heute nicht gebaut.

Kein Öl im Wohnzimmer der U’wa!

Morgens hat Janina, Praktikantin bei RdR, das „Rohöl“ aus Soßenbinder und Farbstoff hergestellt. Jetzt stehen neun Regenwaldaktivisten vor dem kolumbianischen Konsulat in Hamburg und halten Plakate in die Höhe, auf denen gegen Ölförderung im Stammesgebiet der U´wa protestiert wird. Die U’wa sind ein Indianervolk von 5000 Menschen und leben im Nordosten Kolumbiens in den Regenwäldern, die sie als Lebensgrundlage benötigen. Die amerikanische Ölfirma Occidental Petroleum (Oxy) will als Führer eines Konsortiums mitten im Wohnzimmer der U’wa Erdöl fördern. Die U’wa wollen ihren intakten Lebensraum und ihre traditionelle Lebensweise nicht opfern. Sie wissen, dass Ölförderung in Kolumbien vor allem Gewalt und Umweltzerstörung bedeutet. Janina hat das „Rohöl“ über einen Sessel gekippt, Passanten bleiben stehen, die Mitarbeiter des kolumbianischen Konsulats nehmen unser Protestschreiben in Empfang. Zeitgleich protestieren Umweltschützer in anderen europäischen Städten und in den USA gegen Oxy. Die Proteste und Aktionen gegen die Ölförderung gehen noch Jahre weiter und sind am Ende erfolgreich. Im Herbst 2002 zieht Oxy sich aus dem U‘wa-Gebiet zurück. „Auf diese Nachricht haben wir lange gewartet. Sira, der Gott der U´wa, hat uns hier in Kolumbien und unsere Freunde auf der ganzen Welt begleitet“,kommentiert der U’wa-Sprecher Ebaristo Tegria.

Bei Anruf Mord

Mit jedem neu verkauften Handy klingelt es in den Kassen der afrikanischen Bürgerkriegsmilizen. 2001 macht der Regenwald Report das Thema „blutige handys“ in Deutschland bekannt. Das darin verwendete Edelmetall Coltan stammt teilweise aus den kongolesischen Regenwäldern von einer Bayer-Tochter. Der Konzern muss sich bei einer Aktionärsversammlung rechtfertigen und gerät unter Druck. Zwar reagierte Bayer unverzüglich auf unsere erste Protestaktion. Nach eigenen Angaben schließt der Konzern den Bezug von Mineralien aus Regenwaldgebieten im Kongo aus. Doch klare Angaben zur Herkunft der Mineralien verweigert Bayer bis heute.

Dank aus Indonesien

Die indonesische Umweltgruppe WAHLI Jambi von der Insel Sumatra hat sich im Herbst 2001 in einem Brief bei RdR für die Hilfe beim Kampf gegen die Regenwaldzerstörung bedankt. „WALHI Jambi ist eine kleine Organisation“, schreibt der Vorsitzende Feri Irawan. „Wir helfen vor allem Bauern und Ureinwohnern in der Provinz Jambi, die Opfer der Papier- und Zellstoffindustrie geworden sind und durch Palmölplantagen geschädigt wurden. Diese Leute kommen fast täglich in unser Büro.“ Damals plant der Gouverneuer von Jambi auf einer Million Hektar neue Palmölplantagen, aber WALHI Jambi konnte den Einstieg von zwei internationalen Investoren verhindern. Doch der Gouverneur sucht nach anderen Geldgebern für seine Pläne. „Wir fühlen eine starke Verpflichtung, den Opfern zu helfen, aber ohne Geld können wir kaum etwas ausrichten“, schreibt Feri Irawan weiter. „Deswegen bitten wir RdR um eine langfristige Unterstützung. Noch gibt es in der Provinz Jambi unberührte Regenwälder, und deswegen haben wir gemeinsam die Chance, diese zu retten.“ RdR unterstützt mittlerweile die Umweltgruppe WALHI Jambi regelmäßig mit Geldspenden. Unsere Kampagne gegen Regenwaldzerstörung auf Sumatra auch mit deutschen Geldern und Papier aus Raubbau läuft weiter. Während der Handelsriese Metro im Sommer 2004 die Geschäftsbeziehungen zu seinem indonesischen Papierlieferanten APP aus Umweltschutzgründen abgebrochen hat, kauft die Hamburger Papier Union weiter beim indonesischen Regenwald-Abholzer APRIL. Auch Karstadt und die Deutsche Post verzichten längst auf Papier aus Raubbau. Doch unser Protest geht in die zweite Runde (www.regenwald.org). An der ersten haben weit über 4.000 Menschen teilgenommen und der Papier Union eine Protestmail geschickt.

WildwestLB in Ecuador

Ende Juli 2001 in Ecuadors Hauptstadt Quito: Mitglieder der Umweltorganisation „Accion Ecologica“ tragen eine zehn Meter lange, aufblasbare Nachbildung einer Ölpipeline vor das Rathaus der Stadt. Die Aufschrift: „Wir sind auf dem richtigen Weg zum Tod – NEIN ZUR PIPELINE“. Drinnen im Rathaus beraten Bürgermeister und Stadtrat über den Bau der Pipeline durch das Stadtgebiet von Quito. Später ziehen die Demonstranten weiter zur Deutschen Botschaft. Dort übergeben sie dem Botschafter ein Protestschreiben von ecuadorianischen Umwelt- und Sozialorganisationen. Teilnehmer an der Aktion sind auch zwei Aktivisten von RdR, die mitgeholfen haben, die Demonstrationen zu organisieren. Fast zeitgleich protestieren Unterstützer von RdR bei einem unangemeldeten Besuch der WestLB in Bonn gegen die geplante Ölpipeline in Ecuador. „Stoppt die Regenwaldzerstörung durch die WestLB“ steht auf einem großen Transparent. Das Geldinstitut steht an der Spitze eines Bankenkonsortiums, das mit einem 900 Millionen US-Dollar-Kredit den Bau der Pipeline finanziert. Die Ölrohre tangieren elf Schutzgebiete, darunter das international anerkannte „Mindo-Nambillo“-Reservat, das zur ersten „Important Bird Area“ Südamerikas erklärt wurde. Die Kapazitätsauslastung der geplanten Pipeline erfordert zudem eine Verdoppelung der Ölproduktion in Ecuador. Weil die größten Ölreserven des Landes in den Regenwälder im Amazonas liegen, sind diese bedroht und damit auch die Indianergebiete dort. Mit den Erlösen aus dem Ölexport will Ecuador keineswegs die Armut im Land bekämpfen, sondern vor allem seine horrenden Auslandsschulden im Westen zahlen. Dabei haben 30 Jahre Ölförderung das kleine südamerikanische Land schon jetzt sozial, ökologisch und wirtschaftlich schwer geschädigt. Im Mai 2001 hatten ecuadorianische Umweltgruppen in einem dringenden Hilferuf um internationale Unterstützung gegen das Projekt gebeten. RdR hatte danach eine weltweite Kampagne gestartet, mit der die WestLB zum sofortigen Ausstieg aus der geplanten Finanzierung bewegt werden soll. Seitdem erlebten die WestLB und die NRW-Landesregierung eine bis heute andauernde Protestwelle. Das Land NRW ist größter Anteilseigner an dem Kreditinstitut. Der frühere Ministerpräsident Clement und sein Nachfolger Steinbrück ignorierten genauso sämtliche Proteste wie die WestLB-Spitze selbst. Ende 2003 wurde die Pipeline in Betrieb genommen. Trotzdem ging die Kampagne nicht spurlos an der Bank vorbei. Im April 2004 zitierte die Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung WestLB-Sprecher Thomas Wilde mit den Worten: „Die Bank hat aus der öffentlichen Diskussion um die von ihr mitfinanzierte Ölpipeline in Ecuador weitreichende Konsequenzen gezogen.“ 2002: Der neu gewählte Präsident von Costa Rica, Dr. Abel Pacheco de la Espriella, erklärt in einer historischen Rede, sein Land werde ab sofort keine Ölförderung und keine Ausbeutung von Bodenschätzen im Tagebau mehr zulassen. Ein bereits als ausgestorben vermuteter Vogel, der Goldkronen-Manakin, wird in Brasilien wieder entdeckt. 2002: RdR und Pro Wildlife berichten über tödlichen Tierhandel unter anderem bei ebay. Das Auktionshaus verspricht anschließend Besserung und stärkere Kontrollen. +++ 2003: Ein Gerichtsurteil schützt in Indien paradiesische Regenwälder im Golf von Bengalen. +++ In der aktualisierten Fassung „Das neue Schwarzbuch Markenfirmen“ berichten die Autoren unter dem Titel „Schmierige Geschäfte“ auch über die WestLBPipeline. +++ Die EthikBank verkauft alle Wertpapiere der Landesbank Nordrhein-Westfalen. Auslöser für den Schritt sei die Finanzierung der OCPÖlpipeline in Ecuador durch die Landesbank-Tochter WestLB gewesen. +++ Entwicklungs- und Umweltminister aus 38 Staaten einigen sich auf einer Konferenz in Kamerun zu Maßnahmen gegen die bushmeat-Katastrophe in den afrikanischen Regenwaldländern. +++ Nach Wildes Angaben soll der Umweltschutz künftig „organisatorisch fest verankert“ werden. Die Bank habe eine vom Management unabhängige Abteilung gegründet, die dem Vorstand angegliedert und deren Aufgabe die „Steuerung und Kontrolle sämtlicher umweltrelevanter Aktivitäten“ ist. Die WestLB werde sich überdies den Standards der „International Finance Corporation“ unterwerfen, einer Tochter der Weltbank. Bis heute sind den schönen Worten keine ernsthaften Taten gefolgt. Zum angekündigten Dialog mit Umweltorganisationen beispielsweise war die WestLB noch nicht bereit. 2002/03 sammelte RdR Spenden und kaufte für 120.000 Euro ein rund 800 Hektar großes Sperrgrundstück gegen die Pipeline im Mindo- Wald. Das Land wurde örtlichen Umweltschützern treuhänderisch überschrieben. Obwohl diese niemals ihr Einverständnis gegeben haben, baute das Ölkonsortium die Pipeline illegal über unser Grundstück. Deswegen sind die WestLB-Geschäftspartner inzwischen von Naturschützern verklagt worden – der Prozess steht noch aus.

In einer Giftbrühe baden

Im Süden von Sumatra scheint die Welt noch in Ordnung. Umgeben von majestätischen Urwaldriesen liegen idyllische Dörfer an malerischen Flüssen. Die Sonne scheint, so dass die Kinder fast nackt herum springen. Deswegen sind die Hautausschläge auf den kleinen Körpern deutlich zu erkennen. Ihre Heimat, der Urwald, ist umzingelt von Zellstoffwerken. Eine alte Frau zeigt eine Geschwulst im Gesicht und erzählt, dass der Tumor erst gewachsen sei, nachdem das nahe Zellstoffwerk seine Abwässer in den Fluss geleitet habe. Dort treiben tote Fische. Ein von Hautausschlag gezeichneter Fischer berichtet, dass er kaum noch etwas fängt. Der Mediziner Professor Dr. Trabanni Raab behandelt hunderte von Patienten, die durch die giftigen Abwässer und Chlorgaswolken schwer krank geworden sind. Er beklagt, dass es ihm nur möglich sei, die Symptome zu lindern. An der Ursache aber könne er nichts ändern, weil die Menschen gezwungen seien, Wasser aus dem Fluss zu benutzen. Er fordert die Schließung der Giftschleuder. 2001 beschäftigte sich der Regenwald Report intensiv mit dem Papier-Skandal auf Sumatra, aber auch damit, dass illegaler Holzeinschlag und Brandrodungen inzwischen alltäglich sind. Der Druck auf die noch verbliebenen Wälder nimmt angesichts des rasanten Ausbaus - seit 1987 hat sich die Papierproduktion mehr als versiebenfacht – weiter zu. Neben der illegalen Plünderung ihrer Wälder verschlechtert sich der Gesundheitszustand der Flussanrainer, die stromabwärts der großen Zellstoffwerke leben, zunehmend. Deutsche Firmen, Banken und die Hermes AG haben sich kräftig am indonesischen Zellstoffboom beteiligt. Die Bundesregierungen haben seit den 90er Jahren für den Zellstoffsektor in Indonesien Bürgschaften in Höhe von über 500.000 Euro übernommen. Die sozialen und ökologischen Folgekosten der Zellstoffproduktion wurden in Berlin offenbar nie ernsthaft geprüft. Am Beispiel der indonesischen Zellstoffwerke zeigt sich einmal mehr, wie dringend notwendig eine Hermes-Reform ist.

Von der Holzmafia verstümmelt

Das Schiff hatte 54.000 Kubikmeter Tropenholz geladen. Alles illegal gefällt. Nichts ungewöhnliches in Indonesien wo bis zu 90 Prozent des Holzes illegal eingeschlagen wird. Doch diesmal tauchten Hubschrauber der Armee auf, Schnellbote der Marine brachten das Schiff auf. Zum ersten Mal in Indonesien wurde eine riesige Menge illegalen Holzes beschlagnahmt und stillgelegt. Bewirkt hatte dies alles ein Mann: Abi Kusno Nachran, 61 Jahre alt und geboren in einem kleinen Dorf im Regenwald von Zentralkalimantan auf Borneo. Früher war er dort Sprecher des Regionalparlaments und musste mit ansehen, wie Holzkonzerne illegal die Wälder seiner Heimat plünderten. Inzwischen arbeitet er als Journalist – im November 2001 hatte er alle Beweise zu der illegalen Schiffsladung recherchiert und das indonesische Forstministerium alarmiert. Doch Abi musste teuer bezahlen für seine mutige Aktion gegen die Holzmafia und ist heute schwer verstümmelt. An der einen Hand hat er nur noch den Daumen. Ein Arm wurde fast durchtrennt. Am ganzen Körper trägt er dicke Narben. Abi wurde von der indonesischen Holzmafia überfallen und durch Machetenhiebe fast getötet, nachdem er die illegale Schiffsladung aufgedeckt hatte. Im Sommer 2002 reiste Abi nach Hamburg, um sich dort einer Spezialbehandlung zu unterziehen. RdR sammelte über 13.000 Euro für die Behandlung von Abi und für seine Regenwaldarbeit. Ein Jahr später wurde der Journalist für seinen mutigen Einsatz ausgezeichnet und erhielt den DR. GÖTZE GEO-PREIS. Er ist mit 12.000 Euro dotiert und wird in Hamburg verliehen.

Weniger Tropenholz

2003 berichtete das Statische Bundesamt in Wiesbaden, die Einfuhr edler Tropenhölzer nach Deutschland sei weiter kontinuierlich auf dem Rückmarsch. Nach einer Abnahme um rund 12 Prozent von 2000 auf 2001 standen im Jahresvergleich 2001/2002 noch einmal 21,7 Prozent weniger zu Buche. In absoluten Zahlen ausgedrückt waren es 110.850 Kubikmeter im Wert von 40,3 Millionen Euro. Wer aber trotzdem sein Haus aus Holz bauen will, muss dafür nicht zwangsläufig den tropischen Wald abholzen lassen. Andere, weniger gefährdete Rohmaterialien tun es auch. Allerdings sollte man ein auf Baubiologie spezialisiertes Architektenbüro konsultieren, damit das Ziel des Ressourcen schonenden und schadstoffarmen Holzhäuslebaus auch realisierbar bleibt. Nach Berechnungen des Arbeitskreises Ökologischer Holzbau in Herford (NRW) sind für den Bau eines Holzhauses mit 140 Quadratmetern Fläche rund 16 Tonnen Holz nötig.

Kurz vor Redaktionsschluss erreichten uns noch zwei sehr gute Nachrichten:

Die Artenschutzkonferenz hat den Handel mit Ramin Holz aus Indonesien stark eingeschränkt. Das hilft auch dem Sumatratiger und tausend anderen Arten in Asien. Und die andere freudige Überraschung: Professor Wangari Maathai aus Kenia hat den Friedensnobelpreis erhalten hat. Frau Maathai hat in Kenia die Armen motiviert Millionen von Bäume zu pflanzen und sie hat sich für die Rechte der Frauen in Afrika eingesetzt. Ohne Furcht stritt sie mit gewalttätige Grundbesitzer, die die letzten Parks der Hauptstadt Nairobi abholzen wollten (wir haben das selber miterlebt wie Schlägertrupps unter Drogen die Umweltschützer mit Knüppeln und Steinen angriffen). Danke liebes Nobelkomitte, die Ehrung lässt hoffen, dass ein Umdenken auch beim Establishment einsetzt. Wir sind auf dem richtigen Weg, nur schneller muss es gehen.