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Landraub – das globale Geschäft mit dem Acker

In seinem Buch analysiert Stefano Liberti ein neues Phänomen: Landraub. Staaten, Konzerne und Spekulanten pachten Agrarflächen in Afrika und Südamerika, um für den Export Lebensmittel oder Pflanzenkraftstoffe zu produzieren – eine Katastrophe für die lokale Bevölkerung und die Natur.

 

Olivia M. vor ihrer Behelfsbehausung, nachdem sie von ihrem Land vertrieben wurdeOlivia M. vor ihrer Behelfsbehausung, nachdem sie von ihrem Land vertrieben wurde

Liberti sitzt am Frühstückstisch in Rom. Er hat Handwerker im Haus – die Stromleitung wird repariert. Die Verbindung ist wackelig, aber es reicht für das Interview. „Ich stieß zufällig auf das Thema. Bei vorherigen Recherchen war ich in Afrika und 2008 reiste ich für das italienische Fernsehen nach Chicago und Brasilien. Ich wurde aufmerksam und beschloss, die Hintergründe des großen Landraubs aufzudecken.“

Das Buch „Landraub – Reisen ins Reich des neuen Kolonialismus“ führt uns rund um die Erde zu den verschiedenen Tatorten der Landgeschäfte. Liberti beschreibt Hightech-Gewächshäuser in Äthiopien und erzählt Anekdoten von Konferenzen der Investoren in Dubai und Genf. Er erläutert den Handel an der Nahrungsmittelbörse in Chicago und durchstreift die Sojawüsten in Brasilien. In entwaffnenden Interviews entlockt er den beteiligten Akteuren ehrliche Statements und schafft es, die komplexen Strukturen des globalen Landkaufs verständlich darzustellen.

Das lukrative Geschäft mit fruchtbaren Böden begann, als infolge der Finanzkrise die Lebensmittelpreise explodierten. Während Millionen Menschen in Afrika hungern, lassen auf ihrem Land reiche Nationen Lebensmittel und Agrosprit für den eigenen Bedarf produzieren. Kleinbauern, die das Land traditionell bestellen, werden vertrieben oder zum Verkauf gezwungen. „Bei meinen Recherchen habe ich nichts von dem gesehen, was Investoren der Bevölkerung vorher versprachen. Keine Krankenhäuser und keine Schulen“, sagt Liberti.

Nicht nur für die Menschen ist diese Entwicklung eine Katastrophe. Im Buch berichtet Liberti von einem niederländischen Investor in Tansania, der für 99 Jahre bewaldetes Land billig pachtete. Die Firma fällte den Wald und verkaufte das Holz gewinnbringend. Seitdem liegt das Land brach. Der Autor warnt: „Diese Konflikte werden sich auf globaler Ebene ausweiten, mit immer härteren Zusammenstößen zwischen Kleinbauern und Großkapitalisten. Der Ausgang dieses Kampfes wird wahrscheinlich darüber entscheiden, wie unser Planet in naher Zukunft aussehen wird.“

 

 Text

„Landraub – Reisen ins Reich des neuen Kolonialismus“

von Stefano Liberti als Sonderausgabe für Rettet den Regenwald. Erstauflage März 2012. 256 Seiten, broschiert, 9,80 Euro. Über den Regen­waldshop zu bestellen

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