Regenwald Report 01/2026 Ein starkes Bündnis für den Regenwald
Am Acará Fluss im Bundesstaat Pará vereinen sich verschiedene ethnische Gruppen, um ihr von der Palmölindustrie geraubtes Land wieder in Besitz zu nehmen. Und die Ölpalmen durch Urwaldbäume zu ersetzen.
Der Regenwald Report ist kostenlos und erscheint vierteljährlich, er enthält aktuelle Berichte über Projekte und Aktionen. Eine Zustellung per Post ist nur innerhalb Deutschlands möglich.
Nach fünf Stunden Fahrt aus der Großstadt Belém erreichen wir die indigene Gemeinschaft Tenetehara I’Ixing. Dort erwarten uns Miriam Tembé und Josias Dias dos Santos, Spitzname Jota. Sie ist eine indigene Führerin der Tembé. Er ist Indigener und Quilombolo, so nennen sich in Brasilien die Nachfahren ehemals versklavter Menschen aus Afrika.
Zusammen führen beide die Bewegung IRQ an, ein in Brasilien einmaliges Bündnis verschiedener ethnischer Gruppen im Regenwald: „I“ steht für Indigene, „R“ für Riberinhos, das sind traditionelle Gemeinschaften an den Flussufern, und „Q“ für Quilombolos.
Stolz berichten sie von Neuigkeiten seit unserem letzten Besuch vor zwei Jahren: Viele Familien verkaufen jetzt ihre Früchte und Gemüse auf einem Marktstand in der Kleinstadt Cuatro Bocas. Sie haben dafür eine Kooperative gegründet und sind dabei, einen Laden zu eröffnen.
Im Dorf fallen uns die vielen Baum-Setzlinge in Pflanzbeuteln auf, die überall im Schatten stehen. „Wir haben sie aus Samen aufgezogen, die wir im Regenwald von Bäumen und Palmen gesammelt haben“, erklärt uns ein Jugendlicher. Bald sollen sie ausgepflanzt werden.
„Früher hat uns der Regenwald ernährt. Es gab reichlich Wild, in den Flüssen viele Fische. Es war sicher, wir konnten ohne Angst leben“, erzählt Miriam. „Die Palmölfirmen haben uns alles genommen und unsere Lebensgrundlagen zerstört.“
Jetzt wehren sich die indigenen Tembé und Turiwara in acht Gebieten sowie vier Quilombola-Gemeinden. Sie nehmen ihr angestammtes Land wieder in Besitz – einschließlich der Ölpalmplantagen. Deren bewaffnete Wachdienste und Milizen schießen auf die Menschen. Schwerverletzte und Tote sind die Folge. „Die größte Gewalt geht vom brasilianischen Staat aus. Er kommt seinen Aufgaben nicht nach und schützt uns nicht“, sagt Jota. „Solange der Staat unsere Territorien nicht demarkiert, müssen wir das selbst machen.“
Wir halten an einem kleinen Schild mit der Aufschrift: Wiederbesetzung von traditionellem Territorium. „Den Hinweis und die bemalten Holzpfosten haben wir aufgestellt, um die Einfahrt zu versperren. Die Plantage haben wir vor drei Jahren friedlich wiederbesetzt“, erklärt Miriam. Die Palmölfirma BBF - Brasil Biofuels - hat sie auf ihrem Land angelegt. Sie haben gegen BBF Klage eingereicht. Aufgrund finanzieller Probleme befindet sich die Firma nun in einem Gläubigerschutzverfahren. In der Nähe sind Arbeiter dabei, Fruchtbüschel von Ölpalmen zu verladen. „Wir wollen die Ölpalmen nicht auf unserem Land, aber wir müssen damit umgehen. Jetzt ernten und verkaufen wir die Früchte selbst, bis wir eines Tages unser Land wieder mit Regenwald bepflanzt haben“, sagt Jota.
„Unser Land ist 5.000 Hektar groß, wir müssen noch sehr viele Bäume aufziehen und auspflanzen“, ergänzt Miriam. „Mit den 25 Familien in unserer Gemeinschaft wird es Jahre dauern, um aus den Monokulturen wieder fruchtbares Land voller Leben zu machen.“ Am nächsten Morgen fahren wir zu einem Treffen ins Gebiet der Quilombolas. Es geht an Regenwaldresten vorbei, vor allem durchqueren wir aber Ölpalmplantagen. In der Gemeinschaft Amarqualta haben sich 45 Personen versammelt, um mit uns Spendenhilfe zur Bekämpfung von Waldbränden zu vereinbaren.
„In meinen fünfzig Lebensjahren habe ich noch nie solche Feuer gesehen wie im letzten Jahr“, erklärt Paulinho. „Wir haben einen Monat allein gegen die Flammen gekämpft. Der Regenwald, die Açaí-Palmen, unsere Kulturen, alles brannte.“ Nun wollen sie Gruppen in der Brandbekämpfung ausbilden und ausrüsten sowie in vorbeugende Maßnahmen wie die Anlage von Brandschneisen und Feuerüberwachung investieren. „Eure Unterstützung, die Aufmerksamkeit und die Solidarität von Rettet den Regenwald sind uns sehr wichtig“, sagt Miriam.
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