Regenwald Report 01/2026 „Der Wald ist unser spiritueller Glaube“
Im Süden des Bundesstaates Bahia haben wir die Gemeinschaft des Indigenen-Führers Mãdy Pataxó besucht. Er erzählt uns von Gewalt und Vertreibung, aber auch davon, wie sie ihr geraubtes Land friedlich besetzen und wieder bewalden.
Der Regenwald Report ist kostenlos und erscheint vierteljährlich, er enthält aktuelle Berichte über Projekte und Aktionen. Eine Zustellung per Post ist nur innerhalb Deutschlands möglich.
Unser Weg nach Rio Docahy führt über schlammige Pisten durch verletzte Natur. Wo einst der artenreiche Atlantische Regenwald das Hügelland bedeckte, breiten sich Rinderweiden und endlose Reihen dünner Eukalyptus-Bäume aus. Die Monokulturen des Papier- und Zellstoffproduzenten Veracel belegen in Bahia fast 100.000 Hektar Land, eine Fläche, größer als Berlin. Die Firma ist ein Joint Venture der finnisch-schwedischen Stora Enso-Gruppe und des brasilianischen Suzano-Konzerns.
Kurz vor der Atlantikküste erreichen wir das Dorf. Dort wartet Mãdy Pataxó auf uns, einer der Führer der Pataxó – und äußerst aktiv. 2022 war er in Europa – auf Einladung des Netzwerks Kooperation Brasilien in Deutschland, aber auch in Brüssel bei der EU und in Genf bei den Vereinten Nationen. Allein Deutschland importiert jährlich fast eine Million Tonnen Eukalyptus-Zellstoff aus Brasilien. Veracel wurde dazu von der Europäischen Investitionsbank der EU mit einem Darlehen über 110 Millionen US-Dollar finanziert.
Nach jahrzehntelanger Vertreibung, Landraub und Gewalt durch Rinderzüchter, Großgrundbesitzer, die Papierindustrie und Polizeieinheiten sucht Mãdy Unterstützung für die Rückerlangung des Landes der Pataxó. Vor Jahren haben die Indigenen begonnen, ihr geraubtes Land wieder zu besetzen. Auf der UN-Weltklimakonferenz COP30 hat das Justizministerium die Demarkierung eines ihrer angestammten Gebiete zusammen mit neun weiteren indigenen Territorien anderer Völker bekanntgegeben. Das Land Comexatiba, in dem Mãdy lebt, umfasst 28.077 Hektar und wird von 732 Pataxó bewohnt. Für Mãdy und die Pataxó ist das ein wichtiger Erfolg, dem viele weitere folgen müssen.
Am Ende unseres Besuches führt er uns zu einem besetzten Agrarbetrieb in der Nähe. Er liegt inmitten einer 500 Meter breiten Schneise, die die Pataxó in die Eukalyptus-Plantagen geschlagen haben. Jetzt pflanzen sie dort heimische Baumarten, um einen grünen Korridor zwischen den bestehenden Wald- und Schutzgebieten zu schaffen, den auch die Wildtiere nutzen können. Mit Mãdy besprechen wir, wie Rettet den Regenwald die Pataxó bei der Gründung einer eigenen Organisation und der Fortführung der laufenden Demarkationsverfahren unterstützen kann.
„Wir brauchen das Land und seine Ressourcen zum Leben“, sagt Mãdy. „Das Land ist unser Körper, das Wasser unser Blut und der Regenwald unser spiritueller Glaube.“
Der ausführliche Reisebericht: Reisebericht bei den Pataxó
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