Besonders gefährliche Straßenbauprojekte

Der Bau von Straßen ist eine zweischneidige Angelegenheit. Sie sind für die Bevölkerung nützlich und bringen wirtschaftliche Entwicklung, etwa indem sie Landwirten die Vermarktung ihrer Produkte ermöglichen und Zugang zu Schulen und Gesundheitsversorgung erleichtern. Sie zerstören aber auch die Umwelt und gefährden die Lebensgrundlage vieler Menschen.

Brasiliens Straßen in Amazonien

Im brasilianischen Teil Amazoniens sind die Folgen des Straßenbaus für Waldgebiete besonders dramatisch zu sehen. Am berühmtesten ist wohl die 1972 fertiggestellte Transamazônica (BR-230). Mit dem Bau der Hauptstraße fraßen sich wie in einem Fischgrätenmuster Nebenstraßen in den Wald.

Besonders bedrohlich ist die derzeit forciert geplante Asphaltierung der 890 Kilometer langen, im Westen Brasiliens gelegene Überlandstraße BR 319 von Porto Velho nach Manaus. Der durch den Ausbau geschaffene Korridor würde Amazonien zweiteilen.

Die derzeitige Asphaltierung der BR 163 zwischen Itaituba and Santarém dient vorrangig dem Soja-Export aus dem Bundesstaat Mato Grosso über den Amazonas nach Übersee. Profiteure sind die Konzerne Cargill und Bunge. Für die Anlage der Soja-Äcker wurde großflächig die Cerrado Savanne im Landesinnern zerstört. Jetzt gibt es Pläne, die Straße über den Amazonas hinaus nach Norden durch unberührten Wald in Richtung Surinam zu verlängern.

„Superhighway“ in Nigeria

In Nigerias Bundesstaat Cross River soll ein „Superhighway“ gebaut werden, der ursprünglich durch einen Nationalpark, den Wald der indigenen Ekuri und andere geschützter Wälder führen sollte. Der Gouverneur hatte bereits auf 256 Kilometern Länge einen 20 Kilometer breiten Korridor konfisziert und die Menschen enteignet. Er musste dies nach Protesten zurücknehmen, hält aber am Projekt fest.

Kritiker sagen, dass das Straßenbauprojekt nur ein Vorwand sei, um den Wald für den Holzeinschlag zu erschließen und Palmölplantagen anzulegen.

Trans-Papua Highway in Indonesien

Indonesien baut auf der Insel Neuguinea ein 4.350 Kilometer langes Straßennetz, das einige der größten zusammenhängenden Regenwaldgebiete der Erde zerschneidet und die Kultur indigener Völker bedroht. So führt der Trans-Papua Highway auf einer Strecke von 193 Kilometern durch den Lorentz National Park und durch weitere Wälder von unvergleichbarem ökologischen Wert im Osten und Südosten der Provinz Papua.

Chinas „Neue Seidenstraße“

Die „Neue Seidenstraße“ ist nicht nur ein Straßenbauprojekt, sondern eine großangelegte Entwicklungs- und Investitionsstrategie. Mit der „Belt and Road Initiative“ (BRI) oder „One Belt One Road“ (OBOR) will China seinen Einfluss auf Schwellenländer ausbauen und Asien mit Afrika und Europa auf dem Landweg (Road) und dem Seeweg (Belt) stärker verbinden. Kritiker fürchten, dass China Länder durch die Vergabe hoher Kredite von sich abhängig mache.

Zum Projekt gehören neben Straßen wie dem Karakoram Highway nach Pakistan der Ausbau der Transportwege insgesamt (Eisenbahnstrecken, Häfen, Flughäfen) und zahlreiche Infrastrukturprojekte wie Staudämme und Kraftwerke.

„Entwicklungs-Korridore“ in Afrika

In Afrika entstehen mehr als 30 „Entwicklungs-Korridore“ beziehungsweise sind geplant. Sie sind jeweils mit dem Ausbau von Straßen verbunden. Studien zeigen, dass lediglich sechs der Korridore sinnvoll sind. Ein Drittel aller Schutzgebiete ist bedroht, darunter 90 Prozent des Lebensraums von Primaten. Wissenschaftler warnen, dass selbst nicht asphaltierte Nebenstraßen für Schimpansen problematisch sind.

Höchst umstritten ist eine Straße durch die Serengeti in Tansania.

Straßen im Norden Kanadas

In Nordkanada sind selbst wenige Straßen für Bergbauprojekte eine große Gefahr für Karibus. Einige der größten Herden sind bedrohlich geschrumpft. Experten sehen zwei Ursachen: Die Tiere schrecken vor Trassen wie Straßen und Stromleitungen zurück und queren sie nicht. Über Straßen rücken Wölfe vor, jagen Karibus und verdrängen sie in Regionen, in denen das Futterangebot zu niedrig ist.