Abholzung für Palmöl und Papier in Papua steigt

drei Papua verteidigen ihren Wald mit Schild Indigene Papua verteidigen ihren Wald gegen Palmöl- und Papierkonzerne (© Agus Kalalu) Abholzung in Sorong, West-Papua, durch die Firma IKSJ Kahlschlag in Sorong, West-Papua. (© Pusaka)

01.09.2022

Die Auswertung neuer Satellitendaten zeigt: Die Regenwälder Papuas werden wie zuvor abgeholzt. Verantwortlich sind zumeist Palmöl- und Papierkonzerne.

Satellitenaufnahmen zeigen, dass in Papua im ersten Halbjahr 2022 mehr als 1.150 Hektar abgeholzt wurden, hauptsächlich für Palmöl und Papier, in Sorong, Jayapura und Merauke. Und das trotz der Maßnahmen der Behörden gegen irreguläre Unternehmen und trotz des entschlossenen Widerstands der Bevölkerung.

„Papua“ bezeichnet hier den zu Indonesien gehörenden westlichen Teil von Neuguinea, der zweitgrößten Insel der Erde. Der östliche Teil, Papua-Neuguinea, ist ein souveräner Staat. In Papua leben schätzungsweise 3,5 Millionen Menschen, wovon mehr als zwei Millionen Zuwanderer sind, die durch den Reichtum an Ressourcen angelockt werden.

Papua verfügt über ausgedehnte Regenwälder. Die indigenen Papua haben die Wälder jahrtausendelang auf traditionelle Weise geschützt, mit dem Resultat, dass hier die letzten wirklich großen artenreichen Regenwälder des asiatisch-pazifischen Raumes sind.

Doch die globale Nachfrage nach Holz, Palmöl, Gold und anderen Ressourcen bedeutet eine akute Gefahr für die Regenwälder Papuas und damit auch für die Existenz der Indigenen. Regierungsprogramme für die „Entwicklung“ Papuas, in Allianz mit Profitgier und militärischer Gewalt, machen Papua zu einem Brennpunkt von Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen.

Laut unserer Partnerorganisation Pusaka sind Palmöl- und Papierunternehmen für den aktuellen Kahlschlag verantwortlich. Beispiele: In Sorong hat ein Unternehmen widerrechtlich einen Wald des Mugu-Clans kahl geschlagen, ohne Konsultation mit der lokalen Gemeinschaft. „Wir haben das nie erlaubt. Das Unternehmen muss bestraft werden", erklärte Efron Mugu, ein Mitglied des Clans.

Ein ähnlicher Fall ereignete sich im Dorf Masmili. Im Dezember 2021 begann die Firma Inti Kebun Sejahtera mit dem Kahlschlag, worauf die betroffenen Indigenen sich an der gerodeten Fläche in provisorischen Biwaks ansiedelten, um die Rodungen zu stoppen, berichtet Pusaka. Daraufhin versprach das Unternehmen, die Verantwortung für den verlorenen Wald zu übernehmen. Trotzdem werden weiterhin Ölpalmen angepflanzt.

Die meisten Gemeinden kennen weder die Pläne noch die offiziellen Genehmigungen. Dem Klafiyu-Clan gelang es dagegen, Informationen über die Neuplantagen in ihrem Wald zu erhalten. Daraus konnten sie entnehmen, dass die Regierung 16 Euro für einen Hektar Regenwald berechnet.

Allein an dem Holz verdienen sich die Unternehmen eine goldene Nase. Für einen Kubikmeter Merbauholz würde ein indigener Papua 11 Euro bekommen. Vor Ort ist er dann 60-70 Euro, nach der Verarbeitung in China fast 500 Euro und auf den europäischen Märkten mehr als 2.000 Euro wert. Zu bedenken ist, dass aus Papua nach offiziellen Daten viel weniger Merbau exportiert als auf den Weltmärkten gehandelt wird.

Unser Partner Pusaka hat, in enger Zusammenarbeit mit indigenen Gemeinschaften, anderen Organisationen und den lokalen Behörden, erreicht, dass zahlreiche Palmöl-, Papier- und Bergbau-Unternehmen kontrolliert worden sind. Mit Erfolg, im Januar 2022 hat das Ministerium für Umwelt und Forsten 192 Genehmigungen, davon 51 in Papua, zurückgenommen.

Zuvor hat sogar Präsident Joko Widodo seine Zustimmung gegeben, unvorschriftsmäßige Genehmigungen zu widerrufen, um (mit seinen Worten) „Ungleichheit, Ungerechtigkeit und Schäden an der Natur zu korrigieren". Trotzdem agieren die Unternehmen weiter. Der Profit ist verlockend, und weder Nachhaltigkeit noch die Rechte der Indigenen interessieren sie.