Peru: Gold gräbt Menschen das Wasser ab

Polizei attackiert friedliche DemonstrantenPolizeigewalt gegen friedliche Demonstranten in Cajamarca

Die größte Goldmine Lateinamerikas zerstört die natürlichen Wasserquellen in Nordperu – Wasser gibt es nur noch 2 Stunden am Tag. Nun soll die Mine erweitert werden, gegen den Widerstand der Bevölkerung. Friedliche Proteste werden vom Militär brutal unterdrückt. Bitte fordern Sie ein Ende der Gewalt und den Schutz der Gewässer!

Heute sind sie wieder sehr brutal angegriffen worden. Im Stadtzentrum hat das Militär mit Gasbomben geschossen. Dabei sind Kinder, Frauen und Passanten getroffen worden“, schreibt uns eine Augenzeugin aus Cajamarca.

Dramatische Nachrichten erreichen uns am 5. Juli 2012 aus der nordperuanischen Region Cajamarca. Seit 30 Tagen wehrt sich die Bevölkerung mit einem friedlichen Generalstreik gegen den Ausbau der Conga-Mine. Denn diese Mine liegt an der Quelle wichtiger Flüsse und Lagunen, die die Region Cajamarca, aber auch das Amazonasbecken mit Wasser speisen. Der Bergbau entzieht der Bevölkerung das Wasser und vergiftet es mit Zyanid und Schwermetallen.

Die Regierung von Präsident Ollanta Humala hat erneut den Ausnahmezustand über drei Provinzen verhängt und unterdrückt gewaltsam die Proteste. Fünf Menschen wurden vom Militär erschossen, darunter auch zwei Minderjährige. Zahlreiche weitere Personen wurden schwer verletzt und willkürlich verhaftet. 

Nur zwei Stunden Wasser pro Tag 

„Einen politischen Hintergrund haben die Proteste hier nicht. Die Leute gehen auf die Straßen, ganze Familien mit Kindern, Frauen, ältere Menschen, insbesondere die Ärmsten, weil die Situation hier unerträglich ist. Sie haben nur zwei Stunden am Tag Wasser. In manchen Stadtteilen fehlt das Wasser sogar wochenlang.“ schreibt die besorgte Zeugin.

Im November 2011 konnte mit Hilfe internationaler Proteste das Conga-Projekt vorerst gestoppt werden. Die Bevölkerung fordert ein Referendum über den Ausbau der Mine. Laut Verfassung haben sie das Recht, über ihre Zukunft mitzuentscheiden. Die Regierung und das Bergbauunternehmen unterdrücken dieses Recht brutal. 

Bitte fordern Sie Staat und Unternehmen auf, die Gewalt zu beenden und die Bürgerrechte der Bevölkerung anzuerkennen.

Brutale Gewalt gegen die Bevölkerung

In den letzten Tagen ist die Gewalt in Cajamarca eskaliert. Die Stadt wurde erneut vom Militär besetzt, um den seit dem 31. Mai 2012 andauernden Generalstreik in der Region gewaltsam zu brechen. Busse fahren hier nicht mehr, die Läden bleiben seit Wochen geschlossen. Über die Provinzen Cajamarca, Celendín und Hualgayoc wurde der Ausnahmezustand verhängt. Das bedeutet, dass in diesen Regionen die Bürgerrechte ausgesetzt sind und Militär sowie Polizei die Macht übernehmen.

Die Folgen sind gravierend: Innerhalb von drei Tagen gab es fünf Todesopfer - ermordet durch die Kugeln des Militärs. Andere wurden teils schwerverletzt und willkürlich verhaftet. Unter den Festgenommenen befand sich auch der international bekannte Menschenrechts- und Umweltschützer Marco Arana. Ein Video zeigt, wie er grundlos und ohne Vorwarnung von einer Gruppe der Spezialpolizei brutal attackiert und abgeführt wird. Arana wurde 2009 vom "Time Magazin" zum Helden der Umwelt gekürt und erhielt 2010 den Aachener Friedenspreis. Mittlerweile wurde der Soziologe und Theologe aufgrund nationaler und internationaler Proteste wieder freigelassen. Das internationale Rote Kreuz hat eine Beobachtermission nach Cajamarca entsandt.

Kritik an Conga von allen Seiten

Eine Hauptkritik am Conga-Projekt ist, dass keine unabhängigen offiziellen Studien über die Umweltauswirkungen der geplanten Mine existieren. Angeblich gab es eine Analyse, aber der neue Umweltminister Manuel Pulgar Vidal ließ vermelden, dass er die Ergebnisse nicht mehr wiederfindet. Die Studien von zwei international renommierten Wissenschaftlern sprechen jedoch eine klare Sprache. Sowohl Robert Morán als auch Pedro Arrojo kommen zu dem Ergebnis, dass die Mine das Grundwasser und die Quellen der Flüsse kontaminieren würde. Sie sprechen sich für ein Moratorium für weitere Bergbauprojekte aus, die sich negativ auf natürliche Wasserquellen auswirken.

Mit der International Finance Cooperation (IFC) ist auch ein Tochterunternehmen der Weltbank am Bergbauunternehmen Yanacocha beteiligt. Trotzdem kommt selbst der langjährige Südamerika-Experte der Weltbank, der Ökonom Peter König, zu einem vernichtenden Urteil. Er hält das Bergbauprojekt für sozial und ökologisch verantwortungslos und nicht machbar. Denn die Umsetzung würde die Zerstörung der natürlichen Wasserressourcen in der Region mit sich bringen, so König.

Yanacocha hat 2000 Menschen mit Quecksilber vergiftet 

Neben der IFC besteht das Unternehmen Yanacocha aus dem amerikanischen Hauptanteilseigner Newmont Mining und der peruanischen Firma Buenaventura. Die Versprechen von wirtschaftlicher Entwicklung und Wohlstand für die Region Cajamarca blieben bisher unerfüllt. Zu Beginn der Bergbauaktivitäten Yanacochas im Jahr 1993 war Cajamarca die viertärmste Region des Landes. 19 Jahre später, 2012, ist sie es immer noch.

Im Jahr 2000 hatte Yanacocha einen der weltweit größten Quecksilberunfälle zu verantworten. Ein Transporter des Unternehmens verlor 152 Kilogramm Quecksilber auf der Durchfahrtsstraße im Ort Choropampa. 2000 Menschen wurden vergiftet, bisher sind mindestens 20 Personen daran gestorben. Bis heute bekennt sich Yanacocha nicht zu seiner Verantwortung. David Vollrath, der Autor dieses Artikels, stellte bei eigenen Recherchen fest, dass die Menschen zehn Jahre später noch immer an den Folgen des Unfalls leiden. Ein preisgekrönter Dokumentarfilm fasst die Ereignisse zusammen.

Regierung bricht Versprechen

Der aktuelle Präsident Ollanta Humala wurde überwiegend von den ärmsten Teilen der Bevölkerung gewählt - weil er ihnen im Wahlkampf versprach, sich für ihre Rechte und den Erhalt der Umwelt einzusetzen. Humala kündigte an, Bergbau nicht mehr um jeden Preis durchsetzen zu wollen, sondern garantierte der Bevölkerung ein Mitspracherecht bei solchen Mega-Projekten. Im November stellte er noch fest: „Die Minenindustrie hat ihre soziale Rolle in den Gemeinden nicht erfüllt. Dieser Missbrauch schafft Misstrauen". Doch seit Beginn von Humalas Amtszeit ist die Zahl der sozialen Konflikte im ganzen Land auf 245 gestiegen. Mit seiner Politik im Fall Conga verstärkt Humala das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber Bergbauunternehmen und Regierung.


Quelle: http://celendinlibre.wordpress.com/tag/bric/

Weitere Dokumentarfilme zum Thema:

WDR-Die Story: "Das heuchlerische Geschäft mit dem Gold"

Misereor: "Reichtum geht - Armut bleibt"

Gurango: "Der Preis des Goldes"

Selmke/ Vollrath: "Ein Leben ohne Wasser"

 

Bauern stehen am Rande des Gold-TagebausBauern in Cajamarca betrachten Verwüstung durch Bergbau

18.12.2012

Peru: Einschüchterungsversuche gegen Umweltschützer

In vielen Ländern nimmt die systematische Einschüchterung von Menschenrechtlern und Umweltschützern zu. Die Angestellten des Umweltvereins GRUFIDES im peruanischen Cajamarca gehen nach den aktuellen Vorfällen an die Öffentlichkeit.

Am Samstag, den 15. Dezember, wurde zum zweiten Mal innerhalb von drei Wochen in das Haus der Rechtsanwältin Mirtha Vasquez eingebrochen. Vasquez arbeitet für die Umweltorganisation GRUFIDES im nordperuanischen Cajamarca. Bei beiden Einbrüchen wurde nichts gestohlen. Der Einbruch geschah, als die Babysitterin und die Tochter von Mirtha Vasquez im Park spazierten.

Einen Tag zuvor, am 14. Dezember, wurde das Auto von Sergio Sanchez von Unbekannten beschädigt. Sanchez ist Umweltexperte bei Grufides. Der Vorfall ist ungewöhnlich, da normalerweise Autoteile gestohlen werden, um sie auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. 

Fünf Wochen vor den beiden aktuellen Vorfällen wurde in die Wohnung von Ivett Sánchez eingebrochen. Auch dort wurde nichts gestohlen. Sánchez arbeitet als Sekretärin bei GRUFIDES.

Während der Einbrüche standen die Wohnungen leer. Das legt den Schluss nahe, dass die Mitarbeiter von GRUFIDES überwacht oder ihre Telefone abgehört werden, damit die Einbrecher ungesehen agieren konnten.

Im Juli 2012 berichtete das Wochenmagazin Caretas, dass zwei Geheimdienste des peruanischen Staates geheime Operationen gegen den bekannten Umweltschützer und Pfarrer Marco Arana durchführten. Bei einer friedlichen Demonstration in Cajamarca wurde Arana grundlos von der Polizei angegriffen, geschlagen und verhaftet. Während der 13 Stunden in Arrest wurde er weiter misshandelt.

Es ist offensichtlich, dass diese Verbrechen die MitarbeiterInnen der Umweltorganisation GRUFIDES einschüchtern sollen. GRUFIDES ist ein gemeinnütziger Verein, der sich seit mehr als zehn Jahren für die Rechte von Kleinbauern einsetzt, die sich im Konflikt mit dem US-amerikanischen Bergbaukonzern Yanacocha befinden.

Der engagierte Einsatz von GRUFIDES für die Grundrechte der Bevölkerung stößt nicht überall auf Gegenliebe. Die Anwältinnen von GRUFIDES, Amparo Abanto und Mirtha Vasquez, haben die Polizisten angezeigt, die für den Überfall auf Marco Arana verantwortlich sind. Am kommenden Freitag wird die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen in diesem Fall einleiten. Einige Angestellte von Yanacocha könnten durch die Arbeit von GRUFIDES ihre wirtschaftlichen Interessen bedroht sehen und auch das Management des Konzerns betrachtet die Umweltorganisation mit Argwohn. In diesem Jahr wurde das Erweiterungsprojekt der Yanacocha-Goldmine nach erheblichen Protesten der Bevölkerung suspendiert. GRUFIDES hat zudem einige leitende Mitarbeiter von Yanacocha im Namen der vom Bergbau geschädigten Bauerngemeinden verklagt. 

Nach einer aufgedeckten Spionageaktion, bei der GRUFIDES MitarbeiterInnen ausspioniert und bedroht wurden, ermahnte die Interamerikanische Menschenrechtskommission den peruanischen Staat. Die Regierung müsse die Sicherheit der MitarbeiterInnen von gemeinnützigen Organisationen garantieren, so die Kommission. Die aktuelle Bedrohung und die Einschüchterungsversuche von GRUFIDES-MitarbeiterInnen zeigen, dass der Staat bei dieser Aufgabe versagt.

Letzte Nachricht: Am 16.12.2012 um 16 Uhr wurden zwei junge deutsche Dokumentarfilmer bei „Laguna Azul“ in der Provinz Celendin von der PNP-Dinoes verhaftet. Die Spezialeinheit der Staatspolizei arbeitet auch für das Bergbauunternehmen Yanacocha.  

übersetzte Pressemitteilung von GRUFIDES (Grupo de Formación e Intervención para el Desarrollo Sostenible)

18.12.2012

Perú: buscan intimidar a defensores ambientales en Cajamarca

El acoso a defensores de la vida y la naturaleza ya es sistemático.

El sábado 15 de diciembre 2012 en Cajamarca, Perú, en horas de la tarde, sujetos desconocidos irrumpieron por 2da. vez en tres semanas en el domicilio de la abogada Mirtha Vásquez, coordinadora del área legal y derechos humanos de Grufides. En la anterior oportunidad entraron en su casa y no robaron ninguno de sus bienes, pero dejaron las puertas completamente abiertas. El sábado pasado rompieron los vidrios de la ventana de la sala e ingresaron sin que tampoco se llevaran ningún objeto de valor. Solo que esta vez lo hicieron en el breve espacio de tiempo en que su menor hija y la empleada doméstica salieron a pasear en el parque cercano.

El dia viernes 14, sujetos que aun no han sido identificados, dañaron los espejos de la camioneta de Sergio Sánchez, reconocido experto ambiental de Grufides sin que los robaran como suele ser el propósito de delincuentes comunes que luego comercializan en el mercado negro de autopartes robadas. Y, hace unas 5 semanas, unos sujetos también ingresaron a la vivienda de Ivett Sánchez, secretaria de Grufides, en esa oportunidad tampoco se produjo robo alguno de bienes.

El hecho que en todos los casos supieran de la ausencia de las personas indicaría que hay mecanismos de reglaje o de interceptación telefónica que permite a los perpetradores actuar sus crímenes.

El mes de julio pasado la prestigiosa Revista Caretas daba cuenta de que al menos dos servicios de inteligencia del Estado están realizando labores de seguimiento de las actividades del reconocido líder ambientalista Marco Arana.

Todos estos hechos son inaceptables y deben ser denunciados para que las autoridades correspondientes puedan dar con los autores materiales o intelectuales de estos hechos que buscan intimidar a los defensores ambientales de la ONG Grufides.

Es de presumir que quienes se hallen detrás de estos hechos delictivos puedan ser los policías que se hallan denunciados por Grufides por violaciones de ddhh, agresiones a nuestras abogadas defensoras Amparo Abanto y Mirtha Vásquez ya que precisamente el próximo viernes la fiscalía inicia las investigaciones por detención arbitraria y tortura contra la persona de Marco Arana acontecida el 4 de julio pasado. Pueden ser también trabajadores de la empresa minera que sientan que las acciones de Grufides ponen en peligro sus intereses y lo que sería más grave aún y no debe descartarse es que puedan estar involucrados como instigadores algunos directivos o mandos medios de la propia empresa minera Yanacocha que afronta varias denuncias y juicios por parte de comunidades campesinas que son representadas por el equipo de abogados que precisamente dirige la doctora Mirtha Vásquez.

Siendo que la CIDH ha concedido a miembros de la Ong Grufides medidas cautelares por el espionaje telefónico, reglaje y amenazas de que fueron objeto varios de sus miembros en el marco de la conocida "Operación Diablo" responsabilizamos al Estado por los hechos que pudieran afectar nuestra integridad física.

Ultimo minuto: hacia las 4pm de la tarde del domingo 16 de diciembre informan desde el área de la laguna azul en la provincia de Celendín que dos jóvenes documentalistas alemanes habrían sido intervenidos por las fuerzas de la PNP-Dinoes contratadas por Yanacocha. El bloqueo de carreteras y el impedimento del libre tránsito es la ley que la minera ha impuesto en la zona.


Grupo de Formación e Intervención para el Desarrollo Sostenible - GRUFIDES


Documentación amplia sobre el caso en el documental 'Operación Diablo' www.guarango.org/diablo

Protestierende Bauernfrauen in Cajamarca/ PeruBevölkerung in Cajamarca verteidigt Wasser gegen Bergbau

12.11.2012

Peru: Wassertribunal fordert Stopp des Bergbauprojekts Conga

Das Wassertribunal Lateinamerikas (TLA) in Buenos Aires fordert die peruanische Regierung auf, das Bergbauprojekt Conga definitiv zu beenden. In der Begründung stellte das Tribunal fest, dass der peruanische Staat und das verantwortliche Unternehmen Yanacocha mit dem Conga-Projekt die Menschenrechte auf Wasser und eine saubere Umwelt verletzen

In den öffentlichen Anhörungen vom 5. bis zum 9. November 2012 stellten die Richter erhebliche Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe der Schürfgenehmigungen fest. Zudem kritisierte das Tribunal eine zunehmende Privatisierung der Wasserressourcen durch Bergbauunternehmen, da diese in sensiblen Bereichen der öffentlichen Wasserversorgung operierten. Ein weiterer Kritikpunkt im Urteil sind die geringen Befugnisse des peruanischen Umweltministeriums. Das Ministerium sei mit seinen geringen Kompetenzen nicht geeignet, die Rechte der Bevölkerung auf eine ausgewogene Umwelt und eine nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten.

Zudem verurteilten die Richter die Kriminalisierung sozialer Proteste gegen das Conga-Projekt und die Gewalt gegen Vertreter von Umwelt- und Bauernorganisationen durch staatliche Sicherheitskräfte.

Sowohl der peruanische Staat als auch das Unternehmen Yanacocha verstoßen mit dem Conga-Projekt gegen internationale und peruanische Gesetze zum Schutz der Umwelt und Menschenrechte, so die Richter.

Beschwerdeführer vor dem Tribunal waren die lokalen Organisationen Grufides und die Institutionelle Plattform Celendin (PIC) aus Cajamarca.

Der international anerkannte, aber rechtlich nicht bindende Richterspruch des Lateinamerikanischen Wassertribunals bestätigte somit die Studien unabhängiger Wissenschaftler, die bereits in vorhergehenden Untersuchungen die Verletzung von Umwelt- und Sozialstandards beim Conga-Projekt feststellten. 

Mit dem Conga-Projekt plant das Bergbauunternehmen Yanacocha die großflächige Ausweitung seiner Goldmine in der andinen Hochlandregion Cajamarca. In dem Gebiet, wo nach Willen der peruanischen Regierung und des Konzerns der offene Conga-Tagebau entstehen soll, befinden sich mehrere wichtige Lagunen. Diese sind für das lokale Ökosystem und die regionale Wasserversorgung der Bevölkerung von großer Bedeutung. Ein Großteil der Menschen in Cajamarca lehnt deshalb Conga ab. Seit einem Jahr protestiert die Bevölkerung gegen das Projekt. Die Regierung verhängte im letzten Jahr zweimal den militärischen Ausnahmezustand über einige Provinzen der Region, um den friedlichen Widerstand der Bevölkerung mit Gewalt zu unterdrücken. Mit internationaler Unterstützung erreichte die Bevölkerung Cajamarcas, dass das Conga-Projekt erst einmal bis 2014 nicht weiter ausgebaut wird. Augenzeugenberichten zufolge errichtet Yanacocha entgegen aller Vereinbarungen weitere Arbeitercamps.  

Rettet den Regenwald unterstützte die Proteste der Bevölkerung mit Protestaktionen

Das gesamte Urteil (spanisch) des Lateinamerikanischen Wassertribunals zum Conga-Projekt finden Sie hier

Demonstration gegen Bergbau auf dem Plaza de Armas in CajamarcaDemo in Cajamarca - alle sind gegen Conga (Foto: Gruifdes)

03.09.2012

Peru: Ausnahmezustand aufgehoben, Conga-Projekt verschoben

Vor einigen Tagen verkündete der peruanische Premierminister, dass Conga-Projekt sei "auf Eis gelegt". Das Unternehmen Newmont bestreitet dies. Bergbaugegner vermuten hinter dem Verwirrspiel eine Strategie zur versteckten Umsetzung der Mine

Aufgehoben oder doch nur aufgeschoben, dass ist die Frage. Wenn es nach Marco Arana geht, einen der langjährigen Führer der Umweltbewegung in Cajamarca, dann ist die zweijährige Suspendierung des Conga-Projektes nur eine neue Strategie des Bergbauunternehmens. „Die Unternehmen verfolgen die Logik eines Vampirs, der von Zeit zu Zeit aufersteht und nach frischem Blut verlangt. Die sozialen Organisationen werden ihren Widerstand weiterhin fortsetzen, bis das Projekt ganz vom Tisch ist.“.

Marco Arana bedankt sich bei der großen Unterstützung der peruanischen Bevölkerung, verschiedener Gruppen, Parteien und Medien sowie internationalen Organisationen, darunter auch Rettet den Regenwald, für die große Unterstützung. „Wir sind uns sicher, dass ihr uns auch weiter bei der Verteidigung des Wassers, unseres Rechts auf Mitbestimmung und der Demokratie unterstützt.“
 
Das us-amerikanische Betreiberunternehmen Newmont äußerte sich nicht zu den Ergebnissen der representativen Umfrage zur Einstellung der Bevölkerung zum Conga-Projekt. Mehr als 78% der Cajamarquinos sprachen sich gegen das Projekt aus, da es die Umwelt zerstöre, das Wasser verschmutze und zu Wassermangel in der Region führen werde.

Für Richard O'Brien, Präsident von Newmont, ist das Projekt nicht beendet. Laut einer peruanischen Tageszeitung vom 23. August sagte er: „Mit Conga liegen wir voll im Plan, schreiten aber nur vorsichtig voran. Wir streben den Bau der künstlichen Wasserreservoirs und der Fertigstellung der Mannschaftsunterkünfte an. Des Weiteren kooperieren wir eng mit der Regierung und der lokalen Bevölkerung, um für den Ausbau der Mine die Sicherheit der Umwelt und der Menschen zu gewährleisten.“  

Auch wenn das Conga-Projekt noch nicht vollständig suspendiert ist, so haben die Menschen von Cajamarca Zeit gewonnen, um ihren Widerstand gegen die geplante Goldmine neu zu organisieren. Mit einem Beginn der Bergbauaktivitäten wird nun nicht mehr vor 2014 gerechnet.

Amtlich ist hingegen das Ende des Ausnahmezustands über die Region. Am 3. September endete die Aussetzung der Bürgerrechte in den drei Provinzen Cajamarca, Bambamarac und Celendin.

Demonstranten halten Transparente gegen die Conga-Mine in Peru vor peruanischer BotschaftProtestkundgebung vor peruanischer Botschaft in Berlin, 20.7.2012 (Foto: Minka Perú)

24.07.2012

Peru: Kundgebung in Berlin und Regierungsrücktritt

Innerhalb von nur acht Monaten ist zum zweiten Mal ein Teil der peruanischen Regierung zurückgetreten. Der Grund war auch dieses Mal die anhaltenden Proteste gegen eine Goldmine im nordperu­anischen Cajamarca. Erst am Freitag überreichten wir 33.000 Protest-Unterschriften gegen das Conga-Projekt

Gestern erreichte uns die Nachricht, dass zum zweiten Mal in acht Monaten ein Teil der peruanischen Regierung zurückgetreten ist. Der Grund für die Regierungsumbildung war erneut der Widerstand der Bevölkerung der nordperuanischen Region Cajamarca gegen die Conga-Goldmine sowie internationale Proteste gegen das brutale Vorgehen der Polizei in diesem Konflikt. Insgesamt wurden fünf Menschen von der Polizei erschossen, zahlreiche weitere schwer verletzt sowie friedliche Umweltschützer vor laufender Kamera brutal misshandelt und verhaftet.

Erst am vergangenen Freitag, den 20. Juli, beteiligte sich Rettet den Regenwald und andere Gruppen an einer lautstarken Kundgebung vor der peruanischen Botschaft in Berlin. Die Demonstranten solidarisierten sich mit den Protesten in Cajamarca und überreichten die ersten 33.000 Unterschriften unserer Petition. Die Kundgebung wurde von dem peruanisch-deutschen Verein "Minka Perú- Comité por el respeto a los derechos humanos y ambientales" (Minka Perú - Komitee zur Achtung der Menschenrechte und der Umwelt) organisiert.

Ministerpräsident Valdéz sollte Proteste mit harter Hand beenden

Humala nahm am Montag das Rücktrittsschreiben seines Ministerpräsidenten Óscar Valdéz entgegen. Mit dem Premier räumten auch weitere Minister ihre Posten. Wie im Dezember 2011 ist der offizielle Grund des Rücktritts der anhaltende Konflikt um die Conga-Mine in Cajamarca. Valdéz ist somit der zweite Premier innerhalb von nur acht Monaten, der wegen des Widerstandes gegen das Conga-Projekt seinen Hut nehmen musste. Dabei gilt der Ex-Militär als enger Vertrauter von Präsident Humala und war eigentlich eingesetzt worden, um seinen verhandlungsbereiten Vorgänger zu ersetzen. Als Mann fürs Grobe sollte Valdéz die Proteste der Bevölkerung in Cajamarca mit harter Hand beenden.

Im Juni verhängte Valdéz den Ausnahmezustand über die aufständige Region und ließ Demonstranten niederschießen. Die brutalen Bilder aus Cajamarca gingen um die Welt und lösten internationale Proteste aus. Rettet den Regenwald startete in Solidarität mit den Menschen in Cajamarca eine Email-Protestaktion. An dieser beteiligten sich bisher fast 36.000 Menschen. Die Protest-Emails gingen an die peruanischen Botschaften in Europa sowie an die Regierung in Peru. Daraufhin wurde die Gewalt eingestellt und zwei Priester der katholischen Kirche als Vermittler nach Cajamarca geschickt.

Der neue Premierminister Juan Jiménez ist mit dem Ziel angetreten „den sozialen Frieden in Cajamarca und anderen Teilen Perus wieder herzustellen". Es bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiter entwickeln wird.

Wir danken Ihnen für Ihre Unterstützung.