Tausende Hektar Regenwald in West-Papua vor Palmöl gerettet!

Protest in Papua: Schütze den Wald - der Wald schützt uns Schützt den Wald - der Wald schützt uns! Eine indigene Papua protestiert gegen die Abholzung der Regenwälder (© Pusaka) Ein Fluss schlängelt sich durch den Regenwald. Papua beherbergt die letzten großen intakten Regenwaldgebiete in Südostasien (© Richard Mahuze) Das Dorf Wambon im Distrikt Boven Digoel, Provinz Papua, Indonesien Erst kommt die Straße, dann die Holzfäller und zuletzt die Ausbeutung der Naturschätze. (© Pusaka)

27.08.2021

West-Papua nimmt Dutzende Palmölkonzerne unter die Lupe. 14 Firmen wurde die Genehmigung bereits entzogen, 24 werden folgen. Über eine viertel Million Hektar Regenwald werden gerettet. Dies ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von indigenen Graswurzelgruppen mit Behörden und Umweltorganisationen - ein großer Erfolg für den Regenwald und ein Schritt hin zur Anerkennung der Waldrechte der Indigenen.

Die Einheimischen haben mit Unterstützung der Organisationen EcoNusa und Pusaka, einem Partner von Rettet den Regenwald, erreicht, dass die Regierung seit einigen Monaten die Genehmigungen für Ölpalmplantagen unter die Lupe nimmt.

Bisher wurden 14 Genehmigungen großer Palmölunternehmen endgültig zurückgezogen. Über 24 weitere wird bald entschieden. Die Fläche dieser Konzessionen beträgt 293.213  Hektar - mehr als dreimal so groß wie Berlin! Auf einem Großteil dieser Fläche steht intakter Regenwald, die Heimat unzähliger Arten wie Paradiesvögel und Baumkängurus und die Lebensgrundlage vielfältiger indigener Gemeinschaften.

West-Papua ist eine indonesische Provinz auf der Insel Neuguinea. Zu Indonesien gehört eine weitere Provinz namens Papua. Im Osten der Insel liegt der Staat Papua-Neuguinea. 

Nach zahlreichen Protesten der Einwohner, nationalen und internationalen Kampagnen, Nachforschungen und Lobbygesprächen hat die Regierung der Provinz West-Papua schließlich eine umfangreiche Untersuchung eingeleitet. Zur Seite stehen ihr die nationale Antikorruptionsbehörde KPK und zivilgesellschaftliche Organisationen. Überprüft werden die Genehmigungen von 38 Konzernen in West-Papua und Dutzende weitere in der Provinz Papua.

Das Ergebnis: es gibt zahlreiche Unregelmäßigkeiten, zum Beispiel überlappende Genehmigungen von unterschiedlichen Behörden und Beamten. Oft sind Genehmigungen abgelaufen oder fehlen teilweise. Das Zwischenergebnis ist beeindruckend. Den 14  Unternehmen sind die Konzessionen zum Anbau von Ölpalmplantagen entzogen worden. Gegen 24 weitere Palmölunternehmen laufen Verfahren aufgrund anderer Verwaltungs- und Rechtsverstöße.

Der Entzug der Genehmigungen erfolgte nach jahrelangem Kampf indigener Gemeinschaften in West-Papua, die ihre Waldrechte einfordern und ihre Territorien gegen Palmölunternehmen verteidigen. So protestierten am 20. Mai 2021 über 200 indigene Einwohner vor dem Amtssitz des Distriktchefs von Sorong gegen Palmölkonzerne und forderten die Regierung auf, bei der genauen Prüfung der Lizenzen nicht nachzulassen.

„Heute kommen wir vom indigenen Stamm der Tehit hierher, weil wir Palmölfirmen ablehnen“, sagt die Protestführerin Yuliana Kedemes. „Wir erlauben ihnen nicht, hierher zu kommen, denn wo sollen unsere Kinder und Enkel in Zukunft leben? Also fordern wir die Regierung auf, die Palmölgenehmigungen zu widerrufen.“

Unser Partner Pusaka begrüßt die Entscheidung der Provinzregierung als wichtige Etappe hin zur Anerkennung der Rechte der indigenen Völker in West-Papua. „Der Entzug der Lizenzen von Unternehmen ist der richtige rechtliche Schritt, um soziale und wirtschaftliche Ungerechtigkeiten zu beenden und den angestammten Bewohnern ihre Waldrechte zurückzugeben, denn nur sie garantieren den Erhalt des Waldes und nutzen ihn nachhaltig“, bekräftigt Pusaka.

Nach dem Widerruf der Konzessionen müssen die Rechte zur Nutzung dieser Wälder in die Hände der Stammesgemeinden zurückgegeben werden. Dabei muss schnell gehandelt werden. NGOs befürchten, dass neue Lizenzen für diese Gebiete an neue Firmen - etwa im Bergbau - vergeben werden.

Gegenwärtig haben drei Palmölkonzerne Klage vor dem Verwaltungsgericht Jayapura gegen den Entzug ihrer Lizenzen eingereicht. Dort verteidigt nun der Distriktchef von Sorong die Rechte seines eigenen Volkes.

Die wegweisende Entscheidung weckt Hoffnung: "Die Provinzregierung von West-Papua wird hoffentlich in Zukunft die zunehmende Entwaldung stoppen und nur auf eine Wirtschaftsentwicklung setzen, die den Wald mit seinen Naturschätzen bewahrt und die Bewohner respektiert", so Franky Samperante von Pusaka.

Nach dem Erfolg für den Wald kommt es darauf an, dass die Waldrechte der Indigenen offiziell beglaubigt werden. Denn nur das schützt die Wälder vor der Vergabe an Firmen. Genehmigungen für Ölpalmplantagen würden bedeuten: Kahlschlag großer Flächen, 35-95 Jahre Herbizide, Umweltschäden und Verlust vieler Arten. Gerade in den Wäldern Papuas sind die meisten Arten noch unerforscht.

In der Nachbarprovinz Papua werden 58 Palmölunternehmen evaluiert. Gegen 35 wird es Sanktionen geben, wenn die Behörden und Gerichte den Vorschlägen der Anti-Korruptionskommission und der NGOs folgt. Nun wachsen die Hoffnungen, dass der Gouverneur von Papua den gleichen Schritt wagt wie sein Amtskollege in West-Papua. Dann würde eine halbe Million Hektar Regenwald vor der Abholzung gerettet. Diese Entwicklung zeigt, dass sich Kampagnen- und Lobbyarbeit lohnt, wenn alle gemeinsam an einem Strang ziehen.