Honduras: Landrechte für Bauern

Bauern kämpfen mit einem großen Banner für Umverteilung des Landes Bauern kämpfen für Umverteilung des Landes

03.07.2012

Nach einem langen, verlustreichen Konflikt entschieden nun zwei Regionalgerichte in Trujillo und Tocoa, dass die Plantagen des berüchtigten Konzerns Dinant zu Unrecht auf Bauernland in Bajo Aguan errichtet wurden.
Die Richter ordneten die Räumung der Plantagen an, damit das Land an die Bauern zurückgegeben werden kann.

Eigentlich war es bisher kein gutes Zeichen für die Kleinbauern im Tal von Bajo Aguan im Norden von Honduras, wenn die Polizei anrückte. Doch letzten Freitag, den 29.6.2012 kamen die Sicherheitskräfte nicht, um die Bauern zu schikanieren, sondern um sie vor den Paramilitärs der Großgrundbesitzer Miguel Facussé und René Morales zu schützen. Nach einem langen, verlustreichen Konflikt entschieden nun zwei Regionalgerichte in Trujillo und Tocoa, dass die Plantagen der Unternehmer zu Unrecht auf dem Land errichtet wurden. Die Polizei soll nun die Räumung der Plantagen überwachen, damit das Land an die Bauern zurückgegeben werden kann.

Großgrundbesitzer illegal auf Bauernland

Seit 1994 besetzen die Großgrundbesitzer die drei Fincas San Isidro, La Trinidad y El Despertar. Auf dem Land bauen sie Palmöl-Plantagen für die Produktion und den Export von Agrotreibstoff und Speiseöl an. Die Bauern im Tal reklamieren den Grund und Boden für sich und klagen an, dass sie von den Sicherheitsleuten der Firma gewaltsam vertrieben wurden. Für die Bauern handelt es sich um einen klaren Fall von Landraub. Die etwa 700 Familien schlossen sich zusammen und gründeten die Organisation Movimiento Auténtico Reivindicador del Aguán (MARCA). Seit 18 Jahren kämpfen sie für das Recht auf ihr Land zurückkehren zu können. Genauso lange versucht der Agrarindustrielle Facussé die Bauern mit extremer Gewalt zum Schweigen zu bringen. Seit Januar 2010 sind in der Region 64 Menschen ermordet worden, darunter viele Bauern. Mindestens 19 Morde werden nach honduranischen Medienberichten dem Dinant-Konzern von Facussé angelastet. Miguel Facussé stammt aus einer der einflussreichsten Unternehmerfamilien in Honduras. Ihm werden beste Kontakte zum Militär und, nach WikiLeaks-Berichten, auch zur Drogenmafia nachgesagt. Zudem scheint Facussé auch beste Verbindungen zum WWF zu haben, denn im Mai 2010 beschlossen Dianant und der WWF eine Kooperation. 

Bajo Aguan – Urteil mit Symbolwirkung für Honduras

Die aktuelle Gerichtsentscheidung stärkt die Rechte der Bauern und bestätigt deren Anspruch auf die Landtitel in Bajo Aguan. Nun ist abzuwarten wie die hochbezahlten Anwälte von Facussé reagieren und welchen politischen Einfluss der mächtige Unternehmer spielen lässt. Unabhängig davon ist es als Erfolg zu werten, dass sich die Richter von Trujillo und Tocoa nicht von der Macht Facussés einschüchtern lassen und den Bauern ihre Landrechte zusprechen.

Die Bauern in Bajo Aguan werden seit April 2010 von Rettet den Regenwald mit Petitionen und Öffentlichkeitsarbeit in ihrem Bemühen um Gerechtigkeit und eine Agrarreform unterstützt. Eine Kampagne gegen die internationale Finanzierung der Facussé – Plantagen bewegte die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft DEG dazu einen geplanten Kredit für Dinant zurückzuziehen.

Hier finden Sie die Erklärung von FIAN Honduras zu dem aktuellen Gerichtsbeschluss.