EU-Plantagen raus aus Kamerun

Bauern demonstrieren auf einer Plantage der Firma Socfin in Kamerun Protest der Bauern: "Bolloré hat unser Land genommen. Und jetzt unsere Freiheit." (© ReAct)

In Afrika und Asien blockieren Bauern Plantagen der Firma Socfin. Sie werfen dem Unternehmen Landraub für den Anbau von Ölpalmen vor. Die Einheimischen fordern, dass sich der Hauptaktionär, die französische Bolloré-Gruppe, für ihre Rechte und die Rückübertragung von Grundstücken einsetzt. Wir unterstützen ihre Aktion.

Appell

An: das Management von Socfin und der Bolloré-Gruppe

„In Kamerun wehren sich Kleinbauern dagegen, dass ihnen das Land genommen wird. Socfin und die Bolloré-Gruppe sollen endlich ihre Rechte respektieren.“

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In Kamerun gehen Kleinbauern auf die Barrikaden und blockieren Plantagen der Firma Socfin, einer Tochter der Bolloré-Gruppe. Socfin pflanzt auf 43.700 Hektar Ölpalmen und Kautschukbäume. 6.000 Landwirte haben ihre Parzellen verloren. „Dieses Land wurde uns gestohlen. Wir kommen, um es zurückzuholen“, sagt der Bauer Michel Essonga in Dibombari.

Socfins Hunger nach Land ist immens. 2014 wurden in mehreren Ländern Afrikas rund 116.000 Hektar mit Ölpalmen bepflanzt. Ein Plus von 8 Prozent innerhalb von einem Jahr! Hinzu kommen über 55.000 Hektar Kautschukplantagen.

„Die Bevölkerung ist empört“, sagt Emmanuel Elong, Präsident der International Alliance of Plantation Communities. Die Demonstranten hoffen auf Verhandlungen, manche fürchten jedoch, dass die Polizei den friedlichen Protest irgendwann gewaltsam beendet.

Socfin weist Vorwürfe zurück und nennt die Plantagen „Vorreiter des sozialen Fortschritts“. Die milliardenschwere Bolloré-Gruppe, die 39 Prozent der Anteile an Socfin hält, sagt den Bauern gegenüber, keinen Einfluss auf die Firma zu haben. Emmanuel Elong fühlt sich dadurch verhöhnt: „Die Bolloré-Gruppe streicht die Dividende ein und leugnet ihre Verantwortung.“

In Liberia, der Elfenbeinküste und Kambodscha, wo Socfin Plantagen aufgebaut hat, gibt es ebenfalls Protest. Tausend Bauern demonstrierten dort in den vergangenen Wochen.

Die Kleinbauern fordern von Socfin und der Bolloré-Gruppe, zugesagte Entschädigungen zu zahlen, ihre Landrechte zu respektieren und Parzellen zurückzugeben. Die Menschen sind von ihrem Land abhängig. Bitte unterstützen Sie ihre Forderungen.

Hinter­gründe

Die Firma Socfin - Société Financière des Caoutchouc - hat ihren Sitz in Luxemburg. Die Wurzeln reichen zurück ins belgische Kolonialreich am Kongo des späten 19. Jahrhunderts. Seither hat Socfin Kautschuk- und Palmöl-Plantagen in Afrika und Asien aufgebaut. Präsident der Firma und ein wichtiger Anteilseigner ist der Belgier Hubert Fabri.

Prominentester Anteilseigner ist die milliardenschwere Bolloré-Gruppe. Magnat Vincent Bolloré ist einer der reichsten Männer Frankreichs und sitzt im Socfin-Vorstand. Die Bolloré-Gruppe gehört zu den 500 größten Unternehmen der Welt und machte 2014 mit rund 54.000 Beschäftigten zehn Milliarden Euro Umsatz. Sein Geld verdient der Konzern unter anderem mit Plantagen, Energiewirtschaft, Medien und Immobilien. In Afrika ist die Bolloré-Gruppe in 43 Ländern aktiv und betreibt 13 bedeutende Häfen. Das Oakland Institute vergleicht die Bolloré-Gruppe mit einem Krake.

An­schreiben

An: das Management von Socfin und der Bolloré-Gruppe

Sehr geehrte Damen und Herren,

in Kamerun, Liberia, der Elfenbeinküste und Kambodscha gehen Kleinbauern auf die Barrikaden und blockieren Plantagen von Socfin.

Allein in Kamerun sind 6.000 Bauern davon betroffen, dass Socfin seine Flächen ausdehnt. Die Einheimischen sehen ihre Rechte auf Land verletzt. Außerdem werden in ihren Augen Vereinbarungen über Entschädigungen nicht eingehalten.

Die Bauern haben sich zu einer internationalen Allianz zusammengeschlossen und wollen einen Dialog mit Ihnen führen. Da frühere Gespräche gescheitert sind, behalten sie sich weitere Blockaden und Aktionen vor. Manche fürchten, dass ihr friedlicher Protest irgendwann gewaltsam beantwortet wird.

Bitte lassen Sie es nicht so weit kommen. Respektieren Sie die Rechte der Kleinbauern und ihrer Familien auf ihr Land und verhandeln Sie mit den Betroffenen über eine Lösung des Konflikts.

Mit freundlichen Grüßen

5-Minuten-Info zum Thema: Palmöl

Die Ausgangslage – Regenwald im Tank und auf dem Teller

Mit 66 Millionen Tonnen pro Jahr ist Palmöl das meist produzierte Pflanzenöl. Der niedrige Weltmarktpreis und die von der Industrie geschätzten Verarbeitungseigenschaften haben dazu geführt, dass es inzwischen in jedem zweiten Supermarktprodukt steckt. Neben Fertigpizza, Keksen und Margarine begegnet uns Palmöl auch in Körpercremes, Seifen, Schminke, Kerzen und Waschmitteln.

2016 importierte die EU 6,43 Millionen Tonnen Palmöl aus Indonesien (4,37 Mio. t) und Malaysia (2,06 Mio. t). Auf Deutschland entfielen davon nach Angaben der Bundesregeirung 1,34 Millionen Tonnen (Durchschnitt der Jahre 2013-15). Was kaum einer weiß: In der EU fließt fast die Hälfte des importierten Palmöls in sogenannten Biosprit. Die 2009 beschlossene gesetzliche Beimischungspflicht von Agrosprit in Benzin und Diesel ist eine wichtige Ursache der Regenwaldabholzung.

Inzwischen dehnen sich die Palmölplantagen weltweit auf mehr als 27 Millionen Hektar aus. Auf einer Fläche so groß wie Neuseeland mussten Mensch und Tier bereits den „grünen Wüsten“ weichen.

Die Auswirkungen – Waldverlust, Artentod, Vertreibung, Erderwärmung

In den feucht-warmen Tropen rund um den Äquator findet die Ölpalme optimale Wachstumsbedingungen. In Südostasien, Lateinamerika und Afrika werden Tag um Tag riesige Regenwaldflächen gerodet und abgebrannt, um Platz für die Plantagen zu schaffen. Dabei gelangen große Mengen klimaschädlicher Gase in die Atmosphäre. Indonesien, Hauptproduktionsland von Palmöl, war 2015 zeitweise für mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich als die USA. CO2- und Methanemissionen sorgen dafür, dass der aus Palmöl produzierte Biosprit drei mal so klimaschädlich ist wie Treibstoff aus Erdöl.

Doch nicht nur das Klima leidet: Mit den Bäumen verschwinden seltene Tierarten wie Orang-Utan, Borneo-Zwergelefant und Sumatra-Tiger. Kleinbauern und Indigene, die den Wald über Generationen bewohnen und beschützen, werden oft brutal von ihrem Land vertrieben. In Indonesien stehen mehr als 700 Landkonflikte in Zusammenhang mit der Palmölindustrie. Auch auf sogenannten „nachhaltig bewirtschafteten“ oder „Bio“-Plantagen kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen.

Wir Verbraucher bekommen von all dem wenig mit. Unser täglicher Palmölkonsum hat jedoch auch für uns persönlich direkte negative Auswirkungen: In raffiniertem Palmöl sind große Mengen gesundheitsschädlicher Fettsäureester enthalten, die das Erbgut schädigen und Krebs verursachen können.

Die Lösung – Tank-und-Teller-Revolution

Nur noch 70.000 Orang-Utans streifen durch die Wälder Südostasiens. Die EU-Biospritpolitik bringt die Menschenaffen immer weiter an den Rand des Aussterbens. Um unseren baumbewohnenden Verwandten zu helfen, müssen wir den Druck auf die Politik erhöhen. Doch auch im Alltag lässt sich viel bewegen.

Diese einfachen Tipps helfen, Palmöl zu erkennen, zu meiden und zu bekämpfen:

  1. Selbst kochen, selbst entscheiden: Mandel-Kokos-Birnen-Kekse? Kartoffel-Rosmarin-Pizza? Frische Zutaten, gemixt mit ein bisschen Fantasie, stellen jedes (palmölhaltige) Fertigprodukt in den Schatten. Zum Kochen und Backen eignen sich europäische Öle aus Sonnenblumen, Oliven, Raps oder Leinsamen.
  2. Kleingedrucktes lesen: Auf Lebensmittelpackungen muss seit Dezember 2014 angegeben werden, wenn ein Produkt Palmöl enthält. In Kosmetik-, Putz- und Waschmitteln versteckt sich der Regenwaldfresser hingegen hinter einer Vielzahl chemischer Fachbegriffe. Per Internetrecherche lassen sich leicht palmölfreie Alternativen finden.
  3. Der Kunde ist König: Welche palmölfreien Produkte bieten Sie an? Wieso verwenden Sie keine heimischen Öle? Nachfragen beim Verkaufspersonal und Briefe an die Produkthersteller lassen Firmen um die Akzeptanz ihrer Produkte bangen. Der öffentliche Druck und das gestiegene Problembewusstsein haben schon einige Produzenten zum Verzicht auf Palmöl bewegt.
  4. Petitionen und Politikerbefragungen: Online-Protestaktionen üben Druck auf die Politiker aus, die für Biosprit und Palmölimporte verantwortlich sind. Haben Sie bereits alle Petitionen von Rettet den Regenwald unterschrieben? Auf abgeordnetenwatch.de kann jeder die Bundestagsabgeordneten mit den Folgen der Biospritpolitik konfrontieren.
  5. Laut werden: Demonstrationen und kreative Straßenaktionen machen den Protest für Menschen und Medien sichtbar. Dadurch wird der Druck auf die politischen Entscheidungsträger noch größer.
  6. Öffentlich statt Auto: Wenn möglich zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
  7. Wissen und Wissen weitergeben: Wirtschaft, Handel und Politik wollen uns glauben machen, Biosprit sei klimafreundlich und Palmölplantagen könnten nachhaltig sein. Regenwald.org informiert über die Folgen des Palmölanbaus. Der kostenlose Regenwald Report kann an Freunde weitergegeben oder in Schulen, Arztpraxen und Bioläden ausgelegt werden.
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