Palmöl weder in Nutella noch im Biosprit – dem Regenwald zuliebe

Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal wirbt im TV dafür, kein Nutella zu essen Ministerin Royal: „Man muss aufhören, Nutella zu essen" (© Canal Plus)
75.972 Teilnehmer

Ende der Aktion: 17.12.2015

Klartext von der französischen Umweltministerin Ségolène Royal. In einer Fernsehsendung rät sie zum Verzicht auf Nutella, weil es Palmöl enthält. Doch ein Appell ist zu wenig, die Ministerin muss handeln: Der staatliche Ölkonzern Total will eine Raffinerie auf Palmöl umstellen. „Stoppen Sie den Palmöl-Sprit, Frau Royal!”

Appell

An: Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal

„Sie rufen zum Verzicht auf Nutella auf, weil es Palmöl enthält. Sie unterstützen so den Kampf für Regenwälder. Bitte verhindern Sie Totals Palmöl-Raffinerie.“

Ganzes Anschreiben lesen

Im Fernsehsender Canal+ forderte die Ministerin den Hersteller von Nutella auf, „andere Rohstoffe“ als Palmöl zu verwenden.

Für Palmöl werden in den Tropen Millionen Hektar Regenwaldflächen gerodet. Dadurch wird auch der Klimawandel angeheizt. Im Vorfeld der Klimakonferenz in Paris will sich Ségolène Royal offenbar als Vorkämpferin darstellen.

Zugleich fördert die EU-Biosprit-Politik die Waldvernichtung durch Palmöl-Plantagen. Die schreibt vor, dass dem Dieselkraftstoff Pflanzenöl beigemischt wird – wobei es sich häufig um Palmöl handelt.

Der Erdölkonzern Total will deshalb in seiner Raffinerie in La Mède zukünftig auch Biosprit aus Palmöl produzieren. Es wäre nach Konzernangaben die erste Anlage dieser Art in Frankreich und eine der größten Europas.

Umweltministerin Ségolène Royal muss nach dem Verzichts-Aufruf gegen Nutella diese Total-Raffinerie verbieten, um glaubwürdig zu sein. Außerdem muss sie sich für das Ende der jetzigen EU-Biosprit-Politik einsetzen.

Bitte unterstützen Sie unsere Petition.

Hinter­gründe

Ferrero und Palmöl

Allein der Nutella-Hersteller Fererro verbraucht nach eigenen Angaben (Ferrero CSR Report 2013 Seite 150) pro Jahr zirka 150.000 Tonnen Palmöl aus Malaysia, Papua Neuguinea und Brasilien. Das tropische Öl steckt nicht nur im Nutella-Brotaufstrich, sondern in vielen weiteren Produkten von Ferrero wie u.a. Hanuta, Kinder Überraschung, Kinder Bueno und Kinder Schokolade.

Palmölimporte in die EU
 
2006: 4,51 Mio. t
2012: 6,38 Mio. t
Zunahme: 41%

Die Zunahme der Palmölimporte geht zu 80% auf die Biodieselproduktion zurück (siehe Biodiesel unten)

Hauptimporteure sind die Niederlande mit 1,3 Mio. t, Italien und Deutschland mit jeweils knapp 1 Mio. t sowie Frankreich mit 0,4 Mio. t (2012).

Quelle: IISD 9-2013: The EU Biofuel Policy and Palm Oil: Cutting subsidies or cutting rainforest? Seite 6-7

 
Palmöl im Biodiesel
 
Zur Herstellung von Biodiesel in der EU hauptsächlich benutzte Rohstoffe im Jahr 2012
Gesamtmenge Biodiesel = ca. 9,4 Mio. t
- Rapsöl 5,4 Mio t (= 57%)
- Palmöl 1,9 Mio. t (= 20%)
- Sojaöl 0,5 Mio. t (= 5,3%)
- Sonnenblumenöl 0,1 Mio. t (= 1,1%)
- Talg und Fett (Schlachtabfälle) 0,5 Mio. t (= 5,3 %)
- Abfall- und Recyclingöle („Frittierfett") 1 Mio. t (= 10,6 %)

Palmölverbrauch für Biodiesel in der EU
2006: 0,4 Mio. t
2012: 1,87 Mio. t
Zunahme 365%

Palmölverbrauch in der EU zur Strom- und Wärmeerzeugung 2012: 0,6 Mio. t

Quelle: IISD 9-2013: The EU Biofuel Policy and Palm Oil: Cutting subsidies or cutting rainforest? Seite 10 (Grafik Seiet 11) und Seite 6

Hauptverbraucher von Palmöl für Biodiesel in der EU
Niederlande: 480.000 t (vor allem Biodieselraffinerie von Neste Oil in Rotterdam)
Deutschland: 300.000 t
Italien: 220.000 t
Spanien: 200.000 t
Finnland: 200.000 t
Frankreich 110.000 t

Quelle: IISD 9-2013: The EU Biofuel Policy and Palm Oil: Cutting subsidies or cutting rainforest? Seite 8 Tabelle

Zusammensetzung des deutschen Biodiesel 2013
- Rapsöl 53%
- Palmöl 25%
- Sojaöl 11%
- Kokosöl 11% (Anmerkung: Dabei handelt es sich wahrscheinlich um Recyclingfette und Öle wie Fritierfette und Schlachtabfälle, die chemisch eine ähnliche Strukltur aufweisen)

Basis: Proben von 60 Tankstellen verschiedener Marken in Deutschland im Sommer 2013

Quelle: UFOP August 2013, Rohstoffbasis der Biodieselanteile in Dieselkraftstoffen, Seite 3

An­schreiben

An: Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal

Sehr geehrte Ministerin Ségolène Royal,

wir freuen uns, dass Sie zum Verzicht auf Nutella aufrufen, weil es Palmöl enthält. Das unterstützt unseren Kampf gegen die Zerstörung der Regenwälder. Nutella ist ein wichtiges Symbol für Europas Verbrauch von Palmöl.

Aber was ist mit dem Palmöl für Biodiesel?

Der Konzern Total will in seiner Raffinerie in La Mède zukünftig auch Biosprit aus Palmöl produzieren. Es wäre die erste Anlage dieser Art in Frankreich und eine der größten Europas. Hintergrund ist die Biosprit-Politik der EU.

Bitte verhindern Sie das Biosprit-Projekt von Total !
Stoppen Sie die Verwendung von Biosprit in der EU !
Stoppen Sie Palmöl !

Mit freundlichen Grüßen

5-Minuten-Info zum Thema: Palmöl

Die Ausgangslage – Regenwald im Tank und auf dem Teller

Mit 66 Millionen Tonnen pro Jahr ist Palmöl das meist produzierte Pflanzenöl. Der niedrige Weltmarktpreis und die von der Industrie geschätzten Verarbeitungseigenschaften haben dazu geführt, dass es inzwischen in jedem zweiten Supermarktprodukt steckt. Neben Fertigpizza, Keksen und Margarine begegnet uns Palmöl auch in Körpercremes, Seifen, Schminke, Kerzen und Waschmitteln.

2016 importierte die EU 6,43 Millionen Tonnen Palmöl aus Indonesien (4,37 Mio. t) und Malaysia (2,06 Mio. t). Auf Deutschland entfielen davon nach Angaben der Bundesregeirung 1,34 Millionen Tonnen (Durchschnitt der Jahre 2013-15). Was kaum einer weiß: In der EU fließt fast die Hälfte des importierten Palmöls in sogenannten Biosprit. Die 2009 beschlossene gesetzliche Beimischungspflicht von Agrosprit in Benzin und Diesel ist eine wichtige Ursache der Regenwaldabholzung.

Inzwischen dehnen sich die Palmölplantagen weltweit auf mehr als 27 Millionen Hektar aus. Auf einer Fläche so groß wie Neuseeland mussten Mensch und Tier bereits den „grünen Wüsten“ weichen.

Die Auswirkungen – Waldverlust, Artentod, Vertreibung, Erderwärmung

In den feucht-warmen Tropen rund um den Äquator findet die Ölpalme optimale Wachstumsbedingungen. In Südostasien, Lateinamerika und Afrika werden Tag um Tag riesige Regenwaldflächen gerodet und abgebrannt, um Platz für die Plantagen zu schaffen. Dabei gelangen große Mengen klimaschädlicher Gase in die Atmosphäre. Indonesien, Hauptproduktionsland von Palmöl, war 2015 zeitweise für mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich als die USA. CO2- und Methanemissionen sorgen dafür, dass der aus Palmöl produzierte Biosprit drei mal so klimaschädlich ist wie Treibstoff aus Erdöl.

Doch nicht nur das Klima leidet: Mit den Bäumen verschwinden seltene Tierarten wie Orang-Utan, Borneo-Zwergelefant und Sumatra-Tiger. Kleinbauern und Indigene, die den Wald über Generationen bewohnen und beschützen, werden oft brutal von ihrem Land vertrieben. In Indonesien stehen mehr als 700 Landkonflikte in Zusammenhang mit der Palmölindustrie. Auch auf sogenannten „nachhaltig bewirtschafteten“ oder „Bio“-Plantagen kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen.

Wir Verbraucher bekommen von all dem wenig mit. Unser täglicher Palmölkonsum hat jedoch auch für uns persönlich direkte negative Auswirkungen: In raffiniertem Palmöl sind große Mengen gesundheitsschädlicher Fettsäureester enthalten, die das Erbgut schädigen und Krebs verursachen können.

Die Lösung – Tank-und-Teller-Revolution

Nur noch 70.000 Orang-Utans streifen durch die Wälder Südostasiens. Die EU-Biospritpolitik bringt die Menschenaffen immer weiter an den Rand des Aussterbens. Um unseren baumbewohnenden Verwandten zu helfen, müssen wir den Druck auf die Politik erhöhen. Doch auch im Alltag lässt sich viel bewegen.

Diese einfachen Tipps helfen, Palmöl zu erkennen, zu meiden und zu bekämpfen:

  1. Selbst kochen, selbst entscheiden: Mandel-Kokos-Birnen-Kekse? Kartoffel-Rosmarin-Pizza? Frische Zutaten, gemixt mit ein bisschen Fantasie, stellen jedes (palmölhaltige) Fertigprodukt in den Schatten. Zum Kochen und Backen eignen sich europäische Öle aus Sonnenblumen, Oliven, Raps oder Leinsamen.
  2. Kleingedrucktes lesen: Auf Lebensmittelpackungen muss seit Dezember 2014 angegeben werden, wenn ein Produkt Palmöl enthält. In Kosmetik-, Putz- und Waschmitteln versteckt sich der Regenwaldfresser hingegen hinter einer Vielzahl chemischer Fachbegriffe. Per Internetrecherche lassen sich leicht palmölfreie Alternativen finden.
  3. Der Kunde ist König: Welche palmölfreien Produkte bieten Sie an? Wieso verwenden Sie keine heimischen Öle? Nachfragen beim Verkaufspersonal und Briefe an die Produkthersteller lassen Firmen um die Akzeptanz ihrer Produkte bangen. Der öffentliche Druck und das gestiegene Problembewusstsein haben schon einige Produzenten zum Verzicht auf Palmöl bewegt.
  4. Petitionen und Politikerbefragungen: Online-Protestaktionen üben Druck auf die Politiker aus, die für Biosprit und Palmölimporte verantwortlich sind. Haben Sie bereits alle Petitionen von Rettet den Regenwald unterschrieben? Auf abgeordnetenwatch.de kann jeder die Bundestagsabgeordneten mit den Folgen der Biospritpolitik konfrontieren.
  5. Laut werden: Demonstrationen und kreative Straßenaktionen machen den Protest für Menschen und Medien sichtbar. Dadurch wird der Druck auf die politischen Entscheidungsträger noch größer.
  6. Öffentlich statt Auto: Wenn möglich zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
  7. Wissen und Wissen weitergeben: Wirtschaft, Handel und Politik wollen uns glauben machen, Biosprit sei klimafreundlich und Palmölplantagen könnten nachhaltig sein. Regenwald.org informiert über die Folgen des Palmölanbaus. Der kostenlose Regenwald Report kann an Freunde weitergegeben oder in Schulen, Arztpraxen und Bioläden ausgelegt werden.