UNESCO soll Menschenaffen zum „Lebendigen Welterbe“ erklären

Ein männlicher Orang-Utan fasst sich an den Kopf und blickt nachdenklich in die Ferne Blick in eine ungewisse Zukunft: Die Orang-Utans sind vom Aussterben bedroht (© flickr/CIFOR (CC BY-NC-ND 2.0))

Bonobos, Orang-Utans, Schimpansen und Gorillas sind akut vom Aussterben bedroht. Bitte unterstützen Sie den Aufruf an die UNESCO, unsere nahen Verwandten zum „lebendigen Welterbe“ zu erklären.

Appell

An: die Leitung der UNESCO

„Orang-Utans, Bonobos, Schimpansen und Gorillas haben die selben Vorfahren wie wir. Bitte erkennen Sie die Menschenaffen als Lebendiges Welterbe an.“

Ganzes Anschreiben lesen

Die Initiative des Great Ape Projects fordert von der UN-Kulturorganisation UNESCO, Orang-Utans, Schimpansen und Gorillas als „Lebendiges Welterbe“ anzuerkennen.

Der Vorstoß ist dringender denn je: Schon in zehn Jahren könnten wir die Tieraten ausgerottet haben, „genau so, wie wir es mit anderen solcher Menschenaffen getan haben und wie wir es aktuell mit tausenden Arten und hunderten indigenen Völkern tun; in einer in der Geschichte unserer Erde nie dagewesenen Artenauslöschung“, schreiben die Initiatoren der Aktion.

Einer der Hauptgründe für das Artensterben und für das drohende Verschwinden der Menschenaffen ist die Rodung der tropischen Wälder.

Orang-Utans, Bonobos, Schimpansen und Gorillas werden - wie wir Menschen - der Familie der Menschenaffen oder Hominiden zugeordnet. Neben gemeinsamen Vorfahren teilen wir eine Vielzahl kognitiver Fähigkeiten.

Bisher sieht die UNESCO kein „lebendiges“ Welterbe vor. Das Great Ape Project argumentiert, dass „es kein größeres und schöneres Erbe als die Natur selbst und ihre Bewohner gibt. Aus diesem Grunde sollte diese internationale Organisation das Konzept eines lebendigen Welterbes aufnehmen“.

Die Initiative kann in Spanien bereits auf die Unterstützung von vielen Wissenschaftlern, Intellektuellen, Akademikern, Schriftstellern und Verbänden zählen. Das Ziel des breiten Bündnisses ist es, über das dramatische Artensterben aufzuklären und zu erreichen, dass den Menschenaffen grundlegende Rechte zugesprochen werden.

Bitte unterstützen Sie den Aufruf an die Vereinten Nationen, eine „Erklärung über die Rechte der Menschenaffen“ zu verabschieden.

Hinter­gründe

Mit Bonobos, Orang-Utans, Schimpansen und Gorillas teilen wir eine Millionen Jahre lange Evolutionsgeschichte. Obwohl wir uns im Laufe der Evolution zu unterschiedlichen Arten entwickelt haben: Die Gemeinsamkeiten sind unverkennbar.

Die Notwendigkeit, sich für den Schutz der Menschenaffen einzusetzen, erwächst jedoch nicht nur aus unserer verwandtschaftlichen Nähe: Die Tiere wurden durch Wilderei und Lebensraumzerstörung an den Rand des Aussterbens gebracht.

Einige der Affenhabitate wurden sogar zum UNESCO-Weltnaturerbe erklärt. Hierzu zählt der Virunga-Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo, die Heimat von Gorillas und Schimpansen.

Um das Aussterben der Menschenaffen zu verhindern, müssen die Populationen in Freiheit geschützt werden. Würden sie zum „lebendigen Welterbe" erklärt, so würde dies nach Angabe von Great Ape Project zu folgenden Positiveffekten führen:

  • Größerer Schutz der noch in Freiheit lebenden Menschenaffen.
  • Größerer Schutz der tropischen Wälder, in denen sie leben, durch die Beendigung der Ressourcenausbeutung und der Rodungen.
  • Schutz der lokalen und indigenen Bevölkerungsgruppen, die in den Gebieten leben, in denen die Menschenaffen vorkommen.
  • Bessere und würdevollere Lebensbedingungen für die in Gefangenschaft lebenden Menschenaffen.
  • Schutzgesetze für die Menschenaffen.
  • Anreize für den Bau von Auffangstationen, in die die bereits in Gefangenschaft geratenen Affen gebracht werden und dort in Frieden leben können.
  • Ein Stopp des Missbrauchs von Menschenaffen als Versuchsobjekte in allen Ländern der Welt und ein absolutes Verbot von Zirkusspektakeln, bei denen die Affen den Menschen als Unterhaltungsobjekt dienen.
  • Grundlage für die Vereinten Nationen, eine Erklärung zu den Rechten der Menschenaffen zu verfassen.

Im Bereich der Rechtsprechung wurde kürzlich in Argentinien ein für die Menschenaffen bedeutendes Urteil gefällt: Eine Richterin gestand dem Orang-Utan-Weibchen Sandra, das im Zoo von Buenos Aires lebt, eigene Rechte zu.

Damit ist sie eine „nichtmenschliche Person“. 
Im Gegensatz zu den biologischen Begriffen „Mensch“ oder „Orang-Utan“ ist die Bezeichnung „nichtmenschliche Person“ ein philosophischer Begriff. Aus diesem Grunde kann er auch für andere als die menschliche Spezies verwendet werden, sofern diese in die offiziell festgelegte Definition fallen.

Wir als Menschen unterscheiden uns nur marginal von den übrigen Menschenaffen: Der Unterschied liegt in lediglich ein bis drei Prozent unserer Gene.

Ein großer Teil unserer Verhaltensweisen entspricht denen unserer evolutionären Verwandten. Sehr deutlich wird dies am Werkzeuggebrauch der Affen: Zweige zum Fang von Termiten, das Messen der Wassertiefe mit Stöcken, die Herstellung von Schwämmen zur Aufnahme von Wasser sowie – im Falle der Schimpansen – die Herstellung von Lanzen zur Jagd kleinerer Affen. Die Entsprechung unserer Häuser sind bei den Affen oft Höhlen: In diesen suchen sie unter anderem Schutz vor Hitze und vor Mücken.

Wenn die Menschenaffen zum Welterbe erklärt werden, so soll dies nicht bedeuten, dass sie uns dienen oder unsere Bedürfnisse befriedigen sollen. Stattdessen geht es darum, dass wir sie vor der Inbesitznahme durch den Menschen schützen; dass die Menschenaffen ein Erbe der Erde, des Lebens, des Universums sind.

Wir haben eine große Verantwortung, die Arten und Ökosysteme unseres Planeten zu schützen. Was unsere evolutionären Verwandten betrifft, so haben wir die Pflicht, ihr Überleben sicherzustellen und zu verhindern, dass sie in Gefangenschaft geraten oder misshandelt werden.

Aus all diesen Gründen wäre die Erklärung der Affen zum Welterbe ein wertvolles Werkzeug zum Schutz der in Freiheit lebenden Menschenaffenpopulationen und zur endgültigen Anerkennung unserer Gemeinsamkeiten.
Die UNESCO ist dem Respekt vor dem Leben und der menschlichen Geschichte verpflichtet. Aus diesem Grund sollte sie die Menschenaffen schützen und ihnen die Unterstützung gewähren, die für ihr Überleben notwendig ist.

Bereits seit vielen Jahren setzt sich das Great Ape Project gegen die Zerstörung von Millionen Hektar Land in den tropischen Ländern ein. Es kritisiert die riesigen Palmölmonokulturen, die für unsere Lebensmittel, für Kosmetikprodukte und den sogenannten Biosprit angelegt werden. Diese Plantagen haben direkte Auswirkungen auf indigene Völker, Bauern, Menschenaffen und andere Lebewesen.

Indonesien steht für die Ausweitung der Plantagen Jahr für Jahr in Flammen. Indigene Völker werden von ihrem Land vertrieben und die multinationalen Konzerne zerstören das Leben, die Wälder und die letzten Lebensstätten der Orang-Utans. All dies unter dem Schweigen, ja sogar mit der Komplizenschaft, der internationalen Gemeinschaft.

Dies macht es unabdingbar einen speziellen Regelkatalog zum Schutz unserer evolutionären Verwandten aufzustellen.

Die UNESCO bekräftigte im Jahr 2015 die Wichtigkeit, die Weltkulturerbestätten in Afrika und Asien für die stark gefährdeten Menschenaffen besitzen. Der nächste folgerichtige Schritt wäre es nun, die Menschenaffen selbst zum Welterbe zu erklären.

Mehr Informationen zur Kampagne finden sich auf dem Blog des Great Ape Project (auf Spanisch).

An­schreiben

An: die Leitung der UNESCO

Sehr geehrte Generaldirektorin Irina Bokova,
sehr geehrte Schriftführerin Rachel Phillips,
sehr geehrte Botschafterin María Teresa Lizaranzu,
sehr geehrter Direktor Abdulaziz Almuzaine,
sehr geehrte Mitglieder der spanischen UNESCO-Kommission,

die genetischen Unterschiede zwischen uns und den anderen derzeit lebenden Menschenaffen sind sehr gering. Wir teilen mit ihnen eine gemeinsame Evolutionsgeschichte von mehreren Millionen Jahren. Wieso lassen wir ohne Skrupel die wenigen Arten unserer eigenen evolutionären Familie verschwinden? Die Menschenaffen sollten als unsere nächsten Verwandten anerkannt werden.

Aus diesem Grund bitte ich die UNESCO nachdrücklich, die vier Arten der Menschenaffen zum „Lebendigen Welterbe“ zu erklären.

Mit freundlichen Grüßen

Petition unterschreiben

Helfen Sie, das Etappenziel von 250.000 Unterstützern zu erreichen:

200.035

Wir verwenden Ihre Daten ausschließlich für unsere Kampagnen. Eine Weitergabe an Dritte findet nicht statt. Wir werden Sie über weitere Aktionen informieren.

Letzte Aktivitäten