50.000 Bäume retten. Die Goldmine verhindern

In der Türkei demonstrieren Einheimische gegen die Rodung von 50.000 Bäumen für eine Goldmine Friedlicher Protest: In der Türkei verteidigen die Menschen die Natur ihrer Heimat
43.265 Teilnehmer

Ende der Aktion: 16.09.2016

Im Nordosten der Türkei wehren sich die Einheimischen vehement gegen den Bau einer Goldmine, für die 50.000 Bäume gefällt werden sollen. Die Polizei geht gewaltsam gegen tausende Demonstranten vor, die die Zufahrt zur Baustelle blockieren. Bitte unterstützen Sie den Widerstand der Menschen in Artvin mit Ihrer Unterschrift.

Appell

An: Staatspräsident der Türkei Recep Tayyip Erdogan, Ministerpräsident der Türkei Ahmet Davutoglu

„In Artvin sollen 50.000 Bäume für eine Goldmine gerodet werden. Örtliche Demonstranten wurden von der Polizei angegriffen. Bitte beenden Sie das Projekt.“

Ganzes Anschreiben lesen

Seit Juni 2015 wehren sich die Menschen an der Grenze zu Georgien gegen die geplante Gold- und Kupfermine. Ein Verwaltungsgericht hatte das Projekt der Cengiz Holding vorübergehend aufgehalten, doch das Umweltministerium erteilte schließlich die Genehmigung. Als Anfang Februar 2016 Baumaschinen anrückten, blockierten die Einheimischen mit 300 Autos die Zufahrt und bauten Barrikaden. Andere besetzten die umliegenden Hügel und übernachteten dort an Lagerfeuern.

An mehreren Tagen kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen mit Sondereinheiten der Polizei. Fotos und Videos geben einen Eindruck davon, wie die Menschen mit Wasserwerfern und Tränengas attackiert werden.

Neşe Karahan von der Organisation „Green Artvin“, die seit 20 Jahren gegen Bergbau kämpft, sagte der Doğan News Agency: „Wir haben keine Waffen oder Rüstungen. Wir verteidigen das Recht lebendiger Wesen mit unseren Körpern.“

Sorge um den Wald und das Wasser

Die Schwarzmeerküste und die schneebedeckten Berge der Region sind ökologisch besonders wertvoll. Hier wachsen Kaukasus-Fichten üppig, leben Bären und Adler. Umweltschützer sorgen sich daher um alte, ursprüngliche Wälder, aber auch um die Wasserqualität. Die lokale Forstbehörde hat die Cengiz Holding jetzt offenbar angezeigt, weil sie mit dem Fällen von 3.500 Bäumen begonnen haben soll.

Die türkische Cengiz Holding verfolgt das Minenprojekt in Artvin seit drei Jahren. Firmenchef Mehmet Cengiz kann womöglich auf einen einflussreichen Unterstützer setzen: Er soll ein Vertrauter von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sein.

Bitte unterstützen Sie die Umweltschützer in der Türkei mit Ihrer Unterschrift. Fordern Sie Staatspräsident Erdogan und Ministerpräsident Davutoglu auf, die Übergriffe gegen Demonstranten zu vehindern und das Minenprojekt zu stoppen.

Hinter­gründe

In der Türkei boomt das Geschäft mit Gold. Laut World Gold Council ist die Produktion von 2 Tonnen 2001 auf 33,5 Tonnen 2013 in die Höhe geschnellt. Weil die Goldproduktion mit erheblichen Umweltbelastungen verbunden ist, gibt es weltweit Proteste gegen Minenprojekte. Mehr Informationen dazu finden Sie auf unserer Themenseite "Goldförderung und ihre Auswirkungen".

Die Staatsführung der Türkei verdächtig Umweltschützer generell, am Sturz der Regierung zu arbeiten, seit 2013 Kritik an einem Bauvorhaben in Istanbuls Gezi Park in eine landesweite Protestbewegung mündete.

An­schreiben

An: Staatspräsident der Türkei Recep Tayyip Erdogan, Ministerpräsident der Türkei Ahmet Davutoglu

Präsident Recep Tayyip Erdogan,
Ministerpräsident Ahmet Davutoglu,

die Menschen in Artvin wehren sich gegen eine Goldmine, die die Cengiz Holding dort errichten will. Die Region gilt bei Umweltschützern wegen des feuchten Klimas als besonders schützenswert. Der Betrieb der Mine würde nicht nur das Wasser gefährden und die Gefahr von Bergrutschen erhöhen, schon für den Bau würden Wälder unwiederbringlich zerstört. Bis zu 50.000 Bäume würden gefällt.

Im Jahr 2014 wurde das Projekt bereits gerichtlich gestoppt, weil die Umweltverträglichkeitsprüfung nicht ausreichend war.

Seit im Juni dennoch eine Baugenehmigung erteilt wurden, verstärkt sich der Protest. Jüngst gingen Sicherheitsbehörden sogar gewaltsam gegen tausende Demonstranten, darunter viele Frauen, vor.

Bitte sorgen Sie dafür, dass die Sicherheitskräfte den Protest nicht mit Gewalt beantworten.
Bitte machen Sie Ihren Einfluss geltend, damit die Cengiz Holding das Projekt einstellt.

Mit freundlichen Grüßen

5-Minuten-Info zum Thema: Aluminium

Definition: Was ist Aluminium?

Aluminium ist das dritthäufigste chemische Element (Zeichen AL). Das Metall wird aus dem Erz Bauxit gewonnen. In der Erdkruste tritt es in Form von Oxiden und Aluminiumsilicaten Metall auf. Haupteinsatzgebiete von Aluminium und seiner Legierungen sind der Fahrzeug-, Flugzeug- und Schiffbau. Außerdem werden Leitungen, Leichtbaustoffe und Konstruktionselemente aus Aluminium hergestellt. Zudem dient es als Verpackungsmaterial.

Wozu wird Alluminium benutzt?

Rostfrei, leicht formbar und bei gleicher Festigkeit nur halb so schwer wie Stahl – diese Produkteigenschaften sind es, die Aluminium im Konstruktions- und Transportbereich so beliebt machen. Mehr als die Hälfte der weltweiten Aluminiumproduktion fließt in diese Sektoren. In Deutschland ist die Autoindustrie der größte Aluminiumverbraucher: Rund 150 Kilogramm des Leichtmetalls sind in jedem PKW verbaut.

Etwa 20% des Aluminiums stecken in Verpackungen: In Kaffeekapseln, Konservendosen und Joghurtdeckeln punktet das Metall durch seine Lichtundurchlässigkeit und Geschmacksneutralität.
Aluminium wird außerdem als Antitranspirant in Deos eingesetzt, reguliert die Beschaffenheit von Cremes und ist Bestandteil von Medikamenten.

Die Nachfrage nach dem Alleskönner Aluminium ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Mit verheerenden Folgen.

Welche ökologischen Schäden richtet Aluminium an?

Aluminium, der rote Tod

Zwar ist Aluminium das häufigste Metall der Erdkruste, jedoch kommt es nur in gebundener Form vor. Die Herstellung des glänzenden Aluminiums aus dem Ausgangsmaterial Bauxit bringt zahlreiche Umweltprobleme mit sich:

  1. Regenwaldrodungen für den Bauxitabbau
    Ein großer Teil der Bauxitvorkommen lagert in den Regenwaldländern. Um an die dünne Gesteinsschicht unter der Erdoberfläche zu gelangen, werden in Australien, Indonesien, Brasilien und Guinea riesige Waldflächen gerodet und der Boden abgetragen. Im brasilianischen Porto Trombetas wird Jahr um Jahr eine Fläche in der Größe von 250 Fußballfeldern gerodet, um Platz für den Bauxitabbau zu machen.

  2. Giftige Abfallprodukte
    In aufwendigen chemischen Verfahren wird aus dem Bauxit Aluminium gewonnen. Dabei fallen pro Tonne Aluminium bis zu vier Tonnen giftiger, durch eisenreiche Verbindungen rotgefärbter, Schlamm an. Gelagert wird der sogenannte Rotschlamm in riesigen, offenen Auffangbecken. Regelmäßig kommt es zu Lecks oder Dammbrüchen der Deponiebecken; dann überströmen die stark ätzenden Schlammassen oft ganze Dörfer. Toxische Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Quecksilber verwandeln vormals lebendige Flüsse in giftige Todeszonen. Doch auch ohne große Unfälle kommt es zum Eintrag von Umweltgiften in Luft, Böden und Gewässern: Die in der Umgebung von Minen und Aluminiumfabriken lebenden Menschen klagen über verseuchtes Trinkwasser, Hautkrankheiten und Fischsterben.

  3. Hoher Energieverbrauch bei der Weiterverarbeitung
    Um eine Tonne Aluminium herzustellen, werden 15 Megawatt-Stunden Strom benötigt – so viel wie ein 2-Personen-Haushalt in fünf Jahren nutzt. Die energieaufwendige Aluminiumproduktion lohnt sich wirtschaftlich nur, wenn sehr viel sehr günstiger Strom zur Verfügung steht. Hierfür werden zum Beispiel in Brasilien gigantische Wasserkraftwerke errichtet und das Land indigener Gemeinden geflutet.

Die negativen Auswirkungen von Aluminium sind nicht nur in den Produktionsländern zu spüren. In Alltagsprodukten bedroht das Metall auch unsere Gesundheit: Aus Aluminiumfolie gelöste Salze, ebenso wie die Alubestandteile in Deodorants und Medikamenten, können sich in unserem Körper anlagern und stehen im Verdacht, Krebs und Alzheimer auszulösen.

Welche Lösungen gibt es? – Unverpackt gut

Aluminium ist in unserem Alltag allgegenwärtig. Die Aluminiumproduktion ist zwischen 2009 und 2016 um knapp 60% auf 58,3 Millionen Tonnen pro Jahr angestiegen – nicht zuletzt für Produkte des täglichen Lebens. Gerade deshalb besteht ein großes Einsparpotential.

  1. Selbst gemacht und clever verpackt: Gemüsedöner in Aluminiumfolie, Müsliriegel in Mehrschichtverpackungen - Gerade das Essen für unterwegs kommt oft im Alu-Mäntelchen daher. Snacks für Büro und Schule lassen sich mit ein bisschen Planung zu Hause vorbereiten. Wer Brotboxen statt Alupapier zum Verpacken verwendet und Mehrwegflaschen (mit selbst zubereitetem Eistee) der Getränkedose vorzieht, kann viel Verpackungsmüll einsparen.

  2. Kaffee ohne Kapselmüll: Ein Kilogramm Kapselkaffee kostet den Verbraucher bis zu 80 €. Ein teures Vergnügen – auch für die Umwelt. Für sechs bis sieben Gramm Kaffee werden bis zu drei Gramm Verpackungen gebraucht. 8.000 Tonnen Kapselmüll fallen in Deutschland pro Jahr an. Günstiger und umweltschonender brüht man Kaffee mit einer Durchdrückkanne (French Press) oder einer Espressomaschine aus Edelstahl für die Herdplatte. Für Vieltrinker lohnt sich ein Vollautomat.

  3. Ein zweites Leben: Nicht immer lassen sich Aluminiumhüllen vermeiden. Der Rohstoff aus Medikamentenverpackungen & Co. kann aber theoretisch unbegrenzt wiederverwendet werden – sofern er von uns richtig entsorgt wird (Gelber Sack/ Gelbe Tonne).

  4. Weiternutzen statt wegwerfen: Computergehäuse, Alu-Regal, Teppichleisten – das Metall steckt in zahlreichen Haushaltsgegenständen. Wer in hochwertige Produkte investiert und diese so lange nutzt wie möglich, kann seinen Aluminium-Fußabdruck verringern.

  5. Unterwegs ohne Aluminium-Auto: Die bis zu 150 Kilogramm Aluminium, die in einem Auto verbaut sind, können ein gutes Argument gegen einen Neuwagen und für den Umstieg auf Fahrrad, Bus und Bahn sein.

  6. Gesund ohne Aluminium: Wer den eigenen Körper schützen möchte, greift auf alufreie Naturkosmetik zurück und wählt ein Deo ohne Aluminiumsalze (z.B. auf Natronbasis). Für Medikamente mit Aluminium (z.B. gegen Sodbrennen) können Apotheker oft Alternativen empfehlen. Keinesfalls sollten säurehaltige Lebensmittel in Aluminiumfolie gelagert werden: schädliche Aluminiumsalze könnten in die Lebensmittel übergehen, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung.

  7. Unterrichten und Unterzeichnen: Was haben Kaffeekapseln mit Regenwaldzerstörung zu tun? Die Weitergabe von Informationen von unserer Website oder aus dem Regenwaldreport hilft, über die Gefahren von Aluminium aufzuklären. Sinkt die Nachfrage nach den Produkten, können die Unternehmen zum Umdenken bewegt werden. Online-Proteste üben zusätzlichen Druck aus.