Großer Erfolg für Siberut - jetzt den Wald für immer schützen!

Indigene aus Siberut Im Einklang mit der Natur: Indigene auf Siberut (© YCMM)

Die Bewohner der indonesischen Insel Siberut haben erfolgreich protestiert: Das Amt für Investitionen hat die geplante Holzplantage in ihrem Wald endgültig untersagt. „Danke“, sagt unser lokaler Partner. „Ohne eure Unterstützung hätten die Behörden nicht reagiert. Wir brauchen weiter eure Hilfe, um den Wald dauerhaft zu schützen.“

Appell

An: Frau Ministerin Siti Nurbaya Bakar, Herr Franky Sibarani (Amt für Investitionen)

„Keine Holzplantage auf Siberut zur Stromerzeugung! Geben Sie den Indigenen Ihren Wald zurück!“

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Aman klettert auf den mächtigen Baumriesen, um seine Hüfte ein Gefäß aus Bambus gebunden, in das er Honig füllen will. Das Summen der Bienen, der Ruf der Schamadrossel, das Knistern der Zweige erfüllt ihn mit Freude. „Der Wald ist das Erbe unserer Ahnen“, sagt der drahtige Mann. Die indigene Bevölkerung der Insel Siberut, die vor der Westküste Sumatras liegt, lebt im Einklang mit der Natur.

„Wir haben uns jahrelang erfolgreich gegen Holzfirmen und Ölpalmplantagen gewehrt“, sagt Aman kämpferisch: „Und werden auch weiterhin alles tun, damit unser Wald nicht verheizt wird!“

Die Firma Biomass Andalan Energi wollte 20.000 Hektar des Urwaldes kahl schlagen und dort Holz-Monokulturen anpflanzen. Mit dem Holz sollte ein Kraftwerk für die Stromerzeugung befeuert werden.

Die Insulaner haben deshalb zum Widerstand aufgerufen. „Wir müssen uns gemeinsam gegen die Holzplantage wehren, für die der Wald gnadenlos vernichtet würde“, hieß es in in ihrem Appell.

Schon im September 2015 hatte der Distriktvorsteher Yudas Sabaggalet einen Brief an die Firma Biomass Andalan Energi und das Forstministerium geschickt und eine Rücknahme der Genehmigung gefordert. Zunächst ohne positive Reaktion.

Dann kam Unterstützung aus aller Welt – Rettet den Regenwald startete ein Petition und sammelte 160.000 Unterschriften.

Die Proteste hatten Erfolg: Das Amt für Investitionen hat die geplante Holzplantage untersagt. Weil die Umweltverträglichkeitsprüfung und die erforderlichen geografischen Daten nicht rechtzeitig eingereicht worden seien.

„Noch ist dieser Wald nicht endgültig gerettet“, sagt Rifai, Direktor unserer Partnerorganisation YCMM. „Auch andere Plantagenfirmen haben Interesse. Deshalb müssen die Indigenen von Siberut die legalen Besitzer ihres Waldes werden. Damit sie ihn dauerhaft schützen können."

Hinter­gründe

Siberut: Wald der Indigenen

Timber plantations threaten mentawais forests

Siberut (4.030 km²), die größte der Mentawai-Inseln westlich von Sumatra, zeichnet sich durch typischen tropischen Regenwald auf hügeligem Gelände mit hohen Niederschlagsmengen, viele Flüsse, Süßwassersümpfe und Mangrovenwälder im Osten aus.

Auf der Insel gab es vor wenigen Jahren noch keine Straßen. Die Einwohner kannten kein Metall und betrieben keine Landwirtschaft. Sie leben auch heute noch im Wald in Langhäusern und pflegen ihre angestammte Kultur.

Ihre traditionelle Lebensweise ist durch den Einfluss von Religion, Handel und Moderne bedroht. Doch die Beziehung zur Natur als der Mutter, die alles im Überfluss gibt, besteht weiter. Dazu gehört eine enge Verbundenheit zur Erde. Jedes Stück Land hat eine besondere spirituelle und familiäre Bedeutung. Es gehört der Gemeinschaft, die die Nutzung bestimmt. Es ist ausgeschlossen, dass sie ihr Land an Fremde verkaufen.

In einem Dokument der Behörden von Sumatra von 1990 heißt es noch: „Die Bewohner Siberuts pflegen den Wald sehr sanft. Sie nutzen dessen Produkte, legen auch Waldgärten an, jedoch niemals mit Feuer. So schützen sie den Wald auf Siberut.“

Die ersten negativen Einschnitte durch die Moderne geschahen durch Feuerwaffen. Fremde, aber auch Einheimische begannen auf die Jagd nach Vögeln zu gehen und Agarwood (Aquilaria) für die Parfümindustrie auszubeuten.

Siberut: Gefahr für die Regenwälder

Die Indigenen nutzen und schützen den Wald seit Hunderten vielleicht Tausenden von Jahren. In den 1970er Jahren jedoch war plötzlich aller Wald Indonesiens „Staatswald“, mit der Folge, dass er in die Hände der Holz-, Papier- und Palmölkonzerne gelangte. Die ersten Holzkonzerne drangen in den 1980er Jahren nach Siberut. Die einheimische Bevölkerung wehrte sich vehement - und bisher recht erfolgreich - gegen die Vernichtung ihrer Wälder.

Die Zeiten aber ändern sich – zumindest auf dem Papier (Dekret 2382 / Menhut-VI / BRPUK / 2015) gehört der Wald heute wieder den indigenen Gemeinschaften, denn seit kurzem können sie ihre Ansprüche auf ihren „Gemeindewald“ rechtlich geltend machen.

Doch Behörden und Industrie ignorieren Gesetze und verbriefte Rechte. Aktuell hat ein neues Unternehmen, Biomas Andalan Energi, die Absicht, auf 20.875 Hektar eine Holzplantage für die Erzeugung von Biomasse für Elektrizität anzulegen. Die Genehmigung des Forstministeriums liegt vor, doch die Einheimischen mitsamt ihren Ältesten, Bürgermeistern und Lokalpolitikern wehren sich – bisher vergebens.

Mentawai-Inseln

Die Mentawai-Inseln sind seit 500.000 Jahren von Sumatra getrennt und haben daher viele endemische Arten aufzuweisen. So sind 90% der Säugetiere endemisch. Es gibt weltweit keine Inseln dieser Größe, die so viele endemische Primaten haben, zum Beispiel den Kloss-Gibbon (Hylobates klossii), die Pageh-Stumpfnase (Simias concolor), den Pagai-Makaken (Macaca pagensis), den Siberut-Makaken (Macaca siberu), den Mentawai-Langur (Presbytis potenziani).

Die Inseln ziehen mit ihrem exotischen Reiz, den Regenwäldern, den lebendigen Kulturen der Indigenen und ihrer landschaftlichen Schönheit noch wenige Besucher an. Meist kennen nur Surfer die Inselgruppe und preisen ihre atemberaubenden Wellen.

Biomass Andalan Energi

erhielt die Genehmigung für die Anlage einer Monokultur von 20.110 Hektar für Biomasse in einer ehemaligen Holzkonzession in den Landkreisen Nord- und Zentral-Siberut. Der Wald ist noch großenteils erhalten, da nur selektiv eingeschlagen wurde. Seit 2007 ruht der Holzeinschlag völlig. Der Urwald ist noch zum großen Teil intakt.

Im Mai 2015 erteilte das Umwelt- und Forstministerium die Genehmigung, und im März 2016 stimmte das Amt für Investitionen zu. Der Distriktchef jedoch fordert von den Behörden die Rücknahme.

Anscheinend beginnt die Firma schon, schnellwachsende Mimosenarten (Calliandra calothyrsus und Leucaena leucocephala) und Eukalyptus zu setzen, lauter Arten, die nicht aus Indonesien stammen.

Biomass Andalan Energi gehört zur Kayubaka Gruppe, die auf den Mentawai-Inseln Holzplantagen, Holzfabriken und Holzkraftwerke betreibt.

An­schreiben

An: Frau Ministerin Siti Nurbaya Bakar, Herr Franky Sibarani (Amt für Investitionen)

Sehr geehrte Frau Ministerin, sehr geehrter Herr Sibarani,

Siberut ist berühmt für seine wundervolle Natur und seine einzigartige Kultur. Industrielle Monokulturen sind eine Gefahr für den Urwald und die Existenz der dort lebenden Menschen. Sie wären eine Bedrohung für die Biodiversität, den Schutz des Regenwaldes und das globale Klima. Sie bringen weitere Risiken mit sich, die sich direkt auf das Leben der Menschen auf Siberut auswirken: Überschwemmungen, Austrocknen der Flüsse und, nicht zuletzt, Verarmung und Marginalisierung der Bevölkerung.

Sie haben der Firma Biomass Andalan Energi die Genehmigung erteilt, auf 20.110 Hektar Holz-Monokulturen für die Produktion von Energie anzulegen. Dies geschah ohne Zustimmung der Bevölkerung.

Frau Ministerin, Sie haben sich entschlossen gezeigt, der Zerstörung der Wälder Einhalt zu gebieten. Lassen Sie nicht zu, dass nun die Wälder an der Peripherie vernichtet werden. Bitte erteilen Sie keine Genehmigungen für Biomasse- und andere Plantagen.

Opfern Sie Siberut nicht der Produktion von Biomasse.

Mit freundlichen Grüßen

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