Deine Stimme rettet Schnepfe und Schmetterling!

Uferschnepfe und EU Flagge Wiesen werden durch Maisfelder für Biogas verdrängt. Die Vögel sterben aus. (© Andreas Trepte - CC BY-SA 2.5 - Montage : RdR)
125.877 Teilnehmer

Ende der Aktion: 19.10.2021

Verstummen bald Kiebitze und Uferschnepfen für immer? Ist der Flug von vielen Schmetterlingsarten bald Vergangenheit? Zwei Drittel aller Tier- und Pflanzenspezies in Europa sind gefährdet. Doch die EU will den Naturschutz der Wirtschaft opfern. Die Vorentscheidung fällt im November! Wir fordern: Die EU muss die Natur schützen!

News und Updates Appell

An: EU-Kommission

„Europas Natur wird dramatisch geschädigt. Zwei Drittel aller Arten sind gefährdet. Die EU-Kommission darf den Naturschutz nicht weiter aushöhlen.“

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Seit 25 Jahren nimmt die Zahl der Tierarten rasant ab. Besonders betroffen sind Vögel. 2013 lebten hierzulande höchstens noch 4.000 Uferschnepfen-Paare. Von Kiebitzen waren maximal 100.000 Paare übrig. Tendenz fallend.

Dramatisch ist auch die Entwicklung bei den Schmetterlingen. Ihre Zahl ist seit den Tagen, in denen Forscher sich für die Tiere zu interessieren begannen, um 40 Prozent eingebrochen. Die Geschwindigkeit des Rückgangs hat sich beschleunigt. In Bayern wurden im Jahr 1766 stolze 3.250 Arten gezählt, seither sind 400 verschwunden.

Jede sechste Tier- und Pflanzenart gilt in Deutschland als extrem selten, ausgestorben oder verschollen. Das berichtet das Bundesamt für Naturschutz. Europaweit ist es genauso schlimm. Die meisten Schutzgebiete sind in einem beklagenswerten Zustand. Über die bedrohliche Entwicklung kann nicht hinwegtäuschen, dass es Wildkatzen, Wölfen, Bibern und Kranichen wieder besser geht. Um das Artensterben zu stoppen, muss der Naturschutz dringend verbessert werden.

Stattdessen höhlt die EU-Kommission die Umweltgesetze jetzt aus. Sie stellt die Vogelschutzrichtlinie und die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie infrage, die einst verabschiedet wurden, um die Biodiversität zu erhalten. In den Augen der Kommission behindern sie jedoch die Wirtschaft zu stark. Umweltschützer fürchten: Werden die EU-Richtlinien geschwächt, droht vielen Schutzgebieten und Arten das Aus.

Noch im November soll die Vorentscheidung für die Zukunft unserer Umwelt fallen.

Bitte fordern Sie die EU-Kommission auf, den Naturschutz zu stärken, statt ihn Wirtschaftsinteressen zu opfern.

Hinter­gründe

Das Bundesamt für Naturschutz hat in seinem 1. Artenschutzreport im Mai 2015 alarmierende Zahlen vorgelegt. Demnach geht es lediglich 37 Prozent der 71.900 Tier- und Pflanzenarten in Deutschland gut. Für 30 Prozent ist die Lage dagegen „bestandsgefährdend“, 8 Prozent sind „extrem selten“, 6 Prozent „ausgestorben oder verschollen“ und 4 Prozent stehen auf einer Vorwarnliste. Für die übrigen Arten liegen nicht genügend Zahlen vor. Das Amt fordert den Ausbau von Artenschutzprogrammen und ein vernetztes System von Schutzgebieten.

Laut EU-Umweltbericht sind 77 Prozent der geschützten Lebensräume in schlechtem oder sehr schlechtem Zustand. 17 Prozent der Vogelarten sind gefährdet und weitere 15 Prozent „potenziell gefährdet, abnehmend oder dezimiert“. Mehr als die Hälfte der übrigen Arten sind in einem „ungünstigen Zustand“.

Hauptursachen für das Artensterben sind die intensive Landwirtschaft mit dem Einsatz von Pestiziden, die Forstwirtschaft, der intensive Fischfang, der Bau von Straßen, Gewerbegebieten und Siedlungen. Häufig widerspricht insbesondere die EU-Politik dem Naturschutz.

EU-Richtlinien für Naturschutz

Zwei Richtlinien sind für den Naturschutz in Europa von großer Bedeutung: Die Vogelschutz-Richtlinie und die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie.

Die Vogelschutzrichtlinie wurde im Jahr 1978 erlassen. Sie hat dazu beigetragen, die Jagd auf Vögel in den Mittelmeerländern einzudämmen. Zudem wurden Schutzgebiete für Zugvögel geschaffen. Die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie stammt aus dem Jahr 1992. Sie fordert von den EU-Staaten, für Pflanzen und Tiere besonders wichtige Lebensräume zu identifizieren und unter Schutz zu stellen.

Natura 2000 umfasst 27.000 Schutzgebiete

Natura 2000 ist ein europaweites Netz aus derzeit 27.000 Schutzgebieten, die aufgrund der beiden Richtlinien eingerichtet wurden.

In Deutschland gibt es 5.253 Natura-2000-Gebiete. Sie decken 15,4 Prozent der Landesfläche und 45 Prozent der küstennahen Meereszonen ab.

Europaweit stehen 18 Prozent der Landflächen unter Naturschutz. Allerdings sind viele Schutzgebiete klein, wie etwa Stadtparks. Der ökologische Nutzen ist daher zweifelhaft. Das EU-Regelwerk hat immerhin dazu beigetragen, dass es Wildkatzen, Bibern, Wölfen, Kranichen, Seeadlern, Bartgeiern und Kegelrobben wieder besser geht.

Deutschland setzt Richtlinien unzureichend um

Deutschland setzt die Richtlinien nur unzureichend um. Die EU-Kommission hat mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof gedroht. Umweltschützer kritisieren zudem, viele schutzwürdige Gebiete würden der EU nicht gemeldet und daher nicht unter Schutz gestellt.

Studien zurückgehalten - und geleakt

Die EU-Kommission hält eine Studie über die Effektivität zurück. Die Organisation Euractive hat sie geleakt. Die Ergebnisse: Die bestehenden Richtlinien sind, sofern sie vollständig und ordnungsgemäß umgesetzt werden, wirksam und effizient. Sie sind oft strenger als nationale Naturschutzgesetze – und werden von den Bürgern geschätzt.

An­schreiben

An: EU-Kommission

Sehr geehrter Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker,
sehr geehrter Umwelt-Kommissar Karmenu Vella,
sehr geehrte Damen und Herren,

Europas Natur wird dramatisch geschädigt. Zwei Drittel aller Arten wie Kiebitz und Uferschnepfe sind gefährdet. Jede sechste Tier- und Pflanzenart gilt in Deutschland als extrem selten, ausgestorben oder verschollen. Das berichtet das Bundesamt für Naturschutz.

EU-weit ist es genauso schlimm. Die meisten Schutzgebiete sind in einem beklagenswerten Zustand. Zu dem Schluss kommt ein Bericht Ihrer Kommission. Um das Artensterben zu stoppen, muss der Naturschutz dringend verschärft werden.

Völlig unverständlich ist daher, dass Sie die europäischen Naturschutzgesetze aufweichen wollen. Mit dem Plan, Vogelschutz-Richtlinie und die Flora-Fauna-Habitat-Richtline zusammenzufassen, stellen Sie den Naturschutz insgesamt infrage. Sie riskieren, dass Kiebitz, Uferschnepfe und viele weitere Arten aussterben. Europaweit warnen Naturschützer eindringlich vor der Reform.

Bitte lassen Sie Ihre Pläne fallen und stärken Sie den Naturschutz statt ihn Wirtschaftsinteressen zu opfern.

Mit freundlichen Grüßen

5-Minuten-Info zum Thema: Biodiversität

Die Ausgangslage: Warum ist Biodiversität so wichtig?

Biodiversität oder Biologische Vielfalt umfasst drei Bereiche, die sehr eng miteinander verbunden sind: die Artenvielfalt, die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und die Vielfalt der Ökosysteme wie z.B. Wälder oder Meere. Jede Art ist Teil eines hoch komplexen Beziehungsgeflechts. Stirbt eine Art aus, wirkt sich das auf viele andere Arten und ganze Ökosysteme aus.

Weltweit sind derzeit fast 2 Millionen Arten beschrieben, Experten schätzen die Anzahl weitaus höher. Tropische Regenwälder und Korallenriffe gehören zu den artenreichsten und am komplexesten organisierten Ökosystemen dieser Erde. Rund die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten lebt in den Tropenwäldern.

Die biologische Vielfalt ist für sich alleine schützenswert und gleichzeitig unsere Lebensgrundlage. Wir nutzen täglich Nahrungsmittel, Trinkwasser, Medizin, Energie, Kleidung oder Baumaterialien. Intakte Ökosysteme sichern die Bestäubung von Pflanzen und die Bodenfruchtbarkeit, schützen uns vor Umweltkatastrophen wie Hochwasser oder Erdrutschen, reinigen Wasser und Luft und speichern das klimaschädliche CO2.

Die Natur ist auch die Heimat und zugleich ein spiritueller Ort vieler indigener Völker. Sie sind die besten Regenwaldschützer, denn besonders intakte Ökosysteme findet man in den Lebensräumen von indigenen Gemeinschaften.

Der Zusammenhang zwischen dem Verlust von Natur und der Ausbreitung von Pandemien ist nicht erst seit Corona bekannt. Eine intakte und vielfältige Natur schützt uns vor Krankheiten und weiteren Pandemien.

Die Auswirkungen: Artenschwund, Hunger und Klimakrise

Der Zustand der Natur hat sich weltweit dramatisch verschlechtert. Rund 1 Million Tier- und Pflanzenarten sind in den nächsten Jahrzehnten vom Aussterben bedroht. Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN sind derzeit 37.400 Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht - ein trauriger Rekord! Experten sprechen von einem sechsten Massenaussterben in der Geschichte der Erde - das Tempo des globalen Artensterbens ist durch den Einfluss des Menschen um Hunderte mal höher als in den letzten 10 Mio. Jahren.

Auch zahlreiche Ökosysteme weltweit - 75 % Landfläche und 66 % Meeresfläche - sind gefährdet. Nur 3% sind ökologisch intakt – z.B. Teile des Amazonas und des Kongobeckens. Besonders betroffen sind artenreiche Ökosysteme wie Regenwälder und Korallenriffe. Rund 50% aller Regenwälder wurden in den letzten 30 Jahren zerstört. Das Korallensterben nimmt durch den globalen Temperaturanstieg immer weiter zu.

Hauptursachen für den massiven Rückgang der Biodiversität sind die Zerstörung von Lebensraum, intensive Landwirtschaft, Überfischung, Wilderei und Klimaerwärmung. Rund 500 Milliarden US-Dollar jährlich werden weltweit in die Zerstörung der Natur investiert - in Massentierhaltung, Subventionen für Erdöl und Kohle, Entwaldung und Flächenversiegelung.

Der Verlust an Biodiversität hat weitreichende soziale und ökonomische Folgen, die Ausbeutung der Ressourcen geht zu Lasten von Milliarden Menschen im globalen Süden. Die UN kann die 17 Ziele zur nachhaltigen Entwicklung z.B. die Bekämpfung von Hunger und Armut nur erreichen, wenn die Biodiversität weltweit erhalten und für die nächsten Generationen nachhaltig genutzt wird.

Ohne den Erhalt der Biodiversität ist auch der Klimaschutz bedroht. Die Zerstörung von Wäldern und Mooren – als wichtige CO2-Senken - heizt den Klimawandel weiter an.

Die Lösung: Weniger ist mehr!

Die natürlichen Ressourcen der Erde stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Knapp zwei Erden verbrauchen wir Menschen, bei derzeitigem Ressourcenverbrauch werden es 2050 mindestens drei sein. Um für den Erhalt der biologischen Vielfalt als unserer Lebensgrundlage zu kämpfen, müssen wir den Druck auf die Politik weiter erhöhen.
Und auch in unserem Alltag lässt sich viel bewegen.

Mit diesen Alltags-Tipps schützt man auch die biologische Vielfalt:

  1. Öfter mal pflanzlich: Mehr buntes Gemüse und Tofu auf den Teller oder am besten gar kein Fleisch! Rund 80% der Agrarflächen weltweit werden zur Tierhaltung und zum Anbau von Tierfutter genutzt.
  2. Regional und Bio: Ökologisch erzeugte Lebensmittel verzichten auf den Anbau von riesigen Monokulturen und den Einsatz von Pestiziden. Der Kauf von regionalen Produkten spart zudem Unmengen an Energie!
  3. Bewusst leben: Brauche ich schon wieder neue Klamotten oder ein Handy? Oder kann ich Alltagsdinge auch gebraucht kaufen? Es gibt gute Alternativen zu Produkten mit Palmöl oder Tropenhölzern! Tropische Haustiere wie z.B. Papageien oder Reptilien sind tabu! Berechne jetzt deinen ökologischen Fußabdruck.
  4. Werde Bienenfreund:in: Auf dem Balkon oder im Garten freuen sich Bienen und andere Insekten über vielfältige, leckere Pflanzen. Aber auch ohne eigenes Grün kann man in einem Naturschutzprojekt in der Region aktiv werden.
  5. Protest unterstützen: Demonstrationen oder Petitionen gegen die Klimaerwärmung oder für eine Agrarwende üben Druck auf Politiker:innen aus, die auch für den Schutz der biologischen Vielfalt verantwortlich sind.

Lesen Sie hier, warum so viele Arten aussterben, bevor sie überhaupt entdeckt werden.

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