Rettet den Elefantenwald von Sepintun!

Waldelefant auf Sumatra Sumatra-Elefanten (© globalfilm)
200.407 Teilnehmer

Ende der Aktion: 23.10.2019

Im Primärwald von Sepintun lebt eine Gruppe der letzten Sumatra-Elefanten. Doch ihr Habitat wird immer stärker durch Palmöl-, Holz- und Kautschuk-Plantagen bedroht. Jetzt fanden Umweltschützer dort Schädel und Knochen toter Elefanten – und schlagen Alarm: Die Regierung muss den Elefantenwald von Sepintun dringend unter Schutz stellen!

Appell

An: Herr Sahimin, Direktor des Umweltamtes Jambi (BKSDA)

„Der Elefantenwald von Sepintun am Bukit Kausar muss erhalten bleiben.“

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Mulkan erschrickt. Vor ihm liegt ein Elefantenschädel, die Knochen sind überall verstreut. Fundort ist der Restwald am Bukit Kausar (Kausar-Berg). Mulkan, ein Indigener vom Stamm der Suku Anak Dalam Batin Telisak, sucht nach Rattan. Er hat Angst, den Knochenfund zu melden, und informiert Marhoni. Der Waldbauer aus dem nahen Dorf Sepintun setzt sich seit Jahren für die Elefanten ein.

„Hier, wo jetzt die Kautschuk-Plantage ist, an den Flüssen Semambu, Telisak und Meranti, gab es vor wenigen Jahren noch Primärwald mit wertvollen Baumriesen", erklärt Marhoni. „Und überall Elefanten.“

In der gesamten Provinz Jambi auf Sumatra leben heute höchstens noch 150 Elefanten. Sie sind stark gefährdet, da ihr Habitat rasant schrumpft - für Palmöl, Papier, Gummi und Kohle.

Die Wälder bei Sepintun sind abgeholzt - bis auf 1.500 Hektar. In diesem letzten Primärwald lebt eine Gruppe weiblicher Elefanten mit ihren Jungen. Sie folgt den alten Wanderwegen, auch durch Plantagen.

„Wir nennen die Elefanten unsere Freunde“, erzählt Marhoni. „Sie leben wie wir seit Generationen hier." 

Das Problem: Für Behörden und Firmen existieren die Elefanten nicht. Sie leugnen, dass es in der Region überhaupt noch Elefanten gibt. Denn nur so können sie auch aus dem Wald von Sepintun eine Plantage machen.

Hilfe erhält Marhoni von der NGO Perkumpulan Hijau (Grüner Verein). Direktor Feri Irawan fordert dringend die Überprüfung der Konzessionen und den Schutz des Sepintun-Waldes. 

„Die Sumatra-Elefanten stehen unter Schutz“, so Feri Irawan. „Wenn ihr Habitat zerstört ist, sterben die Elefanten auch.“ Und Marhoni ist überzeugt: Wenn die Elefanten überleben, überleben auch die Indigenen – und die Urwaldriesen von Sepintun.

Wir fordern die Behörden auf, die Existenz der Elefanten von Sepintun anzuerkennen und ihren Wald unter Schutz zu stellen!

Hinter­gründe

Auf Sumatra werden häufig Elefanten umgebracht. Die Zahl der Leichenfunde steigt jährlich. Täter sind Elfenbeinjäger oder Plantagenangestellte, die Elefanten als eine Pest ansehen und sie mit Rattengift töten.

Yongki war eine Berühmtheit im Nationalpark Bukit Barisan. Der mächtige Bulle stand im Dienst des Kampfes gegen illegalen Holzeinschlag. Doch sogar Yongki musste sterben.

Ruhe in Frieden Yongki - gestorben für Elfenbein

Sogar vor Sabre, dem kleinen Borneo-Elefanten, weltweit bekannt geworden für seine verdrehten Stoßzähne, kannten Elfenbeinjäger keinen Halt. Sabre wurde am Neujahrstag 2017 in Sabah, Malaysia, tot aufgefunden - ohne seine Stoßzähne.

borneo pygmy - smallest elephants killed for ivory

Mehr zur Jagd auf Sumatra-Elefanten: elephant poaching soars as sumatran forests turn into plantations

Der Sumatra-Elefant

Der Sumatra-Elefant (Elephas maximus sumatranus), eine Unterart des Asiatischen Elefanten, unterscheidet sich in vielen Merkmalen vom Afrikanischen Elefanten. Nur männliche Tiere haben Stoßzähne. In kleinen Gruppen von 6-10 Tieren ziehen Elefantenkühe mit den Jungtieren durch die Regenwälder. Elefantenbullen sind Einzelgänger. Sumatra-Elefanten können 80 Jahre alt werden.

Der Sumatra-Elefant wird in der CITES-Liste der gefährdeten Arten als „stark gefährdet“ eingestuft. Trotzdem wäre die Art überlebensfähig – wenn sie nicht durch Wilderei und Verlust des Habitats weiter dezimiert wird.

Nach wwf-Schätzungen betrug die Elefanten-Population Sumatras vor zehn Jahren noch 2.400-2.800 Tiere. Das Umweltministerium gab die Population 2014 mit 1.724 Tieren an. In der Provinz Jambi soll es noch 150 Elefanten geben. Fachleute vermuten, die Schätzungen könnten zu hoch sein, denn Elefanten werden auf Sumatra gejagt, als Ungeziefer getötet und wegen des Elfenbeins gewildert.

Die Provinz Jambi

In den vergangenen vier Jahren, von 2012-2016, hat Jambi nach Einschätzung von lokalen Umweltgruppen 200.000 Hektar Primärwald verloren. Das entspricht acht Fußballfeldern pro Stunde. Die Provinz wird heute von Ölpalmen, Akazien, Kautschuk und Kohle dominiert. Kein einziges Elefanten-Habitat steht unter Schutz, ausnahmslos alle sind Konzessionsgebiete der genannten Industrien.

Die Kautschukplantage ALN

Die Kautschukplantage ALN ist etwa 10.000 Hektar groß. Sie besteht seit 2009. Direkt nach der Abholzung des damals noch intakten Primärwaldes drangen Elefanten in die Siedlungen von Sepintun und fraßen sich durch 20-30 Hektar Plantage. Der Konflikt ist nur einer von vielen Mensch-Tier-Konflikten Sumatras.

In den Dokumenten ALNs ist die Elefantenherde mit keinem Wort erwähnt, und auch das Umweltamt BKSDA leugnet ihre Existenz schlichtweg.

2011-2012 bewies eine vom Grünen Verein durchgeführte Expedition unter wissenschaftlicher Leitung eindeutig die Existenz einer Elefantengruppe.

https://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/sendung/2012/regenwald-102.pdf

An­schreiben

An: Herr Sahimin, Direktor des Umweltamtes Jambi (BKSDA)

Sehr geehrter Herr Sahimin,

Das Schicksal des stark gefährdeten Sumatra-Elefanten liegt mir sehr am Herzen. Soweit mir bekannt ist, gibt es kaum noch 150 Elefanten in der Provinz Jambi. Eine kleine Gruppe lebt bei dem Dorf Sepintun am Bukit Kausar in einem intakten Primärwald.

Dieser Wald liegt in den Konzessionsgebieten von PT. Alam Lestari Nusantara (ALN), PT. SAM Hutani und PT. REKI (Hutan Harapan). Immer wieder kommt es zu Wanderungen der Elefanten in die Konzessionsgebiete und zu Konflikten mit den Unternehmen und der Bevölkerung. Der Grund: Der Wald als Elefanten-Habitat ist stark dezimiert.

Mehrfach haben Anwohner Elefanten-Skelette und Schädel gefunden, die darauf hindeuten, dass Elefanten möglicherweise umgebracht wurden. Sie sind aber auch der Beweis dafür, dass hier noch Elefanten leben.

Sorgen Sie mit aller Kraft dafür, dass die Existenz der Elefanten anerkannt und der Wald bei Sepintun unter Schutz gestellt wird. Es liegt in Ihrer Hand, das Überleben des Sumatra-Elefanten in Jambi zu garantieren!

Mit freundlichen Grüßen

5-Minuten-Info zum Thema: Biodiversität

Die Ausgangslage: Warum ist Biodiversität so wichtig?

Biodiversität oder Biologische Vielfalt umfasst drei Bereiche, die sehr eng miteinander verbunden sind: die Artenvielfalt, die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und die Vielfalt der Ökosysteme wie z.B. Wälder oder Meere. Jede Art ist Teil eines hoch komplexen Beziehungsgeflechts. Stirbt eine Art aus, wirkt sich das auf viele andere Arten und ganze Ökosysteme aus.

Weltweit sind derzeit fast 2 Millionen Arten beschrieben, Experten schätzen die Anzahl weitaus höher. Tropische Regenwälder und Korallenriffe gehören zu den artenreichsten und am komplexesten organisierten Ökosystemen dieser Erde. Rund die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten lebt in den Tropenwäldern.

Die biologische Vielfalt ist für sich alleine schützenswert und gleichzeitig unsere Lebensgrundlage. Wir nutzen täglich Nahrungsmittel, Trinkwasser, Medizin, Energie, Kleidung oder Baumaterialien. Intakte Ökosysteme sichern die Bestäubung von Pflanzen und die Bodenfruchtbarkeit, schützen uns vor Umweltkatastrophen wie Hochwasser oder Erdrutschen, reinigen Wasser und Luft und speichern das klimaschädliche CO2.

Die Natur ist auch die Heimat und zugleich ein spiritueller Ort vieler indigener Völker. Sie sind die besten Regenwaldschützer, denn besonders intakte Ökosysteme findet man in den Lebensräumen von indigenen Gemeinschaften.

Der Zusammenhang zwischen dem Verlust von Natur und der Ausbreitung von Pandemien ist nicht erst seit Corona bekannt. Eine intakte und vielfältige Natur schützt uns vor Krankheiten und weiteren Pandemien.

Die Auswirkungen: Artenschwund, Hunger und Klimakrise

Der Zustand der Natur hat sich weltweit dramatisch verschlechtert. Rund 1 Million Tier- und Pflanzenarten sind in den nächsten Jahrzehnten vom Aussterben bedroht. Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN sind derzeit 37.400 Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht - ein trauriger Rekord! Experten sprechen von einem sechsten Massenaussterben in der Geschichte der Erde - das Tempo des globalen Artensterbens ist durch den Einfluss des Menschen um Hunderte mal höher als in den letzten 10 Mio. Jahren.

Auch zahlreiche Ökosysteme weltweit - 75 % Landfläche und 66 % Meeresfläche - sind gefährdet. Nur 3% sind ökologisch intakt – z.B. Teile des Amazonas und des Kongobeckens. Besonders betroffen sind artenreiche Ökosysteme wie Regenwälder und Korallenriffe. Rund 50% aller Regenwälder wurden in den letzten 30 Jahren zerstört. Das Korallensterben nimmt durch den globalen Temperaturanstieg immer weiter zu.

Hauptursachen für den massiven Rückgang der Biodiversität sind die Zerstörung von Lebensraum, intensive Landwirtschaft, Überfischung, Wilderei und Klimaerwärmung. Rund 500 Milliarden US-Dollar jährlich werden weltweit in die Zerstörung der Natur investiert - in Massentierhaltung, Subventionen für Erdöl und Kohle, Entwaldung und Flächenversiegelung.

Der Verlust an Biodiversität hat weitreichende soziale und ökonomische Folgen, die Ausbeutung der Ressourcen geht zu Lasten von Milliarden Menschen im globalen Süden. Die UN kann die 17 Ziele zur nachhaltigen Entwicklung z.B. die Bekämpfung von Hunger und Armut nur erreichen, wenn die Biodiversität weltweit erhalten und für die nächsten Generationen nachhaltig genutzt wird.

Ohne den Erhalt der Biodiversität ist auch der Klimaschutz bedroht. Die Zerstörung von Wäldern und Mooren – als wichtige CO2-Senken - heizt den Klimawandel weiter an.

Die Lösung: Weniger ist mehr!

Die natürlichen Ressourcen der Erde stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Knapp zwei Erden verbrauchen wir Menschen, bei derzeitigem Ressourcenverbrauch werden es 2050 mindestens drei sein. Um für den Erhalt der biologischen Vielfalt als unserer Lebensgrundlage zu kämpfen, müssen wir den Druck auf die Politik weiter erhöhen.
Und auch in unserem Alltag lässt sich viel bewegen.

Mit diesen Alltags-Tipps schützt man auch die biologische Vielfalt:

  1. Öfter mal pflanzlich: Mehr buntes Gemüse und Tofu auf den Teller oder am besten gar kein Fleisch! Rund 80% der Agrarflächen weltweit werden zur Tierhaltung und zum Anbau von Tierfutter genutzt.
  2. Regional und Bio: Ökologisch erzeugte Lebensmittel verzichten auf den Anbau von riesigen Monokulturen und den Einsatz von Pestiziden. Der Kauf von regionalen Produkten spart zudem Unmengen an Energie!
  3. Bewusst leben: Brauche ich schon wieder neue Klamotten oder ein Handy? Oder kann ich Alltagsdinge auch gebraucht kaufen? Es gibt gute Alternativen zu Produkten mit Palmöl oder Tropenhölzern! Tropische Haustiere wie z.B. Papageien oder Reptilien sind tabu! Berechne jetzt deinen ökologischen Fußabdruck.
  4. Werde Bienenfreund:in: Auf dem Balkon oder im Garten freuen sich Bienen und andere Insekten über vielfältige, leckere Pflanzen. Aber auch ohne eigenes Grün kann man in einem Naturschutzprojekt in der Region aktiv werden.
  5. Protest unterstützen: Demonstrationen oder Petitionen gegen die Klimaerwärmung oder für eine Agrarwende üben Druck auf Politiker:innen aus, die auch für den Schutz der biologischen Vielfalt verantwortlich sind.

Lesen Sie hier, warum so viele Arten aussterben, bevor sie überhaupt entdeckt werden.