Netflix-Serie bedroht Brüllaffen – Stopp!

Schwarzer Brüllaffe mit Text "In Gefahr" Schwarzer Brüllaffe (© Jodi Jacobson/iStock - Montage Rettet den Regenwald)
132.480 Teilnehmer

Ende der Aktion: 22.03.2018

Netflix behauptet in der Serie „72 Dangerous Animals: Latin America“, dass Brüllaffen Gelbfieber auf Menschen übertragen. Dieser Mythos hat lange dazu geführt, dass falsch informierte Leute Affen getötet haben. Mit seiner Serie zerstört Netflix Aufklärungskampagnen und gefährdet das Überleben der Primaten.

News und Updates Appell

An: Netflix-Programmdirektor Ted Sarandos

„Netflix muss das Streaming der 7. Episode von „72 Dangerous Animals: Latin America“ weltweit beenden.“

Ganzes Anschreiben lesen

Gelbfieber ist eine für Menschen tödliche Krankheit und wird ausschließlich von Mücken übertragen.

Der Glaube ist allerdings weit verbreitet, dass Brüllaffen Gelbfieber auf Menschen übertragen – doch das ist falsch. In der Regel sterben Brüllaffen innerhalb von wenigen Tagen an der Krankheit, überlebende Tiere werden immun. Brüllaffen sind somit keine Brutstätte für Krankheitserreger – sie erfüllen im Gegenteil sogar eine wichtige Funktion als Frühanzeiger. Die Primaten sind wie Kanarienvögel in Bergwerken: Sterben Brüllaffen, so ist das für lokale Gesundheitsbehörden ein Warnsignal für das Ausbrechen der Krankheit.

Die falsche, von Medien transportierte Darstellung der Rolle der Affen hat sich während einer Gelbfieber-Epidemie in Brasilien in den Jahren 2007 bis 2009 schnell in der Bevölkerung verbreitet. Menschen töteten in der Folge Brüllaffen mit dem Ziel, sich vor der Krankheit zu schützen.

Da einige Brüllaffen-Arten auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN als gefährdet geführt werden, und da die Tiere vor Gelbfieberausbrüchen warnen, müssen wir sie schützen. Die Kampagne „Protect our Guardian Angels - Schützt unsere Schutzengel”, die 2009 gestartet wurde, wirbt für Impfungen und klärt über den Wert von Brüllaffen für den Schutz der Menschen vor Gelbfieber auf.

Die siebte Episode der Netflix-Serie „72 Dangerous Animals: Latin America” behauptet nun erneut, dass Brüllaffen Gelbfieber auf Menschen übertragen.

Das ist ein Schlag gegen die Kampagne, die das Bewusstsein für die wahre Herkunft von Geldfieber steigert. Menschen vertrauen den Medien häufig mehr als Wissenschaftlern. Deshalb droht jetzt ein massenhaftes Töten von Brüllaffen.

Wir fordern Netflix auf, die reißerische und fehlerhafte Episode weltweit nicht weiter zu streamen.

Hinter­gründe

Weitere Informationen auf Englisch und Französisch finden Sie hier:

New York Times: Brasilien Yellow Fever Outbreak Spawns Alert: Stop Killing the Monkeys

Reporterre: Victimes de la fièvre jaune, les singes meurent par milliers au Brésil

Passport Health: Les singes hurleurs ont sonné l’alarme de l’épidémie de fièvre jaune au Brésil

Mehr als 60 Wissenschaftler aus aller Welt haben eine Petition gegen Netflix unterschrieben:

  • Júlio César Bicca-Marques, Pontifícia Universidade Católica do Rio Grande do Sul, Brazil
  • Cláudia Calegaro-Marques, Universidade Federal do Rio Grande do Sul, Brazil
  • Óscar M. Chaves, Pontifícia Universidade Católica do Rio Grande do Sul, Brazil
  • Paul A. Garber, University of Illinois at Urbana-Champaign, USA
  • Russell A. Mittermeier, Primate Specialist Group/ International Union for Conservation of Nature, USA
  • Anthony B. Rylands, Primate Specialist Group/ International Union for Conservation of Nature, USA
  • Karen B. Strier, University of Wisconsin-Madison, USA
  • Alejandro Estrada, National Autonomous University of Mexico, Mexico
  • Janette Wallis, University of Oklahoma, USA
  • Colin A. Chapman, McGill University, Canada
  • Michael A. Huffman, Kyoto University Primate Research Institute, Japan
  • Nancy G. Caine, California State University San Marcos, USA
  • Marco A. B. de Almeida, Centro Estadual de Vigilância em Saúde/RS, Brazil
  • Alessandro Pecego Martins Romano, Universidade de Brasília, Brazil
  • Márcio Port-Carvalho, Instituto Florestal, Brazil
  • Eduardo B. Ottoni, Universidade de São Paulo, Brazil
  • Patrícia Izar, Universidade de SãoPaulo, Brazil
  • Martin Kowalewski, National Scientific and Technical Research Council, Argentina
  • Mariana Raño, National Scientific and Technical Research Council, Argentina
  • Leonardo de C. Oliveira, Universidade do Estado do Rio de Janeiro, Brazil
  • Vanessa B. Fortes, Universidade Federal de Santa Maria, Brazil
  • Ítalo Mourthé, Universidade Federal do Pará, Brazil
  • Mélissa Berthet, University of Neuchâtel, Switzerland
  • Fabiano R. de Melo, Universidade Federal de Viçosa, Brazil
  • Sarie Van Belle, University of Texas in Austin, USA
  • Stacey Tecot, University of Arizona, USA
  • Paulo Henrique Gomes de Castro, Centro Nacional de Primatas, Brazil
  • Waldney Pereira Martins, Universidade Estadual de Montes Claros, Brazil
  • Cecília Kierulff, Universidade Federal do Espírito Santo, Brazil
  • Eleonore Z. F. Setz, Universidade Estadual de Campinas, Brazil
  • Julio Cesar de Souza Jr., Fundação Universidade Regional de Blumenau, Brazil
  • Cristiane Cäsar, Pontifícia Universidade Católica de Minas Gerais, Brazil
  • Marcia Maria de Assis Jardim, Fundação Zoobotânica do Rio Grande do Sul, Brazil
  • Fernanda Pozzan Paim, Instituto de Desenvolvimento Sustentável Mamirauá, Brazil
  • Sergio Lucena Mendes, Universidade Federal do Espírito Santo, Brazil
  • Elisandro Oliveira dos Santos, Universidade Luterana do Brasil, Brazil
  • Julie Wieczkowski, State University of New York at Buffalo, USA
  • Guillaume Dezecache, Institut Jean Nicod, France
  • Thais Leiroz Codenotti, Associação para a Conservação da Vida Silvestre, Brazil
  • Michelle A. Rodrigues, University of Illinois at Urbana-Champaign, USA
  • Gilza Maria de Souza Franco, Universidade Federal da Fronteira Sul, Brazil
  • Eliara Solange Müller, Universidade Comunitária da Região de Chapecó, Brazil
  • Helena P. Romanowski, Universidade Federal do Rio Grande do Sul, Brazil
  • Clarice B. Fialho, Universidade Federal do Rio Grande do Sul, Brazil
  • Liliana Essi, Universidade Federal de Santa Maria, Brazil
  • Fabíola Dalmolin, Universidade Federal da Fronteira Sul, Brazil
  • Lucas Krüger Garcia, Universidade Comunitária da Região de Chapecó, Brazil
  • Maria Elisabeth Kleba, Universidade Comunitária da Região de Chapecó, Brazil
  • Anna Maria Siebel, Universidade Comunitária da Região de Chapecó, Brazil
  • Felipe Klein Ricachenevsky, Universidade Federal de Santa Maria, Brazil
  • Yaëlle Bouquet, Université de Neuchâtel, Switzerland
  • Geraldo Ceni Coelho, Universidade Federal da Fronteira Sul, Brazil
  • Mariana Labão Catapani, Universidade de São Paulo, Brazil
  • Daniel Galiano, Universidade Federal da Fronteira Sul, Brazil
  • José Julián León Ortega, Université de Neuchâtel, Switzerland
  • Gerson Paulino Lopes, Universidade Federal do Amazonas, Brazil
  • Mariana Nagy Baldy dos Reis, University of Alberta, Canada
  • Margarita Briseño Jaramillo, Instituto Politecnico Nacional, Mexico
  • Rogério Grassetto Teixeira da Cunha, Universidade Federal de Alfenas, Brazil
  • Renata G. Ferreira, Universidade Federal do Rio Grande do Norte, Brazil
  • Maria Adélia Borstelmann de Oliveira, Universidade Federal Rural de Pernambuco, Brazil

An­schreiben

An: Netflix-Programmdirektor Ted Sarandos

Sehr geehrter Ted Sarandos,

seit dem 22. Dezember 2017 zeigt Netflix die Serie „72 Dangerous Animals: Latin America“ der Produktionsfirma Showrunner Productions. In der 7. Episode wird behauptet, dass Brüllaffen gefährlich sind, weil sie Gelbfieber auf Menschen übertragen könnten.

Das ist falsch.

Unter Wissenschaftlern ist bekannt, dass Moskitos die Krankheitsüberträger sind. Der Mythos, dass Brüllaffen die Krankheit auf Menschen übertragen, der von Medien transportiert wurde, hat sich während einer Gelbfieber-Epidemie in Brasilien in den Jahren 2007 bis 2009 schnell in der Bevölkerung verbreitet. Das führte zum vielfachen und sinnlosen Töten von Brüllaffen durch Menschen, die Angst hatten, sich mit der Krankheit anzustecken.

Brüllaffen sind laut Weltnaturschutzunion IUCN südlich des Amazonas vom Aussterben bedroht. Zudem spielen sie eine wichtige Rolle als Frühanzeiger für Gelbfieber, da der Tod von Affen Gesundheitsbehörden vor einem Ausbruch der Krankheit warnt und die Notwenigkeit für die Impfung der lokalen Bevölkerung unterstreicht.

Kampagnen wie „Protect our Guardian Angels – Schützt unsere Schutzengel” und „Celebrities against Yellow Fever – Prominente gegen Gelbfieber”, die 2017 gestartet wurden und von 29 Bildungs- und Wissenschaftsinstitutionen, Behörden und Umweltschutzorganisationen unterstützt werden, werben für Impfungen und wecken Bewusstsein für den Wert des Brüllaffen für den Schutz der Menschen vor der Krankheit.

Allerdings vertrauen Menschen wichtigen Medien häufig mehr als wissenschaftlichen Studien. Aufgrund seiner großen Reichweite hat Netflix einen starken Einfluss auf die Bevölkerung und eine Verantwortung, beim Streamen von Dokumentationen zuverlässige und richtige Informationen zu verbreiten.

Diese Episode ist ein Schlag gegen die großangelegte Kampagne, die das Bewusstsein für die wahre Herkunft von Geldfieber und für den Schutz der Affen vor einer weiteren massenhaften Tötung steigert.

Wir fordern Netflix auf, die reißerische und fehlerhafte Episode weltweit nicht weiter zu streamen und zukünftig sorgsamer bei der Wahl von Dokumentationen zu sein.

MIt freundlichen Grüßen

5-Minuten-Info zum Thema: Biodiversität

Die Ausgangslage: Warum ist Biodiversität so wichtig?

Biodiversität oder Biologische Vielfalt umfasst drei Bereiche, die sehr eng miteinander verbunden sind: die Artenvielfalt, die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und die Vielfalt der Ökosysteme wie z.B. Wälder oder Meere. Jede Art ist Teil eines hoch komplexen Beziehungsgeflechts. Stirbt eine Art aus, wirkt sich das auf viele andere Arten und ganze Ökosysteme aus.

Weltweit sind derzeit fast 2 Millionen Arten beschrieben, Experten schätzen die Anzahl weitaus höher. Tropische Regenwälder und Korallenriffe gehören zu den artenreichsten und am komplexesten organisierten Ökosystemen dieser Erde. Rund die Hälfte aller Tier- und Pflanzenarten lebt in den Tropenwäldern.

Die biologische Vielfalt ist für sich alleine schützenswert und gleichzeitig unsere Lebensgrundlage. Wir nutzen täglich Nahrungsmittel, Trinkwasser, Medizin, Energie, Kleidung oder Baumaterialien. Intakte Ökosysteme sichern die Bestäubung von Pflanzen und die Bodenfruchtbarkeit, schützen uns vor Umweltkatastrophen wie Hochwasser oder Erdrutschen, reinigen Wasser und Luft und speichern das klimaschädliche CO2.

Die Natur ist auch die Heimat und zugleich ein spiritueller Ort vieler indigener Völker. Sie sind die besten Regenwaldschützer, denn besonders intakte Ökosysteme findet man in den Lebensräumen von indigenen Gemeinschaften.

Der Zusammenhang zwischen dem Verlust von Natur und der Ausbreitung von Pandemien ist nicht erst seit Corona bekannt. Eine intakte und vielfältige Natur schützt uns vor Krankheiten und weiteren Pandemien.

Die Auswirkungen: Artenschwund, Hunger und Klimakrise

Der Zustand der Natur hat sich weltweit dramatisch verschlechtert. Rund 1 Million Tier- und Pflanzenarten sind in den nächsten Jahrzehnten vom Aussterben bedroht. Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN sind derzeit 37.400 Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht - ein trauriger Rekord! Experten sprechen von einem sechsten Massenaussterben in der Geschichte der Erde - das Tempo des globalen Artensterbens ist durch den Einfluss des Menschen um Hunderte mal höher als in den letzten 10 Mio. Jahren.

Auch zahlreiche Ökosysteme weltweit - 75 % Landfläche und 66 % Meeresfläche - sind gefährdet. Nur 3% sind ökologisch intakt – z.B. Teile des Amazonas und des Kongobeckens. Besonders betroffen sind artenreiche Ökosysteme wie Regenwälder und Korallenriffe. Rund 50% aller Regenwälder wurden in den letzten 30 Jahren zerstört. Das Korallensterben nimmt durch den globalen Temperaturanstieg immer weiter zu.

Hauptursachen für den massiven Rückgang der Biodiversität sind die Zerstörung von Lebensraum, intensive Landwirtschaft, Überfischung, Wilderei und Klimaerwärmung. Rund 500 Milliarden US-Dollar jährlich werden weltweit in die Zerstörung der Natur investiert - in Massentierhaltung, Subventionen für Erdöl und Kohle, Entwaldung und Flächenversiegelung.

Der Verlust an Biodiversität hat weitreichende soziale und ökonomische Folgen, die Ausbeutung der Ressourcen geht zu Lasten von Milliarden Menschen im globalen Süden. Die UN kann die 17 Ziele zur nachhaltigen Entwicklung z.B. die Bekämpfung von Hunger und Armut nur erreichen, wenn die Biodiversität weltweit erhalten und für die nächsten Generationen nachhaltig genutzt wird.

Ohne den Erhalt der Biodiversität ist auch der Klimaschutz bedroht. Die Zerstörung von Wäldern und Mooren – als wichtige CO2-Senken - heizt den Klimawandel weiter an.

Die Lösung: Weniger ist mehr!

Die natürlichen Ressourcen der Erde stehen nicht unbegrenzt zur Verfügung. Knapp zwei Erden verbrauchen wir Menschen, bei derzeitigem Ressourcenverbrauch werden es 2050 mindestens drei sein. Um für den Erhalt der biologischen Vielfalt als unserer Lebensgrundlage zu kämpfen, müssen wir den Druck auf die Politik weiter erhöhen.
Und auch in unserem Alltag lässt sich viel bewegen.

Mit diesen Alltags-Tipps schützt man auch die biologische Vielfalt:

  1. Öfter mal pflanzlich: Mehr buntes Gemüse und Tofu auf den Teller oder am besten gar kein Fleisch! Rund 80% der Agrarflächen weltweit werden zur Tierhaltung und zum Anbau von Tierfutter genutzt.
  2. Regional und Bio: Ökologisch erzeugte Lebensmittel verzichten auf den Anbau von riesigen Monokulturen und den Einsatz von Pestiziden. Der Kauf von regionalen Produkten spart zudem Unmengen an Energie!
  3. Bewusst leben: Brauche ich schon wieder neue Klamotten oder ein Handy? Oder kann ich Alltagsdinge auch gebraucht kaufen? Es gibt gute Alternativen zu Produkten mit Palmöl oder Tropenhölzern! Tropische Haustiere wie z.B. Papageien oder Reptilien sind tabu! Berechne jetzt deinen ökologischen Fußabdruck.
  4. Werde Bienenfreund:in: Auf dem Balkon oder im Garten freuen sich Bienen und andere Insekten über vielfältige, leckere Pflanzen. Aber auch ohne eigenes Grün kann man in einem Naturschutzprojekt in der Region aktiv werden.
  5. Protest unterstützen: Demonstrationen oder Petitionen gegen die Klimaerwärmung oder für eine Agrarwende üben Druck auf Politiker:innen aus, die auch für den Schutz der biologischen Vielfalt verantwortlich sind.

Lesen Sie hier, warum so viele Arten aussterben, bevor sie überhaupt entdeckt werden.

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