Bitte keine Bänke aus Tropenholz!

Regenwald Rodung

Die Stadt Karlsruhe testet Bänke aus Tropenholz. Doch die von einer Designerfirma entworfenen Sitzmöbel aus tropischem Iroko treiben die Abholzung der Regenwälder in Afrika voran. Bitte fordern Sie das Stadtplanungsamt auf, Bänke aus heimischen Hölzern wie Eiche zu wählen.

Appell

An: Stadtplanungsamt Karlsruhe, Frau Anke Karmann-Woessner, Leiterin

„Bitte keine Bänke aus Tropenholz in Karlsruhe - Bänke aus heimischen Hölzern wie Eiche sind die viel bessere Wahl“

Ganzes Anschreiben lesen

Die Stadt Karlsruhe hat auf dem zentralen Marktplatz in der Innenstadt zum Probesitzen Bänke aus tropischem Iroko-Holz aufgestellt. Die Maßnahme ist Teil von laufenden umfangreichen Bauarbeiten auf dem Platz.

Die BürgerInnen sind nun aufgerufen, die drei Bänke zu testen und zu bewerten. Danach soll eine große Zahl von weiteren Bänken installiert werden.

Doch wer möchte sich auf Tropenholz aus Regenwaldrodung ausruhen?

Hersteller der Tropenholzbänke ist die Firma Santa & Cole Urbidermis aus Spanien. Aus welchem Regenwaldgebiet das Iroko-Holz kommt ist unklar. Normalerweise stamme es aus Gabun, hat das Unternehmen dem Verein geantwortet.

Fest steht: Iroko (Milicia excelsa) kommt aus Afrika und ist laut der Roten Liste als „nahe bedroht“ eingestuft. Der sogenannte selektive Holzeinschlag einiger weniger tropischer Edelhölzer bringt diese Arten an den Rand des Aussterbens.

Zudem zerstört und zerstückelt die Holzindustrie die Regenwälder mit schweren Holzschleppern und der geschaffenen Infrastruktur wie Rückewege, Straßen, Brücken, Lagerplätze, Sägewerke, Arbeitersiedlungen, Tanklager usw.

Die vorher schwer zugänglichen Regenwaldgebiete werden durch nachfolgende Siedler, Goldsucher, Wilderer, Landspekulanten, Plantagenfirmen usw. besetzt. Diese zerstören die Ökosysteme weiter und holzen sie vollständig ab.

Bitte fordern Sie zusammen mit uns die Stadt Karlsruhe auf, keine Bänke aus Tropenholz aufzustellen. Bänke aus heimischen Hölzern wie Eiche sind hier die viel bessere Wahl:

Hinter­gründe

Hersteller der Tropenholzbänke Modell "Comunitario” ist laut einer auf dem Holz montierten Metallplakette die Firma Santa & Cole Urbidermis aus Spanien (Barcelona). Dort ist auch ein Lizenzcode FSC C0093 angegeben.

Die schriftliche Anfrage von Rettet den Regenwald zur Herkunft des Iroko-Holzes und Bewirtschaftungsform beantwortete das Unternehmen wie folgt:

Die Firma verwende nur 100% zertifiziertes Holz und das Iroko-Holz stamme normalerweise aus Gabun. Da das Projekt in diesem Fall ziemlich groß sei, werde die Firma eine spezielle Bestellung machen, um so viele Information wie möglich zu haben und sicher zu sein, dass alles den Vorgaben des FSC entspräche.

Eine schriftliche Anfrage an die zuständige Chefin des Stadtplanungsamts in Karlsruhe, Frau Anke Karmann-Woessner, blieb bisher unbeantwortet. Sie ist auch Mitglied im Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen und Professorin im Studiengang Landschaftsarchitektur an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen Geislingen.

Die Holzart Iroko (Milicia excelsa) stammt aus dem tropischen Afrika und hat ein sehr großes Verbreitungsgebiet: Von Angola, Simbabwe, Mosambik im Süden bis Äthiopien, Sudan im Norden, Libera im Westen, Tansania/Kenia im Osten Afrikas. In der Roten Liste der bedrohten Arten ist sie als "nahe bedroht"(near threatened) aufgeführt. Die Bewertung stammt allerdings aus dem Jahr 1998 und ist völlig veraltet.

Holzlabel FSC als Feigenblatt

FSC steht für die Organisation Forest Stewardship Council aus Bonn, die ein Label für die „verantwortungsvolle Bewirtschaftung“ von Wäldern und Industrieplantagen betreibt. Aussteller des angeführten Holzzertifikats ist die Firma Nepcon aus Finnland.

Das Zertifikat ist auf die Hersteller- und Lieferfirma der Tropenholzbänke Santa & Cole Urbidermis aus Spanien (Barcelona) ausgestellt. Es gibt keinerlei Auskunft darüber, aus welchem Land, aus welchem Einschlagsgebiet oder von welchem Betrieb in Afrika das Iroko-Holz letztendlich stammt, ob der Holzeinschlag in natürlichen Regenwäldern oder auf angelegten Holzplantagen erfolgt.

Die völlig fehlende Transparenz von FSC bedeutet, dass sich sämtliche Teilnehmer blind auf das FSC-Label verlassen müssen. Nachprüfbar ist die beanspruchte „verantwortungsvolle Forstwirtschaft“ damit nicht. Die Tropenholzindustrie und ihren Kunden benutzen das FSC-Label als bequemes Schutzschild, hinter dem sie sich verstecken und sämtliche Kritik abschieben können.

Der Zertifizierer Nepcon listet in einer Risikoanalyse für Holz aus Gabun Dutzende von legalen Problemen wie Landkonflikte, Korruption, Dokumentenfälschung, fehlende Einschlagsgenehmigungen und Managementpläne etc. auf. Tropenhölzer aus Gabun sind also ein sehr unsicheres Geschäft.

Tropenholzindustrie ist Motor der Regenwaldabholzung

Fest steht in jedem Fall: Die sensiblen Ökosysteme und ihre Bewohner werden durch den Holzeinschlag, den Einsatz schwerer Holzschlepper und der für den Holzeinschlag notwendigen Infrastruktur wie Rückewege, Straßen, Brücken, Lagerplätze, Sägewerke, Arbeitersiedlungen, Tanklager usw. sehr stark degradiert.

Die von der Holzindustrie geschaffene Infrastruktur öffnet die vorher unerschlossenen Regenwaldgebiete für nachfolgende Siedler, Goldsucher, Wilderer, Landspekulanten, Plantagenfirmen usw. Diese zerstören die Ökosysteme weiter und holzen sie vollständig ab. Viele Holzfirmen wandeln die Wälder nach der Nutzung in unter ökologischen und sozialen Gesichtspunkten gesehen völlig wertlose Holzplantagen - d.h. industrielle Baummonokulturen - um.

Zudem setzt der Holzeinschlag große Mengen an in der Vegetation und den Böden gebundenen Kohlenstoff frei. Die Waldrodung ist mit einem Anteil von etwa 17 % eine der global wichtigsten Quellen klimarelevanter Emissionen. Auch für den Wasserhaushalt und die Niederschlagsbildung sind tropische Waldgebiete von größter Bedeutung.

Einsatz "heimischer" Hölzer wie Eiche

Grundsätzlich gilt: Wenn Bänke aus Holz im Freien aufgestellt werden sollen, wo sie ständig der Witterung ausgesetzt sind, dann gehen nur dauerhafte Hölzer. In Europa gibt es nur ganz wenige Holz/Baumarten mit hoher natürlicher Dauerhaftigkeit.
Geordnet nach abnehmender Dauerhaftigkeit:

- Edelkastanie (Castanea sativa) - ist in Deutschland NICHT heimisch und kommt aus Südeuropa, d.h. es bestehen lange Transportwege per LKW und unsichere Bewirtschaftungsbedingungen

- Robinie (Robinia pseudoacacia) stammt aus Nordamerika und kommt in Deutschland entlang von Bahngleisen, in den Städten etc. vor. Die Robienie ist eine invasive Baumart, die aus naturnahen Wäldern von Hand mühsam entfernt wird. In Südeuropa (Ungarn, Italien) gibt es Plantagen.

- Eiche (Quercis robur und Quercus petraea) sind in fast ganz Europa heimisch und werden in Deutschland für die Holznutzung angebaut.

- Lärche (Larix decidua) kommt bei uns natürlicherweise nur in den Alpen vor, wird aber auch in den Mittelgebirgen angebaut. Ist dort wie andere Nadelbäume vom Klimawandel und dessen Folgen betroffen (steigende Temperaturen, Trockenheit, Windwurf, Brände, Befall durch Insekten, Pilze, Bakterien). Vielfach wird Lärchenholz aus Raubbau in Sibirien importiert.

Ein weitere Möglichkeit ist es, Hölzer zu behandeln. Der Nachteil dabei: Hoher Energieaufwand, Einsatz von mehr oder weniger giftigen Substanzen, Entsorgung der behandelten Hölzer am Ende ihrer Gebrauchszeit:

- Druckimprägnierung mit Mineralsalzen

- Lasuren, Holzöle, Wachse - müssen jährlich erneuert werden, was einen hohen Arbeitseinsatz erfordert

- Imprägnierung mit Kunststoffen

- Thermoholz

Hölzer, die für den Bau oder die Produktion von Möbeln, Haushaltsgegenständen etc. verwendet werden, sollten soweit wie möglich bei uns naturnah angebaut werden. Eine Nachfrage nach Hölzern wie beispielsweise Eiche schafft Anreize für die Waldbesitzer, diese anzubauen. Eiche kommt natürlicherweise im ganzen Bundesgebiet außer in den Hochlagen der Gebirge vor. Der vermehrte Anbau von Laubbäumen wie Eiche ist auch aus ökologischer Sicht dringend notwendig, um die in vielen Gebieten dominierenden standortfremden Monokulturen mit Fichten und Kiefern in naturnahe Wälder umzubauen.

Es geht also nicht darum, einzelne Jahrhunderte alte Eichen in der Landschaft zu fällen, sondern an geeigneten Standorten eine naturnahe Waldbewirtschaftung mit Holznutzung durchzuführen. Und: Bäume wachsen zwar nach, aber auch Holz ist letztendlich ein kostbarer und nur begrenzt zur Verfügung stehender Rohstoff. Deshalb sollte der Einsatz so sparsam wie möglich erfolgen und durch konstruktiven Holzschutz eine möglichst lange Haltbarkeit gewährleistet werden.

Andere Rohstoffe sind Metalle, Kunststoffe, (natürlicher) Stein und Beton. Im Gegensatz zu Holz handelt es sich nicht um erneuerbare Ressourcen, deren Abbau, Verarbeitung und Entsorgung mit hohen Umweltbelastungen und Energieeinsatz verbunden sind.

Presseartikel

- Badische Neueste Nachrichten vom 22. Okt. 2019. BÄUME KOMMEN AUS AFRIKA - Bänke aus Tropenholz heizen die Debatte um den Karlsruher Marktplatz an: https://bnn.de/lokales/karlsruhe/baenke-aus-tropenholz-heizen-die-debatte-um-den-karlsruher-marktplatz-an

- Badische Neueste Nachrichten vom 7. Okt. 2019. KOMMUNALPOLITIK - Meinung der Bürger zu Bänken auf Karlsruher Marktplatz gefragt: https://bnn.de/lokales/karlsruhe/neue-baenke-fuer-den-marktplatz-in-karlsruhe

An­schreiben

An: Stadtplanungsamt Karlsruhe, Frau Anke Karmann-Woessner, Leiterin

Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Anke Karmann-Woessner,

wir wurden darüber informiert, dass die Stadt Karlsruhe auf dem Marktplatz zu Testzwecken drei Sitzbänke aus tropischem Iroko-Holz installiert hat. Viele weitere Holzbänke sollen demnächst folgen.

Wir bitten Sie dringend, keine Tropenhölzer einzusetzen. Die tropischen Regenwälder und ihre Bewohner werden durch den Holzeinschlag massiv geschädigt. Zudem öffnet die von der Holzindustrie geschaffene Infrastruktur die vorher unerschlossenen Regenwaldgebiete für nachfolgende Siedler, Goldsucher, Wilderer, Landspekulanten, Plantagenfirmen usw.

Auch Label wie der Forest Stewardship Council (FSC) können das nicht verhindern. Sie sind zudem völlig intransparent und dienen der Holzindustrie als grünes Deckmäntelchen.

Bitte setzen Sie stattdessen heimische Hölzer wie Eiche ein.

Mit freundlichen Grüßen

45.152

Helfen Sie, das Etappenziel von 50.000 Unterstützern zu erreichen:

Wir verwenden Ihre Daten ausschließlich für unsere Kampagnen. Eine Weitergabe an Dritte findet nicht statt.

Letzte Aktivitäten
Mehr letzte Aktivitäten