Wenn Sie noch nicht unterschrieben haben: Keine Tropenholzbänke in Nürnberg

20.071 Teilnehmer

Ende der Aktion: 19.05.2014

Nürnberg will sparen – ausgerechnet auf Kosten afrikanischer Regenwälder. Der Dienstleistungsbetrieb Öffentlicher Raum Nürnberg (SÖR) plant, die 3.500 Parkbänke der Stadt mit Latten aus Tropenholz auszustatten. Eine Testphase mit 200 Parkbänken läuft bereits. Sapelliholz sei länger haltbar und weniger pflegebedürftig als die bisher verwendeten einheimischen Hölzer, so die Behauptung. Eine glatte Lüge. Von der versprochenen Nachhaltigkeit im Regenwald gibt es keine Spur, daran kann auch das Alibizertifikat des FSC nichts ändern.

Appell

Nürnberg will sparen – ausgerechnet auf Kosten afrikanischer Regenwälder. Mit zertifiziertem Holz aus der Republik Kongo ließen sich in den nächsten 25 Jahren rund 11,9 Millionen Euro sparen. Der Dienstleistungsbetrieb Öffentlicher Raum Nürnberg (SÖR) plant, in Zukunft die 3.500 Parkbänke der Stadt mit Latten aus Tropenholz auszustatten. Sapelliholz aus dem Kongo sei länger haltbar und weniger pflegebedürftig, so die Behauptung. Die Stadt widerspricht damit jahrhundertelange Erfahrungen und technischen Normen. Heimische Eiche wird darin als "dauerhaft" (Klasse 2) eingestuft, Robinie sogar als "sehr dauerhaft" (Klasse 1-2). Das vom SÖR nach einem zweijährigen "Test" ausgewählte Sapelliholz ist dagegen nur "mäßig dauerhaft" (Klasse 3).

In Deutschland und gerade im waldreichen Bayern stehen ausreichend eigene Holzressourcen zur Verfügung, deren Nutzung zudem dringend benötigte Arbeitsplätze schafft. Die komplexen tropischen Urwälder reagieren sehr sensibel auf den Holzeinschlag. Die gravierenden Eingriffe vermindern unausweichlich die Artenvielfalt, schädigen Böden, Wasser- und Klimabilanz sowie die lokale Bevölkerung. Der sogenannte selektive Holzeinschlag schädigt massiv das Weltklima. Die Tropenhölzer über Tausende von Kilometern aus dem Regenwald und über die Weltmeere nach Deutschland zu transportieren, ist sehr energieaufwändig.

Daran können auch angebliche "Nachhaltigkeitssiegel" nichts ändern. Das Siegel des Bonner Forest Stewardship Council (FSC) wird von den Interessen der Holzindustrie dominiert und dient als Alibi, um in die letzten unberührten Regenwälder einzurücken. Die technischen und bürokratischen FSC-Regelwerke haben im Urwald keinen Bestand. Hunderte von Skandalen, Betrugsfällen, ungerechtfertigten Zertifizierungen sind die Folge.

Ausführliche Informationen über die Probleme des Siegels finden sich bei FSC-Watch (nur auf Englisch). Am 25. Februar 2010 tagt der Umweltausschuss der Stadt Nürnberg, um über die richtige Holzart zu entscheiden. Tragen Sie mit Ihrer Unterschrift dazu bei, dass die Stadt ihre Tropenholzpläne für die Parkbänke fallen lässt. Heimisches Eichen- und Robinienholz sind haltbarer als Sapelli aus dem Regenwald.
Kurzinfo und Unterschriftenliste zum Ausdrucken
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An­schreiben

Stadt Nürnberg
Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly
Fax: 0911 - 2 31-36 78
obm@stadt.nuernberg.de
bga@stadt.nuernberg.de


Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Maly,

mit großem Unverständnis habe ich erfahren, dass der Dienstleistungsbetrieb Öffentlicher Raum Nürnberg (SÖR) aus Kostengründen plant, die 3.500 Parkbänke der Stadt mit Latten aus afrikanischem Tropenholz auszustatten. Bei einem Jahresbedarf von 25 Kubikmetern kämen in 25 Jahren 625 m³ Tropenholz zusammen. Eine Testphase mit 200 Parkbänken aus Tropenholz läuft dazu bereits.

Ich verstehe die Notwendigkeit von Sparmaßnahmen, diese dürfen aber nicht auf Kosten von Mensch und Natur in Afrika gehen. Die Holzindustrie ist Hauptverursacher der Regenwaldrodung. Auch mit FSC-Siegel rücken die Holzfäller in die letzten intakten Wälder Afrikas vor. Die technischen und bürokratischen Regelwerke des Bonner Vereins FSC haben im afrikanischen Urwald keinen Bestand. Auch ist es sehr energieaufwändig und schädlich für das Klima, Tropenhölzer über Tausende von Kilometern aus dem Regenwald und über die Weltmeere nach Deutschland zu transportieren.

Hinter den zertifizierten Holzfirmen in Kamerun und der Republik Kongo verbergen sich altbekannte Namen. Die zur schweizerisch-deutschen tt Timber Group gehörende Congolaise Industrielle des Bois (CIB) ist als gravierender Regenwaldvernichter Zentralafrikas bekannt und holzt dort seit 1969. Wilderei von bedrohten Tierarten, darunter Schimpansen, Gorillas und Waldelefanten, als auch schwere Konflikte mit lokalen Bauern und den Baka-Pygmäen gehören zu den Problemen.

Auch die zur deutschen Danzer-Gruppe gehörende Industrie Forestière de Ouesso (IFO) hat Probleme mit Bushmeat, d.h. dem Verzehr illegal gewilderter Menschenaffen und anderer bedrohter Tiere auf ihren Konzessionen. Beide Firmen verfügen über Holzkonzessionen von der Größe der Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Saarland.

In Kamerun zerstören die Firmen Wijma Douala, ein Tochterunternehmen der niederländischen Wijma-Gruppe, die französische Pallisco und die niederländische Transformation Reef Cameroun (TRC) den Regenwald. Illegaler Holzeinschlag, Landkonflikte mit der angestammten Bevölkerung, Steuerhinterziehung usw. werden den Firmen angelastet.

In Deutschland und gerade im waldreichen Bayern stehen ausreichend eigene Holzressourcen zur Verfügung, deren Nutzung zudem dringend benötigte Arbeitsplätze schafft. Dass Latten aus einheimischen Hölzern bereits nach einem Jahr wegen Verwitterung und Pilzbefall ausgetauscht werden müssen, lässt auf unsachgemäße Holzwahl, Einbau und Pflege schließen. Bei fachgerechter Bearbeitung halten auch einheimische Hölzer wie Eiche fünfzehn Jahre. Dazu gehören auch konstruktive Holzschutzmaßnahmen, die Erdkontakt verhindern und eine rasche Austrocknung der Hölzer gewährleisten.

Die Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass auch einheimische Hölzer sehr haltbar sind. Nach Angaben des Straßen- und Grünflächenamts Berlin Mitte, wo Tropenhölzer seit 20 Jahren verboten sind, halten auch Eiche, Douglasie und Lärche etwa 15 Jahre. „Lange Haltbarkeit“ bescheinigt man auch in Hamburg den Lärchenholz-Bänken. Und schließlich erfreuen sich die im Berliner Regierungsviertel aufgestellten unbehandelten Eichenbänke auch nach 8 Jahren Einsatz noch bester Gesundheit und müssen noch längst nicht ausgetauscht werden.

Ich bitte Sie daher ausdrücklich, die Tests mit Tropenholz einzustellen und nur einheimische Hölzer für Parkbänke und andere Baumaßnahmen zu verwenden.

Mit freundlichen Grüßen