Wie deutsche Verbraucher den Regenwald kahl essen

16.599 Teilnehmer

Ende der Aktion: 19.05.2014

In der Gemeinde Groß Miltzow in Mecklenburg-Strelitz sollen jährlich 3,2 Millionen Hähnchen gemästet werden. Aufgrund der Massenproduktion ist das Geflügelfleisch so preiswert wie nie zuvor. Die Verbraucher übersehen gerne, dass die niedrigen Preise mit Tierquälerei, Umweltzerstörung und Konflikten mit der Bevölkerung einhergehen. Für den in groteskem Maße wachsenden Bedarf an Futtermitteln in der Qualmast werden die Urwälder Südamerikas zerstört, die Sojaplantagen weichen müssen. Dabei werden die Menschenrechte der Ureinwohner verletzt.

Appell

Nirgendwo in Deutschland ist Massentierhaltung weiter verbreitet als im Emsland oder in Vechta und Cloppenburg (Niedersachsen). Über Jahrzehnte haben hier die großen Konzerne der Branche ganze Landstriche umfunktioniert, um in riesigen Fabriken enorme Mengen an Geflügel zu mästen und zu schlachten. Aufgrund von Massenproduktion ist es außerdem so preiswert wie nie zuvor. Die Verbraucher übersehen gerne, dass die niedrigen Preise mit einem Unmaß an Tierquälerei einhergehen. Viele Millionen Tiere darben in engen, verdreckten Käfigen oder überfüllten, riesigen Ställen dahin. Für die Hähnchen und Legehennen sind die Massenställe eine lebenslängliche Tortur.

In der Gemeinde Groß Miltzow in Mecklenburg-Strelitz, in der Nähe einer idyllischen Naturlandschaft inmitten der Brohmer Berge, soll die größte industrielle Hühnermastanlage Deutschlands mit 400.000 Tierplätzen auf einer Fläche von rund drei Hektar auf bestem Ackerland entstehen. Es ist vorgesehen, dass an diesem Standort jährlich 3,2 Millionen Tiere gemästet werden. Das Vorhaben, hinter dem Friedrich-Ernst Wilfarth aus Woldegk und der Niederländer Martijn Ritzema stehen, stößt bei einem Großteil der Bevölkerung - nicht nur Bewohnern der Region - auf Widerstand. Die Gegner des Projekts werfen dem Unternehmen vor, Umweltschutz und artgerechte Tierhaltung mit Füßen zu treten.

Die Firmen Kreckower Agrar GmbH (Friedrich-Ernst Wilfarth) und Mecklenburger Hähnchen GmbH (Martijn Ritzema) sollen holländische Großinvestoren beliefern. Dabei handelt es sich um die Unternehmen Plukon Royale Group, die seit 2009 zu 100 Prozent dem niederländischen Investmentfond Gilde buy out Partners gehört sowie den mit der Plukon zusammenarbeitenden Futtermittelhersteller Strahmann.

Die niederländische Plukon Royale Group ist groß im Geschäft. Sie verfügt über sechs Schlachthöfe, vier Weiterverarbeitungsbetriebe mit einer Schlachtkapazität von 240 Millionen Hähnchen im Jahr und beliefert Absatzmärkte im gesamten europäischen Raum. Damit liegt der Konzern auf Platz drei in Europa.

Auf dramatisch steigende Überkapazitäten hat die Arbeitsgemeinschaft Bäuerliche Landwirtschaft (ABL) unlängst hingewiesen. Einer ABL-Verlautbarung zufolge wird die Hähnchenschwemme in Europa durch das Plukon-Projekt noch verschlimmert. Die Großmäster Wesjohann, Stolle und Rothkötter haben ihre Kapazitäten stark erweitert. Bereits jetzt werden große Mengen an Hähnchenteilen aus Europa nach Afrika exportiert und vernichten die Existenzgrundlagen der dortigen Bauern.

Vor Produktionsüberschuss und Preisverfall bei Geflügel hat die Bürgermeisterin Elvira Janke (CDU) offenbar keine Angst. Die Vorsteherin der Gemeinde Groß Miltzow ist eine wichtige Fürsprecherin des Großprojektes. Ebenfalls kaum Einwände gegen die Errichtung eines Mischfutterwerkes im benachbarten Städtchen Strasburg hat dessen Bürgermeister Norbert Raulin.

Einer der wichtigsten Bestandteile der Futtermittel für die Geflügelzucht ist Soja. Für den Anbau der eiweißreichen Bohne werden in Exportländern wie Brasilien, Argentinien, Bolivien und Paraguay die artenreichen Urwald- und Savannengebiete gerodet. Dies führt in Südamerika zur Zerstörung von Lebensraum der Urvölker, zum Artensterben und in letzter Konsequenz zu massiven Klimaveränderungen weltweit. Menschenrechts- und Landrechtsverletzungen sowie die Vertreibung der Kleinbauern sind direkte Folgen des von Konzernen und Investoren dominierten Sojageschäfts. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um gentechnisch verändertes Soja. Ganze Landstriche werden per Flugzeug mit hochgiftigen Pestiziden besprüht. Menschen werden ihrer Lebensgrundlagen beraubt, werden vergiftet und hungern, weil ihre Land für den Sojaanbau in Beschlag genommen wird - um Futtermittel für unser Vieh in die Industrieländer zu exportieren.

Rettet den Regenwald fordert von den Gemeinderäten und den Vertretern der Landesregierung, die Ausweitung der industriellen Tiermastbetriebe und Großschlachtereien zu stoppen.

Weitere Infos bei der Bürgerinitiative Brohmer Berge. Frontal 21 Beitrag

Hinter­gründe

Frontal 21 Beitrag Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz, Dr. Till Backhaus, HYPERLINK "mailto:info@till-backhaus.de" info@till-backhaus.de, HYPERLINK "mailto:t.backhaus@lu.mv-regierung.de" t.backhaus@lu.mv-regierung.de Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, HYPERLINK "mailto:erwin.sellering@stk.mv-regierung.de" erwin.sellering@stk.mv-regierung.de

An­schreiben

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Sellering,
sehr geehrter Herr Minister Dr. Backhaus,
sehr geehrter Herr Minister Seidel,
sehr geehrter Herr Landrat Kärger,
sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Lode,

ich habe erfahren, dass die Firmen Kreckower Agrar GmbH und Mecklenburger Hähnchen GmbH den Bau einer Großmastanlage planen. Nach meiner Kenntnis sollen dort jährlich 3,2 Millionen Hähnchen gemästet und zur Schlachtung und Weiterverarbeitung an den Großkonzern Plukon Royale Group geliefert werden. Das bedeutet extreme Tierquälerei, und für den gewaltigen Futtermittelbedarf wird die Vernichtung der Regenwälder Südamerikas weiter vorangetrieben.

Der geplante und durch die Politik geförderte Mastbetrieb mag für den Konzern lukrativ sein, doch den Schaden, den ein industrieller Fleischproduktionsbetrieb mit derartigen Ausmaßen anrichtet, trägt die ganze Gemeinschaft. Neben der Tierquälerei verschärft er die Umweltzerstörung und schürt soziale und ethische Konflikte in der Bevölkerung.

Das bedeutet konkret, dass Menschen in den Sojaanbauländern in Südamerika hungern, weil auf ihren Äckern nun (Gen)Soja für die Futtermittelindustrie wächst anstelle dringend benötigter Grundnahrungsmittel. Durchschnittlich fünf Kilogramm Getreide werden benötigt, um ein Kilogramm Fleisch zu produzieren. Um die Ackerflächen für den Anbau von Nutzpflanzen wie Soja zu schaffen, werden die Regenwälder und andere artenreiche Ökosysteme vor allem in Südamerika gerodet, die Artenvielfalt vernichtet, die Ureinwohner und Kleinbauern vertrieben, der Wasserhaushalt und die Böden geschädigt und das Weltklima durch die massive Freisetzung von Kohlenstoff angeheizt.

Solange der Bau derartiger Großbetriebe weiterhin aus Mitteln der EU subventioniert wird, damit diese ihre Massengüter billig auf den Markt bringen können, werden Tiere wie leblose Rohstoffe behandelt. Sie darben in engen, verdreckten Käfigen oder überfüllten, riesigen Ställen dahin. Für die Hähnchen und Legehennen sind die Massenställe eine lebenslängliche Tortur.

Aus den genannten Gründen halte ich den Bau der Anlage für unangemessen und bitte Sie, sich für ein Verbot von industriellen Mastbetrieben, bessere Nutztierhaltungsverordnungen und die Förderung der Zukunftsmärkte einer artgerechten Tierhaltung auf Bauernhöfen und in lebendigen Regionen einzusetzen. Die Politik ist aufgefordert, die erdrückende Beweislast der negativen Auswirkungen der industriellen Massentierhaltung endlich ernst zu nehmen und entschlossen zu handeln.

Mit freundlichen Grüßen