Schluss für den Tagebau in Costa Rica - ohne Ausnahme!

Viel mehr wert als Gold: Der Regenwald in Crucitas
13.554 Teilnehmer

Ende der Aktion: 19.05.2014

Das Parlament Costa Ricas hat diese Woche eine wichtige Entscheidung getroffen, für die Umweltschützer viele Jahre gekämpft haben. Einstimmig nahm es eine Gesetzesvorlage an, die den Tagebau von Metallerzen verbietet. Doch die bahnbrechende Initiative hat einen Haken: Das geplante Goldbergbauprojekt im Regenwald von Crucitas ist davon ausgenommen. Schreiben Sie an die Regierung des Landes. Costa Rica soll für den verheerenden Goldabbau keine Ausnahmen zulassen.

Appell

Durch die am 9. November 2010 genehmigte Reform des Bergbaugesetzes wird Costa Rica zum ersten Land auf dem amerikanischen Kontinent, das den Abbau von Metallerzen über Tage verbietet. Der Sieg ist das Ergebnis harter Arbeit der sozialen Bewegungen und Umweltgruppen des Landes. Jahrelang haben sie mit Informationskampagnen, Demonstrationen und Protesten für die Entscheidung gekämpft und Druck auf Regierung und Parlament ausgeübt, dieser besonders zerstörerischen und kontaminierenden Form des Bergbaus ein Ende zu setzen.

Der einzige Haken: Das Gesetz gilt nicht rückwirkend. Das geplante und seit Jahren heftig umstrittene Goldminenprojekt im Regenwald von Crucitas bleibt damit bestehen. Denn der vorherige Präsident des Landes, Oscar Arias, hatte in einer Nacht- und Nebelaktion Crucitas zum „nationalen Interesse“ erklärt.

Dabei ist der geplante Goldabbau nahe San Carlos im Norden des Landes seit Jahren Brennpunkt der Antibergbauproteste in dem kleinen mittelamerikanischen Land. In den kommenden Tagen entscheidet ein Gericht über eine von Umweltschützern eingereichte Klage gegen die erteilte Goldminenkonzession.

Bitte nutzen Sie diesen entscheidenden Moment und schreiben Sie an die Präsidentin Costa Ricas, Laura Chinchilla, den Vizepräsidenten und den Umweltminister. Das Dekret, das den Goldabbau in Crucitas zum „nationalen Interesse“ erklärt, muss zurückgenommen werden. Costa Rica, das weltweit als Ökotourismusziel gilt, soll endlich komplett Schluss machen mit den zerstörerischen Minenprojekten im Tagebau.

Die deutsche Übersetzung des nachfolgenden Schreibens finden Sie hier. Lesen Sie auch unseren Artikel Gold oder Leben im Regenwald Report 5-10.

Hinter­gründe

Übersetzung des Protestschreibens

Ihre Exzellenz, Frau Laura Chinchilla, Präsidentin der Republik Costa Rica

Kopien an:

Vizepräsident der Republik, Herr Alfio Piva
Umweltminister, Herr Teofilo de la Torre Argüello,

 

Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrter Herr Vizepräsident, sehr geehrter Herr Minister,

ich begrüße außerordentlich die einstimmige Annahme des Entwurfes zur Änderung der Bergbaugesetzes von Costa Rica durch das Parlament vom 9. November 2010. Diese wichtige Initiative macht Costa Rica zum ersten Land auf dem amerikanischen Kontinent, das sich frei von Metallerzminen im Tagebau erklärt. Die Entscheidung ist eine große Errungenschaft für die Menschheit und die Umwelt, ein Beispiel für den politischen Willen und ein wichtiger Präzedenzfall für andere amerikanische Regierungen.

Allerdings hängt ein dunkler Schatten über dieser positiven Nachricht: Das Goldminen-Projekt von Crucitas im Norden des Landes. Dessen Genehmigung erfolgte auf unrechtmäßige Weise und wurde anschließend „zum öffentlichem Interesse und zu nationaler Notwendigkeit" erklärt.

Aus diesem Grunde bitte ich Sie darum, eine kohärente Entscheidung zu treffen und auch das geplante Goldmineprojekt in Crucitas zu streichen. Bitte heben Sie das Exekutivdekret Nr. 34801-MINAET auf, das den geplanten Tagebau in Crucitas zum nationalem Interesse erklärt! Costa Rica sollte KOMPLETT frei sein von giftigen und umweltschädlichen Metallminen im Tagebau.

Nur in diesem Fall kann Costa Rica auch weiterhin das internationale Ansehen eines ökologischen und umweltfreundlichen Landes genießen, für das es weit außerhalb seiner Grenzen bekannt ist. Costa Rica gilt heute weltweit als Musterbeispiel im Bereich der nachhaltigen Entwicklung – mit vielen sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Vorteilen.

Ich vertraue darauf, dass Sie die richtige Entscheidung für Ihr Land und seine Natur treffen, und dass Costa Rica ein in Umweltfragen beispielhaftes Land bleibt.

Mit freundlichen Grüßen

An­schreiben

Su Excelencia
Señora Laura Chinchilla Miranda
Presidenta de la República de Costa Rica

CC
Primer Vicepresidente de la República, Alfio Piva
Ministro del Ambiente, Sr. Teófilo de la Torre Argüello

Estimada Sra. Presidenta, estimado Sr. Vicepresidente, estimado Sr. Ministro,

Con gran alegría he acogido la aprobación unánime del proyecto de ley que modifica el código de minería de Costa Rica del 9 de noviembre del 2010 y que convierte el país en el primero libre de minería a cielo abierto del continente americano. Se concreta así un gran logro para la humanidad y el medio ambiente, como también un ejemplo de voluntad politica y un importante precedente para otros gobiernos americanos.

Sin embargo, una oscura sombra pesa sobre esta positiva noticia: el proyecto de minería de oro a cielo abierto Crucitas, al norte del país. Este fue concesionado en medio de irregularidades y posteriormente declarado „de interés público y conveniencia nacional“, lo cual resulta inexplicable.

Por este motivo, le ruego total coherencia con la nueva ley minera: ¡Por favor, deroguen el decreto ejecutivo 34801-MINAET que declara de interés nacional al proyecto de minería a cielo abierto Crucitas! Costa Rica debe ser un país TOTALMENTE libre de minería metálica a cielo abierto y de sustancias tóxicas y contaminantes.

Solo así podrá continuar reivindicando la imagen internacional de la Costa Rica ecológica y ambiental de la que tanto se habla fuera de sus fronteras, y que la ha convertido en un referente mundial en materia de desarrollo sostenible y que ha traído muchísimos beneficios sociales, ambientales y económicos al país.

Confiando en que hará lo conveniente para su país y para su naturaleza proyectando su nación como una de las mas desarrolladas en tema ambiental, me despido cordialmente,

5-Minuten-Info zum Thema: Gold

Ausgangslage – Schmutziges Gold

Goldvorkommen gibt es fast überall auf der Erde. Besonders massiv ist der Abbau auf der der Insel Niolam im Nordosten Papua-Neuguineas, wo täglich ca. 75 Kilo Gold gefördert werden. Im Ländervergleich wird in China das meiste Gold abgebaut: 2016 waren es 455 Tonnen des Edelmetalls, was etwa 13 Prozent der weltweiten Goldproduktion entspricht.

Im Jahr 2016 wurde das kostbare Metall zu 47,4 Prozent zu Schmuck verarbeitet; 7,5 Prozent des jährlich geförderten Goldes wurden in der Elektronikindustrie für Handys oder Laptops verwendet. Den Rest halten Zentralbanken oder Privatanleger als Reserve und zu Spekulationszwecken. Die US-amerikanische Zentralbank besitzt mit 8133,5 Tonnen mit Abstand den größten Goldbestand. Die Deutsche Bundesbank kommt mit 3377,9 Tonnen an zweiter Stelle.

Gold kann als körnerartige Goldseifen (Nuggets), die mechanisch vom Bodensubstrat getrennt werden, vorkommen. Weitaus häufiger findet sich das Edelmetall jedoch in feinsten Spuren in der Gitterstruktur der Gesteinsminerale. Um den Goldstaub herauszulösen und zu binden, müssen die Schürfer zu Zyanid und Quecksilber greifen.

Im großindustriellen Goldabbau wird das äußerst umweltschädliche Zyanid-Lauge-Verfahren angewandt. Um eine Tonne Gold zu fördern, müssen durchschnittlich 150 Tonnen Zyanid eingesetzt werden. Bereits wenige Milliliter davon sind tödlich für den Menschen.

Das Quecksilber-Verfahren kommt häufig bei Kleinschürfern zur Anwendung. Die goldhaltigen Erze werden zunächst stundenlang im Wasser gesiebt, bis der Goldstaub im Bodensatz konzentriert ist. Dieser goldhaltige Gesteinsschlamm wird dann mit Quecksilber gemischt, das mit dem Gold eine flüssige Legierung (Amalgam) eingeht. Diese Legierung wird erhitzt, das toxische Schwermetall verdampft und übrig bleibt reines Gold. Schutzanzüge gegen das Nervengift oder Rückgewinnungsvorrichtungen für das verdampfende Quecksilber sucht man beim Goldabbau durch Kleinschürfer oft vergeblich. Lukrative Geschäfte mit dem Edelmetall machen vor allem Kapitalgeber, Transportunternehmen und Chemikalienhändler. Menschen und Natur leiden unter dem Goldabbau.

Auswirkungen –Toxische Wüsten statt artenreicher Regenwälder

Durch Zyanid und Quecksilber werden Böden und das Grundwasser auf ewig verseucht. Selbst wenn Goldminen stillgelegt werden, gibt zyanidbehandeltes Gestein viele Jahrzehnte später giftige Schwefelsäuren ab.

Der industrielle Goldabbau benötigt zudem Unmengen an Wasser. Durchschnittlich sind es 140.000 Liter Wasser pro Stunde,was dem Jahreswasserverbrauch eines Drei-Personen-Haushalts in Deutschland entspricht. Das kontaminierte Wasser wird in Auffangbecken, die mit Dichtungsfolie ausgelegt werden, gesammelt und anschließend teilweise wiederaufbereitet. Starke Regenfälle, die die Dämme zum Überlaufen oder Bersten bringen, oder kleinste Löcher in der Folie stellen große Umweltgefahren dar. Immer wieder ereignen sich solche Dammbrüche. Im Jahr 2000 in Rumänien verseuchten schwermetallhaltige Schlämme die Theiss, den größten Zufluss der Donau. Jegliches Leben in den Gewässern wurde ausgerottet. Die Giftbelastung war bis in die mehrere hundert Kilometer entfernte Donau nachzuvollziehen.

Im Regenwald kommt die Abholzung der Urwaldriesen für den Goldabbau hinzu. Bagger wühlen die Erde um und hinterlassen Mondlandschaften. Um nur 0,24 Gramm Gold zu erhalten, entstehen 1000 Kilo Sondermüll und Abraum. Ein einzelner Goldring produziert demnach 20 Tonnen lebensgefährlichen Giftmüll.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch warnt, dass Kinderarbeit in der Goldgewinnung weit verbreitet ist. Kinder können in enge Schächte klettern und waschen mit bloßen Händen die goldhaltigen Erze in Quecksilberlaugen.

Die Lösung – Vier Goldene Regeln zum Schutz von Mensch und Natur

Wurde auch mein Goldschmuck unter diesen menschenunwürdigen und umweltverpestenden Bedingungen hergestellt? Den verschlungenen Goldpfad nachzuverfolgen, ist aufgrund der Vielzahl der Akteure äußerst schwierig. Die Goldraffinerien, die mehrheitlich in der Schweiz sitzen und zusammen 70 Prozent der Weltproduktion ausmachen, geben an, den Rohstoff von zertifizierten Händlern zu beziehen. Auf den zweiten Blick zeigt sich allerdings, dass viele Verkäufer Scheingeschäfte mit falschen Adressen führen (Filmtipp: „Dreckiges Gold - Die glänzenden Geschäfte mit dem edlen Metall“).

Auch wir tragen für die Auswirkungen Verantwortung: Was kann jeder einzelne also tun?

1. Konsum überdenken: Braucht man jedes Jahr ein neues Smartphone? Nutzen Sie Elektronikgeräte wie Handys und Laptops möglichst lange. Wenn die Funktionen versagen, können Sie das Gerät aussortieren – aber dann bitte in einer Recyclingstelle abgeben. Wussten Sie, dass laut einer UNO-Berechnung in nur 49 Handys soviel Gold enthalten ist wie in einer Tonne Golderz?

2. Schmuck umarbeiten: Goldschmuck, der aus der Mode gekommen ist oder einfach nicht mehr gefällt, lässt sich problemlos umarbeiten. Der Regenwald wird es danken.

4. Gold taugt nicht als Investition: Ist Gold wirklich ein sicherer Anker in Finanzkrisen? Experten raten davon ab. Und außerdem: Eine ethische und verantwortungsvolle Finanzanlage ist Gold nicht.

5. Wissen in die Welt transportieren: Machen Sie auf die umweltschädlichen Giftstoffe beim Tagebau, den Raubbau an der Natur und die unmenschlichen Arbeitsbedingungen aufmerksam, indem Sie unseren kostenlosen Regenwald Report mit fundierten Artikeln zu Regenwaldthemen beim Friseur oder Arzt auslegen. Gerne senden wir Ihnen hierfür ausreichend Exemplare zu. Auch mit Ihrer Unterschrift zur Petition „Nationalpark erhalten – Goldmine stoppen“ setzten Sie ein Zeichen und unterstützen unsere Arbeit.