Staudamm-Alarm: Bitte helfen Sie den Ngobe

Der blaue Goldbaumsteiger Frosch sitzt auf Blatt Der sehr bedrohte Tabasará-Frosch lebt nur im Gebiet des geplanten Stausees (© Oscar Sogandares)
41.116 Teilnehmer

Ende der Aktion: 22.05.2014

Der Regenwald der Ngobe-Indianer ist ein Paradies für Reptilien und Amphibien wie den bedrohten blauen Goldbaumsteiger. Nun finanziert die deutsche DEG einen Staudamm, der zur Überflutung des Gebiets führen würde. Fordern Sie den sofortigen Stopp der Fördermittel und den Schutz des Tabasará-Waldes.

Appell

Der Regenwald der Ngobe-Indianer in Panama beherbergt eine außergewöhnliche Artenvielfalt. Das in deren Autonomiegebiet gelegene sehr regenreiche Tabasará-Gebirge ist ein Paradies für Amphibien und Reptilien, darunter viele nur dort vorkommende und vom Aussterben bedrohte Arten. Dazu gehört auch die wunderschöne blaue Farbform des Goldbaumsteigers, wie uns Oscar Sogandares von Chiriqui Natural aus Panama schreibt. Die Art lebt an den Ufern des Regenwaldflusses, der im Stausee versinken soll und ist auf der Roten Liste der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) als bedroht eingestuft.

Proteste der Indigenen wurden gewaltsam unterdrückt

Die Regierung Panamas hat das Land der Ngobe zwar offiziell als Indigenen-Territorium anerkannt. Doch ihre Zustimmung zu dem Staudammprojekt haben die Indianer nicht gegeben. Deren Proteste wurden im Februar gewaltsam unterdrückt. Mindestens zwei Tote, mehr als hundert verletzte, verhaftete und entwürdigte Indigene waren zu beklagen.

Die Baukosten für das Barro Blanco-Wasserkraftwerk werden auf umgerechnet fast 100 Millionen Euro veranschlagt. Fast 20 Millionen Euro davon haben drei öffentliche Entwicklungsbanken bewilligt: Die Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft GmbH (DEG), eine Tochter der staatlichen KfW-Bankengruppe, die Niederländische FMO und die Zentralamerikanische Integrationsbank (BCIE).

Die Indigenen und Umweltschützer fordern die DEG-Bank auf, keine Gelder für das Staudammprojekt im Regenwald freizugeben.

Bitte schreiben Sie der Bank und fordern Sie, dass die Rechte der Ngobe eingehalten und das Naturparadies mit den vielen bedrohten Amphibien und Reptilien geschützt werden.

Fernsehbericht zu Barro Blanco von Aljazeera auf Englisch (25 Minuten)

Weitere Infos

Hinter­gründe

Die Projektbetreiber und die panamaische Regierung von Präsident Martinelli wollen das Staudammprojekt um jeden Preis durchdrücken. 60 weitere Wasserkraftwerke sind im ganzen Land Panama geplant. An vielen Projekten ist die Martinelli-Familie als Anteilseigner direkt beteiligt, wie bisher geheimgehaltene Dokumente belegen.

Unterhalb von Barro Blanco soll ein weiteres Kraftwerk den Tabarasá-Fluss aufstauen. Der größte Teil des Flusslaufes würde damit unter Wasser verschwinden. Auch die Verträge für dieses Kraftwerk (Tabarasá I) wurden bereits unterzeichnet, erklärt Innenminister Jorge Ricardo Fabrega. Die sensiblen Uferstreifen entlang der Flüsse befinden sich als öffentlicher Grund im Staatsbesitz und können somit geflutet werden, steht auch in der Umweltstudie von Barro Blanco zu lesen.

Am Changuinola-Fluss weiter nördlich mussten die dort lebenden Indianer schon schmerzlich erfahren, wie wenig umweltfreundlich die Wasserkraftwerke sind und was von den Versprechen der Firmen und Regierung zu halten ist. Das Gebiet und die Indianerhütten wurden einfach geflutet. Die Menschen mussten sich vor den schnell steigenden Wassermassen in den höher gelegenen Regenwald flüchten. Hilfe oder Entschädigung haben sie vom Staat bisher nicht bekommen.

Barro Blanco liegt am südlichen Rand des staatlich ausgewiesenen Autonomiegebietes der Ngobe-Indianer (Comarca Ngobe-Bugle). Entlang des Flussabschnitts, der im Stausee ertrinken würde, leben 5.000 Ngobe-Indianer, deren Wasserversorgung und Landwirtschaft fast vollständig vom Tabasará-Fluss und seinen fruchtbaren Böden abhängt. Mehr dazu in der Studie Dire Straits - EIB investments in Panama and their impacts on indigenous communities, workers and environment Seiten 22-27.

Die Deutsche Entwicklungszusammenarbeit hat die Ngobe-Indianer von 1993 bis 2004 im Rahmen des Projekts „Management der natürlichen Ressourcen im Gebiet Ngobe" technisch und finanziell unterstützt und beraten. Ziel des Projektes war es, die Lebensbedingungen der Indianer durch die Förderung von nachhaltigen Produktionssystemen zu verbessern und die Bevölkerung zu unterstützen, sich in die politische und wirtschaftliche Entwicklung des Landes unter Erhalt ihrer Identität zu integrieren, schreibt die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ).

An­schreiben

Deutsche Investitions-und Entwicklungsgesellschaft GmbH (DEG)
Kämmergasse 22, D-50676 Köln
Tel.: 0221 4986-0, Fax 0221 4986-1290
info@deginvest.de


Sehr geehrte Damen und Herren,

die DEG finanziert - zusammen mit der niederländischen FMO und der Zentralamerikanische Integrationsbank (BCIE) - mit fast 20 Millionen Euro das geplante Wasserkraftwerk Barro Blanco in Panama. Zur Erzeugung von 29 Megawatt Strom soll ein 55 Meter hoher Staudamm im Lauf des Tabasará-Flusses errichtet, der Fluss auf vielen Kilometern aufgestaut und 2,6 Quadratkilometer Regenwald und Kulturland geflutet werden.

Die Bewohner und vor allem die Ngobe-Indianer wehren sich bereits seit Jahrzehnten gegen das Wasserkraftwerk auf ihrem Land. Der Bau von Barro Blanco ist am Widerstand der Menschen immer wieder gescheitert.

Doch nun unterdrückt die Militärpolizei die Proteste der Menschen gewaltsam. Zwei Tote, zahlreiche verschwundene Personen, Dutzende Verletzte und festgenommene Menschen sind die schlimme Bilanz eines Einsatzes im Februar.

Die DEG beruft sich auf Umwelt- und Sozialstudien, unterzeichnete Verträge und die Gesetzes des mittelamerikanischen Landes. Doch Gewalt und Schüsse auf die um Ihr Überleben kämpfenden Indianer sind mit den Grund- und Menschenrechten nicht vereinbar.

Die angeführten Studien sind sehr oberflächlich und mit vielen Ungenauigkeiten und Fehlern gespickt. Die bedrohten Tiere haben die Fähigkeit, in andere Gebiete abzuwandern, steht beispielsweise in der Umweltverträglichkeitsprüfung zu lesen. Der extrem bedrohte blaue Tabasará-Frosch wird in der Studie noch nicht einmal erwähnt. Und auch unterhalb am Tabarasá-Fluss wurden Verträge zum Bau eines weiteren Wasserkraftwerkes schon unterzeichnet.

Die Probleme sind in dem Fernsehbericht “Panama: Village of the damned” sehr gut dokumentiert und zusammengefasst: http://www.aljazeera.com/programmes/peopleandpower/2012/03/20123208464402131.html

Die DEG bringt mit ihrer Beteiligung an Barro Blanco auch die Erfolge der jahrelangen deutschen Entwicklungsarbeit mit den Ngobe in Gefahr. Sie muss sich deshalb unverzüglich aus dem Barro Blanco zurückziehen und darf keine Finanzmittel für das Projekt freigeben.

Mit freundlichen Grüßen

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