Bitte helft, die Palmöl-Mafia zu stoppen!

Aktivist Nordin steht von den Stämmen illegal gefällter Bäume Diese Bäume wurden illegal gefällt, um Platz für Palmöl-Plantagen zu machen. Nordin braucht jetzt unsere Hilfe
45.416 Teilnehmer

Ende der Aktion: 22.05.2014

„Die Umwandlung von Regenwald in Palmölplantagen erschüttert unser Land", sagt Nordin. "Bitte helft mir, die illegalen Abholzungen zu stoppen." Wieder sind 7000 Hektar Wald in Borneo unerlaubt gerodet worden – von dem Konzern IOI, der Nestlé, Unilever und Neste Oil beliefert. Fordern Sie ein Ende der Geschäfte mit der Palmöl-Mafia!

Appell

„Die Umwandlung von Regenwald in Palmölplantagen erschüttert unser Land", sagt Nordin. Er leitet unsere Partnerorganisation Save Our Borneo (SOB), die illegal agierenden Palmölkonzernen das Handwerk legt. „Ich möchte die Regenwälder Borneos für uns und unsere Kinder bewahren", erklärt der 42-Jährige.

Nordin kann große Erfolge verzeichnen: 2011 leitete die Polizei dank seiner Beweise Untersuchungen gegen zehn illegal rodende Palmölfirmen ein. Das Verfassungsgericht entschied zudem, dass tausende Hektar Palmölplantagen gegen die Verfassung verstoßen, weil Ureinwohner und Bauern vertrieben wurden.  

7.000 Hektar illegal gerodet für Schokolade und Agrosprit

Am 23.3.2012 wird Nordin von Bewohnern des Dorfes Tumbang Kalang in der Provinz Zentralkalimantan auf ein gewaltiges Umweltverbrechen aufmerksam gemacht: Wo vorher dichter Urwald stand, liegen nur noch abgeholzte Baumstämme aufeinander. 7.000 Hektar Urwald sind zerstört, auf der Hälfte der Fläche sprießen schon profitträchtige Ölpalmen. Eintausend Menschen haben hier ihren Wald mit Kautschuk- und Obstbäumen verloren. Böden und Gewässer sind vergiftet.  

Verantwortlich ist Palmöl-Gigant IOI, der Nestlé, Unilever und Agrosprit-Hersteller Neste Oil beliefert. Alle drei Firmen rühmen sich öffentlich ihrer angeblichen Nachhaltigkeit.  

Nordin liegt ein Brief des Forstministeriums vor, in dem die Genehmigung zur Abholzung bereits 2008 entzogen wurde. Nun bereitet er eine Klage gegen IOI vor. Und er hat Rückenwind: Die Gemeindeverwaltung forderte IOI nun auf, sich zurückzuziehen. Doch um zu verhindern, dass sie anderswo noch mehr Schaden anrichten, müssen die Profitquellen dieser Palmöl-Mafia versiegen.   

Mehr Informationen

Bitte fordern Sie Nestlé, Unilever und Neste Oil dazu auf, kein Palmöl von IOI zu kaufen.  

Hinter­gründe

Der Konzern IOI ist Gründungsmitglied des RSPO, einem Verein, der angeblich für nachhaltiges Palmöl steht. IOI selbst versprach, ab 2007 keine Regenwälder mehr für Palmöl-Plantagen zu zerstören. Doch immer wieder gerät IOI wegen Landenteignungen, illegalem Holzeinschlag und der Vernichtung von Orang-Utan-Gebieten in die Kritik.  

IOI lässt über ein Subunternehmen seiner Tochterfirma Bumitama Gunajaya Agro Group (BGA), die PT Hati Prima Agro (HPA), Regenwald für Palmöl-Plantagen abholzen, obwohl diese Firmen nicht die erforderlichen Genehmigungen dafür haben. Das hat unser Partner Nordin mit sorgfältigen Berichten und Fotos dokumentiert. Am 24. April 2012 wurde HPA die Lizenz entzogen.

Es ist eine häufig angewandte Strategie der Palmöl-Konzerne, dass sie ständig neue Tochterfirmen gründen, um das Nachweisen illegaler Aktivitäten zu erschweren.  

IOI betreibt Kunden- und Verbrauchertäuschung  

Palmöl-Lieferant IOI täuscht seine Kunden und die Verbraucher von Palmöl-Produkten, weil er einerseits mit seinen Methoden gegen indonesische Gesetze verstößt und sich andererseits auf seinen Webseiten als nachhaltig und umweltfreundlich präsentiert.    

In einer neuen Studie stellt ein internationales Forscherteam fest, dass die Ausweitung von Palmöl-Monokulturen das Weltklima bedroht. Wichtige Kohlenstoffsenken wie Torf- und Regenwälder werden von den Plantagen verdrängt und setzen dadurch immense Mengen Treibhausgase frei. Wenn sich die Monokulturen weiter wie bisher ausbreiten, dann bedecken sie 2020 ein Drittel der Fläche Borneos. Intakte Wälder hingegen werden nur noch fünf statt heute 15 Prozent der Landschaft ausmachen.

Auch für die traditionellen Dorfgemeinschaften stellen die Plantagen eine Bedrohung dar. Die Menschen in den anliegenden Siedlungen verlieren ihre Lebensgrundlagen. Der Wald dient ihnen nicht nur als natürliches Wasserreservoir und Nahrungsquelle. Er schützt sie auch vor Erdrutschen und Hochwasser. Die für die Zucht von Palmöl eingesetzten Chemikalien vergiften Böden und Gewässer und machen die herkömmliche Landwirtschaft daher unmöglich. Durch den Verlust der Existenzgrundlagen werden viele Landbewohner gezwungen, in die Städte abzuwandern und dort in Armut zu leben.

An­schreiben

An die Geschäftsführung von Nestlé, Unilever und Neste Oil

Sehr geehrte Damen und Herren,

die indonesische Umweltschutzorganisation Save Our Borneo (SOB), Partner-Organisation von Rettet den Regenwald, hat in Antang Kalang, Kotawaringin Timur Distrikt, Zentralkalimantan illegal gerodete Flächen im Primärregenwald entdeckt. Verantwortlich dafür ist das Unternehmen Bumitama Gunajaya Agro Group (BGA) via seiner Tochtergesellschaft PT Hati Prima Agro, insgesamt Teil Ihres Lieferanten IOI, der auf diesen Flächen Ölpalm-Monokulturen anlegt.

Dabei wurde die Konzession für diese Plantage vom Forstministerium mit dem Brief Nr. SK51/Menhut-II/2008 zurückgezogen. Von den Rodungen betroffen sind nach Angaben von SOB mindestens 7.000 Hektar, auf 3.000 Hektar wurden bereits Ölpalmsetzlinge gepflanzt.

IOI ist RSPO Gründungsmitglied und hat sich verpflichtet, ab 2007 keine Regenwälder/ HCVF (High Conservation Value Forests) mehr für Palmölplantagen zu zerstören. Bereits in der Vergangenheit sind Tochterunternehmen von IOI immer wieder durch Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen aufgefallen. Selbst der RSPO ermittelt wegen ungeklärter Landkonflikte in Sarawak/Malaysia gegen die IOI-Group.

Die illegalen Rodungen der IOI-Tochterfirma Bumitama Gunajaya Agro Group (BGA) verstoßen nicht nur gegen RSPO-Prinzipien, sondern auch gegen indonesisches Recht und internationale Abkommen. Weder haben die beteiligten Subunternehmen die landeseigenen rechtlichen Genehmigungen noch die internationale Legitimation für ihr zerstörerisches Vorgehen. In einem internationalen Abkommen mit Norwegen von 2011 sprach Indonesien ein zweijähriges Abholzungsmoratorium für Primärregenwälder aus.

Des Weiteren verstößt IOI als Ihr Zulieferer gegen alle Nachhaltigkeits- und Umweltkriterien Ihres Unternehmens. Auf der Internetseite, der Werbung und Vorträgen von Repräsentanten Ihrer Firma wird immer wieder auf die nachhaltige und umweltbewusste Ausrichtung Ihres Unternehmens hingewiesen, die sich an internationalen Umweltschutz- und Menschenrechtsstandards orientiert. Zudem teilen Sie der Öffentlichkeit mit, dass Sie die Verantwortung für die nachhaltige Ausrichtung Ihrer gesamten Lieferkette übernehmen.

Mit Verweis auf Ihre erwähnten selbstgesteckten Standards und Prinzipien fordere ich Sie auf, die Anschuldigungen gegen die IOI-Tochterfirma Bumitama Gunajaya Agro Group (BGA) zu überprüfen und die Handelsverbindungen mit der IOI-Group wegen wiederholten Verstößen gegen nationale Gesetze und internationale Abkommen einzustellen. Wenn Sie an den Lieferbeziehungen zur IOI-Group festhalten, täuschen Sie die Verbraucher über die wirklichen Umstände der Herstellung Ihrer Produkte.

Mit freundlichen Grüßen

5-Minuten-Info zum Thema: Palmöl

Die Ausgangslage – Regenwald im Tank und auf dem Teller

Mit 66 Millionen Tonnen pro Jahr ist Palmöl das meist produzierte Pflanzenöl. Der niedrige Weltmarktpreis und die von der Industrie geschätzten Verarbeitungseigenschaften haben dazu geführt, dass es inzwischen in jedem zweiten Supermarktprodukt steckt. Neben Fertigpizza, Keksen und Margarine begegnet uns Palmöl auch in Körpercremes, Seifen, Schminke, Kerzen und Waschmitteln.

2016 importierte die EU 6,43 Millionen Tonnen Palmöl aus Indonesien (4,37 Mio. t) und Malaysia (2,06 Mio. t). Auf Deutschland entfielen davon nach Angaben der Bundesregeirung 1,34 Millionen Tonnen (Durchschnitt der Jahre 2013-15). Was kaum einer weiß: In der EU fließt fast die Hälfte des importierten Palmöls in sogenannten Biosprit. Die 2009 beschlossene gesetzliche Beimischungspflicht von Agrosprit in Benzin und Diesel ist eine wichtige Ursache der Regenwaldabholzung.

Inzwischen dehnen sich die Palmölplantagen weltweit auf mehr als 27 Millionen Hektar aus. Auf einer Fläche so groß wie Neuseeland mussten Mensch und Tier bereits den „grünen Wüsten“ weichen.

Die Auswirkungen – Waldverlust, Artentod, Vertreibung, Erderwärmung

In den feucht-warmen Tropen rund um den Äquator findet die Ölpalme optimale Wachstumsbedingungen. In Südostasien, Lateinamerika und Afrika werden Tag um Tag riesige Regenwaldflächen gerodet und abgebrannt, um Platz für die Plantagen zu schaffen. Dabei gelangen große Mengen klimaschädlicher Gase in die Atmosphäre. Indonesien, Hauptproduktionsland von Palmöl, war 2015 zeitweise für mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich als die USA. CO2- und Methanemissionen sorgen dafür, dass der aus Palmöl produzierte Biosprit drei mal so klimaschädlich ist wie Treibstoff aus Erdöl.

Doch nicht nur das Klima leidet: Mit den Bäumen verschwinden seltene Tierarten wie Orang-Utan, Borneo-Zwergelefant und Sumatra-Tiger. Kleinbauern und Indigene, die den Wald über Generationen bewohnen und beschützen, werden oft brutal von ihrem Land vertrieben. In Indonesien stehen mehr als 700 Landkonflikte in Zusammenhang mit der Palmölindustrie. Auch auf sogenannten „nachhaltig bewirtschafteten“ oder „Bio“-Plantagen kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen.

Wir Verbraucher bekommen von all dem wenig mit. Unser täglicher Palmölkonsum hat jedoch auch für uns persönlich direkte negative Auswirkungen: In raffiniertem Palmöl sind große Mengen gesundheitsschädlicher Fettsäureester enthalten, die das Erbgut schädigen und Krebs verursachen können.

Die Lösung – Tank-und-Teller-Revolution

Nur noch 70.000 Orang-Utans streifen durch die Wälder Südostasiens. Die EU-Biospritpolitik bringt die Menschenaffen immer weiter an den Rand des Aussterbens. Um unseren baumbewohnenden Verwandten zu helfen, müssen wir den Druck auf die Politik erhöhen. Doch auch im Alltag lässt sich viel bewegen.

Diese einfachen Tipps helfen, Palmöl zu erkennen, zu meiden und zu bekämpfen:

  1. Selbst kochen, selbst entscheiden: Mandel-Kokos-Birnen-Kekse? Kartoffel-Rosmarin-Pizza? Frische Zutaten, gemixt mit ein bisschen Fantasie, stellen jedes (palmölhaltige) Fertigprodukt in den Schatten. Zum Kochen und Backen eignen sich europäische Öle aus Sonnenblumen, Oliven, Raps oder Leinsamen.
  2. Kleingedrucktes lesen: Auf Lebensmittelpackungen muss seit Dezember 2014 angegeben werden, wenn ein Produkt Palmöl enthält. In Kosmetik-, Putz- und Waschmitteln versteckt sich der Regenwaldfresser hingegen hinter einer Vielzahl chemischer Fachbegriffe. Per Internetrecherche lassen sich leicht palmölfreie Alternativen finden.
  3. Der Kunde ist König: Welche palmölfreien Produkte bieten Sie an? Wieso verwenden Sie keine heimischen Öle? Nachfragen beim Verkaufspersonal und Briefe an die Produkthersteller lassen Firmen um die Akzeptanz ihrer Produkte bangen. Der öffentliche Druck und das gestiegene Problembewusstsein haben schon einige Produzenten zum Verzicht auf Palmöl bewegt.
  4. Petitionen und Politikerbefragungen: Online-Protestaktionen üben Druck auf die Politiker aus, die für Biosprit und Palmölimporte verantwortlich sind. Haben Sie bereits alle Petitionen von Rettet den Regenwald unterschrieben? Auf abgeordnetenwatch.de kann jeder die Bundestagsabgeordneten mit den Folgen der Biospritpolitik konfrontieren.
  5. Laut werden: Demonstrationen und kreative Straßenaktionen machen den Protest für Menschen und Medien sichtbar. Dadurch wird der Druck auf die politischen Entscheidungsträger noch größer.
  6. Öffentlich statt Auto: Wenn möglich zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
  7. Wissen und Wissen weitergeben: Wirtschaft, Handel und Politik wollen uns glauben machen, Biosprit sei klimafreundlich und Palmölplantagen könnten nachhaltig sein. Regenwald.org informiert über die Folgen des Palmölanbaus. Der kostenlose Regenwald Report kann an Freunde weitergegeben oder in Schulen, Arztpraxen und Bioläden ausgelegt werden.