UNESCO opfert Naturschutzgebiet für Uranmine

Gnus, Giraffe und Zebras stehen an einem Wasserloch im Selous Reservat Selous: Die einmalige Tierwelt wird durch Uran-Bergbau gefährdet. Foto: igougo.com
59.816 Teilnehmer

Ende der Aktion: 22.05.2014

Das Selous Wildschutzgebiet in Tansania gehört seit 1982 zum UNESCO-Welterbe. Jetzt hat die UNESCO den Grenzverlauf von Selous geändert – und dadurch den Uranabbau in diesem einzigartigen Naturreservat ermöglicht. Bitte unterstützen Sie die weltweiten Proteste gegen die Entscheidung der UNESCO

Appell

An: Frau Irina Bokova, UNESCO‑Generaldirektorin, i.bokova@unesco.org

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Selous ist das größte Wildtierreservat des Kontinents – dort leben die bedeutendsten Populationen der vom Aussterben bedrohten afrikanischen Wildhunde und der ostafrikanischen Elefanten.

Die UNESCO beschreibt Selous als „immenses Schutzgebiet von 50.000 Quadratkilometern, das der Mensch nur wenig beeinflusst hat. Dort leben zahlreiche Elefanten, Spitzmaulnashörnern, Geparden, Giraffen und Krokodile. Der Park zeichnet sich durch verschiedene Vegetationszonen aus, vom kompakten Dickicht bis zum offenen Grasland.“

Dennoch hat die UNESCO mit der Grenzänderung ermöglicht, dass nun im Schutzgebiet Uran zur Belieferung von Atomkraftwerken abgebaut werden kann. Die geplante Mine liegt in einem Elefanten-Korridor zwischen Tansania und Mosambik.

Die UNESCO beschreibt diesen unglaublichen Vorgang als „kleine Grenzänderung“. Immerhin wird Selous um knapp 200 Quadratkilometer verkleinert.

Tödlicher Uran-Bergbau

Bald könnten riesige Mengen radioaktiven Abfalls die einmalige Natur und Artenvielfalt des Selous bedrohen. Bei der geplanten Laufzeit von zehn Jahren würde die Uran-Mine mindestens 60 Millionen Tonnen giftigen Abraum hinterlassen. Beim Uranabbau gibt es keine sichere Methode, um die Kontaminierung von Oberflächen- und Grundgewässern zu verhindern. Zudem ist unklar, ob der beim Bergbau anfallende Uranstaub durch Winde nicht weite Teile des Reservats verseucht.

Umweltschützer werfen der UNESCO Versagen und Verantwortungslosigkeit vor. Ihr Verhalten zeige, dass sie sich Unternehmens- und Lobbyinteressen unterwerfe. Nun besteht die Gefahr, dass Selous ein Präzedenzfall wird und weitere Welterbestätten für ähnliche Interessen geopfert werden.

Wir dürfen nicht zulassen, dass ein Weltnaturerbe aufs Spiel gesetzt wird. Bitte unterschreiben Sie den Protestbrief an die UNESCO.

Hinter­gründe

Neue Weltnaturstätten gibt die UNESCO immer publikumswirksam bekannt. Die Entscheidung zur Veränderung der Grenzen des Selous Reservats teilte sie der Öffentlichkeit hingegen nicht mit. Durch diesen Schritt kann nun das russische Unternehmen ARMZ, eine Tochter von ROSATOM, zusammen mit dem kanadischen Konzern Uranium One die Uranvorkommen im Mkuju-River-Project im Selous ausbeuten.

Uran-Bergbau nicht mit Welterbe vereinbar

2011 erklärte die UNESCO noch, dass „Uran-Bergbau und Staudammprojekte nicht mit dem Weltnaturerbestatus vereinbar sind“. Zur selben Zeit gab die Regierung Tansanias bekannt, dass sie mit einem brasilianischen Unternehmen eine „Absichtserklärung“ zum Bau eines Wasserkraftwerks am Rufiji Fluss vereinbart hat. Der Fluss liegt im Zentrum des Selous Reservats und soll die Stromversorgung für das geplante Uran-Bergbauprojekt sichern.

Das „Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt” der UNESCO wurde von 189 Staaten ratifiziert. Die UNO-Organisation führt eine Liste von 962 Welterben, dazu gehören 188 Weltnaturerbestätten wie das Selous Wildtierreservat in Tansania.

Dort, wo es bereits Uran-Bergbau gibt, hat er schwerste Schäden an der Umwelt und der Gesundheit der lokalen Bevölkerung hinterlassen. Mit ihrer Entscheidung macht sich die UNESCO mitverantwortlich für die zukünftige Zerstörung von Natur und Menschenleben im Selous Reservat.

Link zur Selous-Entscheidung der UNESCO (S. 215, Decision: 36 COM 8B.43)

update:

Das Mail-Postfach der Informations- und Beschwerdestelle des World Heritage Centers ist aufgrund unseres Protestes überfüllt. Zur Zeit werden Ihre Protest-Emails nur an die Generaldirektorin der UNESCO geleitet. Vielen Dank für Ihre Unterstützung. Bitte beteiligen Sie sich weiter an der Aktion zum Schutz des Selous Wildtierreservats!


An­schreiben

An: Frau Irina Bokova, UNESCO‑Generaldirektorin, i.bokova@unesco.org

Sehr geehrte Frau Bokova,

die UNESCO hat zugestimmt, den Grenzverlauf des Selous Wildtierreservats zu ändern. Somit wird der Uranabbau in diesem einzigartigen Naturschutzgebiet möglich. Das bedeutet: Millionen Tonnen radioaktiven Abraums müssten über Tausende von Jahren so gelagert werden, dass sie keine Gefahr für die Umwelt darstellen. Es entsteht radioaktiver Staub, der über Winde in das Wildtierreservat getragen wird. Höchstwahrscheinlich werden Flüsse und Grundwasser in der Region kontaminiert – über Hunderte von Jahren. Ich frage mich, ob sich die Mitglieder des zuständigen Komitees über
diese Konsequenzen bewusst sind.

Es entsteht der Eindruck, dass die Entscheidung der UNESCO von Unternehmens- und Lobbyinteressen beeinflusst ist. Es besteht zudem die Gefahr, dass die Mitglieder des UNESCO-Komitees einen fatalen Präzedenzfall beschlossen haben, der den Schutzstatus von weiteren Welterbestätten aufs Spiel setzt.

Mit der Zustimmung, die Grenzen des Selous zu ändern, verstößt die UNESCO gegen ihre eigenen Prinzipien als „Beschützerin“ des Naturerbes und der Kultur der indigenen Gruppen in Ostafrika.

Ich unterstütze den Aufruf von Umweltgruppen, die sich für die Rücknahme der UNESCO-Entscheidung einsetzten und fordere die Wiederherstellung der 1982 festgelegten Grenzen des Selous Wildtierreservats. Zudem bitte ich die Regierung Tansanias, die Genehmigung zum Abbau von Uran im und in unmittelbarer Nähe des Selous Reservat zurückzunehmen.

Mit freundlichen Grüßen