Giftiger Goldbergbau in der Karibik

Bauer steht im Wald und schaut auf offenen Tagebau Fassungsloser Blick auf die Zerstörung
48.991 Teilnehmer

Ende der Aktion: 20.05.2014

Für Touristen ist die Dominikanische Republik ein Urlaubsparadies – Traumstrände und grüne Landschaften. Damit könnte es bald vorbei sein. Kanadische Bergbaufirmen wollen im großen Stil Gold im Regenwald fördern. Das eingesetzte Zyanid würde das Wasser und die Böden vergiften. Die Bevölkerung wehrt sich – helfen Sie ihr dabei

Appell

An: Die Regierung der Dominikanischen Republik, Herr Peter Munk (CEO Barrick), Herr Charles A. Jeannes (CEO Goldcorps)

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"Ich bin zu alt, ich lasse mich nicht noch einmal von meinem Land vertreiben", sagt Juliana Guzman, Bäuerin aus La Cerca. Sie sitzt in ihrem Haus, dessen Wände von Rissen durchzogen sind. Explosionen lassen jeden Tag die Erde beben. Ihre Nachbarn von der Kooperative halten die bereits verschimmelten Kakaofrüchte in der Hand. Bereits jetzt zerstören die im Probebetrieb verwendeten Chemikalien der Pueblo-Viejo Goldmine ihre Ernte. Beim Goldabbau wird hochgiftiges Zyanid eingesetzt, das über die Flüsse in die Böden der Umgebung getragen wird und großen Schaden anrichtet.

Das Dorf La Cerca liegt im zentralen Hochland der Dominikanischen Republik. Es ist umgeben von dichtem Regenwald, in dem endemische Arten wie der gefährdete Schlitzrüssler leben. Im Dezember 2012 soll der Abbau durch die kanadischen Unternehmen Barrick und Goldcorp beginnen. Bis zu 24 Tonnen Zyanid werden pro Tag für den Abbau in der Pueblo Viejo Mine benötigt. „Der Zyanideinsatz ist ein Selbstmord auf Raten“, warnt Domingo Abreu vom Nationalen Umweltkomitee. Dabei ist der Goldbergbau überflüssig. Nur 11 Prozent des Goldes werden industriell verarbeitet. Dieser Anteil lässt sich über Recycling gewinnen. Der Rest des Goldes dient als unproduktive Investitionsanlage und zur Schmuckproduktion.

Besonders gefährlich ist das Zyanid für die Gewässer der Umgebung. Bei der Mine entspringen Flüsse und dort liegt das größte Süßwasserreservoir des Landes – es versorgt den gesamten Inselstaat. Barrick hat sich vertraglich abgesichert, für Umweltschäden nicht aufkommen zu müssen. Deshalb geht die Bevölkerung auf die Barrikaden. Eine Koalition aus 100 Organisationen fordert eine Annullierung der Verträge mit den Bergbauunternehmen. 

Bitte unterstützen Sie die dominikanische Bevölkerung gegen den giftigen Goldbergbau!

Hinter­gründe

Gebrochene Versprechen 

Bereits in anderen Ländern stießen die Projekte von Barrick und Goldcorp auf Widerstand. Um eine Goldmine im andinen Grenzgebiet zwischen Argentinien und Chile gibt es permanente Konflikte zwischen den Bergbauunternehmen sowie der argentinischen Justiz und der lokalen Bevölkerung. Obwohl die Ausnahmegenehmigungen für den Minenbetrieb auf 5000 Metern wieder einkassiert wurden, setzen die Unternehmen den Betrieb fort. Mittlerweile sind in der Provinz Pascua Lama mehrere Gletscher wegen des Goldabbaus verschwunden. Aufgrund der gravierenden Umweltzerstörungen, die Bergbauprojekte von Barrick immer wieder mit sich bringen, stieß der staatliche Pensionsfonds Norwegens nach Protesten seine Anteile am Bergbauunternehmen ab.

Auch wegen des Projekts in der Dominikanischen Republik gab es von Beginn an scharfe Kritik. Die Aushandlung der Verträge zwischen Regierung und Unternehmen war nicht transparent und die Konditionen einseitig – zu Gunsten der Minenbetreiber - geregelt. In den ersten drei bis vier Jahren zahlt Barrick kaum Steuern und verdient an der Goldproduktion 25 mal mehr als der Staat, dem das Gold eigentlich gehört. Der hochverschuldete Staat und die arme Bevölkerung profitieren nicht vom giftigen Goldabbau – im Gegenteil. Frühzeitig klagte die lokale Bevölkerung im Abbaugebiet über illegale Waldrodungen und Kontaminierung der anliegenden Gewässer. Menschen, die wegen des Bergbaus umgesiedelt wurden, erhielten Ersatzhäuser, aber auf das versprochene Ackerland warten sie bis heute. Die Bauern haben zwar ein Dach über dem Kopf, aber keinen Boden mehr unter den Füßen. Neben Umweltschützern und Bauern gehen auch die Gewerkschaften auf die Barrikaden. Obwohl die Bergbaukonzerne langfristige Arbeitsplätze versprachen, entließen sie den Großteil der Arbeiter, nachdem die Vorbereitungsarbeiten zur Mine fertiggestellt waren. Als Ende September eine große Koalition aus vielen Organisationen und tausenden Bürgern gegen den Bergbau demonstrierten, eskalierte die Situation. Die Polizei schoss ohne Vorwarnung auf die Demonstranten und verletzte 30 von ihnen, zahlreiche davon schwer. 

Giftiger Goldbergbau

In einer bereits aufgegebenen Mine im zentralen Gebirgszug der Dominikanischen Republik setzte man beim Abbau auch Zyanid ein. Die Chemikalien verseuchten Flüsse, Grundwasser und Böden in der Region – mitten im größten Süßwasserreservoir der Insel. Im offenen Tagebau wird Gold durch Zyanidlaugung gewonnen. Wasser wird mit der hochgiftigen Chemikalie versetzt und durch den Abraum gespült. Das Zyanid bindet die Edelmetalle und spült sie aus dem Gestein. In einem weiteren Verfahren wird dann wiederum das Gold von der Lauge getrennt. Bergbauunternehmen behaupten, dass sich auch das Zyanid rückstandsfrei vom Wasser lösen ließe und somit nicht in die Umwelt entweichen würde. Die Realität zeigt allerdings, dass Bergbau immer zu schweren Umweltschäden führt – vor allem, wenn Zyanid im Einsatz ist. Aus diesem Grund beschloss das Europäische Parlament im Mai 2010 ein Verbot von Zyanid im EU-Raum. Die EU-Kommission ist dem Vorschlag des Parlaments nicht gefolgt, so dass es europaweit bisher keine  verbindlichen Richtlinien gibt. Der Einsatz von Zyanid im Bergbau ist neben Deutschland auch in der Türkei, Tschechien und Ungarn verboten.

Weitere Informationen zum Goldbergbau finden Sie auf unserer Themenseite.

 

An­schreiben

An: Die Regierung der Dominikanischen Republik, Herr Peter Munk (CEO Barrick), Herr Charles A. Jeannes (CEO Goldcorps)

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin sehr besorgt über die Pläne der Regierung der Dominikanischen Republik, Gold im offenen Tagebau im zentralen Hochland fördern zu lassen. Die Pueblo Viejo Mine liegt in einem sensiblen Ökosystem, dessen Böden wichtig für die regionale Landwirtschaft sind. Zudem befinden sich in unmittelbarer Nähe der Mine Flüsse und ein Süßwasserreservoir, die den gesamten Inselstaat mit Wasser versorgen. Das im Goldbergbau eingesetzte Zyanid droht die Natur in der Region zu vergiften, gefährdet die Ernährungssicherheit der Anwohner und die Wasserversorgung der gesamten Bevölkerung der Dominikanischen Republik.

Die beiden Betreiberunternehmen der Pueblo Viejo Mine, Barrick und Goldcorp sind wegen ihrer Verstöße gegen Umwelt- und Menschenrechte bekannt. In Argentinien und Peru demonstriert die Bevölkerung gegen Barrick, weil dessen Minen die Wasserquellen verschmutzen. Deshalb geht die Bevölkerung in der Dominikanischen Republik auf die Straße und fordert eine Annullierung der Pueblo-Viejo Verträge. Eine große Koalition aus 100 dominikanischen Organisationen fordert Regierung und Unternehmen auf, das Bergbauprojekt zu widerrufen. Sie kritisieren auch die nicht transparenten Vertragsabschlüsse, die für den dominikanischen Staat nachteiligen Steuererleichterungen für die Unternehmen, die nicht geleisteten Entschädigungszahlungen durch Barrick und Goldcorp sowie die nicht erfüllten Versprechen nach sicheren Arbeitsplätzen.

Der Goldbergbau gefährdet nicht nur den sozialen Frieden und die Umwelt, sondern auch andere alternative Wirtschaftsformen in der Dominikanischen Republik.

In Solidarität mit der dominikanischen Bevölkerung und aus tiefer Sorge um die Umwelt in ihrem Land bitte ich Sie, die Verträge um die Pueblo Viejo Mine zu annullieren.

Mit freundlichen Grüßen