Philippinen: Kohlekraftwerk bedroht Kakadus

Ein Rotsteißkakadu putzt sein Schwanzgefieder im Regenwald Der Färbung auf der Unterseite der Schwanzfedern verdankt der Rotsteißkakadu seinen Namen
66.716 Teilnehmer

Ende der Aktion: 20.05.2014

Der Rotsteißkakadu ist vom Aussterben bedroht. Nur noch etwa 1.000 Exemplare der prächtigen Vögel leben auf den Philippinen – die größte Population bewohnt die kleine Koralleninsel Rasa vor Palawan Island. Ausgerechnet dort soll nun ein Kohlekraftwerk gebaut werden. Bitte schreiben Sie an die philippinischen Behörden

Appell

An: Den Vorsitzenden des Rates für Nachhaltige Entwicklung von Palawan, Kopien an UNESCO

„“

Ganzes Anschreiben lesen

Laut kreischend fliegt eine Gruppe Rotsteißkakadus über die schmale Meerenge, die die winzige Koralleninsel Rasa Island von der wesentlich größeren Insel Palawan trennt. Dort liegen die Futterplätze der Vögel, denn Rasa Island ist viel zu klein, um die Population zu ernähren. Doch schon bald könnte die lebensnotwendige Flugroute abrupt enden: An der Küste von Palawan will die DMCI Power Corporation ein Kohlekraftwerk bauen.

Umwelt- und Artenschützer schlagen Alarm: „Die Politiker versuchen Palawan ein grünes Image zu verschaffen und die Insel nach außen hin als die letzte ökologische Bastion der Philippinen zu vermarkten. Ein Kohlekraftwerk in einem hoch sensiblen Gebiet zu genehmigen und damit das Überleben einer ganzen Tierart aufs Spiel zu setzen, steht hierzu allerdings im eklatanten Widerspruch", erklärt Peter Widmann, Vizepräsident der Katala Foundation. Die Entscheidung des „Rates für nachhaltige Entwicklung von Palawan" ignoriert die vorgelegten Umweltstudien, den Willen der Gemeinderegierung und der Einwohner von Barangay Panacan.

Etwa 260 Rotsteißkakadus leben auf Rasa Island - es ist die größte Population in freier Natur. Noch vor 30 Jahren bevölkerten die Vögel fast die gesamten Philippinen, doch inzwischen stuft die internationale Rote Liste der IUCN Rotsteißkakadus als „kritisch bedroht" ein. Nur noch geschätzte 1.000 Exemplare leben in Freiheit auf den Philippinen.

Die prächtigen Vögel haben viele Feinde: Holzeinschlag, Landwirtschaft und Bergbau vernichten ihre Lebensräume; vor allem aber bedroht der illegale Tierhandel ihr Überleben. Wilderer plündern fast jedes unbewachte Nest in der Wildnis, um die Jungvögel als schmucke Haustiere zu verkaufen.

Bitte unterzeichnen Sie das Schreiben der philippinischen Umweltschützer gegen das Kohlekraftwerk.

Hinter­gründe

Rotsteißkakadus (Cacatua haematuropygia, englisch Philippine Cockatoo) ernähren sich von den Samen der Regenwald- und Mangrovenbäume und verschmähen auch Früchte, Blüten, Knospen und Nektar nicht. Die Art ist nach philippinischem Gesetz (Wildlife Conservation and Protection Act 9147) geschützt, und auch das Washingtoner Artenschutzabkommen verbietet seit 1992 jeglichen Handel mit den Vögeln. Rasa Island ist als Wildtier-Schutzgebiet ausgewiesen und Teil des Unesco-Biosphärenreservats Palawan.

Die Katala Foundation setzt sich für den Schutz der Rotsteißkakadus und ihrer Lebensräume ein. Als die Organisation 1998 ihr umfangreiches Schutzprojekt auf der acht Quadratkilometer großen Insel Rasa und den angrenzende Gebieten im Bezirk Narra auf Palawan begann, gab es dort nur noch 23 Tiere. Nach 15 Jahren Arbeit zeigen sich die Erfolge. Die Zahl der Vögel hat sich auf etwa 260 Individuen mehr als verzehnfacht.

In anderen Teilen der Philippinen geht es mit der Natur weiter bergab. Das Land weist seit Jahren eine hohe Entwaldungsrate (2 Prozent) auf. Zwischen 1990 und 2005 wurde ein Drittel der Waldfläche abgeholzt. Nur noch ein Viertel der Landesfläche des Inselstaates in Südostasien ist bewaldet, intakte Primärwälder gibt es sogar nur noch auf 2,8 Prozent.

Der Betreiber des geplanten Kraftwerks, die DMCI Power Corporation, gehört zur Industrieholding DMCI, die auch die gefährliche Kohlenmine Semirara im Tagebau betreibt – sie soll das Brennmaterial für das geplante Kraftwerk liefern. In der Mine kam es im Februar zu mehreren Bergrutschen, bei denen mindestens fünf Bergleute getötet wurden.

Nicht nur der Standort für das Kraftwerk ist ein Problem. Die in Semirara geförderte Kohle ist von minderer Qualität und setzt besonders hohe Schadstoffemissionen bei der Verbrennung frei. Deshalb sollten umweltfreundliche und dezentrale Methoden der Energiegewinnung gewählt werden, neben allgemeinen Maßnahmen zur Energieeinsparung und -effizienz.

An­schreiben

An: Den Vorsitzenden des Rates für Nachhaltige Entwicklung von Palawan, Kopien an UNESCO

Stoppen Sie das Kohlekraftwerk nahe des Rasa Island Wildtierschutzgebietes – schützen Sie die Rotsteißkakadus!

Sehr geehrter Herr Gouverneur Mitra,

der Rat für Nachhaltige Entwicklung von Palawan will der DMCI Power Corporation eine Genehmigung für den Bau und Betrieb eines 15 Megawatt Kohle-Kraftwerks erteilen. Diese Nachricht beunruhigt mich sehr.

Bei der Entscheidung wurde ignoriert, dass sowohl das eigene Fachpersonal als auch der betroffene Gemeinderat eine Verlegung des Baustandortes empfohlen haben. Und auch die meisten Einwohner lehnen das Projekt ab.

Der vorgeschlagene Standort ist die letzte Zuflucht des vom Aussterben bedrohten Rotsteißkakadus. Die Provinz Palawan hat für die Art eine besondere Verantwortung. Das Kraftwerk würde die Flugroute der Kakadus für die Nahrungssuche unterbrechen. Hunger und die Abnahme der Population wären die Folge. Es würde die bereits stark bedrohte Art noch stärker der Gefahr aussetzen, auszusterben.

Die Anlage soll in der Nähe des Rasa Island Tierschutzgebietes und bewohnter Gebiete gebaut werden. Die ausgestoßenen Schadstoffe und Abwärme würden sowohl die Gesundheit der lokalen Bevölkerung massiv schädigen als auch die Ökosysteme an Land und im Meer.

Ich bin davon überzeugt, dass ein solches Projekt nicht angemessen ist für Palawan. Die Provinz wird wegen ihres Rufes als letztes ökologisches Refugium der Philippinen von einer wachsenden Zahl von lokalen und ausländischen Touristen besucht.

Deshalb fordere ich den Rat für Nachhaltige Entwicklung Palawans dazu auf, die erteilte Genehmigung für das Projekt zurückzuziehen.

Mit freundlichen Grüßen

Original Protestschreiben auf Englisch
To: Honorable Governor Abraham Kahlil Mitra, Chairman, Palawan Council for Sustainable Development

Stop the coal plant near Rasa Island Wildlife Sanctuary!

Dear Honorable Governor Mitra,

I am deeply concerned by the decision of the Palawan Council for Sustainable Development to issue a Strategic Environmental Plan for Palawan (SEP) clearance for the construction and operation of a 15 MW coal-fired Power Plant by DMCI Power Corporation.

The decision was taken while ignoring the council’s own technical staff’s recommendations, foremost the relocation of the site. The project is also not endorsed by the affected municipal government.

The proposed site is the last stronghold of the critically endangered Philippine Cockatoo, a species for which the Province of Palawan has particular responsibility. The power plant would disrupt the flight path of foraging cockatoos, resulting in starvation and reduction of the population. It would push the already highly threatened species even closer to extinction.

The plant would be in close proximity to the Rasa Island Wildlife Sanctuary and inhabited areas and will due to its chemical and thermal pollutants certainly have irreversible effects on the health of the local community, as well on the marine and terrestrial ecosystems.
I strongly feel that such a project is inappropriate for Palawan, which owes the increasing numbers of local and foreign tourists to its reputation as last ecological frontier of the Philippines.

Therefore, I sincerely urge the Palawan Council for Sustainable Development to withdraw the granted SEP clearance for the said project.

Sincerely,