Virunga: Erdölsuche im Land der Gorillas

Gorillamutter mit Baby im Arm ruht in Waldlichtung Die Suche nach Erdöl bringt Gorillas in Gefahr.
68.109 Teilnehmer

Ende der Aktion: 12.06.2014

Die Schönheit des Edwardsees ist einzigartig: An seinem Ufer wächst üppiger Regenwald, in der Nähe erheben sich die Vulkane des weltberühmten Virunga Nationalparks. Doch die Heimat der Berggorillas im Kongo ist bedroht. Der Ölkonzern SOCO sucht ausgerechnet hier nach Erdöl. Fordern Sie SOCO auf, das Projekt zu stoppen.

Appell

An: Ed Story, Präsident und Vorstandsvorsitzender (CEO) von SOCO International plc, London, UK

„Der Konzern SOCO will am Virunga Nationalpark im Kongo nach Erdöl suchen. Fordern Sie das Unternehmen auf, das Projekt zu stoppen.“

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„Wir entdecken die Möglichkeiten.“ Mit diesem zynischen Slogan preist der britische Konzern SOCO sein Projekt, an Kongos Virunga Nationalpark, der Heimat der Berggorillas, nach Erdöl zu suchen. Internationale Kritik stößt auf taube Ohren.

Auf seiner Internetseite verharmlost das Unternehmen die Gefahren durch die Erschließung von Erdölquellen in der Republik Kongo. Die Einheimischen sind nach Sicht der SOCO-Manager ein Teil des Problems. Zu den bedeutendsten Bedrohungen zählten nämlich „allgegenwärtige Armut“, gewaltsame Konflikte, Landwirtschaft, Rodungen und der Handel mit dem Fleisch geschützter Arten. Die Firma gibt sich dagegen edel. So habe man im Dorf Nyakakoma zur Freude der Einwohner einen Handymast errichtet.

In einer Beschwerde bei der OECD kreidet der WWF nun dem Konzern an, dass Sicherheitskräfte eine „Atmosphäre der Angst“ erzeugten. Außerdem halte das Unternehmen mögliche Gefahren vor den Bewohnern geheim. Schließlich missachte SOCO den Status des Virunga Nationalparks als UNESCO-Welterbe. Die UN-Organisation selbst hatte bereits zuvor eine  Protestnote an die kongolesische Regierung gerichtet. Die OECD will den Fall nun prüfen, da Unternehmen in den Mitgliedstaaten der Organisation zu hohen Sozial- und Umweltstandards verpflichtete sind.

Der dichte Bergregenwald des Virunga-Nationalparks ist einer der letzten Lebensräume der vom Aussterben bedrohten Berggorillas. Virunga liegt im Osten des Kongo und ist der älteste Nationalpark Afrikas. Das UNESCO Weltnaturerbe erstreckt sich entlang des Edwardsees.

Im Kampf gegen die Suche nach Erdöl am Virunga-Nationalpark ist Rettet den Regenwald nicht allein. Zahlreiche Gruppen rund um den Globus stemmen sich dagegen. Gemeinsam wollen wir den Park schützen.

Fordern Sie den Chef von SOCO auf, das Projekt zu stoppen.

Hinter­gründe

Während der britische Konzern SOCO entschlossen ist, im Virunga Nationalpark nach Erdöl zu suchen, hat die Firma TOTAL solche Pläne Mitte 2013 aufgegeben. Ein Teilerfolg für diejenigen, die für den Park und die dort lebenden Berggorillas kämpfen.

Mehr als 65.000 Menschen hatten im Dezember 2012 die Forderung von Rettet den Regenwald unterzeichnet, alle Aktivitäten zur Ölförderung am Edwardsee und im Virunga Nationalpark sofort einzustellen. Außerdem wurden 15.000 Euro Spenden für das Management des Nationalparks gesammelt.

„Der Beginn der Ölförderung wäre das Ende unseres UNESCO-Weltnaturerbes und der Gorillas“, warnte Ephrem Balole von der Parkverwaltung in einem Interview mit Rettet den Regenwald.

SOCO hat Ende 2011 eine Förderlizenz für mehrere Ölblöcke im Osten des Kongo erhalten. Bis dahin hatte ein Förderverbot für die sensiblen Regenwaldregionen bestanden. SOCOS Projektgebiet Block 5 liegt zu 60 Prozent im Virunga Nationalparks. „Die Ölfirma hat durch ein Präsidentendekret die Erlaubnis bekommen, Erkundungen im Park vorzunehmen. Es gibt jedoch Gesetze, die Rohstoffförderung im Nationalpark verbietet", sagte Ephrem Balole.

An­schreiben

An: Ed Story, Präsident und Vorstandsvorsitzender (CEO) von SOCO International plc, London, UK

Sehr geehrter Herr Ed Story,

trotz erheblicher Gefahren für die Menschen und die Umwelt im Virunga Nationalpark halten Sie an den Plänen fest, dort nach Erdöl zu suchen. Die Erfahrungen mit der Förderung von Erdöl in sensiblen Ökosystemen zeigen, dass diese fast zwangsläufig zu schweren Umweltschäden führt.

Die OECD überprüft derzeit, ob die Praktiken Ihres Unternehmens mit den Standards der Organisation vereinbar sind.

Kommen Sie einer Verurteilung durch die OECD zuvor und stoppen Sie das Projekt Block V im Virunga National Park.

Mit freundlichen Grüßen

5-Minuten-Info zum Thema: Palmöl

Die Ausgangslage – Regenwald im Tank und auf dem Teller

Mit 66 Millionen Tonnen pro Jahr ist Palmöl das meist produzierte Pflanzenöl. Der niedrige Weltmarktpreis und die von der Industrie geschätzten Verarbeitungseigenschaften haben dazu geführt, dass es inzwischen in jedem zweiten Supermarktprodukt steckt. Neben Fertigpizza, Keksen und Margarine begegnet uns Palmöl auch in Körpercremes, Seifen, Schminke, Kerzen und Waschmitteln.

2016 importierte die EU 6,43 Millionen Tonnen Palmöl aus Indonesien (4,37 Mio. t) und Malaysia (2,06 Mio. t). Auf Deutschland entfielen davon nach Angaben der Bundesregeirung 1,34 Millionen Tonnen (Durchschnitt der Jahre 2013-15). Was kaum einer weiß: In der EU fließt fast die Hälfte des importierten Palmöls in sogenannten Biosprit. Die 2009 beschlossene gesetzliche Beimischungspflicht von Agrosprit in Benzin und Diesel ist eine wichtige Ursache der Regenwaldabholzung.

Inzwischen dehnen sich die Palmölplantagen weltweit auf mehr als 27 Millionen Hektar aus. Auf einer Fläche so groß wie Neuseeland mussten Mensch und Tier bereits den „grünen Wüsten“ weichen.

Die Auswirkungen – Waldverlust, Artentod, Vertreibung, Erderwärmung

In den feucht-warmen Tropen rund um den Äquator findet die Ölpalme optimale Wachstumsbedingungen. In Südostasien, Lateinamerika und Afrika werden Tag um Tag riesige Regenwaldflächen gerodet und abgebrannt, um Platz für die Plantagen zu schaffen. Dabei gelangen große Mengen klimaschädlicher Gase in die Atmosphäre. Indonesien, Hauptproduktionsland von Palmöl, war 2015 zeitweise für mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich als die USA. CO2- und Methanemissionen sorgen dafür, dass der aus Palmöl produzierte Biosprit drei mal so klimaschädlich ist wie Treibstoff aus Erdöl.

Doch nicht nur das Klima leidet: Mit den Bäumen verschwinden seltene Tierarten wie Orang-Utan, Borneo-Zwergelefant und Sumatra-Tiger. Kleinbauern und Indigene, die den Wald über Generationen bewohnen und beschützen, werden oft brutal von ihrem Land vertrieben. In Indonesien stehen mehr als 700 Landkonflikte in Zusammenhang mit der Palmölindustrie. Auch auf sogenannten „nachhaltig bewirtschafteten“ oder „Bio“-Plantagen kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen.

Wir Verbraucher bekommen von all dem wenig mit. Unser täglicher Palmölkonsum hat jedoch auch für uns persönlich direkte negative Auswirkungen: In raffiniertem Palmöl sind große Mengen gesundheitsschädlicher Fettsäureester enthalten, die das Erbgut schädigen und Krebs verursachen können.

Die Lösung – Tank-und-Teller-Revolution

Nur noch 70.000 Orang-Utans streifen durch die Wälder Südostasiens. Die EU-Biospritpolitik bringt die Menschenaffen immer weiter an den Rand des Aussterbens. Um unseren baumbewohnenden Verwandten zu helfen, müssen wir den Druck auf die Politik erhöhen. Doch auch im Alltag lässt sich viel bewegen.

Diese einfachen Tipps helfen, Palmöl zu erkennen, zu meiden und zu bekämpfen:

  1. Selbst kochen, selbst entscheiden: Mandel-Kokos-Birnen-Kekse? Kartoffel-Rosmarin-Pizza? Frische Zutaten, gemixt mit ein bisschen Fantasie, stellen jedes (palmölhaltige) Fertigprodukt in den Schatten. Zum Kochen und Backen eignen sich europäische Öle aus Sonnenblumen, Oliven, Raps oder Leinsamen.
  2. Kleingedrucktes lesen: Auf Lebensmittelpackungen muss seit Dezember 2014 angegeben werden, wenn ein Produkt Palmöl enthält. In Kosmetik-, Putz- und Waschmitteln versteckt sich der Regenwaldfresser hingegen hinter einer Vielzahl chemischer Fachbegriffe. Per Internetrecherche lassen sich leicht palmölfreie Alternativen finden.
  3. Der Kunde ist König: Welche palmölfreien Produkte bieten Sie an? Wieso verwenden Sie keine heimischen Öle? Nachfragen beim Verkaufspersonal und Briefe an die Produkthersteller lassen Firmen um die Akzeptanz ihrer Produkte bangen. Der öffentliche Druck und das gestiegene Problembewusstsein haben schon einige Produzenten zum Verzicht auf Palmöl bewegt.
  4. Petitionen und Politikerbefragungen: Online-Protestaktionen üben Druck auf die Politiker aus, die für Biosprit und Palmölimporte verantwortlich sind. Haben Sie bereits alle Petitionen von Rettet den Regenwald unterschrieben? Auf abgeordnetenwatch.de kann jeder die Bundestagsabgeordneten mit den Folgen der Biospritpolitik konfrontieren.
  5. Laut werden: Demonstrationen und kreative Straßenaktionen machen den Protest für Menschen und Medien sichtbar. Dadurch wird der Druck auf die politischen Entscheidungsträger noch größer.
  6. Öffentlich statt Auto: Wenn möglich zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
  7. Wissen und Wissen weitergeben: Wirtschaft, Handel und Politik wollen uns glauben machen, Biosprit sei klimafreundlich und Palmölplantagen könnten nachhaltig sein. Regenwald.org informiert über die Folgen des Palmölanbaus. Der kostenlose Regenwald Report kann an Freunde weitergegeben oder in Schulen, Arztpraxen und Bioläden ausgelegt werden.