Deutsche Bank: Abholzen aus Leidenschaft

Ein Luftbild zeigt gerodete Flächen im Regenwald. Einkopiert ist das Logo der Deutschen Bank. Deutsches Geld für Rodungen in Indonesien (© FoE)
91.467 Teilnehmer

Ende der Aktion: 05.08.2014

Dem indonesischen Palmöl-Produzenten Bumitama Agri sind Gesetze egal. Die Firma betreibt illegal zwei Plantagen und holzt Wälder ab. Zu den Finanziers gehört die Deutsche Bank. Fordern Sie deren Chefs auf, keine Plantagen zu finanzieren.

Appell

An: Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank und weiterer Finanzinstitute und Pensionsfonds

„Der Palmöl-Produzent Bumitama Agri betreibt illegal Plantagen. Die Deutsche Bank soll deren Finanzierung beenden.“

Ganzes Anschreiben lesen

Bumitama Agri ist unter erheblichem Erklärungsdruck, seit die Organisation „Friends of the Earth“ (FOE) in der detaillierten Studie „Commodity Crimes“ illegale Praktiken der Firma aufgedeckt hat. Es geht um zweifelhafte Genehmigungen, verbotene Rodungen und die Bedrohung der Orang-Utans. Dabei hatte Bumitama Agri 2013 mehrfach versprochen, auf seiner Plantage von Ladang Sawit Mas (LSM) auf Borneo keinen Wald mehr abzuholzen.

Doch die Firma hat ihre Geschäftspraxis nicht geändert. FOE belegt anhand von Satellitenbildern, dass im Sommer 2013 auf der Plantage von LSM rund 500 Hektar gerodet wurden. Bis zum Februar 2014 ging der Holzeinschlag weiter. Zudem räumt die Firma gegenüber FOE ein, auf der Plantage GY ohne Genehmigung Palmöl zu produzieren. Man werde die 7.000 Hektar allerdings nicht aufgeben.

„Das zeigt, dass Bumitama seine Anteilseigner und die Öffentlichkeit belügt“, sagt Anne van Schaik von FOE. Die Palmöl-Konzerne Wilmar International, IOI Corporation und die Finanziers wüssten, dass illegales Palmöl auf den Markt gelangt, und seien mitverantwortlich.

Internationale Banken finanzieren Bumitama Agri. Unter ihnen sind die HSBC, Amundi, Rabobank und die Deutsche Bank. (Siehe Hintergrund.) Die Anteile der Geldinstitute belaufen sich laut FOE auf 4,56 Millionen Dollar, hinzu kommen Kredite über 125 Millionen Dollar. Die Deutsche Bank engagiert sich mit 690.000 Dollar. Angesichts dieser niedrigen Summe wäre es für die Bank einfach, sich aus der Finanzierung der zwielichtigen Firma zurückzuziehen.

Ohne die Unterstützung durch internationale Geldhäuser dürfte Bumitama Agri Probleme bekommen, illegale Praktiken fortzusetzen. Fordern Sie die Vorstandschefs der Deutschen Bank und anderer beteiligter Geldinstitute auf, keine Plantagen zu finanzieren.

Hinter­gründe

Die Firma

Bumitama Agri mit Sitz in Jakarta kontrolliert mehr als 200.000 Hektar auf Kalimantan und Sumatra. Laut FOE soll die Firma bis 2011 60 Prozent seiner Flächen in Plantagen umgewandelt haben. 2012 hat Bumitama Agri 68 Millionen Euro Gewinn gemacht.

Die Investoren

Zahlreiche Banken und Pensionsfonds sind an Bumitama Agri beteilig oder gewähren der Firma Kredite:

Amundi (75% Credit Agricole, 25% Société Générale)
MassMutual Financial Group
Schroders
Deutsche Bank
BlackRock
State Street Corporation
Wellington Management Company
Fidelity Investments
IndexIQ
SVM Asset Management
HSBC
Rabobank
Manulife Financial

 

Abnehmer des Palmöls

Die EU-Länder importieren sechs Millionen Tonnen Palmöl pro Jahr, Tendenz steigend. Zunehmend geht Palmöl in die Produktion von Biodiesel. Schuld daran ist die fatale Biospritpolitik von Bundesregierung und EU.

Palmöllabel RSPO

Seit 2007 gehört Bumitama Agri dem „Roundtable on Sustainable Palm Oil“ (RSPO) an. Die Anforderungen des Palmölsiegels sind allerdings sehr schwach. Einen effektiven Schutz der Regenwälder gewährt RSPO daher nicht.



Video: a paradise lost

An­schreiben

An: Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank und weiterer Finanzinstitute und Pensionsfonds

Sehr geehrte Herren Fitschen und Jain,
sehr geehrte Damen und Herren Vorstandsvorsitzende,

Ihre Banken und Fonds machen Geschäfte mit der indonesischen Firma Bumitama Agri. Der Palmöl-Produzent verstößt jedoch auf mindestens zwei Plantagen gegen Gesetze und lässt dort ohne Genehmigung Wald abholzen. Die Praktiken werden in der detaillierten Studie „Commodity Crimes“ der Organisation „Friends of the Earth“ beschrieben.

Das Unternehmen hat im April und Oktober 2013 öffentlich zugesichert, illegale Praktiken zu beenden. Nun belegen aktuelle Satellitenbilder, dass auf der Plantage von Ladang Sawit Mas (LSM) in Kalimantan auf Borneo weiterhin Wald in großem Stil gerodet wurde. Das Unternehmen bricht damit sein Versprechen.

Bumitama Agri will zudem weiterhin die Plantage GY betreiben, obwohl die Firma Gesetzesverstöße gegenüber FOE eingeräumt hat.

Ohne die Finanzierung durch Banken wie HSBC, Amundi, Rabobank und der Deutschen Bank könnte Bumitama Agri seine Geschäfte schwerlich weiterbetreiben. Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisationen in mehreren Ländern fordern die beteiligten Geldinstitute auf, Beziehungen zu Bumitama Agri zu beenden. Der internationale Druck auf die Finanziers des Palmöl-Produzenten nimmt somit zu.

Bitte nehmen Sie die internationale Kritik an Bumitama Agri und seinen Geldgebern ernst und steigen Sie aus der Finanzierung von Palmöl-Plantagen aus.

Mit freundlichen Grüßen

5-Minuten-Info zum Thema: Palmöl

Die Ausgangslage – Regenwald im Tank und auf dem Teller

Mit 66 Millionen Tonnen pro Jahr ist Palmöl das meist produzierte Pflanzenöl. Der niedrige Weltmarktpreis und die von der Industrie geschätzten Verarbeitungseigenschaften haben dazu geführt, dass es inzwischen in jedem zweiten Supermarktprodukt steckt. Neben Fertigpizza, Keksen und Margarine begegnet uns Palmöl auch in Körpercremes, Seifen, Schminke, Kerzen und Waschmitteln.

Was kaum einer weiß: In der EU fließt fast die Hälfte des importierten Palmöls in sogenannten Biosprit. Die 2009 beschlossene gesetzliche Beimischungspflicht von Agrosprit in Benzin und Diesel ist eine wichtige Ursache der Regenwaldabholzung.

Inzwischen dehnen sich die Palmölplantagen weltweit auf mehr als 27 Millionen Hektar aus. Auf einer Fläche so groß wie Neuseeland mussten Mensch und Tier bereits den „grünen Wüsten“ weichen.

Die Auswirkungen – Waldverlust, Artentod, Vertreibung, Erderwärmung

In den feucht-warmen Tropen rund um den Äquator findet die Ölpalme optimale Wachstumsbedingungen. In Südostasien, Lateinamerika und Afrika werden Tag um Tag riesige Regenwaldflächen gerodet und abgebrannt, um Platz für die Plantagen zu schaffen. Dabei gelangen große Mengen klimaschädlicher Gase in die Atmosphäre. Indonesien, Hauptproduktionsland von Palmöl, war 2015 zeitweise für mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich als die USA. CO2- und Methanemissionen sorgen dafür, dass der aus Palmöl produzierte Biosprit drei mal so klimaschädlich ist wie Treibstoff aus Erdöl.

Doch nicht nur das Klima leidet: Mit den Bäumen verschwinden seltene Tierarten wie Orang-Utan, Borneo-Zwergelefant und Sumatra-Tiger. Kleinbauern und Indigene, die den Wald über Generationen bewohnen und beschützen, werden oft brutal von ihrem Land vertrieben. In Indonesien stehen mehr als 700 Landkonflikte in Zusammenhang mit der Palmölindustrie. Auch auf sogenannten „nachhaltig bewirtschafteten“ oder „Bio“-Plantagen kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen.

Wir Verbraucher bekommen von all dem wenig mit. Unser täglicher Palmölkonsum hat jedoch auch für uns persönlich direkte negative Auswirkungen: In raffiniertem Palmöl sind große Mengen gesundheitsschädlicher Fettsäureester enthalten, die das Erbgut schädigen und Krebs verursachen können.

Die Lösung – Tank-und-Teller-Revolution

Nur noch 70.000 Orang-Utans streifen durch die Wälder Südostasiens. Die EU-Biospritpolitik bringt die Menschenaffen immer weiter an den Rand des Aussterbens. Um unseren baumbewohnenden Verwandten zu helfen, müssen wir den Druck auf die Politik erhöhen. Doch auch im Alltag lässt sich viel bewegen.

Diese einfachen Tipps helfen, Palmöl zu erkennen, zu meiden und zu bekämpfen:

  1. Selbst kochen, selbst entscheiden: Mandel-Kokos-Birnen-Kekse? Kartoffel-Rosmarin-Pizza? Frische Zutaten, gemixt mit ein bisschen Fantasie, stellen jedes (palmölhaltige) Fertigprodukt in den Schatten. Zum Kochen und Backen eignen sich europäische Öle aus Sonnenblumen, Oliven, Raps oder Leinsamen.
  2. Kleingedrucktes lesen: Auf Lebensmittelpackungen muss seit Dezember 2014 angegeben werden, wenn ein Produkt Palmöl enthält. In Kosmetik-, Putz- und Waschmitteln versteckt sich der Regenwaldfresser hingegen hinter einer Vielzahl chemischer Fachbegriffe. Per Internetrecherche lassen sich leicht palmölfreie Alternativen finden.
  3. Der Kunde ist König: Welche palmölfreien Produkte bieten Sie an? Wieso verwenden Sie keine heimischen Öle? Nachfragen beim Verkaufspersonal und Briefe an die Produkthersteller lassen Firmen um die Akzeptanz ihrer Produkte bangen. Der öffentliche Druck und das gestiegene Problembewusstsein haben schon einige Produzenten zum Verzicht auf Palmöl bewegt.
  4. Petitionen und Politikerbefragungen: Online-Protestaktionen üben Druck auf die Politiker aus, die für Biosprit und Palmölimporte verantwortlich sind. Haben Sie bereits alle Petitionen von Rettet den Regenwald unterschrieben? Auf abgeordnetenwatch.de kann jeder die Bundestagsabgeordneten mit den Folgen der Biospritpolitik konfrontieren.
  5. Laut werden: Demonstrationen und kreative Straßenaktionen machen den Protest für Menschen und Medien sichtbar. Dadurch wird der Druck auf die politischen Entscheidungsträger noch größer.
  6. Öffentlich statt Auto: Wenn möglich zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
  7. Wissen und Wissen weitergeben: Wirtschaft, Handel und Politik wollen uns glauben machen, Biosprit sei klimafreundlich und Palmölplantagen könnten nachhaltig sein. Regenwald.org informiert über die Folgen des Palmölanbaus. Der kostenlose Regenwald Report kann an Freunde weitergegeben oder in Schulen, Arztpraxen und Bioläden ausgelegt werden.
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