Palmöl nimmt uns unsere Heimat

Ein Mädchen steht vor einer gerodeten Waldfläche und hält einen Affen im Arm Es bleibt kein Platz zum Überleben, wenn Land in Palmöl-Plantagen umgewandelt wird (© Collage - ALDAW)
93.973 Teilnehmer

Ende der Aktion: 28.09.2015

Stoppt die Plantagen. Palmöl nimmt uns unsere Heimat! Auf den Philippinen sollen acht Millionen Hektar Land in Palmöl-Plantagen umgewandelt werden. Fordern Sie den Raubbau zu stoppen.

Appell

An: Gouverneur von Palawan Jose Chaves Alvarez; Vize-Gouverneur Dennis Socrates

„Herr Gouverneur Chaves Alvarez: Schützen Sie das Biosphärenreservat in Palawan vor Palmöl-Plantagen“

Ganzes Anschreiben lesen

Auf Palawan, auch „die letzte Pionierfront der Philippinen“ genannt, werden so große Flächen in Palmöl-Plantagen umgewandelt wie kaum jemals zuvor. Bereits heute schädigen riesige Monokulturen Artenvielfalt, Wasser und Böden dauerhaft. Tausenden Kleinbauern und Indigenen wurde die Lebensgrundlage geraubt. Die Armut wurde verschärft.

Palmölfirmen planen nun, ausgerechnet im Biosphärenreservat von Palawan weitere 20.000 Hektar Land in Beschlag zu nehmen. 6.000 Hektar wurden schon gerodet. Der ökologische Niedergang nimmt an Fahrt auf, die Ernährung der Bevölkerung wird erheblich gefährdet.

Palmöl-Plantagen gefährden die Ernährung Einheimischer

Während Agumil Philippines, Inc. - Palawans größte Palmölfirma – im großen Stil Palmöl zu Kunden in Malaysia exportiert, können einheimische Bauern ihre Familien kaum mehr ernähren, geschweige denn etwas für lokale Märkte produzieren. „Agumil erlaubt uns nicht einmal, dass wir Cassava auf unserem Land, das sie in Plantagen umgewandelt haben, anbauen“, behauptet Jerry Azucena von der jüngst gegründeten Koalition gegen Land Grabbing (CALG): „Sie haben unser Leben zerstört.“

Gemeinsam fordern indigene Gruppen und Bauern von Gouverneur Jose C. Alvarez ein Moratorium für den Ausbau von Palmöl-Plantagen. Bitte unterstützen Sie die Petition an die Provinzregierung.

Hinter­gründe

Am 29. September hat eine Delegation von Kleinbauern und Indigenen eine Petition an Vize-Gouverneur Dennis Socrates übergeben, die von 4.200 Menschen unterschrieben worden ist. Darin wird ein Moratorium für die Ausweitung von Palmöl-Plantagen gefordert.

„Wir werden von hohen Schulden, sowohl bei Agumil Philippines, Inc. als auch bei der Land Bank stranguliert. Die Bank enthält uns unsere Landtitel als Sicherheit vor“, klagt Welly Mandi von CALG, einer jüngst gegründeten Koalition gegen Landgrabbing.

Bank drückt sich um Verantwortung

„Bisher haben wir nichts gesehen als den blanken Versuch der Bank, sich vor der Verantwortung für die zerstörerischen Folgen der Palmöl-Plantagen in unserer Provinz zu drücken“, meint der Vorsitzende von CALG, Motalib Kemil: „Die Bank sollte Pläne vorlegen, wie sie die Lebensgrundlage der Gemeinschaften wiederherstellt, die durch von der Bank finanzierte Palmöl-Projekte betroffen sind. Außerdem sollte sie aufhören, weitere unverantwortliche Agrarfirmen zu unterstützen.“

ALDAW (Ancestral Land/Domain Watch), die führende Organisation im Kampf gegen Palmöl, ist sicher, dass die Verdrängung von Grundnahrungsmitteln und einheimischen Kokospalmen durch Ölpalmen die Lebensgrundlage zukünftiger Generationen gefährdet.

CALAG überwacht die Expansion von Plantagen. Sie hat die Petition für ein Moratorium entscheidend geprägt.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Unesco zu Palawan

An­schreiben

An: Gouverneur von Palawan Jose Chaves Alvarez; Vize-Gouverneur Dennis Socrates

Sehr geehrter Herr Jose Chaves Alvarez,
sehr geehrter Herr Dennis Socrates,

ich schreibe Ihnen, um die folgenden Forderungen von philippinischen Indigenen und Kleinbauern zu unterstützen:

Bitte verhängen Sie unverzüglich ein Moratorium für die Ausweitung von Palmöl-Plantagen in Palawan.

Verhängen Sie Strafen gegen Agumil Philippines, Inc. und andere Palmölfirmen, die offenbar gegen Gesetze und Vorschriften verstoßen haben sollen, insbesondere gegen den Strategic Environmental Plan (R.A. 7611), gegen den Indigenous Peoples’ Rights Act (Republic Act No. 8371) und gegen die Executive Order No. 23 (die landesweit das Fällen von Bäumen in natürlichen Wäldern verbietet).

Stoppen Sie die Anlage und die Pflege von Palmöl-Plantagen auf Flächen, die zu Waldgebieten oder Gemeinschaftsland erklärt wurden.

Sorgen Sie dafür, dass dort angelegte Plantagen beseitigt werden und die entwaldeten Parzellen mit heimischen Arten aufgeforstet werden.

Revidieren Sie die Production Technical Market Agreements (PTMA) und Management Services Agreements (MSAs), die offenbar auf ungerechte Art und Weise zum Vorteil von Agumil Philippines, Inc. und zum Nachteil der örtlichen Landwirte beschlossen sein sollen.

Stellen Sie sicher, dass Agumil Philippines, Inc. und andere Agrarfirmen einschlägige Gesetze einhalten, um die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten auf den Plantagen zu verbessern.

Mit freundlichen Grüßen

5-Minuten-Info zum Thema: Palmöl

Die Ausgangslage – Regenwald im Tank und auf dem Teller

Mit 66 Millionen Tonnen pro Jahr ist Palmöl das meist produzierte Pflanzenöl. Der niedrige Weltmarktpreis und die von der Industrie geschätzten Verarbeitungseigenschaften haben dazu geführt, dass es inzwischen in jedem zweiten Supermarktprodukt steckt. Neben Fertigpizza, Keksen und Margarine begegnet uns Palmöl auch in Körpercremes, Seifen, Schminke, Kerzen und Waschmitteln.

2016 importierte die EU 6,43 Millionen Tonnen Palmöl aus Indonesien (4,37 Mio. t) und Malaysia (2,06 Mio. t). Auf Deutschland entfielen davon nach Angaben der Bundesregeirung 1,34 Millionen Tonnen (Durchschnitt der Jahre 2013-15). Was kaum einer weiß: In der EU fließt fast die Hälfte des importierten Palmöls in sogenannten Biosprit. Die 2009 beschlossene gesetzliche Beimischungspflicht von Agrosprit in Benzin und Diesel ist eine wichtige Ursache der Regenwaldabholzung.

Inzwischen dehnen sich die Palmölplantagen weltweit auf mehr als 27 Millionen Hektar aus. Auf einer Fläche so groß wie Neuseeland mussten Mensch und Tier bereits den „grünen Wüsten“ weichen.

Die Auswirkungen – Waldverlust, Artentod, Vertreibung, Erderwärmung

In den feucht-warmen Tropen rund um den Äquator findet die Ölpalme optimale Wachstumsbedingungen. In Südostasien, Lateinamerika und Afrika werden Tag um Tag riesige Regenwaldflächen gerodet und abgebrannt, um Platz für die Plantagen zu schaffen. Dabei gelangen große Mengen klimaschädlicher Gase in die Atmosphäre. Indonesien, Hauptproduktionsland von Palmöl, war 2015 zeitweise für mehr Treibhausgasemissionen verantwortlich als die USA. CO2- und Methanemissionen sorgen dafür, dass der aus Palmöl produzierte Biosprit drei mal so klimaschädlich ist wie Treibstoff aus Erdöl.

Doch nicht nur das Klima leidet: Mit den Bäumen verschwinden seltene Tierarten wie Orang-Utan, Borneo-Zwergelefant und Sumatra-Tiger. Kleinbauern und Indigene, die den Wald über Generationen bewohnen und beschützen, werden oft brutal von ihrem Land vertrieben. In Indonesien stehen mehr als 700 Landkonflikte in Zusammenhang mit der Palmölindustrie. Auch auf sogenannten „nachhaltig bewirtschafteten“ oder „Bio“-Plantagen kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen.

Wir Verbraucher bekommen von all dem wenig mit. Unser täglicher Palmölkonsum hat jedoch auch für uns persönlich direkte negative Auswirkungen: In raffiniertem Palmöl sind große Mengen gesundheitsschädlicher Fettsäureester enthalten, die das Erbgut schädigen und Krebs verursachen können.

Die Lösung – Tank-und-Teller-Revolution

Nur noch 70.000 Orang-Utans streifen durch die Wälder Südostasiens. Die EU-Biospritpolitik bringt die Menschenaffen immer weiter an den Rand des Aussterbens. Um unseren baumbewohnenden Verwandten zu helfen, müssen wir den Druck auf die Politik erhöhen. Doch auch im Alltag lässt sich viel bewegen.

Diese einfachen Tipps helfen, Palmöl zu erkennen, zu meiden und zu bekämpfen:

  1. Selbst kochen, selbst entscheiden: Mandel-Kokos-Birnen-Kekse? Kartoffel-Rosmarin-Pizza? Frische Zutaten, gemixt mit ein bisschen Fantasie, stellen jedes (palmölhaltige) Fertigprodukt in den Schatten. Zum Kochen und Backen eignen sich europäische Öle aus Sonnenblumen, Oliven, Raps oder Leinsamen.
  2. Kleingedrucktes lesen: Auf Lebensmittelpackungen muss seit Dezember 2014 angegeben werden, wenn ein Produkt Palmöl enthält. In Kosmetik-, Putz- und Waschmitteln versteckt sich der Regenwaldfresser hingegen hinter einer Vielzahl chemischer Fachbegriffe. Per Internetrecherche lassen sich leicht palmölfreie Alternativen finden.
  3. Der Kunde ist König: Welche palmölfreien Produkte bieten Sie an? Wieso verwenden Sie keine heimischen Öle? Nachfragen beim Verkaufspersonal und Briefe an die Produkthersteller lassen Firmen um die Akzeptanz ihrer Produkte bangen. Der öffentliche Druck und das gestiegene Problembewusstsein haben schon einige Produzenten zum Verzicht auf Palmöl bewegt.
  4. Petitionen und Politikerbefragungen: Online-Protestaktionen üben Druck auf die Politiker aus, die für Biosprit und Palmölimporte verantwortlich sind. Haben Sie bereits alle Petitionen von Rettet den Regenwald unterschrieben? Auf abgeordnetenwatch.de kann jeder die Bundestagsabgeordneten mit den Folgen der Biospritpolitik konfrontieren.
  5. Laut werden: Demonstrationen und kreative Straßenaktionen machen den Protest für Menschen und Medien sichtbar. Dadurch wird der Druck auf die politischen Entscheidungsträger noch größer.
  6. Öffentlich statt Auto: Wenn möglich zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen.
  7. Wissen und Wissen weitergeben: Wirtschaft, Handel und Politik wollen uns glauben machen, Biosprit sei klimafreundlich und Palmölplantagen könnten nachhaltig sein. Regenwald.org informiert über die Folgen des Palmölanbaus. Der kostenlose Regenwald Report kann an Freunde weitergegeben oder in Schulen, Arztpraxen und Bioläden ausgelegt werden.
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