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RegenwaldReport 01/1995

MALAYSIA:„Vollständig abbaubar" - Der Regenwald verschwindet für Persil

„Es ist noch nicht lange her, da waren wir, sehr glücklich. Unser Fisch war sauber. Unser Fleisch war rein. Unsere Art im Wald zu leben war sehr in Ordnung. Jetzt haben wir große Probleme. Unser Land wird zerstört."

„Der Minister sagt, es sei alles Lüge. Aber es ist wahr, wir wollen diese Plantagen nicht. Weil das Land unsere einzige Überlebensquelle ist. Wenn Ihr uns das Land wegnehmt, werden wir sterben." Die Iban in den Distrikten Sibu und Kanowit, West-Malaysia, haben Pech gehabt. Ihr Land ist für das Plantagenprojekt „SALCRA" vorgesehen. „Land-Entwicklungsprogramme" werden die Massnahmen in Malaysia genannt. Im Klartext bedeutet das: Riesige Waldgebiete werden kahlgeschlagen, um dort Palmölplantagen zu errichten. Ureinwohner, die sich weigern, ihr Land zu verlassen, werden einfach verhaftet. „So umweltverträglich wie noch nie. Mit der neuen Kraft von Plantaren." So oder ähnlich klingen die neuen Werbespots des Waschmittelherstellers Henkel. „Nachwachsende Rohstoffe" lautet das neue Zauberwort. Für die Waschmittelherstellung heisst dieser Rohstoff Palmöl. Der Konzern Henkel verbraucht jährlich 900.000 Tonnen Fette und Öle (davon 44% tierische und 56% pflanzliche) zur Herstellung von Waschmitteln. Hauptlieferant ist Malaysia, mit 66% des Welt-Palmölexports eines der wichtigsten Palmölerzeugenden Länder. 15% der Öle bezieht Henkel von den Philippinen. Von hier zieht sich der Konzern jedoch zunehmend zurück, Malaysia scheint der rentablere Partner zu sein. Gegenüber den kleinbäuerlichen Strukturen der philippinischen Kokosindustrie wird in Malaysia hauptsächlich Intensivanbau auf Grossplantagen betrieben, was die Produktionskosten erheblich senkt. „Ganz natürlich" „Unsere Rohstofflieferanten wachsen ganz natürlich nach", informiert uns Henkel in grossen Anzeigen. Tatsächlich stammt das Palmöl aus gigantischen pestizidverseuchten Monokulturen. Ein Drittel der nutzbaren Fläche Malaysias, rund 1,7 Millionen Hektar, ist bereits mit Palmen bepflanzt. Bis zum Jahr 2000 sollen die Plantagen auf 2,55 Millionen Hektar erweitert werden, die kostbaren Regenwälder mit all ihrer Vielfalt werden rigoros beseitigt. Mit Hilfe von Klonen aus anderen Erdteilen werden Hochertragssorten gezüchtet. Massenproduktion nach EU-Vorbild. Bei Henkel jedoch will man davon nichts wissen. „Wir nehmen hierfür weder der Dritten Welt Nahrung vom Tisch, noch ist deswegen der tropische Regenwald gefährdet." Gern beruft man sich auf die für Malaysia so „wichtigen Deviseneinnahmen". „Ganz natürlich" - was dahinter steckt, berichten malaysische Plantagenarbeiter: „Wir spritzen in der Plantage Gramoxone mit dem Wirkstoff Paraquat. Ich verdiene sieben Mark am Tag. Wir kriegen Schutzkleidung, aber die ist völlig ungeeignet. Man schwitzt darin so sehr, dass man die Pumpe nicht mehr halten kann". Paraquat gehört zu den zwölf giftigsten Wirkstoffen der Welt - in vielen Ländern ist er bereits verboten. Die Arbeiterin Letchumi hat völlig verätzte Hände. „Wir hatten keine Ahnung, dass das für uns schädlich ist", erzählt sie in einem Radio-Interview. Die Journalisten Peter Ohlendorf und Sigrid Faltin haben sich vor Ort ein Bild gemacht: „Wir entdeckten Spritzmittel, die im Freien gelagert wurden. Kinder spielten gleich daneben. Laut Welt- Gesundheitsorganisation (WHO) ist das streng verboten."

Offene Wunden

Hierfür fühlt sich Henkel nicht zuständig, der Konzern bleibt dabei, „dass wir als Importeure auf die Arbeitsbedingungen auf den Plantagen keinen Einfluss haben". Für die Arbeiter und Arbeiterinnen klingt das wie der blanke Hohn. „Ich leide unter Juckreiz. Die Hände, die Arme, die Beine sind alle infiziert worden. Ich habe auch offene Wunden. Und wenn ich zu den Chefs gehe, dann sagen die: das macht nichts". Weitere häufige Folgen für die ArbeiterInnen: Vergiftungen, Erblindungen, Fehlgeburten. Medizinische Versorgung gibt es auf den Plantagen in der Regel keine. Bei der Bekämpfung der Schädlinge ist man grosszügiger: Rund ein Drittel der Produktionskosten fliessen in die chemische Behandlung der Pflanzen mit Pestiziden und Düngemitteln. Bei der Verteilung der Arbeit geht es hierarchisch zu: Die „hoch bezahlten" Jobs führen fast ausschliesslich Chinesen aus, darunter rangieren die Malayen. Die schwersten und am schlechtesten bezahlten Arbeiten verrichten Inder, die in der Kolonialzeit ins Land geholt worden waren. Die Arbeiter werden nach Leistung bezahlt, oft arbeiten daher Kinder und Frauen mit, ohne jedoch dafür entlohnt zu werden. Viele würden die Plantagen gern verlassen, doch ihre Perspektiven auf ein besseres Leben sind so düster, dass sie am Ende doch bleiben. Von den Plantagen gelangen die Früchte in die Ölmühlen, wo - wiederum unter Zusatz giftiger Chemikalien - das Öl bis zum letzten Tropfen herausgepresst wird. Peter Ohlendorf berichtet: „Immer wieder werden Ölmühlen dabei erwischt, wie sie ihre giftigen Abwässer in die Flüsse leiten." Malaysische Umweltschützer schlagen Alarm, zahlreiche Fischer haben bereits ihre Lebensgrundlage verloren. Umweltschützer Gurmith Singh plagen noch andere Sorgen: „Meine Hauptsorge ist, dass es zu einem Verlust der Artenvielfalt kommt. Was werden wir in zehn Jahren auf diesem Boden noch anbauen können?" Wenn die Palmölindustrie den Umweltanforderungen nicht nachkommt, wird das langfristige Folgen für das Ökosystem haben; für das Grundwasser und für die Gesundheit der Menschen. Henkel wäscht weiter „in Unschuld". Lars Windauer, Susanne Breitkopf Geschäftsführung Henkel KG aA 40191 Düsseldorf