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Nigeria: Autoreifen statt Regenwald

Michelin pflanzt in Nigeria Kautschukplantagen - ohne Rücksicht auf Verluste

„Okomu" heisst der letzte grosse Regenwald in Nigeria. Seit 1912 steht Okomu unter Schutz. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass der kostbare Wald gefeit ist gegen seine Angreifer. „Es gibt hier einen enormen Druck auf den Wald", sagt ein Forstexperte der „Nigerian Conservation Foundation" (NCF). Die Umweltorganisation setzt sich für den Erhalt des Schutzgebietes ein und erarbeitet alternative Nutzungspläne. Den Konzern Michelin stört das freilich nicht. Für den grössten Reifenhersteller der Welt ist Südnigeria „möglicherweise das weltweit ertragreichste Gebiet für Kautschukplantagen." 1981 übernahm Michelin eine Kautschukplantage ausserhalb des Reservates. Doch die steigende Nachfrage der Industriestaaten will bedient werden, wo mehr Autos produziert werden, müssen auch mehr Reifen her. 1991 wurden weitere Flächen innerhalb des Reservates für die Plantagenwirtschaft gepachtet. Als Michelin 1993 begann, den Okomu-Regenwald kahl zu schlagen und abzubrennen, schlugen die lokalen Protestwellen so hoch, dass der Konzern Ende 93 die Aktion vorläufig einstellte und zusagte, einen Teil des Waldes in Ruhe zu lassen. Die übrigen Blöcke freilich sollten bereits 1994 wieder für den Kahlschlag freigegeben werden. „Was uns Sorge bereitet. Michelin dient den nationalen Firmen als Vorbild. Die werden es ihnen gleichtun", so der Forstexperte von NCF. Die Organisation hat in einer Studie berechnet, dass ein „naturbelassener Wald einen wesentlich höheren wirtschaftlichen Wert hat als die Kautschukplantagen. Der soziale und kulturelle Wert der Wälder sei unschätzbar hoch und unmöglich zu berechnen. Michelin dagegen sieht in den Kautschukplantagen „nur Vorteile". „Wir bringen Arbeit, Bildung, Elektrizität". Selbst der WWF ist strikt gegen das Vorgehen des Reifenherstellers. Die nigerianische Regierung, nicht gerade berühmt für umweltfreundliche Politik, erliess jüngst ein Edikt, dass in Schutzgebieten keine Plantagen mehr angelegt werden dürfen. „Es darf nicht zur Regel werden, dass geschützte Wälder für Plantagen zerstört werden." , so die Meinung der Umweltgruppen. Rettet den Regenwald hat bei Michelin gegen das Verhalten in Nigeria protestiert. Eine Stellungnahme des Konzerns lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor.