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Forest Stewardship Council (FSC)

Eine internationale Zertifizierungsinitiative soll weltweit geltende Prinzipien für "gute Waldwirschaft" durchsetzen und dem Verbraucher beim Holzkauf ein gutes Gewissen garantieren - egal ob Eiche oder Bongossi, Kiefer oder Meranti. Schöne Idee.

„Dieses Holz kommt aus Plantagen" oder „Garantiert kontrollierte Forstwirtschaft" steht auf grünen Aufklebern. In fast jedem Kaufhaus oder Möbelgeschäft sind solche Etiketten zu finden. Vom Frühstücksbrettchen bis zum Gartenstuhl, alles soll der Kunde mit gutem Gewissen kaufen können. Doch genauer nachfragen darf man nicht. Will man wissen, wo denn nun genau die Plantage liegt oder wer sie bewirtschaftet, muss der Verkäufer passen. Jetzt haben Umweltverbände, Gewerkschaften und Wirtschaft gemeinsam ein Zertifikat für Forstwirtschaft entwickelt. Es soll weltweit gelten und erhebt den Anspruch, Holz aus umwelt- und sozialverträglicher Forstwirtschaft zu kennzeichnen. Es soll die selbst gemachten Aufkleber und Kennzeichen des Holzhandels verdrängen. Zu diesem Zweck haben sich Umweltgruppen, Unternehmen und Einzelpersonen im „Forest Stewardship Council" (FSC) zusammengeschlossen. Es wurden zehn Prinzipien und Kriterien (P&C) als allgemeine Richtlinien für eine umwelt- und sozial gerechte Forstwirtschaft ausgearbeitet (siehe Kasten Seite 3). In den einzelnen Ländern sollen diese Richtlinien von Arbeitsgruppen konkretisiert werden. Der FSC besteht aus inzwischen über 160 Mitgliedern, darunter Greenpeace, Friends of the Earth, dem Internationalen Bund der Waldarbeiter. Im Frühjahr 1966 wurde auch Rettet den Regenwald Mitglied, um bei der Gestaltung des FSC mitzuwirken. Der WWF ist mit 14 Ländergruppen vertreten. Auf der anderen Seite beteiligen sich Wirtschaftsunternehmen wie B&Q (grösste Baumarktkette in England) und Ikea. Die Mitglieder treffen sich alle drei Jahre zu einer Mitgliederversammlung. Sie wählen einen Aufsichtsrat, der sich aus neun Personen zusammensetzt. Die alltägliche Arbeit wird von dem Exekutivdirektor Dr. Tim Synnott und einer Reihe von Mitarbeitern in der Geschäftsstelle des FSC in Oaxaca, Mexico geleistet. Der FSC stellt selbst keine Zertifikate aus. Seine Aufgabe ist es, hierfür Organisationen zu „akkreditieren" und darüber zu wachen, dass die Prinzipien und Kriterien eingehalten werden. Nur wer vom FSC offiziell als Zertifizierer anerkannt ist, darf unter dem FSCNamen Zertifikate ausstellen. Die Aufgabe der Zertifizierer ist einerseits die Einhaltung der P+C und anderer Grundsätze in den Wäldern zu garantieren. Zum anderen müssen sie auch den Handelsweg der Produkte vom Wald zum Verbraucher überwachen. Richtig in Schwung kam der FSC Mitte 1995 mit der Akkreditierung der ersten vier Zertifizierer, der gemeinnützigen Soil Association, der Rainforest Alliance und zweier kommerzieller Unternehmen, Scientific Certification Systems (SCS) und SGS-Qualifor. Letztere ist Teil des Schweizer Kontrollkonzerns Societe Generale de Surveillance (SGS) mit weltweit über 35 000 Mitarbeitern in 130 Ländern. Inzwischen sind rund 2,7 Millionen Hektar Wald und Plantagen unter dem FSC-Dach zertifiziert Im FSC sind völlig gegensätzliche Interessen zusammengefasst. Auf der einen Seite die Wirtschaftsunternehmen, die gern schnell viele Zertifikate haben wollen, damit die Kunden gern und viel Holz mit gutem Gewissen kaufen. Auf der anderen Seite Gewerkschaften oder soziale Gruppen, die sich um das Wohlergehen von Waldarbeitern oder Waldvölkern sorgen. Und schliesslich die Umweltgruppen, die den Schutz und eine verantwortliche Nutzung der Wälder anstreben. Sehr wichtig ist, welchen Einfluss die einzelnen Gruppen auf die alltägliche Arbeit und die Grundsatzentscheidungen des FSC haben. Seine Glaubwürdigkeit erhält der FSC durch die Unterstützung der sozialen und Umweltgruppen. Bei der Gründung im Jahre 1993 wurde der FSC in zwei Abteilungen eingeteilt, die Wirtschaftsabteilung mit 25 Prozent der Stimmen und die Umwelt- und Menschenrechtsgruppen mit 75 Prozent der Stimmen. Diese Machtverteilung wurde im Jahre 1996 geändert. Jetzt gibt es drei Abteilungen, die wirtschaftliche, soziale und die Umwelt-Abteilung mit je einem Drittel der Stimmen. Kompliziert wird das Ganze durch die grosse Vielfalt der Wälder und der sozialen und wirtschaftlichen Probleme. Ein deutscher Forst und ein afrikanischer Regenwald haben ökologisch und von den sozialen Problemen her nicht viel gemeinsam. Deshalb ist bei der Wahl des Aufsichtsrats ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Vertretern aus Nord und Süd vorgeschrieben.

Die Prinzipien des Forest Stewardship Council

1. Einhaltung der Gesetze und FSC Kriterien Die Waldbewirtschaftung erfolgt im Rahmen aller nationalen Gesetze und internationalen Verträge und Abkommen, welche das Land unterzeichnet hat. Alle FSC Prinzipien und Kriterien sind zu erfüllen. 2. Besitzansprüche, Landnutzungsrechte und Verantwortlichkeiten Langfristige Besitzansprüche und Nutzungsrechte an Land- und Waldressourcen sind klar zu definieren, dokumentieren und rechtlich zu verankern. 3. Rechte indigener Bevölkerung Festgeschriebene und Gewohnheitsrechte der indigenen und anderen Volksgruppen sind hinsichtlich Besitz, Nutzung und Bewirtschaftung von Land, Territorien und Ressourcen anzuerkennen und zu respektieren. 4. Gemeinschaftliche Beziehungen und Rechte der Arbeitnehmer Die Waldbewirtschaftung soll das soziale und wirtschaftliche Wohlergehen der im Wald Beschäftigten und der lokalen Gemeinschaften langfristig erhalten und vergrössern. 5. Nutzen aus dem Wald Die Waldbewirtschaftung soll die effiziente Nutzung der vielfältigen Produkte und Dienstleistungen des Waldes fördern, um ökonomische Existenzfähigkeit und eine breite Palette ökologischer und sozialer Vorteile zu sichern. 6. Auswirkungen auf die Umwelt Die Waldbewirtschaftung soll die biologische Vielfalt und die damit verbundenen Werte, die Wasserressourcen, die Böden sowie einmalige und empfindliche Ökosysteme und Landschaften erhalten und dadurch die ökologischen Funktionen und die Unversehrtheit des Waldes erhalten. 7. Bewirtschaftungspläne Ein dem Umfang und der Intensität der geplanten Massnahmen angepasster Bewirtschaftungsplan ist zu erstellen, umzusetzen und laufend nachzuführen. Die langfristigen Bewirtschaftungsziele und die Mittel zu deren Verwirklichung sollen klar festgelegt sein. 8. Überwachung und Beurteilung Eine dem Umfang und der Intensität der Waldbewirtschaftung angemessene Kontrolle soll den Waldzustand, die Erträge der Waldprodukte, die Handels- und Verarbeitungskette, die Bewirtschaftungstätigkeiten sowie deren soziale und ökologische Auswirkungen beurteilen. 9. Erhalt natürlicher Wälder Primärwälder, naturnahe Sekundärwälder und Orte von grosser Bedeutung für die Umwelt, das soziale Leben und die Kultur sind zu erhalten. Solche Gebiete sind nicht durch Plantagen oder andere Landnutzungsformen zu ersetzen. 10. Plantagen Plantagen sind in Übereinstimmung mit den Prinzipien und Kriterien 1-9 und dem Prinzip 10 sowie seinen Kriterien zu planen und zu bewirtschaften. Derartige Plantagen können und sollen Naturwälder und das umgebende Ökosystem ergänzen, gemeinschaftlichen Nutzen erbringen und zur Deckung der Bedürfnisse der Welt an Waldprodukten beitragen.