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Aus Angst verheimlicht

WWF-Studie über Korruption in der Holzindustrie wurde erst zurück gehalten und später verwässert

Ausgerechnet die Umweltorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) hat gemeinsam mit der Europäischen Commission (EC) eine brisante Studie über die Zerstörung von Tropenwäldern durch Multinationale Holzkonzerne fast drei Jahre lang geheim gehalten.

Thema der Untersuchung waren die rasant steigenden Investitionen asiatischer Holzkonzerne in Afrika, der Karibik und im Pazifik, die dort die Waldzerstörung dramatisch beschleunigen.

Die vom WWF und dem Washingtoner World Resources Institute (WA durchgeführte Studie belegt, dass als Folge des neuen Trends verstärkter Raubbau an den Wäldern betrieben wird, die Rechte indigener Völker verletzt werden und Korruption zum Geschäft gehört.

Die beiden Autoren sind Dr. Nigel Sizer vom WRI und Dominiek Plouvier, ein Forstexperte und WWFMitarbeiter. Die beiden waren über die Ergebnisse ihrer Untersuchung so bestürzt, dass sie für elf untersuchte Länder ein Moratorium für jegliche Investitionen in den Holzeinschlag empfahlen, darunter Kamerun, Gabun, Kongo (Brazzaville), Surinam und Papua Neuguinea. Dieses sollte solange gelten, bis die Korruptionsskandale aufgeklärt und Umweltstandards durchgesetzt seien.

In der Untersuchung werden auch Firmen namentlich genannt, die sich mit Bestechung und Einschüchterung häufig illegal Zugang zu Regenwaldgebieten verschafft hätten.

Gleichzeitig wird eine detaillierte Aufstellung geliefert, welche Konzerne in welchen Ländern Holzausbeute betreiben. Insgesamt sind weit über einhundert Firmen namentlich erwähnt.

Die Studie beschuldigt zudem die Weltbank und den Internationalen Währungsfond, sie würden Länder zwingen, ihre Wälder für schnelles Geld auszubeuten, um Schulden bei den westlichen Staaten bezahlen zu können. Japan, die EU, Frankreich, Deutschland, Grossbritannien, die USA und die Weltbank als Hauptgeldgeber für die Tropenländer würden versagen, wenn es darum gehe, Waldschutz einzufordern.

Eine erste Fassung der Studie mit dem Vermerk „streng vertraulich", die Rettet den Regenwald vorliegt, wurde 1997 abgeschlossen. Statt unverzüglich Konsequenzen aus den alarmierenden Recherchen zu ziehen, verlangte der Geldgeber des Berichtes, die EC, die Namen beschuldigter Firmen zu streichen. Obwohl der Bericht unverzügliche Maßnahmen gegen den zunehmenden Raubbau in den untersuchten Ländern fordert, hielten EC und WWF das brisante Material zurück, weil sie nach eigenen Angaben Klagen asiatischer Konzerne und Regierung fürchteten, die laut Bericht in korrupte Praktiken verwickelt sind. Ein EC-Insider versichert dagegen, die EU-Länder hätten Ärger auf dem diplomatischen Parkett gescheut, insbesondere mit Malaysia und Indonesien.

Im Sommer 1999 schliesslich genehmigte die EC die Publikation einer entschärften Fassung, die Veröffentlichung wurde aber vom WWF blockiert. Der britische GUARDIAN berichtet, die Organisation hätte befürchtet, dass einige kritisierte Länder, wie etwa Malaysia, die lokalen WWF-Büros schliessen würden. Eine nochmals abgeschwächte Fassung der Studie wurde schliesslich im Juni 2000 veröffentlicht.

Der entscheidende Unterschied zwischen den beiden Versionen liegt in der Streichung von Konzernnamen, die in der ursprünglichen Fassung enthalten waren. Zusätzlich wurde die veröffentlichte Studie gegenüber der ursprünglichen Version an vielen Stellen geringfügig verändert, offenbar stets mit dem Ziel, politisch brisante Punkte zu entschärfen.

Doch selbst die verwässerte Version ist noch eine schallende Ohrfeige für fast alle, die in Sachen Tropenholz aktiv sind: Konzerne, Geldgeber wie die Weltbank und die Regierungen der holzimportierenden und der -exportierenden Länder.

In beiden Versionen wird betont, dass rund 80 Prozent der neuen asiatischen Investitionen in Afrika, der Karibik und dem Pazifik aus Malaysia stammen. Die ursprüngliche Fassung übt vor allem an dem malaysischen Konzern Rimbunan Hijau scharfe Kritik. Er hinterlasse die fragwürdigste Spur in Bezug auf ökologische und soziale Verantwortung.

Obwohl die Investitionen aus Asien in den untersuchten Ländern seit Jahren steigen, erinnern beide Versionen der Studie daran, dass europäische Konzerne im afrikanischen Holzhandel weiter eine dominierende Rolle spielen.

Die neuen Investitionen konzentrieren sich auf Länder mit schwachen Umwelt- und Sozialgesetzen. In den meisten der untersuchten Länder werden die Entscheidungen von einer kleinen Elite einflussreicher Personen gefällt oder von Clans im Regierungsapparat, die die Primärwälder als kurzfristige Quelle zur persönlichen Bereicherung ansehen. „Öffentliches Bewusstsein für die Situation des Waldes zu erzeugen ist eine Grundvoraussetzung für die Bewältigung der Waldkrise." So jedenfalls heisst es in der WWF-Selbstdarstellung im Internet. Warum verschweigt der WWF dann einen Teil seiner Recherchen? Rettet den Regenwald fordert, die Waldzerstörer beim Namen zu nennen und veröffentlicht Auszüge der ursprünglichen WWF-Studie, die gestrichen wurden. So fehlt etwa die Forderung „nach Gesundheitsversorgung und Arbeitsschutz und dem Recht der (Holz)Arbeiter, sich in freien und unabhängigen Gewerkschaften zu organisieren".

Weitere Textbeispiele, die die Öffentlichkeit nicht erfahren sollte:

• Länder, wie etwa Surinam, profitieren nicht von den Investitionen... Es gibt auch gut dokumentierte Fälle von Bestechung von leitenden Beamten durch die Investoren, um Einschlagsrechte zu bekommen, so wie es am deutlichsten in Papua Neuguinea zu sehen ist.

• Japanische Konzerne waren in Steuerhinterziehung in Papua Neuguinea verwickelt. Andere Probleme waren die Nichteinhaltung der kompletten Umweltauflagen. Zudem sollen. Landbesitzer um ihre Gewinne betrogen worden sein...

• Japan scheint auch Ziel für geschmuggeltes Holz von den Philippinen und möglicherweise Indonesien gewesen zu sein.

• Malaysische Konzerne, die in Übersee aktiv sind, waren in einer Reihe von Kontroversen verstrickt. Auf den Salomon Inseln etwa wurde die Lizenz der malaysischen Firma Kumpulan Emas widerrufen als Folge ständiger Verstösse gegen die Lizenz....

• Es gibt Berichte, dass sieben Ministern (von den Salomon Inseln) Bestechungsgelder von malaysischen Firmen gezahlt wurden. Über malaysische Konzerne wird zudem behauptet, „sie hätten in Indonesien illegal eingeschlagen und die Stämme nach Malaysia geschmuggelt.

• Es gibt verschiedene Beschwerden über die negativen Auswirkungen der Aktivitäten koreanischer Holzkonzerne im Ausland. Auf den Salomon Inseln musste 1993 Hyundai Kommunen Schadensersatz für illegal geschlagene Bäume und Umweltschäden zahlen...

• Auf den Salomon Inseln wurde gegen die Holzausbeute von Eagon Resources Ltd. eine gerichtliche Verfügung bewirkt...

• Firmen aus Hong Kong haben sich am Holzschmuggel aus mindestens drei Ländern beteiligt, den Philippinen, Malaysia und Papua Neuguinea.

• 1995 wurde in Kamerun ein neues Forstgesetz verabschiedet. In einer dreijährigen Übergangsphase war die Situation vor Ort total konfus... Alte Lizenzen wurden illegal erneuert.

Eine Stellungnahme des WWF und ein ausführlicher Vergleich der beiden Versionen kann bei Rettet den Regenwald bestellt werden.

Die komplette ursprüngliche Studie im englischen Original steht auf der homepage von Rettet den Regenwald:

www.regenwald.org

Der Regenwald Report befragte Nigel Sizer, einer der beiden Autoren der Tropenholz-Studie:

RR: Was sagen Sie dazu, dass die Studie von der EC und dem WWF fast drei Jahre lang zurück gehalten wurde?

Sizer: Wir hätten eine frühere Veröffentlichung viel lieber gesehen. Wir glauben aber, dass die meisten Informationen aus dem Bericht noch relevant sind und dass seine Veröffentlichung jetzt immer noch wertvoll ist.

RR: Was sagen sie dazu, dass die erste Version entschärft wurde?

Sizer: Wir stehen dazu, dass die Informationen aus der ersten Fassung korrekt sind. Wir glauben, dass die EC einen Fehler gemacht hat, als sie die Streichung der Namen verlangte. Anwälte haben uns damals bestätigt, es bestehe nur ein minimales Risiko, dass es zu Klagen kommen könnte. Wir möchten betonen, dass die erste Fassung des Reports, die wir der EC vorgelegt haben, präzise mit den Vorgaben übereinstimmte, die uns gemacht worden sind.

RR: Haben die Regenwälder zusätzlichen Schaden dadurch genommen, dass die Studie zurück gehalten wurde und Namen entfernt wurden?

Sizer: Das kann man mit absoluter Sicherheit unmöglich sagen. Wir glauben aber, dass es ausserordentlich hilfreich gewesen wäre, eine klare und gut-dokumentierte Untersuchung zu veröffentlichen, die die malaysische Vorreiterrolle bei der Ausbreitung des Holzhandels in den tropischen Regenwäldern deutlich hervorhebt. Es hat den Regenwäldern sicher nicht geholfen, dass diese Information unterdrückt wurde.

RR: Welche Abteilung bei der EC war Ihr Auftraggeber?

Sizer: Direktorat General VIII, dort waren besonders die Herren Friedrich Hamburger und Amos Tinkani daran beteiligt, die Veröffentlichung des Reports zurück zu halten.