zurück zur Übersicht

Rettet den Regenwald: Vierzehn Jahre unbequem

Tropenholz-Kampagnen

Sommer 86: Ein paar Mitglieder von Rettet den Regenwald (RdR) spüren in Hamburg Tropenholz auf - in öffentlichen Bauten, Geschäften und Baumärkten. Es ist der Auftakt einer jetzt 14jährigen Kampagne gegen Tropenholzverbrauch. Erste Boykottaufrufe an Kommunen und Umweltminister der Länder bringen gute Erfolge und RdR wird Teil einer bundesweiten Bewegung. In Hamburg protestieren RdR-Sympathisanten beim Holzhandelstag, in Köln auf der Möbelmesse und suchen damit auch den direkten Kontakt zum Endverbraucher. Ein paar Jahre später sind Politiker und Konsumenten bestens über die Tropenholz- Problematik informiert. Ein Grund: Seit Ende der 80er bis Anfang der 90er erfährt RdR so ziemlich alles, was die Tropenholzbranche plant. Fünf Jahre lang hat RdR - freilich unbeabsichtigt - Zugriff auf interne Protokolle, Strategiepapiere und Korrespondenz der Branche. Die brisanten Unterlagen machen eines deutlich: Den Tropenholzhändlern geht es allein um eine Begrenzung des Imageschadens, nicht um einen Schutz der Wälder, die sie ausbeuten. Deswegen fordert RdR damals weiter vehement einen Tropenholzboykott, bis die Unternehmen den Nachweis erbringen, dass sie nachhaltige Erntemethoden entwickelt haben. Eine Forderung, die nicht mehr beinhaltet, als dass diejenigen, die die Natur plündern durch Konsumentendruck zur Umkehr bei ihren Praktiken im Forst gezwungen werden müssen. Das Engagement von RdR bleibt nicht ohne juristische Folgen. Mitte der 90er verklagt Hinrich Stoll, Chef des Bremer Holzkonzerns Feldmeyer, den Verein. Stoll, selbsternannter Wortführer der deutschen Tropenholzhändler, war verärgert, weil RdR aus einem heiklen Papier zitiert hatte. Darin kam ein Forstexperte unter anderem zu dem Schluss, Feldmeyer habe auf seinen Konzessionen illegal eingeschlagen. Stoll legte dem Gericht eine Bescheinigung der kongolesischen Regierung vor, dem sei nicht so. Natürlich darf RdR nicht behaupten, es sei ein gekaufter Nachweis. Behaupten dürfen wir aber, dass zahlreiche Studien belegen, wie sehr gerade im afrikanischen Holzgeschäft Korruption an der Tagesordnung ist. Kaum hatte Stoll den Prozess gegen RdR gewonnen, da drohte ihm neues Ungemach. RdR kam in den Besitz einer unveröffentlichten Studie, die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) in Auftrag gegeben worden war. Untersucht hatten die Autoren just jene Stoll-Konzession, die dieser stets als ökologisches und soziales Musterbeispiel angepriesen hatte. Die Studie indes hatte das genau Gegenteil herausgearbeitet. Dank RdR berichtete unter anderem DIE ZEIT über den Vorfall - und Stolls Image war erneut angeschlagen. In den vergangenen fünf Jahren kamen im Rahmen der Kampagne neue Schwerpunkte hinzu. RdR unterstützte den Schweizer Tierfotografen Karl Amman. Dessen Bilder aus dem afrikanischen Regenwald von abgeschlachteten Menschenaffen gingen um die Welt und belegten eine dramatische Zunahme der Wilderei als Folge des Holzeinschlages. Jäger nutzen die von den Konzernen gebauten Straßen, um in die entlegensten Winkel der Wälder zu gelangen. Nicht selten werden sie dabei von den Holzfirmen unterstützt. Holz aus ordentlicher umweltfreundlicher Waldwirtschaft muss gefördert werden - das meint auch Rettet den Regenwald und so arbeitete RdR intensiv beim Forest Stewardship Council (FSC) mit, der weltweit Zertifikate für gute Waldwirtschaft vergibt. Nur mit aufwendigen Recherchen vor Ort gelang es RdR, ein solches Zertifikat für die naturzerstörenden Abholzungen der deutschen Firma Glunz/Isoroy in Gabun (Afrika) zu verhindern. Auch konnten RdR und andere Umweltorganisationen mehrmals Betrügereien mit gefälschten Zertifikaten des FSC aufspüren und die Firmen zur Rechenschaft ziehen. Nicht verhindern konnte RdR, dass der FSC den wirtschaftlichen Interessen des Holzhandels immer mehr Gewicht einräumte. Nun hat die einflussreichste Umweltorganisation im FSC, der WWF, seine eigene Studie über Tropenholz auf Druck von Wirtschaftsinteressen verwässert und unterdrückt. Eine glaubwürdige Kontrolle des FSC ist gegen die vereinigten Interessen von Wirtschaft und WWF nicht durchsetzbar, die unabhängige Zertifizierung gescheitert. RdR hat die Konsequenz gezogen und ist aus dem FSC ausgetreten.