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Weltbank auf dem Holzweg

Die Probleme im Kongo sollen mit neuen Forstgesetzen gelöst werden. Das Modell ist schon in Kamerun gescheitert.

In der Demokratischen Republik Kongo (DRC, früher Zaire) liegt die Holzwirtschaft nach viereinhalb Jahren Bürgerkrieg am Boden. Das größte Land Afrikas, das noch etwa 135 Millionen Hektar Regenwald beherbergt, produziert im Jahr nur 80.000 Kubikmeter Holz. Nachdem 2002 ein Friedensabkommen zwischen den Bürgerkriegsparteien im Kongo geschlossen wurde, scheinen nun die Aussichten für die Holzwirtschaft glänzend. Die Weltbank schätzt, dass das Land bis zu 10 Millionen Kubikmeter pro Jahr exportieren könnte.

„Die DRC könnte der größte Holzproduzent Afrikas werden!“ schwärmt Weltbankexperte Laurent Debroux. Er hat seit März 2002 sechs mal im Auftrag der Weltbank den Zustand und die mögliche Entwicklung des Holzsektors im Kongo untersucht. Debroux fand ein riesiges Potenzial an Rohstoffen, dieses müsse vom Land genutzt werden. Die Weltbank will mit Krediten helfen – einzige Voraussetzung: die kongolesische Regierung soll ein neues Forstgesetz schaffen, das die Vergabe der Konzessionen und die Steuereinnahmen regelt. „Jetzt“, schreibt Debroux, „verdient die Regierung jedes Jahr 5.381 Dollar an der Holzsteuer. Diese könnte 60 bis 300 Millionen Dollar im Jahr betragen, wenn die Holzkonzessionen in offenen Auktionen versteigert würden, politische Stabilität und eine erneuerte Infrastruktur vorausgesetzt.“

In den Weltbank-Überlegungen steckt ein entscheidender Fehler. Die Forstwirtschaft hat in Zentralafrika noch nie zur echten Entwicklung eines Landes, nämlich der Armutsbekämpfung, beigetragen. Trotzdem stellt sich die Weltbank nicht die nahe liegendste Frage: Was nützt der Bevölkerung am meisten? Die Antwort würde lauten: Die Geberländer mit ihrem geplante 2,5 Milliarden Dollar Hilfsprogramm müssten das Land dazu bewegen, den Wald weitgehend in Ruhe zu lassen. Denn die Abholzung bringt den Einheimischen nichts, wie das Beispiel Kamerun zeigt. Dort hat die Weltbank ihre Politik der „neuen Forstgesetzgebung“ schon ausprobiert. 1994 wurde es unter starkem Druck der Weltbank beschlossen.

Heute ist das Land zwar größter afrikanischer Holzexporteur, doch mindestens 50 Prozent der verkauften Ware wird illegal eingeschlagen und etwa 90 Prozent der ursprünglichen Primärwälder sind bereits zerstört oder stark degradiert. Das die Weltbank-Politik der „neuen Forstgesetzgebung“ nicht den betroffenen Menschen nützt, belegt auch eine aktuelle Studie zur Regenwaldzerstörung im Kongobecken. Dort heißt es: „Selbst dort, wo die existierenden Gesetze teilweise angemessen sind, sind die Regierungen entweder unfähig oder nicht gewillt, für die Einhaltung der Gesetze zu sorgen.“

Zudem wird in der Studie belegt, dass in Zentralafrika „wichtigen europäischen Holzkonzernen erlaubt wurde, weiter illegal einzuschlagen, ohne dafür von den Regierungen belangt zu werden.“ Die Erkenntnis deckt einen zweiten, schweren Fehler in der Weltbank-Sichtweise auf. Danach geht es der Regierung vor allem um immer höhere Steuereinnahmen aus dem Holzgeschäft. Das genau interessiert die Machthaber im Kongo am allerwenigsten. In dem Staat der Vetternwirtschaft werden Holz und andere Rohstoffe benutzt, um die politischen Freunde und die eigene Familie zu bereichern. Steuern, mit denen Schulen und Krankenhäuser gebaut werden könnten, sind für die Regierung bei allen Überlegungen am unwichtigsten.

Das muss auch Debroux eingestehen. Bevor der Weltbank Experte im Kongo eintraf, hatte die Regierung schon unter der Hand 40 Millionen Hektar Wald an politische Freunde vergeben. „Das Land verliert dadurch über die nächsten 25 Jahre jährliche Steuereinnahmen von 40 bis 240 Millionen Dollar“ schreibt Debroux. Die Weltbank versucht also im Kongo ein neues Forstgesetz durchzusetzen – und wenn es dies irgendwann gibt, wird man es nicht anwenden können, weil schon der ganze Wald aufgeteilt ist.