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Ökotourismus statt Bergbau

Im Regenwald von Ecuador, genauer in den Bergregenwäldern von Intag, sind Touristen willkommen, um sich an den Wundern der Wälder zu erfreuen

Vor 70 Jahren zogen Siedler in die nordwestlich der Hauptstadt Quito gelegenen Bergregenwälder im Intag. Sie ahnten nicht, dass sie ihre Bauerhöfe über dem größten Kupfervorkommen Ecuadors anlegten. Das Kupfer wurde viele Jahre später im Toisan-Gebirge entdeckt. Die Entdeckung veränderte das Leben der 500 Familien im Gebiet. Internationale BergbaukonIntagzerne wollen sie vertreiben, um das Kupfer auszubeuten. Doch die Bauern wehren sich mit Erfolg. Zurzeit versucht die kanadische Firma Ascendant Exploration an die 2,3 Millionen Tonnen Kupfer heranzukommen. Die Bauern und Sperrgrundstücke im Bergregenwald verwehren der Firma den Zugang. Seit die Bauern 1997 den japanischen Bergbaukonzern Bishimetal aus dem Intag vertrieben haben, wurden mit Spendengeldern von Rettet den Regenwald und Hilfe der lokalen Umweltgruppe Decoin Bergregennwälder über dem Kupfervorkommen gekauft. Die Wälder wurden an die Dörfer übertragen und zu Schutzgebieten erklärt. Die sind seit 1999 auf über 3.000 Hektar angewachsen. In dem gebirgigen Gelände benötigt man drei bis vier Tage, um die Waldreserve zu umrunden.

Die Wälder haben eine immer wichtigere Bedeutung für die Dorfbewohner erlangt. Zusammen mit der ebenfalls mit Spendengeldern von Rettet den Regenwald errichteten Touristenunterkunft im Wald über dem Dorf Junin haben sie 40 Einwohnern neue Einkommensquellen geschaffen. Sie bewirten die Ökotouristen und Aktivisten aus aller Welt, die immer zahlreicher zu Besuch kommen. Auch eine Regenwald Report-Leserin hat im November Junin besucht. Wer länger bleiben will, kann als Freiwilliger vor Ort mitarbeiten und die Einwohner im Kampf gegen Ascendant Exploration unterstützen. Die Initiative ermöglicht es den Jugendlichen, im Dorf zu bleiben und hilft den Frauen, ihr eigenes Einkommen und Unabhängigkeit zu erreichen.

Die Einwohner haben sich über die Jahre zu erfahrenen UmweltaktivistenInnen entwickelt. Nun tauschen sie ihre Erfahrungen mit anderen Gruppen in Lateinamerika und dem Rest der Welt aus. Zurzeit sind Bauersfrauen aus dem Intag zusammen mit Silvia Quilumbango, der Präsidentin von Decoin, in Peru zum Erfahrungsaustausch und zur Stärkung der dortigen Frauenorganisationen. Unser alter Freund Carlos Zorrilla von Decoin ist gerade von einer Vortragsreihe an wichtigen Universitäten in den USA zurückgekommen. Nun ist er schon auf dem Weg nach Brasilien, wo er sich mit lokalen Umweltgruppen trifft.

Letzte Waldkäufe

Im August hat das Dorf Chalguayaco Alto direkt angrenzend an den Wald von Junin ein 265 Hektar großes Bergregenwaldstück gekauft. Die Unterstützer von Rettet den Regenwald haben das durch ihre Spenden ermöglicht. Demnächst soll ein benachbartes etwa 250 Hektar großes Bergwaldstück dazugekauft werden.

Ein besonderer Kauf war eine ein Hektar große Fläche im Dorf Junin. Sie ermöglicht es der Frauengruppe, Maniok und Bananen anzupflanzen und in Mehl weiterzuverarbeiten. Das Kleinprojekt wurde von den Frauen geplant. Darüber hinaus hat Rettet den Regenwald mit kleineren Beträgen beigetragen, dass Antibergbau-Workshops im Intag durchgeführt und rechtliche Schritte eingeleitet werden. „Unser Traum ist, dass er eines Tages zum Nationalpark erklärt wird“ sagt Edmundo Lucero, Ökoreiseleiter vom Dorf Junin.

Es geht weiter ...

Auch das Nachbardorf La Loma konnte die bereits gekaufte Waldreserve vergrößern. Direkt angrenzend an den Schutzwald von Junin sollen mit Unterstützung von Decoin und Rettet den Regenwald 120 Hektar Primärwald dazugekauft werden. Auf diese Weise entsteht langsam eine Reihe von Waldreserven entlang des Toisan-Gebirges, die die Bergbaufirmen stoppen sollen. Die Jugendgruppe vom Dorf versucht wie in Junin, eine Tourismusinitiative zu gründen.

Währenddessen versucht der Bergbaukonzern Ascendant Exploration seit Monaten, weiteres Kapital für das Bergbauprojekt im Intag zu bekommen. Der Konzern will sich an der Börse im kanadischen Toronto als Aktiengesellschaft eintragen lassen. Decoin hat dagegen bei der Börsenaufsicht in Toronto protestiert und über die Machenschaften der Firma und die dadurch im Intag verursachten Probleme informiert. Mittels einer Briefkampagne haben Menschen aus aller Welt bei der Börsenaufsicht protestiert. Eine endgültige Entscheidung der Börse in Kanada steht noch aus.

Guadalupe Rodriguez

Ökotourismus im Bergregenwald von Junin in Ecuador

Natur pur, Stunden entfernt von der nächsten Stadt. Vier Zimmer stehen für Touristen zur Verfügung. Kosten: 25 US-Dollar/Person pro Tag inklusive Unterkunft, drei Mahlzeiten und Touristenführer. Weiter werden geboten:

• Geführte Wanderungen durch die Bergregen- und -nebelwälder

• Baden in den Flüssen und Wasserfällen

• Pferdeausritte

• Besuch von Kaffee- und Zuckerrohr- pflanzungen sowie Schnapsdestille

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Projekts ist es, Solidarität mit den Dorfbewohnern zu zeigen und sie beim Kampf gegen den Bergbau zu unterstützen.

Weitere Informationen unter:

http://www.decoin.orghttp://skytruth.mediatools.org/objects/view.acs?object_id=7104http://www.intagnewspaper.org/

Kontakt: über Rettet den Regenwald E-Mail: reise@regenwald.org