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Die Kartenschreiber

Feri Irawan, Partner von Rettet den Regenwald, hat den perfekten Plan: Anhand von beglaubigten Karten soll der traditionelle Gemeindewald der Dörfer dokumentiert werden. Jede illegale Abholzung, jeder Landraub wird so erfolgreich zur Anzeige gebracht.

Feri Irawan hält für die An­klagen jede Urwaldzerstörung fest – hier zeigt er den betroffenen Waldbewohnern bei Bungku die AufnahmenFeri Irawan hält für die An­klagen jede Urwaldzerstörung fest – hier zeigt er den
betroffenen Waldbewohnern bei Bungku die Aufnahmen

Das weiße Papier hat das Format einer mittleren Tischplatte. Feri Irawan breitet es so sorgfältig aus, als handle es sich um eine Schatzkarte. Das Dorf Bungku ist dort eingezeichnet und in der Nähe eine schraffierte Fläche: Kawasan Hutan – Waldgebiet, 7200 Hektar groß. „Dies war ein geschützter Wald“, erklärt Feri. „Er gehörte den Bauernfamilien von Bungku; sie haben ihn seit vielen Generationen genutzt, von ihm gelebt und ihn bewahrt. Vor fünf Jahren hat der Wilmar-Konzern damit begonnen, die Bäume abzuholzen.“

Dann zeigt Feri Irawan, was dieses Papier tatsächlich zu einer Schatzkarte macht: Es trägt am Rand Stempel und Unterschrift des Bürgermeisters, der Forstbehörde – und des Managers der Wilmar-Tochter PT Asiatic Persada. Damit ist offiziell bestätigt, dass der Konzern den geschützen Wald der Bewohner von Bungku abholzen ließ.

Wir treffen Feri Irawan in seiner Heimat Jambi im Herzen der Insel Sumatra. Feri ist Aktivist für Menschenrechte und Naturschutz und Partner von Rettet den Regenwald. Es ist erst ein Jahr vergangen, seit er uns von seiner revolutionären Idee erzählte: „Wir bilden amtlich anerkannte Kartographen aus, die den Land- und Waldbesitz der Gemeinden anhand der überlieferten Urkunden prüfen, vermessen und mit den Daten Landkarten erstellen. Mit diesen amtlich beglaubigten Dokumenten können selbst die Palmölkonzerne den Besitzanspruch der Bevölkerung nicht mehr ohne weiteres mit Füßen treten.“

Wilmar-Manager wurde anhand einer Landkarte überführt

Mit Spendengeldern von Rettet den Regenwald konnten inzwischen zwei Kartographen ausgebildet, GPSGeräte und Computer angeschafft werden. Sieben Dorfgemeinden besitzen bis heute Karten über das Land, das schon ihre Ahnen ernährte. „Wir haben mit den Gebieten begonnen, in denen es die größten Konflikte gibt zwischen den Menschen und den Palmölkonzernen“, sagt Feri Irawan. „Im Fall von Bungku ist es uns zum ersten Mal gelungen, anhand einer von uns erstellten Karte den malaysischen Manager eines der größten Palmölkonzerne der Welt vor Gericht zu bringen – Wilmar International. Wenn er in einen dreckigen indonesischen Knast muss, wird das abschreckend genug sein für seine Kollegen.“

Wir begleiten Feri Irawan nach Bungku, um die Tragödie, die der Wilmar-Konzern dort zu verantworten hat, von den Menschen selbst zu erfahren. Und sehen verzweifelte Frauen, die nicht mehr wissen, wie sie ihre Kinder ernähren sollen. Denn Wilmar ließ ihre Männer verhaften, weil sie Palmölfrüchte von einer Plantage geerntet hatten. „Es war unser Land“, sagt Maryamah und beginnt zu weinen. „Das ist auf der Landkarte und den Urkunden deutlich zu erkennen.“ Seit dem 23. Juli sitzen 16 Bauern aus Bungku im Gefängnis. Seitdem herrscht bei ihren Familien große Not, denn der Kautschukhandel, der einen großen Teil des Einkommens ausmacht, ist Männersache.

Feri Irawan hat nicht nur den Wilmar-Manager verklagt, sondern auch für eine interne Polizeiermittlung gesorgt gegen die Polizisten, die die 16 Bauern gewaltsam verhaftet haben. Für sie hat er gute Anwälte engagiert, doch je länger sich ihre Gefangenschaft hinzieht, desto mutloser werden sie. Immer wieder schärft Feri ihnen ein: Wir sind keine Opfer, wir sind freie Bauern!

Der Konzern Sinar Mas wurde erfolgreich in die Flucht geschlagen

Feri Irawan wird auch in Bungku Erfolg haben, wenn er mit Bauern um Recht und Gerechtigkeit kämpft. Davon hat er Rettet den Regenwald während der langjährigen Zusammenarbeit überzeugt. So wie in diesem Sommer in seinem Heimatdorf Karang Mendapo. Der Bürgermeister Muhammad Rusdi war zu Beginn 2009 wegen angeblichen Betrugs verhaftet worden – der Papier- und Palmölkonzern Sinar Mas hatte ihn denunziert, um ihn mundtot zu machen. Rusdi war der kluge Kopf hinter dem Kampf gegen die menschen- und umweltverachtenden Machenschaften des Konzerns, der den Bauern von Karang Mendapo den Wald abgeholzt hat – und nicht nur ihnen. Der Bürgermeister wurde in erster Instanz zu zehn Monaten Haft verurteilt – das bedeutete Amtsverbot auf Lebenszeit. Rusdis Anwälte gingen in die Revision und erreichten nun einen glatten Freispruch. Auch sie wurden von Feri Irawan mit Spendengeldern engagiert.

„Wir haben damit Sinar Mas erfolgreich in die Flucht geschlagen. Die Bauern von Karang Mendapo sind jetzt wieder die freien Bauern, die sie immer waren – das Land, das Sinar Mas ihnen gestohlen hat, gehört endgültig ihnen.“

Die Palmölfrüchte werden noch geerntet und verkauft, doch hier und da kehrt jetzt der Wald auf die verwilderten Plantagen zurück. Der Regenwaldkämpfer ist sich sicher, dass der Sieg der Bauern über die großen Palmölkonzerne in seiner Heimat Indonesien nicht mehr aufzuhalten ist.

Wenn Sie die Arbeit von Feri ­Irawan unterstützen wollen: Stichwort „Sumatra“