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Die Welt sorgt sich um die Koalas

Australiens beliebte Beuteltiere sind in Gefahr: Die Holzindustrie zerstört ihre Lebensräume für Plantagen – dort werden sie von Erntemaschinen verletzt oder getötet. Wir haben einen dringenden Appell an die Regierung verfasst und 82.000 Unterschriften von besorgten Menschen aus vielen Ländern erhalten

Koalas brauchen zum Überleben intakte Wälder mit verschiedenen Eukalyptusarten.
Die Rodungen für Plantagenmachen es ihnen immer schwerer, sich zu ernähren – nur
noch ca. 4,5 % der australischen Wälder sind unberührt.

Dröhnend ruckelt die schwere Holzernte-maschine durch die Eukalyptusplantage. Mit einem Greifarm packt der Fahrer die Stämme, eine daran montierte Motorsäge trennt blitzschnell die Bäume ab. Noch im Fall wirbeln sie durch einen Fräskopf, in dem rotierende Stahlmesser die Äste vom Stamm reißen.

In wenigen Sekunden macht die Maschine aus einem lebenden Baum industriegerechtes Rohmaterial, fertig aufgestapelt für den Abtransport. Unermüdlich arbeitet sich das Ungetüm durch die endlosen Reihen der Eukalyptus-Plantagen; etwa tausend Bäume fallen pro Tag, einer nach dem anderen.

Immer wieder werden auch Koalas Opfer dieser Erntemaschinen. Die langsamen Tiere können nicht fliehen und halten sich bis zum Schluss an den Bäumen fest. Da ihre Lebensräume, die australischen Urwälder, rasant schwinden, leben viele Koalas notgedrungen in den Eukalyptusplantagen. Vor ein paar Wochen haben Holzarbeiter das australische Fernsehen alarmiert: Anonym, denn sie fürchten um ihre Jobs. Aber sie wollen nicht länger tatenlos zusehen, wie die Tiere grausam sterben oder verwundet werden.

„Wie oft passiert das?“, fragt der Reporter den Plantagenar- beiter. „Manchmal alle paar Stunden, manchmal nur einer am Tag. Und die verletzten Tiere bleiben hier draußen“, antwortet der Mann. Sie werden einfach zum Sterben liegen gelassen.

„Die Tiere haben gebrochene Gliedmaßen, offene Fleisch- wunden, Brüche der Wirbelsäule, abgetrennte Arme“, erklärt die Wildtierschützerin Tracey Wilson. In Pflegestationen wer- den einige der verwundeten Koalas verarztet und betreut – die Plantagengesellschaften selbst rufen allerdings selten die Helfer. Sie reagieren nicht und schweigen. Die Bilder der toten und verletzten Koalas sollen nicht mit ihnen in Verbindung gebracht werden, das würde einen öffentlichen Aufschrei verursachen.

Ihre Maschinen töten Koalas. Trotzdem erhalten die Holzfirmen das FSC-Siegel

Stattdessen verweisen die Betreiber auf das Label des Bonner Forest Stewardship Council (FSC). Seit 2006 tragen die lebensfeindlichen Industrieplantagen dessen Zertifikat für „verantwortungsvolle Waldwirtschaft“. Der Tod der geschützten Tiere spiele bei dem Millionengeschäft der Firma Australian Blue Gum Plantations keine Rolle, so der Fernsehreporter. Sie gehört dem US-amerikanischen Hedgefonds Global Forest Partners LP, insgesamt sind es 90.000 Hektar Eukalyptusplantagen.

Nur noch etwa 50.000 bis 100.000 der plüschigen Sympathieträger leben in ganz Australien, aufgeteilt in drei lokale Unterarten. Verschärfend kommt hinzu, dass die Koala-Bestände in Victoria und South Australia bisher von der australischen Regierung nicht als bedroht eingestuft wurden.

So müssen die Koalas weiter sterben, zu Dutzenden täglich, die genauen Zahlen kennt niemand. „Sehr viele Koalas werden getötet. Das ist ein riesiges Problem, um das sich die Australier kümmern sollten“, erklärt Tracey Wilson. Die Holzindustrie, aber auch die Landwirtschaft, Bergbaukonzerne, ausufernde Siedlungen – sie alle roden unaufhörlich die Lebensräume der Koalas. Auch die Abholzung der Naturwälder hat der FSC als nachhaltig zertifiziert, das Holzsiegel taugt für jedes Geschäft.

Umweltschützer der Organisation Friends of the Earth Australia werden unsere Petition mit den Unterschriften an die Umweltminister der zuständigen Bundesstaaten übergeben – damit sie die Koalas und die Wälder gesetzlich schützen.

WAS SIE TUN KÖNNEN

Wir sammeln weiter Unterschriften. Bitten Sie die australische Regierung, die Koalas und ihre Lebenräume streng zu schützen:

Australische Botschaft
Herrn Peter Tesch, Botschafter
Wallstraße 76–79, 10179 Berlin
Tel: 030 88 00 88 0
Fax: 030 88 00 88 210
E-Mail: info.berlin@dfat.gov.au

Für den Schutz der Koalas und der australischen ­Urwälder bitten wir um Ihre Spende.